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25 Years after - Mein Leben mit der CD; Folge 73: AC/DC - Highway to Hell

Der April 1992 war laut meines damaligen Kalenders recht frei von besonderen Ereignissen. Zumindest haben sie sich offenkundig nicht in Terminen niedergeschlagen, die im Kalender vermerkt sind. Einem Problem hatte ich mich allerdings zu stellen. Wie in der letzten Kolumne im März zu lesen war, hatte ich in der Gemeinde den Auftrag bekommen „mir das alles [d.h. die laufende Jugendarbeit; NvF] mal an[zu]sehen, mit der in den Mutterschutz gehenden Sozialarbeiterin [zu] sprechen und dann sähe man weiter.“

Die besagte Jugendmitarbeiterin war bereits Anfang/Mitte Februar in den Mutterschaftsurlaub gegangen. Ich konnte aber erst zum März anfangen. In den dazwischen liegenden Wochen hatte sich die Situation im Jugendkeller grundlegend gewandelt. Der Jugendkeller bestand primär aus einem zentralen großen freundlichen Raum, kein düsteres Kellerloch, gut ausgebaut mit Theke, Schrankwand und einem Billardtisch. Dort hielten sich die Jugendlichen hauptsächlich auf. In einem Nebenraum bot die Jugendmitarbeiterin Aktivitäten, wie z.B. Seidenmalerei an. Und wie das in solchen Einrichtungen häufig ist, hatte sich ein Publikum entwickelt, das zu ihr und ihren Angeboten passte – überwiegend Mädchen. Die aber waren wohl (Ich habe sie kaum noch kennen gelernt.) alle schon in dem Alter, in dem man die Jugendarbeit langsam wieder verlässt. Der Wechsel der Jugendmitarbeiterin trug sicher dazu bei, diesen Abschied zu beschleunigen.

Etwa drei Wochen war der Keller ohne Betreuung. Der Diakon schloss ihn um 15 Uhr auf und um 18 Uhr wieder ab, ohne sich weiter um ihn zu kümmern. Das führte dazu, dass verstärkt Jugendliche in den Keller kamen, die die Jugendmitarbeiterin immer wieder raus geschmissen hatte, weil sie die laufende Arbeit störten. Und diese Jugendlichen - zum Teil (Ex)Konfirmanden - hatten, nachdem sie gemerkt hatten, dass der Keller sozusagen sturmfreie Bude war, weitere Freunde mitgebracht. Als ich das erste Mal in den Keller kam, standen dort friedlich Billard spielend und rauchend ein gutes Dutzend Jugendliche herum - etwa die Hälfte von ihnen mit extremem Kurzhaarschnitt, weißen T-Shirts, Bomberjacke und Springerstiefeln. Es war das erste Mal, dass mir eindeutig rechtsextreme Jugendliche so direkt gegenüberstanden. Die Anwesenheit dieses Klientels dürfte einer der Hauptgründe gewesen sein, dass die Reste der „alten“ Jugendlichen den Keller endgültig verließen. Das wurde mir natürlich erst mit der Zeit klar, da ich zu Beginn gar nicht unterscheiden konnte, wer hier „alt“ und wer „neu“ war.

Ich habe den Auftrag „mir das alles anzusehen … und dann weiter zu sehen“ ernst genommen und mich entschlossen diese Jugendlichen nicht raus zu schmeißen, sondern sie ernst zu nehmen und mit ihnen zu arbeiten. Ich habe ein Konzept für den Gemeindekirchenrat geschrieben, das dort auch sehr wohlwollend aufgenommen wurde. Mir war dabei nicht bewusst, dass die Pfarrerin der Gemeinde mit der Anstellung eines Theologen als Vertretung für die Jugendmitarbeiterin ein klares Programm verbunden hatte. Die war nämlich keine Religions-, sondern Sozialpädagogin und fühlte sich nicht in der Lage das von der Pfarrerin erwünschte Bibelkreis- und Jugendgottesdienst-Programm aufzubauen. Das sollte wohl ich machen. Die Jugendmitarbeiterin hätte dann nach ihrer Rückkehr damit umgehen müssen. Das war mir aber so deutlich nie gesagt worden. Also bin ich bei der Konzeptionierung von den jetzt anwesenden Jugendlichen ausgegangen und da hatten Jugendbibelkreise genauso wenig Platz, wie Seidenmalerei.

Mit anderen Worten: Ich begann ganz kreativ und engagiert etwas zu gestalten, was auf mittlere Sicht zu massivsten Konflikten mit besagter Pfarrerin führen sollte. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

CD-mäßig war in diesem Monat wenig los – vor allem Singles, ein Sampler und reichlich Backkatalog-Material. Aktuell war neben der Single-Auskopplung „Different World“ vom schlechtesten Uriah Heep-Album ever, nur das Album Vol. 3 von den Traveling Wilburys am Start, das aber erst vor wenigen Wochen im Rahmen der Traveling Wilburys Collection besprochen worden ist. Also habe ich die Band genommen, die in diesem April gleich mit zwei Alben neu in meiner Sammlung auftauchte: AC/DC mit ihrem wohl wichtigsten Album Highway to Hell.

Norbert von Fransecky


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