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Reviews

Neal Morse

Testimony


Info

Musikrichtung: Progressive

VÖ: 22.09.2003

(InsideOut / SPV)

Gesamtspielzeit: 124:56

Internet:

www.nealmorse.com

Morse hat mit Testimony nicht nur eine der besten Prog-Scheiben des Jahres abgeliefert, sondern eines der musikalisch stimmigsten Konzeptalben überhaupt. Selten ist es einem Rockmusiker so überzeugend gelungen, Text und Musik zu einer geschlossene Einheit zu verzahnen. Während man häufig das Gefühl hat, dass die Konzepte mit Gewalt auf unverbundene Einzelteile gezwungen werden, kann man die emotionalen Höhen und Tiefen von Neals Suche (nach gott, s.u.) in und mit Hilfe der Musik nachvollziehen.

Testimony macht einen sehr reifen Eindruck. Ein Musiker, der nichts mehr beweisen muss, setzt seine kreativen und instrumentalen Fähigkeiten optimal ein, um das darzustellen, was er sagen möchte. Hier gibt es weder Virtuositätsexzesse um ihrer selbst Willen, noch scheut sich Morse „verpönte“ Formen einzusetzen (Country, Kitsch), wo sie seinem Zweck dienlich sind.
Grandios. Neben The Tangent und Magellan meine Prog-Scheibe des Jahres.

Dennoch: Wenige Scheiben haben in der letzten Zeit schon vor der Veröffentlichung derartige Auseinandersetzungen hervorgerufen, wie das erste Soloalbum von Neal Morse nach der Trennung von Spock’s Beard. Und der Streit bezog sich nur am Rande auf die Frage, ob er oder seine Ex-Band mit ihrer neuen Scheibe die Nase vorn hat. (Eine Frage, die ich klar zugunsten von Neal Morse beantworte.) Stein des Anstoßes war der Inhalt des Konzeptalbums, in dem Morse seine geistliche Entwicklung der letzten 20 Jahre beschreibt, die ihn zum bekennenden Christen gemacht hat - und letztlich auch zur Trennung von Spock’s Beard führte.

Wir lernen dabei einen Musiker kennen, der das Buisness in seinen Höhen und Tiefen erlebt, innerlich aber leer und kalt bleibt. Die Frage nach Gott taucht auf (Teil 1). Aber auch seine eigene Entscheidung den Schritt auf Gott zu zumachen, bleibt Stückwerk. (Teil 2) Erst als er praktisch aufgegeben hat, führt ihn der Weg zu einer alten Freundin (heute seine Frau), die ihn mit in eine Pfingstkirche in Nashville nimmt, wo ihn der Geist Gottes in die Arme schließt. (Teil 3) Ein Zuckerschlecken wird das Leben dennoch nicht. Beruflich und im Verhältnis zu seiner Familie gibt es erst einmal Probleme. Er erlebt die Bekehrung nicht als einmaligen Akt, sondern als Prozess des Wachstums. Aber sein Mut sich Gott anzuvertrauen wächst. Mit der Band geht es aufwärts. (Hier sind natürlich Spock’s Beard gemeint, deren Erfolgszeit bereits vollständig in die Zeit des Christen Morse fällt.) Das Ende der CD (Teil 5) gerät dann zur Jubelarie auf Gott.
Vor allem am letzten Teil wurde Kritik geübt. Er sei zu flach, zu süßlich, zu pathetisch. Ein Stück Wahrheit steckt darin. “Oh, to feel him“ wandert teilweise wirklich über die Grenze des Kitsches hinaus. Aber, wie Morse selber sagt: „Wenn ich von der Liebe Gottes singe, I don’t feel like doing something very aggressive.“ (Das vollständige Interview lest ihr in der Januar-Nummer.) Und wer die von Beethovens Ode an die Freude inspirierte dritte Overtüre und das folgende gloriose “Rejoice“ platt nennt, muss taub vor Vorurteilen sein.

Die erste CD wurde auch von den Kritiker wesentlich freundlicher behandelt. Kein Wunder. Es ist die erste Hälfte einer der stärksten Prog-Scheiben des Jahres
“California Nights“ die einleitende Beschreibung der Leere im scheinbar glänzenden Rockstar- Leben erinnert stark an den Eagles-Überhit ”Hotel Califiornia”. Nach einem an Kansas erinnernden Interludium kommt einer der heftigsten Songs der Scheibe (” Prince of Power in the Air/ Promises”). Ein phantastischer rhythmischer Refrain, teilweise hymnenhaft gesungen wechselt sich mit spanischen angehauchten akustischen Gitarren ab. Eine tolle Hookline und sicher eines der Highlights des Albums. Das sinnlose Vergehen der Zeit (“Wasted Life“) wird wieder mit bekannten Klängen beschrieben. Hier scheinen Pink Floyd und Dark side of the Moon (“Time“, „Us and them“) Pate gestanden zu haben.
“The Prince of the Power in the Air“ ist das Stück, das sich den grandiosen Höhenflüge von Spock’s Beard und Transatlantic am stärksten annähert - mit wunderbaren fast purpelesken Keyboard-Stitches.

Auf der zweiten CD werden viele Motive der ersten Scheibe wieder aufgenommen und verarbeitet, so wie Morse sein altes Leben neu verarbeiten muss. Ganz neue Töne kommen auf, als er das erste Mal in den Gesang der Gemeinde in Nashville einstimmt (“ Sing it high“). Wandelt er hier tatsächlich auf den Pfaden der in den USA recht populären christlichen Liedermachern wie Garth Hewitt oder Mark Heard?? Rockig und countryesk geht es im Galopp auf der akustischen Gitarre durch die heilien Halle. Wenn Country so gespielt wird, dann ....



Norbert von Fransecky

Trackliste

CD 1
Part One
1 The Land of Beginning again (3:13)
2 Overture No. 1 (6:00)
3 California Nights (5:49)
4 Colder in the Sun (6:23)
5 Sleeping Jesus (5:34)
6 Interlude (1:58)
7 The Prince of the Power of the Air (2:45)
8 The Promise (2:55)
9 Wasted Life (6:52)

Part Two (31:38)
10 Overture No. 2 (2:33)
11 Break of Day (6:58)
12 Power in the Air (5:06)
13 Somber Days (5:08)
14 Long Story (5:38)
15 It's all I can do (6:27)

CD 2
Part Three (12:06)
1 Transformation (3:03)
2 Ready to try (4:19)
3 Sing it high (4:50)

Part Four (28:19)
4 Moving in my Heart (3:08)
5 I am willing (6:30)
6 In the Middle (2:29)
7 The Storm before the Calm ( 7:33)
8 Oh, to feel him (6:19)
9 God's Theme (2:24)

Part Five (10:33)
10 Overture No. 3 (1:08)
11 Rejoice (2:30)
12 Oh Lord my God (3:56)
13 God's Theme 2 (2:13)
14 The Land of Beginning again (0:57)

Besetzung

Neal Morse
Mike Portnoy (Drums, Dream Theater)
Kerry Livgren (Kansas)
und andere

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger