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Reviews

Händel, G. F. (Jaroussky)

The Handel Album (Opernarien)


Info

Musikrichtung: Barock

VÖ: 06.10.2017

(Erato / Warner Classics / CD / 2017 / Best. Nr. 0190295774455)

Gesamtspielzeit: 71:58

Internet:

Philippe Jaroussky

WIEDERENTDECKT

Ich gestehe: Nachdem im Zuge der Händel-Renaissance in den letzten Jahren jede, aber auch noch wirklich jede seiner Opern wieder ans Licht gezerrt wurde und jedes noch so belanglose Pasticcio zur Aufführung bzw. Weltersteinspielung herhalten musste, hatte ich das Interesse an dieser Musik weitgehend verloren. Dass nun ein gutes Stück der staunenden Begeisterung über Händels Kunstfertigkeit und psychologischen Feinsinn auf einmal wieder da ist, liegt an diesem Recital von Philippe Jaroussky. Der Countertenor ist Händel von Beginn seiner Karriere an besonders verbunden gewesen, hat diesmal aber kein einziges der abgedroschenen Evergreens oder Bravourstückchen ausgewählt. Jaroussky hat vielmehr aus jenen Bühnenwerken, die auch weiterhin eher im Schatten der großen Opern stehen, Arien ausgewählt, die in der kompositorischen Anlage originell sind und der Gestaltungsfähigkeit des Sängers entgegenkommen.

Es überwiegen also die ruhigeren, ausdrucksstarken Arien mit zum Teil raffinierter Instrumentalbegleitung. Sie bieten Jaroussky Raum, für eine innige, binnendifferenzierte Interpretation. Der jeweilige Affekt wird von ihm bis in die kleinsten Schattierungen ausgearbeitet, so dass so manche Arie eine Oper für sich zu werden scheint. Da verwundert es wenig, dass auch die zum Teil vorgeschalteten Rezitative mehr sind, als bloße Hinführungen – sie werden zum aussagekräftigen Monolog von eigenem Wert.

Bei alledem imponiert noch immer Jarousskys langer Atem, der es ihm ermöglicht, die Haltetöne auszureizen und klangfarblich zu veredeln. Bei einem rasanten Stück wie "Rompo i lacci" gelangt der Franzose hingegen mittlerweile an die Grenzen seiner sich verändernden Stimme, die hier ein Übermaß an Schärfe bekommt, wenngleich die Darbietung natürlich noch immer hochvirtuos ist.

Dass das Album mehr ist, als ein bloßes Sängerportrait liegt an dem von Jaroussky selbst gegründeten und geleiteten Orchester Artaserse, das schlank und transparent begleitet, ohne das Spiel zu forcieren. So spiegeln die Musiker Jarousskys Interpretationsansatz ideal, greifen ihn auf und führen ihn auf orchestraler Ebene fort. Die superbe Staffelung des Klangbildes lässt den Hörer hieran ganz unmittelbar teilnehmen und führt im Übrigen dazu, dass der Sänger nahezu „im Wohnzimmer steht“.



Sven Kerkhoff

Trackliste

1. Imeneo, HWV 41, Act 1: "Se potessero i sospir' miei" (Tirinto)
2. Riccardo I, ré d'Inghilterra, HWV 23, Act 1: "Agitato da fiere tempeste" (Riccardo)
3. Siroe, re di Persia, HWV 24, Act 3: "Son stanco, ingiusti Numi ... " (Siroe)
4. Siroe, re di Persia, HWV 24, Act 3: "Deggio morire, o stelle" (Siroe)
5. Serse, HWV 40, Act 2: "Sì, la voglio" (Arsamene)
6. Radamisto, HWV 12, Act 2: "Ombra cara" (Radamisto)
7. Radamisto, HWV 12, Act 3: "Vieni, d'empietà mostro crudele! ... " (Radamisto)
8. Radamisto, HWV 12, Act 3: "Vile! Se mi dai vita" (Radamisto)
9. Radamisto, HWV 12, Act 3: "Qual nave smarrita" (Radamisto)
10. Flavio, re de' Longobardi, HWV 16, Act 2: "Privarmi ancora ... " (Guido)
11. Flavio, re de' Longobardi, HWV 16, Act 2: "Rompo i lacci" (Guido)
12. Amadigi di Gaula, HWV 11, Act 2: "Sussurrate, onde vezzose" (Amadigi)
13. Tolomeo, re d'Egitto, HWV 25, Act 3: "Che più si tarda omai ... " (Tolomeo)
14. Tolomeo, re d'Egitto, HWV 25, Act 3: "Stille amare" (Tolomeo)
15. Giustino, HWV 37, Act 1: "Chi mi chiama alla gloria? ... " (Giustino)
16. Giustino, HWV 37, Act 1: "Se parla al mio cor" (Giustino)
17. Ezio, HWV 29, Act 1: "Pensa a serbarmi, oh cara" (Ezio)
18. Flavio, re de' Longobardi, HWV 16, Act 1: "Son pur felice al fine ... " (Guido)
19. Flavio, re de' Longobardi, HWV 16, Act 1: "Bel contento" (Guido)

Besetzung

Philippe Jaroussky: Countertenor & Ltg.

Artaserse

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