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Reviews

Running Wild

Gates to Purgatory (Vinyl)


Info

Musikrichtung: Teutonen Metal

VÖ: 11.08.2017 (1984)

(Noise / Sanctuary / BMG)

Gesamtspielzeit: 33:06

Internet:

http://www.running-wild.de

Es geht los! Heute, am 11. August 2017, erscheinen die ersten fünf Running wild-Studioalben neu auf LP und CD. In 14 Tagen folgen die Alben sechs bis neun. Wie angekündigt werden wir die Alben im Monatsrhythmus hier besprechen. Zu Beginn das Debüt der Hamburger.

Image und Inhalt
Running wild starten mit einem Paukenschlag. 1984 öffnen sie die Tore der Hölle, die Gates to Purgatory. Und schon im Cover-Artwork wird geklotzt und nicht gekleckert. Alle Requisiten sind vorhanden. Nieten und Leder, Totenschädel, umgedrehte Kreuze, ein Pentagramm, Dämonenfratzen und Frakturschrift.

Und auch die Texte lassen sich nicht lumpen. Man fühlt sich als Opfer des Systems und wehrt sich, indem man sich zum Freund Luzifers erklärt („Victim of States Power“). Voll pubertärer Freude „befreit“ man als Satanskrieger die Welt von der Kirche („Black Demon“) und bekennt sich zur schwarzen Magie („Preacher“). Wie erfahren, dass der Sohn Satans Adrian heißt und die Macht ergreift und dass Black Metal Graffiti Sprayer, für das Recht und die Freiheit kämpfen (müssen), da sie Gefangene ihrer Zeit sind („Prisoner of our Time“. Gut, dass das Keiner ernst nimmt.
Aus dem satanistischen Rahmen fällt nur „Genghis Khan“ mit seinem „historischen“ Text. Aber auch er passt in das Image-Konzept. Der anscheinend brutale Eroberer wird als Befreier des mongolischen Volkes gefeiert, der von der Zeit, in der er lebte, zu dem gemacht wurde, was er war.

Die Musik
Trotz der Texte sind Running wild eindeutig keine Black Metal Band. Mit ihrem kompakten, aggressiv nach vorne treibenden melodischen Metal sind sie so etwas wie die Synthese aus NWOBHM und Thrash. Sie starten mit ihrem Debütalbum – im Vergleich zu späteren Alben – ähnlich wie z.B. Rage oder Blind Guardian roher und ungeschliffener.
Basis ist ein sehr organischer Drummer, der mit gutem Feeling dabei ist und sich nicht auf ein eindimensionales Gehacke einlässt. Dazu kommen treibende Gitarren, die sich mit Soli einmischen, die nie selbstverliebt sind, sondern die Dynamik der Songs betonen.
Neben schnellem Power Metal gibt es auch den einen oder anderen düster schleppenden Titel (z.B. „Preacher“). Echte Ausfälle gibt es keine, auch wenn „Genghis Khan“ nicht so richtig auf den Punkt kommt.
Rock’n’Rolf ist zwar kein Weltklassesänger, besitzt aber eine gute satte Stimme, die auch immer gut auf den Kompositionen liegt. Denn trotz des Anspruchs Inhalte (so kindisch die auch sein mögen) zu transportieren wirken die Vocal Lines nie auf die Musik gezwungen.

Mit anderen Worten: Den Debütanten ist es von Anfang an gelungen, perfekte Metal-Songs zu schreiben. Die Hälfte der Songs stammen dabei in Text und Musik von Rock’n’Rolf selbst. Zwei Stücke verantwortet der Preacher alleine. Bei den beiden Verbleibenden stammt die Musik vom Preacher, der somit die Musik für genau die Hälfte der Stücke geschrieben hat. Bei einem von ihnen ist Rock’n’Rolf alleine für den Text verantwortlich; beim letzten teilen sich die beiden die Lyric-Credits.

Aufmachung und Ausstattung
Ich vermute, dass das LP-Cover ein originalgetreuer Nachdruck des Originals ist. Ich kenne nur die CD, aber die enthält genau dieselben Bestandteile, wenn auch in anderer Anordnung. Das Coverbild wirkt in LP-Größe natürlich besser, als in CD-Bierdeckelgröße. Die Dynamik des Motivs kommt viel besser rüber. Auf der Rückseite befinde sich die Trackliste, das Line up und minimale Basisinformationen.
Die 180g LP hat auf der A-Seite ein Label mit Informationen zu beiden LP-Seiten; auf der Rückseite ist das Band-Logo im Schwarz-weiß-Druck zu sehen. Das Vinyl steckt in einer beidseitig bedruckten ungefütterten Innenhülle aus starkem Papier, bzw. dünnem Karton. Auf der einen Seite befinden sich die Lyrics; auf der anderen ein zum Gesamtauftritt der Band passend klischeehaftes Bandfoto und eine Thanx-List

Fazit
Musikalisch ein fantastisches Debüt!
Der Re-Release kommt ohne jegliche Boni in solider, aber keineswegs üppiger Ausstattung. Wer das Album noch nicht hat, greift endlich zu. Fans, die das Vinyl bereits besitzen und dennoch kaufen, freuen sich über das schwere 180g Vinyl. Ob CD-Besitzer das größere Format brauchen, müssen sie selber entscheiden.



Norbert von Fransecky

Trackliste

Seite 1
1 Victim of State Power (3:36)
2 Black Demon (4:25)
3 Preacher (4:22)
4 Soldiers of Hell (3:23)

Seite 2
5 Diabolic Force (4:58)
6 Adrian SOS (2:49)
7 Genghis Khan (4:11)
8 Prisoner of our Time (5:22)

Besetzung

Rock’n’Rolf (Lead Voc, Git)
Preacher (Git, Voc)
Stephan (B)
Hasche (Dr)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger