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Reviews

Dekadance

Dem deutschen Volke


Info

Musikrichtung: Jazz-Rock / Krautrock

VÖ: 1991

(Zong / Semaphore)

Gesamtspielzeit: 58:58

Internet:

http://www.dekadance.de

Geht das denn? Eine Scheibe als Krautrock zu bezeichnen, die erst 1991 erschienen ist, von einer Band, die 1989 ihre erste Scheibe veröffentlicht hat – und dann auch noch in der DDR.

Ich glaube, das hat seine Berechtigung. Denn die Situation experimenteller Bands in den letzten Jahren der DDR hatte gewisse Parallelen zu der von deutschen Rockbands in der BRD der 70er Jahre. In beiden Fällen standen die Bands neben dem regulären Musikbetrieb und konnten sich daher völlig frei von den Erwartungen den Möglichkeiten und den Rücksichtnamen entwickeln, die „normalen“ Bands Grenzen setzten.

Und – auch das eine Parallele zu manch einer Krautrockband - Dekadance nahmen sich so viel Freiheit, dass sie kaum in ein reguläres Schema zu pressen sind. Der erste Vergleich, der mir einfällt, sind Guru Guru in der Phase um Tango Fango herum, wobei Dekadance deutlich stärkere Verankerungen im Jazz hat und statt den Percussion Instrumenten die Bläser stärker in den Mittelpunkt stellt.

„America“, einer der „normalsten“ Songs des Albums, beginnt fröhlich mit reichlich Spaß in den Backen und zeigt erst einmal, wie ernst sich die Band selber nimmt. Dazu passt der Abdruck der überwiegend „englischen“ Texte, die auf Sinn und Grammatik genauso verzichten, wie darauf nur Worte zu gebrauchen, die es im Englischen wirklich gibt. Gleichzeitig zeigen die jazzigen Soloparts, dass wir es hier mit alles anderem als Dilettanten zu tun haben.

Im Folgenden gibt es eine kleine Hermann van Veen-Karikatur („Gefühle“), heiße Rhythmen („I like Samba“), schräges zappaeskes Solieren („20 Cigarillos“), Stücke, die mit Operngesang enden („Yes, I have“), sanfte Melodien („Coca Cola“) und auch etwas Reggae (die John Lennon-Komposition „What ever gets you through the Night“).

Herrlich wie in „Change“ mit der englischen Sprache gespielt wird, oder im Power Rock „Women back in the Kitchen“ gegen die political correctness verstoßen wird. Eher furchtbar schön ist die Noise Erruoption „Helmut is crying“, eine Art Black Jazz (wobei Black hier kein Bezug zur schwarzen Musik, sondern eher zum Black Metal ist!).

Ein fantastisches Album, bei dem man bei jedem Hören noch eine neue Spielerei, einen neuen Witz findet und das bei aller Schrägheit über weite Strecken musikalisch mitreißend ist.

Klasse!

Auf dekadance.de ist leider zu lesen „Achtung: CD nur noch handgebrannt erhältlich!“. Aber bei amazon gibt es sie z.B. über medimops derzeit für 0,51€ plus 3,00€ Porto. Geld, das richtig gut angelegt ist!



Norbert von Fransecky

Trackliste

1America 6:44
2 Change 5:42
3 Gefühle 0:09
4 I like Samba (US.-Irakische Folklore) 5:09
5 Woman back in the Kitchen! 6:02
6 Yes, I have 5:55
7 Achsschsvillé 4:37
8 What ever gets you through Night 4:36
9 20 Cigarillos 3:50
10 Ein Käfer auf'm Blatt 0:21
11 New York 5:38
12 Helmut is crying (Dem deutschen Volke) 2:50
13 Coca Cola 7:22

Besetzung

Bert Stephan (Voc, Trompete)
Klaus Weichelt (Posaune, Voc <5,12>, Back Voc)
Jens Bürger (Sax, Back Voc)
Hans-Jürgen Noack (Violine, Voc <5>)
Gottfried M. Kaden (Keys, Back Voc)
Tom Götze (B, Tuba, Back Voc)
Dieter Vogel (Dr)

Gäste:
Pascal von Wroblewsky (Back Voc)
Susan Yana (Back Voc)
Marc Dennewitz (Git)
Andy Schmidt (Perc)
Moni (Hausfrauen-Chor <5>)
Sabine (Hausfrauen-Chor <5>)
Katrin (Hausfrauen-Chor <5>)
Sylvia (Hausfrauen-Chor <5>)
Petra (Hausfrauen-Chor <5>)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger