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Reviews

Cold Chisel

The Perfect Crime


Info

Musikrichtung: Rock

VÖ: 02.10.2015

(Cold Chisel / Universal Australia)

Gesamtspielzeit: 58:43

Internet:

http://www.coldchisel.com.au

Wenn Cold Chisel eine neue Platte herausbringen, geht es nicht darum, die Leute von ihrer Qualität zu überzeugen, sondern ihnen zu verklickern, dass es das Ding überhaupt gibt. Die Releases bleiben auf die Länder beschränkt, wo die Band am populärsten ist: Australien und Neuseeland.
Daher musste ich, um über dieses Album schreiben zu können, erst einmal selbst von dessen Existenz erfahren. Fündig wurde ich schließlich in Hongkong!

Cold Chisels achte Studioarbeit The perfect crime sollte vielseitiger, vor allem Rhythm and Blues-orientierter werden als der Vorgänger No Plans von 2012. Hauptsongwriter Don Walker wünschte sich „ein bluesigeres Album ohne Country-Songs”, bei dem sich die übrigen Mitglieder stärker einbringen sollten. Schaut man sich die Credits an, ist das zwar nicht wirklich passiert, denn von den 15 Songs hat der Keyboarder neun im Alleingang verfasst. Das macht aber fast gar nichts, weil der Tausendsassa in seinen Kompositionen gefühlt mehr Pirouetten dreht als jemals zuvor auf einem CC-Longplayer.
Ob dreckiger Blues wie im knarzigen Opener „Alone for you“, das große, intensive „The Mansions", die Cold Chisel-Variante von Swing („The toast of Paris“) oder „simpler“, hemdsärmeliger Rock´n´Roll („The backroom“): Abwechslung wird hier fast eine Stunde lang riesengroß geschrieben. Dazu tragen auch die beiden Bonustracks ihren Teil bei: „Romantic lies“ ist ein romantischer Bar-Blues, das in Midtempo gehaltene „Blue flame“ punktet mit Jimmy Barnes´ cleverster Gesangslinie. Sein Schwiegersohn Ben Rodgers spielt auf dieser Nummer übrigens Rhythmusgitarre.

Der Vielseitigkeit von The perfect crime fügen Walkers Kollegen noch etliche spannende Facetten hinzu. Es mögen insgesamt gesehen nicht so viele sein wie von ihm erhofft, doch sie sind ungeheuer wichtig! „All hell broke Lucy“ und „Long dark road“ haben Barnes und Rodgers zusammen geschrieben. Ersteres erzählt von Bläsern untermalt die Geschichte von Lucretia Dunkley, der ersten Frau, die 1843 in Australien gehängt wurde, weil sie gemeinsam mit ihrem Liebhaber ihren Gatten um die Ecke gebracht hatte. Das bedrohliche „Long dark road“ fesselt mit einer ähnlichen Dramatik wie „The mansions“. Doch trotz ähnlicher Machart und Wirkung lassen sich beide Lieder nicht miteinander vergleichen und auch nur unzureichend beschreiben. Zumindest mein beschränkter Wortschatz reicht dafür nicht aus.
Als mein persönliches Highlight hat sich jedoch „Mexican wedding“ herauskristallisiert. Die Gemeinschaftsarbeit von Walker, Gitarrist Ian Moss und Bassist Phil Small ist schräg-genial und textlich derb-böse. Arriba!
Platz Zwei auf meiner persönlichen Rangliste belegt das soulige „Bus station“, das in seinem herrlich luftigen Refrain doch tatsächlich Disco-Einflüsse verarbeitet! Man ahnt, warum es Don Walkers Lieblingsstück ist...

Wem selbst das nicht farbig genug ist (und der Vollständigkeit halber): Mit dem musikalisch unscheinbaren „Get lucky“ aus der Feder von Phil Small und „Shoot the moon“ (leichtfüßiger Blues mit für die Aufnahme entschärften Lyrics) werden zwei Titel von Moss gesungen, und den Grower „Four in the morning“ sowie den pulsierenden und dabei dennoch eleganten Titelsong „The perfect crime“ hat Walker bereits auf Solo-Platten veröffentlicht.
Bleibt noch „Lost“, ein ungewöhnliches, ruhiges Stück, das auch als Single ausgekoppelt wurde. Hier erklingen Streicher, und Jimmy Barnes´ Tochter Mahalia singt im Hintergrund mit. Beides ist eher unauffällig gemacht, doch gerade diese Zurückhaltung ist das Beste für diese raffiniert arrangierte Nummer.

Unbedingte Empfehlung für jeden Liebhaber handgemachter Rockmusik! Doch Vorsicht: Die Preisunterschiede sind enorm! Erst recht, wenn man sich die Deluxe Edition mit zusätzlicher DVD krallen will. Darauf kann man den Musikern beim Einspielen der Songs über die Schulter schauen. Es fehlen zwar „All hell broke Lucy“, „Four in the morning“ und „The toast of Paris“, aber die meist geteilten Bilder, die es dem Betrachter erlauben, alle Akteure gleichzeitig zu erleben, sind einfach nur faszinierend!



Michael Schübeler

Trackliste

1Alone For You
2 The Backroom
3 All Hell Broke Lucy
4 The Perfect Crime
5 Long Dark Road
6 Four In The Morning
7 The Mansions
8 The Toast Of Paris
9 Shoot The Moon
10 Mexican Wedding
11 Get Lucky
12 Bus Station
13 Lost
14 Romantic Lies
15 Blue Flame

Besetzung

Jimmy Barnes (Voc)
Ian Moss (Git, Voc)
Phil Small (B, Voc)
Don Walker (Piano, Keys, Voc)
Charley Drayton (Dr)

GÄSTE
Paulie Cerra (Sax on 3)
Lee Thornburg (Trumpet and Trombone on 3)
Mahalia Barnes (Backing voc on 13)
Jade McRae (Backing voc on 13)
Juanita Tippins (Backing voc on 13)
Gary Pinto (Backing voc on 13)

So bewerten wir:

00 bis 05 Nicht empfehlenswert
06 bis 10 Mit (großen) Einschränkungen empfehlenswert
11 bis 15 (Hauptsächlich für Fans) empfehlenswert
16 bis 18 Sehr empfehlenswert
19 bis 20 Überflieger