Musik an sich


Editorial

20 Jahre Wiedervereinigung. Dunkel erinnere ich mich noch an dieses überraschende, spektakuläre und einmalige Ereignis, wenngleich ich selbst noch zu jung war, um wirklich die Bedeutung dieses historischen Tages zu verstehen. Zwei Jahrzehnte, die das Gesicht der Welt veränderten, sind mittlerweile vergangen und allen noch immer bestehenden wirtschaftlichen Probleme zum Trotz lässt sich heute glücklicherweise mit Fug und Recht behaupten, dass die Kategorien Ost und West in den Köpfen der meisten jüngeren Leute keine Rolle mehr spielen.

Die gemeinsame populäre Kultur und insbesondere auch die Musik kann hierfür als Ursache und Symptom zugleich betrachtet werden. Von Massenphänomenen wie Tokio Hotel oder Lena waren und sind in den "Neuen" wie "Alten" Bundesländern Millionen von Jugendlichen eingenommen, ohne dass deren Herkunft je eine Rolle gespielt hätte. Und auch insgesamt - dies- wie jenseits des Mainstreams - wirkt die deutsche Musikszene heute lebendig, vielseitig und weltoffen - ob in den Clubs und Kneipen, den großen Hallen und Stadien, an den Musikhochschulen oder mitunter auch in den Charts.

Nun wünsche ich viel Spaß mit der aktuellen Ausgabe, unter anderem mit dem Konzertbericht zum Auftritt von Soul-Legende Eric Burdon in Nürnberg, unseren Interviews mit Annihilator-Frontmann Jeff Waters, der außergewöhnlichen Metal-Band Extramensch, die in ihren Songs deutsche Lyrik verarbeitet, oder den experimentellen Postrockern von The Antikaroshi.

Linus Stubert