Musik an sich


Editorial

Liebe Leser,

um Musik so richtig genießen zu können, muss sie auch einigermaßen laut sein. Das würden zumindest viele so sagen, wenn man sie fragte. Wer Musik mal leiser haben will, wünscht dies meist nur deshalb, weil er die Art der Musik nicht mag oder sich hauptsächlich etwas anderem widmen möchte. Im Normalfall würde jedenfalls niemand eine mit Spannung erwartete neue Platte auf einer der niedrigsten Lautstärkestufen anhören wollen.

Schon erstaunlicher jedoch ist, dass lauter gemasterte CDs sich tatsächlich besser verkaufen - was die Industrie auch bereits vor über 10 Jahren erkannt hat und daher bei Neuproduktionen und Remasterings "beherzigt".

Aber haben CDs denn nicht ein festes Lautstärke-Limit, welches seit den 80er Jahren unverändert geblieben ist? Schon richtig, die Spitzenlautstärke ist noch immer die gleiche, nur die Durchschnittslautstärke wurde extrem angehoben: In modernen Produktionen und Remasterings werden leise Stellen und feine Nuancen durch digitale Kompressionsverfahren fast völlig eliminiert. Viele HiFi- und Musikfreunde klagen seither über die verlorengegangene Dynamik bei den so genannten "hot mastered" CDs. Und dies vielleicht nicht ganz zu Unrecht: Denn lebt, so wie die Malerei nicht ohne Hell und Dunkel auskommt, nicht auch die Musik ganz wesentlich vom Gegensatz zwischen Laut und Leise?

Doch nun wünsche ich viel Spaß beim Lesen der aktuellen Ausgabe!

Linus Stubert