Musik an sich


Editorial

„Ich bin das Eigentum von meinem Eigentum, bin allem hörig, was mir gehört. Ich bin besessen von dem, was ich besitze.“ (aus: “Eigentum“ von Knorkator - Das nächste Album aller Zeiten)

Freudig habe ich dieser Tage diese Zeilen auf dem aktuellen Album von Knorkator vernommen - und die Review zum Album noch deutlich nach Redaktionsschluss in die März-Ausgabe gepresst. Denn besser kann man den Sinn der Fastenzeit, in der wir uns seit Aschermittwoch bekanntlich befinden, kaum auf den Punkt bringen. Mach dich frei von dem, was dich an diese Welt bindet. Genieße die Genüsse der Welt, aber mache genauso gut die Erfahrung, dass du auf sie nicht angewiesen bist. Das ist die Quelle wahrer Freiheit.

Christenmenschen schätzen diese Freiheit, weil sie uns in die Lage versetzt, den Wegen Gottes zu folgen ohne durch den schnöden Mammon, die Prestige bringende Stellung oder andere weltliche Güter in allzu große Konflikte gestürzt zu werden. Letztlich dürfte das Bewusstsein in solcher Freiheit zu leben, jedem Kraft im Alltag geben, der weiß, warum und wozu erlebt, dessen Leben einen Sinn hat - egal welche Götter oder Werte bei ihm nun im Mittelpunkt stehen.

Uns hat die Fastenzeit jedenfalls nicht in die Versuchung gebracht, eine magere Ausgabe abzuliefern. Insbesondere die Rock- und die Klassik-Sparte platzen - und die mehr als 100 Reviews, die manch ein Printmagazin stolz auf seiner Titelseite anpreist, dürften wir locker überboten. Vielleicht hat ja jemand Lust nachzuzählen.

Bei den Artikeln mögen wir es breit. Georg beschäftigt sich natürlich mit Klassik, in diesem Fall mit dem kanadischen Komponisten Claude Vivier. Carsten macht’s halb lang, Semi-Classic, und interviewt Mira Calix. Damit sind wir glücklich im Bereich der „U-Musik“ gelandet. Wir beginnen im Stil der 70er. Wolf & Cub erzählen uns was zu Psych'n Stonerrock. Die Band Strip Music scheut sich nicht zu ihren Wurzeln in den musikalisch oft verteufelten 80ern zu stehen. The Tea Party gehören dann in die 90er. Und auch wenn Jeff Martin bei ihnen nur noch der Ex ist, lassen wir ihn als Vertreter dieses Jahrzehnts gelten. Mario ist ihm bis an die entlegensten Ränder Europas nachgereist. Zum Nachtisch gibt es noch ein wenig Reggae zum Lesen.

Die Titelseite war dieses Mal heiß umkämpft. Paul Gerhardt brachte seinen 400. Geburtstag ins Spiel; Helloween wollten von ihrer Live-DVD erzählen. Wir haben salomonisch entschieden und gesagt: „Paule, du bist zu Beginn des Märzes noch gar nicht 400 und Geburtstage soll man nicht vorfeiern, warte auf den April.“ Gerhardt hat gemault. Er hat sich noch nie gern einer anderen Meinung gebeugt. Aber dazu kommen wir nun im April.

Somit können wir diese Ausgabe unter das lebensfrohe Motto stellen: Wenn schon fasten, dann feste fasten. Also verzichtet auf irgendetwas anderes und stürzt euch in die Lektüre. Wir haben uns Hornhäute an die Finger gehämmert, um sie für euch ins Netz zu stellen.

Norbert von Fransecky