····· David Gilmour veröffentlicht Live-Aufnahmen, die er bei zwei Konzerten in Pompeii hat mitschneiden lassen ····· Zwischen Agitation und Japanologie erscheint die neue Prinz Chaos CD ····· Vielgleisig feiert Hellmut Hattler seinen 65sten ····· Jag Panzer sind zurück - erster Vorgeschmack mit Lyric-Video! ····· Jenny and the Mexicats legen live und mit Single nach ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Artikel

Allgäu Sixties - Luftwaffe, Bier und Rock'n'Roll!

Info

Autor: Peter M. Roese

Titel: Allgäu Sixties - Die 60er in Kaufbeuren und am Fliegerhorst

Verlag: Lindenmanns Bibliothek / Info Verlag

ISBN: 978-3-88190-630-2

Preis: € 14,80

320 Seiten

Internet:
http://www.infoverlag.de

Wer denkt beim Wörtchen Allgäu nicht an grüne Wiesen mit weidenden Kühen drauf, an den Kini und sein Schloss Neuschwanstein und überhaupt viel entspannte Beschaulichkeit? Jetzt stelle man sich einmal vor, man müsse inmitten des Kalten Kriegs seinen Militärdienst ableisten. Wäre es da nicht fein, wenigstens eine solch angenehme Umgebung um sich zu haben? Der 1944 im fränkischen Erlangen geborene Peter M. Roese hatte das Glück, dass es ihn ausgerechnet dorthin verschlug, als das Vaterland Mitte der 1960er Jahre rief. Genauer gesagt, war der heute nicht mehr als solcher genutzte Fliegerhorst in Kaufbeuren für eine Zeitlang seine neue Heimat. Und davon handelt Roeses neues und drittes Buch Allgäu Sixties.

Das klingt erst einmal nicht gerade nach einem Thema für ein Musikmagazin. Wenn man sich aber doch ein wenig in die 320 Seiten eingelesen hat, stellt man fest, dass das Buch nicht einfach eine moderne Version des braven Soldaten Schwejk, sondern nebenbei viel mehr eine Ode an die wilden 60er ist, als Rockmusik (natürlich gerne von „langhaarigen Affen“ gespielt) noch was Verruchtes an sich hatte. Und so sind auch die Klänge der damaligen Zeit ein fast ständiger Begleiter und ein gerne aufgegriffenes Diskussionsthema für den Protagonisten des Romans, dem Wehrdienstleistenden Rossner und seiner Clique. Vor allem, als sich die Gelegenheit ergibt, durch die Bekanntschaft mit einer lokalen Band etwas näher am Geschehen dran zu sein.

Allgäu Sixties liest sich so locker und leicht, wie man die 60er im Rückspiegel gerne sehen möchte. Dabei bekommt man meist kurze Schwänke und flotte Erzählungen vorgesetzt, die eher locker mit einer (nicht allzu wichtigen) Handlung verwoben sind. Das hat schon was von „Opa erzählt vom Krieg“, wirkt aber grundsympathisch und unterhaltsam, wenn Roese seine Abenteuer und die seiner Kameraden zum Besten gibt, die nicht nur in Kaufbeuren und der unmittelbaren Nachbarschaft spielen, sondern die auftauchenden Charakterköpfe auch mal kurz nach Österreich, in die Nähe von Bremen und zu diversen Truppenübungsplätzen führt. Natürlich ist das Ganze keine pure autobiografische Erzählung, auch wenn der Autor hier doch einiges aus seinen Erinnerungen zum Besten gibt. Dabei spielt aber nicht nur das Militär und der damalige Lifestyle, der in der Provinz noch gar nicht so hippiehaft und ausgeflippt war, sondern das Allgäu selbst (und nicht selten seine jungen, weiblichen Bewohner) eine große Rolle.

Denn wie umschreibt der Schriftsteller am Ende selbst sein Buch: eine olivgrün angehauchte Liebeserklärung an das Allgäu. Einheimische werden vieles wiedererkennen, auch wenn es die damaligen Lokalitäten zum großen Teil heute nicht mehr gibt. Aber in der „guten alten Zeit“ zu schwelgen macht sicherlich Spaß. Einen solchen hatte Peter M. Roese ganz offensichtlich beim Schreiben. Das merkt man immer wieder. Und deshalb sieht man darüber hinweg, dass es so etwas wie Spannung nicht wirklich gibt und viele Geschichten eben nur wie kurze Ausschnitte wirken. Denn am Ende ist Allgäu Sixties eine nette Lektüre für den Urlaub, zum lockeren Schmökern am Feierabend oder den Nachtisch. Vor allem wenn man damals dabei war - egal ob als Schiffchenträger der Luftwaffe (wobei natürlich auch ehemalige Mitglieder der beiden anderen Waffengattungen der Bundeswehr nicht ausgeschlossen werden) oder als Frau oder Mann mit dem Kfz.-Kennzeichen KF oder benachbarter Landkreise!

Mario Karl


Zurück zur Artikelübersicht