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Kate Bush, die Königin des Art Pops, hält Rückschau

Mit Directors Cut veröffentlicht Kate Bush Ihr neuntes Album. Neun Alben sind weiß Gott kein großes Oeuvre in einer inzwischen 34 Jahre langen Karriere. Dafür muss man deutlich sagen, dass die Qualität des Kataloges von Kate ziemlich makellos ist. Nach dem Überflieger Debütalbum The Kick Inside folgte das schwächere, weil im Grunde aus Outtakes der Kick Inside Sessions bestehende Lionheart. Dies war jedoch auch der Plattenfirma geschuldet, die mehr oder minder über Kates Kopf hinweg einen schnellen Nachfolger für das überraschende Nummer Eins Album haben wollte. Darauf folgte das starke Veränderungen andeutende Never For Ever. Mit den Hitsongs „Babooschka", „Army Dreamers" und „Breathing" schwamm sie sich frei von den Vorgaben der Plattenfirma. Sie hatte den damals neuen Fairlight Computer zum Komponieren ihrer Songs entdeckt. Dieser versetzte sie in die Lage, ihre Songs quasi allein fertig zu produzieren, um dann nur noch im Studio manche Spuren des Fairlights durch echte Instrumente ersetzen zu lassen. Endgültig von allen Zwängen der Industrie löste sie sich künstlerisch mit dem darauf folgenden Brocken The Dreaming. Ein mächtiges, schweres Album mit unglaublich viel Perkussionsarbeit, eingebauter irischer Folklore, Didgeridoo und vielen anderen Instrumenten über dem elektronischen Bodensatz der Songs. Mit The Dreaming war Kate dem New und Dark Wave um 2 bis 3 Jahre voraus, was dann auch dazu führte, dass es kommerziell nicht so erfolgreich wie die Vorgänger wurde.


Doch die endgültige kommerzielle Freiheit kam dann 1985 mit ihrem bekanntesten und erfolgreichsten Werk Hounds of Love. Auf diesem brachte sie ihren dunklen Artpop von The Dreaming auf lichte Wege und schuf das wohl perfekteste Popalbum der Geschichte. Auf Seite 1 des Albums standen 5 wunderschöne Popkompositionen, angeführt von dem Übersong „Running up that Hill" und auf der 2. Seite stand das Konzeptwerk „The ninth Wave", ein Zyklus aus weiteren 7 wundervollen Songs zwischen schwebenden Pop, irischen Folk und ätherischen Sounds. Dieses Album machte Kate zum Star, der sie nie sein wollte.

Für ihr nächstes Album The Sensual World ließ sie sich länger Zeit. 1989 erschien dieses ruhige und auch ein wenig unscheinbare Album, was in Klasse und Güte dem Vorgänger jedoch in nichts nachsteht. Kate hatte sich in die Klänge des Trio Bulgarika verliebt, so beherrschten die mystischen Gesänge dieses Trios das Album. Insgesamt gibt es auch auf The Sensual World, für welches sie auch mit z.B. Mick Karn zusammenarbeitete keine Schwächen, jedoch wurden die fragilen Songs wohl schnell überhört.

Nach weiteren vier Jahren veröffentlichte Kate 1993 dann den wohl zweiten eher als Fehlschlag zu bezeichnenden Songzyklus The Red Shoes. Dieses Album enthält auch tolle Songs, allerdings klingt das Album an vielen Stellen ungar und nicht wirklich in sich stimmig, man kann das Album wohl als überambitioniert bewerten. Viele Songs hören sich einfach überfrachtet an und ein wenig zu sehr mit dem Zeitgeist verknüpft. Vorher hatte sie selber oft die Impulse für diesen gegeben, diesmal ließ sie sich ein wenig davon vereinnahmen.

Danach war dann eine lange Leidenszeit für den Fan angesagt. Ähnlich Peter Gabriel, der 10 Jahre lang nichts von sich hören lies (obwohl das ja nicht stimmt, er veröffentlichte ja in dieser Zeit Soundtracks und das Millennium Album OVO) vergingen 12 lange Jahre bis zum nächsten Kate Bush Album. Diese lange Zeit des Wartens animierte z.B. John Mendelsohn zu seinem Roman Waiting for Kate. Dann kam mit Aerial gleich ein Doppelalbum auf den Markt. Kate zeigte sich wieder von ihrer eher besinnlichen Seite, wenn es vergleichbares in Ihrem Oeuvre gibt dann wohl am ehesten Hounds of Love. Zumeist ruhige Songs, feingliedrig arrangiert und auf der zweiten CD ein erneutes Konzeptwerk, indem Kate sich am Ende auch nicht vor modernen Dance-Rhythmen scheut. Am beachtlichsten war wohl die Single „King of the Mountain", weil mal wieder ein wirklich innovativer Popsong, der es auch schaffte, die Charts kurzfristig aufzumischen. Insgesamt hatte das Album natürlich das Problem, dass die Erwartungen inzwischen ins Unermessliche gestiegen waren und so kaum erfüllt werden konnten. Trotzdem ist es ein grandioses Album.

Und nun hat Frau Bush erneut sechs Jahre ins Land ziehen lassen. In vielen Interviews hat sie bereits darauf hingewiesen, das sie nicht so langsam arbeitet, sondern dass sie schlicht und ergreifend auch ihr Privatleben schätzt und dieses ohne Präsenz in der Öffentlichkeit leben möchte. Sie genießt ja auch den großen Vorteil, dass allein eine kleine Nachricht über neue Aktivitäten ihrerseits mehr Werberummel verursacht, als bei manch anderem Künstler eine teure Kampagne.

Das neue Album allerdings, und das wird manchen Fan enttäuschen, ist eigentlich gar kein neues Album. Nein, für Directors Cut hat Kate sich 11 Songs der Alben The Sensual World und The Red Shoes vorgenommen. (Genaues ist der Review zu entnehmen) Auf die Frage, was sie zu der Neubearbeitung trieb, gibt sie an, dass sie mit den beiden Produktionen nie so recht zufrieden war. Was wohl besonders auf The Red Shoes zutrifft, welches sie in diesem Zusammenhang selbst als überambitioniert bezeichnet. Besonders am Herzen gelegen hat ihr auch die Neubearbeitung von „Flower of the Mountain", welches früher mal „The Sensual World hieß. Für diese Melodie wurde sie wohl bereits 1988 / 89 beim Komponieren der Melodie von einem Text aus James Joyce’s Ulysses inspiriert, die Verwendung wurde jedoch von den Nachlassverwaltern verhindert. Kate fragte erneut an und diesmal gab es eine Zusage. Somit erstrahlt dieser Song nun mit neuem Gewand und Text.

Kate gibt an, dass ihr die Neubearbeitung sehr wichtig war, da sie für weitere Produktionen nun einmal erst zwei oder drei Schritte zurück gehen wollte, um daraus neue Möglichkeiten für die Zukunft zu erhalten. Auch spricht sie davon, dass sie im Gegensatz zu vielen Künstlern, die unglücklich am kreativsten sind, eigentlich genau andersherum funktioniert. Demnach sollte das nächste Album nicht so lange dauern, da sie in der jüngsten Vergangenheit und derzeit ihre wohl glücklichste Lebensphase erlebt.

Auf ihren eigenen Mythos angesprochen, reagiert sie eher verhalten mit den Worten: „Ich wollte immer nur Musik schreiben und machen, doch berühmt werden wollte ich eigentlich nicht.“ Ob das nun englisches Understatement ist oder einfach Ihre höchstpersönliche Art lassen wir einmal dahin gestellt sein.

Insgesamt gibt sich die wohl erste Frau des Pop, die sich komplette künstlerische Freiheit erarbeitet hat, als Familienmensch und möchte am liebsten nichts von den Geschichten um ihre Person herum wissen. Zum Schreiben neuer Songs brauche sie neuen Input, trotzdem aber nicht zwingend autobiographische Texte schreibe. Andererseits gibt es eine Vielzahl von Songs, gerade in der jüngeren Vergangenheit, die von ihrer Familie, insbesondere ihrer verstorbenen Mutter und ihrem Sohn handeln.

Kate zeigt sich am Ende sehr zufrieden mit den Neuaufnahmen der 11 Songs, einen Hinweis warum es gerade diese 11 Songs sind, bekommt man nur in wenigen Fällen. Auf die Frage, warum ausgerechnet das einzige ruppige Lied „Rubberbandgirl", welches wirklich entkernt und in einer quasi Schrammelversion präsentiert wird, am Ende des Albums steht und so ein wenig ihren Mythos zerstören soll, antwortet sie, dass sie den Ansatz des Fragestellers toll fände, jedoch in keiner Weise diesen Gedanken gehabt hätte. Sie habe die Songs so bearbeitet, wie sie aus ihrer heutigen Sicht richtig klängen.

Und sie gibt den Fans auch wieder ein wenig Hoffnung mit auf den Weg, spricht von dem bereits in Arbeit befindlichen Album und sagt sogar nicht endgültig Nein zu möglichen Tourneen, sondern deutet an, dass sie vielleicht irgendwann mal wieder ein paar Shows spielen möchte. Dafür müsse aber der rechte Zeitpunkt kommen, und der sei nun im Moment nun wirklich nicht.

Somit bleibt am Ende eigentlich alles, wie es vor der Veröffentlichung von Directors Cut war: wir warten weiter auf (ein neues Album von) Kate, hoffen darauf, die Artpopgöttin vielleicht doch noch einmal Live erleben zu können und behalten ihn sonst weiter in uns, den Mythos Kate Bush.

(Die eingebauten Interviewfragen und Antworten wurden aus den Interviews aus folgenden Zeitungen entnommen:
Welt am Sonntag No. 18 vom 1. Mai 2011, Interview von Harald Peters
Neue Westfälische vom 14. Mai 2011, Interview von Michael Loesl)


Ab der nächsten Ausgabe veröffentliche ich in jeder Ausgabe eine Review zu allen Kate Bush Platten, in der Reihenfolge, in der ich sie mir persönlich angeschafft habe und die ich auch ein wenig mehr autobiographisch betrachten werde.

Wolfgang Kabsch


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