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Artikel

Middle Class Rut: Du bist glücklich, wenn du einen Song aufnimmst

Info

Gesprächspartner: Middle Class Rut (Zack Lopez)

Zeit: Februar 2011

Stil: Alternative Rock

Internet:
http://www.mcrut.com
http://www.myspace.com/middleclassrut

Nein, nach „middle of the road“-Sound, also stromlinienförmigen Radiopop, klingen MIDDLE CLASS RUT aus Sacramento, Kalifornien definitiv nicht. Hier gibt es kantigen, bisweilen etwas überdrehten, aber andererseits auch melodischen Alternative Rock der besten Sorte. MIDDLE CLASS RUT, das sind Gitarrist/Sänger Zack Lopez und Schlagzeuger/Sänger Sean Stockham, und die machen Sound für mindestens fünf. No name no color nennt sich ihr buntes Debütalbum, voller Wut und Leidenschaft, das in der Endjahresabrechnung 2011 sicherlich unter den Topnummern in der Kategorie Newcomer zählen dürfte. Der nichts sagende Titel soll dabei kein Statement sein, sondern bezieht sich nur augenzwinkernd auf die ersten beiden eigenen EPs Blue und Red. Da durfte man es sich natürlich nicht entgehen lassen, die Band für ein paar Fragen vors Mikro zu zerren. Hier nun ein Ausschnitt des Gesprächs, welches mit Zack Lopez geführt wurde.


Ihr spielt zusammen Musik seit ihr Teenager wart. Wie hast Du Sean kennen gelernt und was hat Euch veranlasst Musiker zu werden?

Wir haben uns in Mexiko getroffen, als wir 13 waren. Sean war seine Eltern besuchen und ich lebte damals ein Jahr mit der Familie meines Vaters dort. Er kam in das Restaurant, in dem ich damals arbeitete. Wir kamen ins Gespräch, spielten ein bisschen auf Akustikgitarren rum und fanden heraus, dass wir aus dem gleichen Teil von Kalifornien kommen. Als ich später in diesem Jahr wieder zurück in die Staaten zog, nahm ich Kontakt zu ihm auf und wir starteten unsere erste Band. Seitdem spielen wir zusammen.

Wie war Eure musikalische Reise, bis ihr Middle Class Rut gegründet habt?

Viele verschiedene Mitglieder, verschiedene Plattendeals und Touren. Jobs, Arbeit. Es ist schwer, sich an vieles davon zu erinnern. Diese Band begann 2006, seitdem gibt es sie nonstop.

Bis ins Jahr 2003 hattet ihr mit anderen Musikern die Band Leisure, welche beim ehemaligen Label Dreamworks Records unter Vertrag stand, aber nie etwas veröffentlichte. Was hat sich im Vergleich zu damals geändert?

In Leisure zu sein, war wahrscheinlich das musikalische Equivalent eines Unibesuchs. Du hast noch immer die finanzielle Unterstützung deiner Eltern - in unserer Situation war das Dreamworks Records. Du wirst alleine gelassen um einen Job zu erledigen, aber vermasselst es total und betrinkst dich stattdessen und hängst lieber mit Frauen rum. Bevor du dich umschaust, sind bereits vier Jahre vergangen, mehrere hunderttausend Dollar sind weg, du hast noch immer keine Platte veröffentlicht oder wirklich getourt und du bist in einer Band, von der du nicht mal weißt, ob du sie wirklich magst - zusammen mit Leuten, von denen du sicher bist, dass sie nicht die richtigen sind. Mit Middle Class Rut fing plötzlich alles an Sinn zu machen. Die Songs, Texte, Artworks, Shows. Es passierte alles aus den richtigen Gründen.

Warum bliebt ihr nur zu zweit? Ist es eine Art Aussage: wir beide gegen den Rest der Welt?

Nein, keine wirkliche Aussage. Es schien nur unmöglich etwas auf andere Art auf dem Boden zum stampfen. Wir hatten kein Interesse nach anderen Mitgliedern zu suchen. Wir haben es jetzt seit über acht Jahren so gemacht. Die Dinge schienen auf diese Art einfacher und natürlicher zu fließen.

Ihr nehmt Euer Zeug zu Hause ohne einen Produzenten auf. Funktioniert es so einfach am besten und denkst Du, ein Außenstehender würde die Musik auf die eine oder andere Weise negativ beeinflussen?

Wir haben in unserer alten Band in großen Studios mit Produzenten gearbeitet. Wir wissen also wie dieses System läuft und wir denken, diese Band würde in einer solchen Umgebung nicht funktionieren. Wenn man Musik beiläufig aufnimmt, ohne dass Geld involviert ist oder Druck aufgebaut wird, bekommt man die besten Ergebnisse. Wir schätzen uns glücklich, dass wir einen Sound einfangen konnten, den wir mögen, was es leichter macht, die Songs aus diesen Sessions zu veröffentlichen.

Habt ihr ein richtiges Studio zu Hause oder nehmt ihr die Sachen in Euren Wohnzimmern auf?

Es ist mehr ein Proberaum, der in ein Studio verwandelt wurde - zusammen hängend mit Seans Elternhaus. Alles da drin funktioniert gerade so. Aber wir haben eine gute Ausrüstung und viele gute Mikrofone. Sean kennt sich mit dem Zeug gut aus. Er weiß, wie man den Sound bekommt, nachdem wir suchen. Ich habe ebenso ein Behelfsstudio im Wohnzimmer meines Elternhauses. Ein großer Raum mit Holzboden und hoher Decke. Ein guter Platz um an Ideen zu arbeiten und ein Raum der ziemlich gut klingt.

No name no color beinhaltet ein paar Songs eurer alten EPs. Habt ihr sie dafür neu aufgenommen, damit sie besser zu den neuen Sachen passen oder einfach übernommen?

Wir haben das mal versucht. Solange bis man merkt, dass man versucht etwas wieder herzustellen das man bereits hatte. Es gibt keinen Ersatz für das anfängliche Gefühl, welches beim ersten Mal entsteht, wenn man die Musik oder den Gesang für ein Lied aufnimmt. Vielleicht klingt es am Ende hier und dort besser, aber das ist ziemlich sekundär, verglichen zu dem Gefühl welches man rüberbringt. Wir haben die Originalversionen behalten, aber ein paar von ihnen remixt.

Wie Du gerade schon angedeutet hast, nehmt ihr die Songs fast augenblicklich auf, nachdem ihr sie geschrieben habt, was ich einen interessanten Ansatz finde. Ihr seid damit wohl mehr Freunde spontan entstandener Energien, anstatt von Perfektion?

Spontan, solange es eben gut ist. Manchmal hat man auch beides. Noch einmal zurückgehen und einen Teil zu Tode klopfen um ihn perfekt zu machen, ist unser Meinung nach die einfachste Möglichkeit ein Lied zu ruinieren. Das Ganze niemals SO schwer sein.

Ich mag an der Musik von Middle Class Rut den perfekten Mix aus Aggressionen und Melodien. Wo nehmt ihr Eure Energie her, um eine Platte aufzunehmen?

Es kommt alles von der Aufregung. Du bist glücklich, wenn du einen Song aufnimmst, den du gerade geschrieben hast. Es kann ein Gitarrenpart oder ein Text sein, welchen du wirklich aufnehmen willst. Es ist wie mit allem im Leben: etwas das frisch und neu ist, bringt immer die meiste Aufregung und Inspiration mit sich.

Welche Rolle spielen die Texte in der Musik? Sind sie nur einfache Gedanke welche Du aufschreibst oder möchtest Du auch etwas damit sagen?

Die Texte scheinen einfach so herauszukommen. Möglicherweise ist es die Musik, die dir zu erkennen gibt, was du sagen sollst. Ich habe mir nie vorgenommen eine Aussage zu treffen oder jemandem eine Botschaft rüberzubringen. Auf der anderen Seite würde ich meine Zeit als Schreiber oder Sänger aber auch verschwenden, wenn ich nicht fühlen würde, etwas zu sagen. Es ist schwer zu erklären, wenn jemand nur das tut, was er fühlt tun zu müssen.

Diskografie

Blue (EP, 2008)
Red (EP, 2008)
25 years (EP, 2009)
No name no color (2011)
Ihr seid mit den verschiedensten Bands wie z.B. Social Distortion, The Bronx, Trail of Dead, Them Crooked Vultures oder gerade eben 30 Seconds to Mars getourt. Wo habt ihr Euch am wohlsten gefühlt und was waren Eure Erfahrungen als Supportband?

Es war mit all diesen Bands immer irgendwie cool. Mit The Bronx unterwegs zu sein war cool, da immer ein raues Punkpublikum da war und wir in ganz Europa touren konnten. Trail of Dead schien vom Publikum her besser zu passen. Wir kamen sehr gut mit ihnen zurecht und es wäre toll noch einmal mit ihnen mitzufahren. Social Distortions Publikum war das unbeständigste. Wir hatten einige großartige Shows mit ihrem Publikum, aber auch ein paar raue. Sie haben eine richtige Hardcore-Fanbasis, die meist nur da ist um Social Distortion zu sehen. Die brauchen etwas länger um warm zu werden. Wir können uns glücklich schätzen, Teil von ein paar wirklich coolen Touren gewesen zu sein. Wenn die Leute kommen, liegt es an uns für den Rest zu sorgen.

2009 habt ihr auf den größten deutschen Festivals Rock am Ring und Rock im Park gespielt. Wie war diese Erfahrung, verglichen mit intimen Clubshows? Was gefällt Euch denn mehr?

Clubshows sind immer besser, solange du nicht als große Band der Headliner eines Festivals bist. In unserer Größenordnung bis du nur der Teil eines Fließbands. Sie rollen dich raus, wenn du an der Reihe bist und schreien „Los!“. Danach rollen sie dich wieder rein, wenn deine Zeit vorbei ist. Ich hatte da mehr Spaß Bands wie The Prodigy beim Auftreten anzuschauen. Es war schon eine wahnsinnige Menge von Leuten. Mit nichts zu vergleichen, was wir sonst so erlebt haben. Clubshows haben allerdings eine Energie, die man regelrecht greifen kann. Wir spielten in Deutschland 2009 ungefähr sechsmal. Ich hatte nie ein Problem Jägermeister zu finden. Es fühlte sich an wie im Paradies. (lacht)

Was ist wichtiger für Dich, die positiven Reaktion des Publikums während eines Auftritts oder die Befriedigung nachdem Du zu Hause einen ziemlich coolen Song aufgenommen hast?

Es ist beides genau dasselbe, aber doch komplett verschiedene Gefühle. Wenn du high von einer guten Show zurückkommst, macht alles Sinn und du denkst, es ist wertvoll und hat eine Bedeutung. Dasselbe gilt für das Fertigstellen eines Lieds. Es funktioniert aber auch anders herum, die Tiefpunkte sind genauso tief, wenn die Dinge schief laufen.

Was kommt als nächstes? Habt ihr noch ein paar Songs in Euren Schubladen, so dass wir bald neues Material von Middle Class Rut hören können?

Es gibt noch mehr vom Gleichen. Viel Touren um die Platte zu bewerben. Eventuell kommen wir auch wieder nach Europa. In den Staaten machen wir im März eine Headlinertour. Was Lieder betrifft: Wir haben viele Songs in vielen Schubladen. Alle Schubladen sind voll. Wenn wir fühlen, dass jeder, dem das Album gefallen könnte es hat, werden wir an einer neuen Veröffentlichung arbeiten!


Mario Karl


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