····· Benny Andersson erfindet sich und einige seiner Klassiker auf (dem) Piano neu ····· Kommendes Robert Plant-Album kann bereits vorbestellt werden ····· Black Sabbath feiern ihre frühen Jahre mit monumentalem Box-Set  ····· Neues Album von Robert Plant steht bald bevor ····· Erneuter Vorgeschmack auf die neue Platte von Death From Above ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Artikel

"Ich lese gern, wenn ich scheißen gehe." - Das Leben von Freddie Mercury in eigenen Worten

Info

Autor: Greg Brooks, Simon Lupton

Titel: Freddie Mercury - Ein Leben in eigenen Worten

Verlag: Hannibal

ISBN: 978-3-85445-280-5

Preis: € 24,90

226 Seiten

Internet:
http://www.hannibal-verlag.de
http://www.loveroflifesingerofsongs.com

Mit dem Namen Farrokh Bulsara wird die Allgemeinheit vielleicht nicht auf Anhieb etwas anfangen können, Queen-Fans wird er aber ein Begriff sein: Farrokh Bulsara ist der bürgerliche Name von Freddie Mercury. Seine Memoiren hat der Queen-Frontmann zu seinen Lebzeiten nicht mehr verfassen können (oder wollen), Greg Brooks und Simon Lupton versuchen dies jetzt aber posthum mit ihrem Buch Freddie Mercury - Ein Leben in eigenen Worten nachzuholen. Und wie es der Buchtitel andeutet, lassen sie dabei ausschließlich Freddie selbst zu Wort kommen: man hat einfach die Aussagen aus den raren Interviews von ihm aus über 20 Jahren zusammengetragen.

Auf dem Buchrücken findet sich das einziges Zitat Mercurys, welches durch eine Datumsangabe ergänzt wird: "Mein Privatleben ist mir stets sehr wichtig gewesen, und ich bin bekannt dafür, dass ich nur sehr selten Interviews gebe. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich dies auch weiterhin so halten werde.". Dies war seine letzte öffentliche Äußerung am Tag vor seinem Tod am 23. November 1991. Und so ist der überwiegende Teil dieser aneinander gereihten Interviewschnipsel auch eher oberflächlich - zumeist geht es um den Songwriter, Künstler und Bühnenmann Freddie Mercury und nicht um die Person Farrokh Bulsara dahinter. Aber zumindest gelegentlich lässt er doch im Text den Leser etwas näher an sich heran, als man es nach der Aussage auf dem Buchrücken vermuten würde.

Die Art und Weise wie Brooks und Lupton Freddies Aussagen hier zusammenstellen, ist schon etwas ungewöhnlich und vielleicht nicht jedermanns Sache. Fast kommentarlos werden hier Aussagen, die Mercury in seinem Leben getätigt hat, zu einem Buch zusammengekleistert. Eine zeitliche Schiene ist dabei nicht zu entdecken, vielmehr wurde in den 20 Kapiteln versucht, sachliche Themen zusammenzufassen (bzw. eigentlich in nur 19 Kapiteln, denn Kapitel 14 besteht aus nicht erkennbaren Gründen nur aus einem Satz...). Leider führt diese Vorgehensweise zu unzähligen inhaltlichen Wiederholungen (diverse Aussagen finden sich doppelt und dreifach in dem Buch) und auch zu zeitlichen Sprüngen, so dass man im Text nicht immer weiß, in welchem Abschnitt der Queen-Geschichte man sich gerade befindet.

"Ich lese gern, wenn ich scheißen gehe." - so wird Mercury in diesem Buch zitiert und daher hätte ihm dieses Buch sogar gefallen können: man kann es jederzeit unterbrechen und wieder einsteigen, ohne den roten Faden zu verlieren, da es diesen eigentlich gar nicht gibt. Und nach zwei Wochen Aufenthalt des Buches auf dem Klo hat man eine Menge gelesen, ist aber der Band Queen oder der Person Freddie Mercury nur unwesentlich näher gekommen. Zwar verweisen die Autoren in ihrer Einleitung darauf, keine Kommentare von Mercury aus dem Zusammenhang gerissen zu haben, trotzdem wirkt das Ganze zum Teil wie ein mühsam zusammengefügtes Flickwerk. Fast unverzeihlich ist es, dass man seine Texte in keinerlei Weise zeitlich zuordnen kann. Es macht wohl schon einen Unterschied, ob ein Freddie Mercury etwas zu Beginn seiner Karriere sagte, oder ob diese Zitate später, nachdem er in Stadien vor Hunderttausenden gefeiert wurde, oder gar nach seiner AIDS-Diagnose und damit kurz vor seinem Tod fielen. Hier keinen Daten zu nennen ist schon etwas gewagt und fahrlässig. Informativer und ehrlicher wäre es wohl gewesen, die Original-Interviews oder eben die anderen verwendeten Quellen zeitlich geordnet in einem Buch abzudrucken. So aber wirkt das Buch gekünstelt, langweilig und fad.

Positiv erwähnen muss man dagegen das (leider sehr kurze) Vorwort von Jer Bulsara, der Mutter von Freddie und vor allem die zahlreichen Bilder, die Mercury nicht nur auf, sondern überwiegend hinter der Bühne zeigen. Unterm Strich ist das Buch aber wohl nur für sehr treue Queen- und Mercury-Fans ein Muss, denn wer hier eine übersichtliche Biografie erwartet, liegt definitiv falsch.

Jürgen Weber


Zurück zur Artikelübersicht