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Artikel

Don Vito: Anarchische Kunst im Minutentakt

Info

Gesprächspartner: Don Vito

Zeit: Mai 2010

Stil: Noiserock

Internet:
http://www.donvitodonvito.de
http://www.myspace.com/donvitorockt

„DON VITO, dieses dreihalsige Monster aus den Tiefen des östlichen Untergrunds - Scharen mutiger Konzertbesucher waren Zeuge dieses Liveinfernos. Und alle sind größtenteils lebendig und grinsend aus dem Schlund dieses Ungeheuers empor gekrochen, um allen die frohe Kunde zu überbringen: DON VITO ist eine Hammerband!“ - So schreibt das Label Discorporate Records über dieses Krachtrio. Auch MAS war bereits Zeuge dieses brachialen Liveerlebnisses. Und DON VITO sind wirklich sehr speziell. Das unterstreicht auch ihre neueste Veröffentlichung IV, die als schön gestaltetes Vinyl in den Handel kommt. Darauf zu hören: instrumentaler Noiserock der mehr auf den Punkt gebracht nicht sein könnte. Stücke mit Spielzeiten um eine Minute herum, die äußerst präzise auf Band gehackt wurden. Hat man es nicht gehört, glaubt man es nicht, dass es so etwas gibt. MAS nutzte die Gunst der Stunde, um der Band ein paar Fragen hierzu zu stellen. Gitarrist Heiko beantwortete diese gerne.


Don Vito Corleone oder Vincent „Don Vito“ Margera - warum, wieso, weshalb gerade dieser Name?

Ersterer. Der Pate ist ein super Buch/Film und wir wollten einen Bandnamen, den man sich merken und den man überall aussprechen kann. Hast Du schon mal gehört, wie Italiener "Einstürzende Neubauten" aussprechen? Mit dem blöden MTV-Proll hat das nichts zu tun, der kann tot umfallen! Wir hätten einfach mal vor der Namenswahl kurz googeln sollen, dann hätten wir uns das vielleicht noch mal überlegt.

Erzählt doch mal, seit wann gibt es dieses Trio und wie kamt ihr darauf, genau diese Art von Musik zu spielen?

Angefangen haben wir 2003. Das ging erst sehr langsam los und nahm dann Fahrt auf. Die Art von Musik ist was entsteht, wenn wir drei mit unseren Backgrounds und Vorlieben zusammen Musik machen. Da gab’s keinen Plan oder großes Konzept.

Wofür sich andere fünf Minuten Zeit lassen, komprimiert ihr in Nummern von rund einer Minute. Nehmt ihr euch in unseren schnelllebigen Tagen nicht mal mehr die Zeit für ausschweifende Songs oder wollt ihr einfach den Beweis antreten, dass es das einfach nicht mehr braucht?

Wir haben vermutliche alle ADS. Es wäre uns nur unter Drogen möglich, sollten wir dieselben zwei Riffs vier Minuten lang spielen. Es ist doch auch so, dass man 90% aller Songs auf der Welt nach zwei Minuten ausmachen kann, weil alles gesagt ist. Der Rest ist Wiederholung, bis auch der letzte den Refrain mitsingen kann oder die Melodie nicht mehr aus dem Kopf kriegt. So funktioniert Don Vito nicht.

Warum ist eure neueste Veröffentlichung IV nur so kurz geraten, kann man dem Publikum nicht mehr von diesem Stoff nicht zumuten?

Auf 40 Minuten würde das nicht funktionieren. Die Dichte ist halt einfach höher, man braucht etwas mehr Aufmerksamkeit beim Zuhören, sonst knallt’s vielleicht einfach nur vorbei. Die Ruins z.B. sind eine großartige Bands, aber eine Platte mit 20 Stücken funktioniert einfach nicht, da schaltet man irgendwann ab.

IV erscheint in erster Linie als LP mit CD als Bonus. Sind diese schönen schwarzen Scheiben das einzig wahre Medium für organische Musik?

Nö, aber das schönste. Man kann Musik auf verschiedene Arten präsentieren und unter die Leute bringen. Als Downloads, losgelöst vom Medium, überall verfügbar. Oder auf der anderen Seite als Vinyl, aufwendig produziert und mit Liebe gestaltet. Dazwischen liegt dann irgendwo die CD und wird daher in näherer Zukunft als Musikmedium an Bedeutung massiv verlieren. Natürlich gibt’s Argumente die für CDs sprechen (praktisch, billig) und es gibt auch viele sehr schön gestaltete. Generell ist die CD aber eher ein Wegschmeißmedium.

Die Platte ist schon recht heftiger Stoff und sicherlich nichts für jedermann. Als was würdet ihr mit eurem Sound gerne gesehen werden: absolute klangliche Anarchie oder eine Form von Kunst?

Das schließt sich ja gegenseitig nicht aus. Wenn Du aber klangliche Anarchie aber im Sinne von Willkür oder Chaos definierst, dann gibt’s dazu ein klares Nein.

Betreibt ihr wirklich so etwas wie Songwriting oder sind eure Stücke mehr so etwas wie spontan entstandene „magische Fragmente“ aus Proberaumsessions?

Du würdest Dich wundern, wie viel „Songwriting“ da drin steckt, wie viele Ideen probiert, geändert und wieder verworfen werden. Deshalb ist unser Output auch relativ gering. Die „magischen Fragmente“ passieren auch, die sind dann die Basis, auf der wir weiterarbeiten.

Wie sieht es live aus, haltet ihr euch an ein festes Programm oder entsteht hier einiges aufgrund der Stimmung heraus?

Die Songfolge steht schon fest, allerdings gibt’s in den Songs oder Übergängen Raum für Improvisation und Spielereien.

Was unterscheidet euer Ansicht nach „Don Vito live“ von „Don Vito im Studio“?

Don Vito ist ganz klar eine Live-Band. Wir nehmen auch im Studio live auf, um möglichst viel der ursprünglichen Energie zu erhalten. Das ist auch ein ganz wichtiger Aspekt bei "Don Vito live": Energie. Man gibt als Band ja erstmal Energie an das Publikum ab und je mehr dann zurückkommt, umso besser wird das Konzert. Das funktioniert jeden Abend unterschiedlich gut.

Bei dem Konzert das ich von euch gesehen habe, habt ihr die Anwesenden mit einer derben Feedbackorgie „verwöhnt“. Gehört das zu eurem Konzept die Leute zu malträtieren oder habe einfach den Witz nicht verstanden?

Ursprünglich haben wir das Teil als zweite oder dritte Zugabe gespielt, aus Spaß und als Zeichen, dass jetzt wirklich Ende ist. Was soll danach noch kommen? Es hat sich aber herausgestellt, dass viele Leute echt Spaß damit haben und total darauf abgehen. Wem das nicht so geht, der kann das sicher nicht nachvollziehen. Wir hatten anfangs auch unsere Ohrenschützer noch nicht dabei, aber das kann man ohne nicht 30 Tage hintereinander machen. Außerdem können wir uns ja nicht wie das Publikum die Ohren zuhalten. Das ist nämlich eigentlich das Bild, was wir sehen wollen - das Publikum mit Fingern in den Ohren und einem breiten Grinsen im Gesicht. (lacht)

Ihr seid ja ständig live recht fleißig unterwegs und kommt nicht selten dabei weit rum. Unter anderem wart ihr letztes Jahr in China. Wie kam es denn zu dieser Ehre, wie reagierte das fernöstliche Publikum auf euch und was könnt ihr sonst noch auf die Schnelle erzählen, was nicht in eurem MySpace-Blog zu lesen ist?

Zustande gekommen ist das durch unsere Freunde von Le Singe Blanc, durch die der Kontakt zu Wane entstand, einer chinesischen Studentin, die dort Touren organisiert. Irgendwann haben wir sie dann mal in Frankreich getroffen, ein Jahr später waren wir dann in China. Das chinesische Publikum ist genauso wenig homogen wie das europäische, die Reaktionen reichten von interessiertem Unverständnis bis zu totaler Ekstase. Die Kommunikation ist sehr schwierig. Wenige Leute sprechen englisch, ohne Dolmetscher kommt man nicht weit. Sonst war’s einfach toll, das Land zu bereisen, da läuft halt vieles anders.

Gibt es sonst noch eine Botschaft die Du mir und unseren Lesern mit auf den Weg geben wollt?

Esst mehr Obst und Gemüse!


Diskografie

I (2005)
II (2006)
III (2008)
IV (2010)


Mario Karl


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