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Artikel

Enthroned - Auf der okkulten Reise zum göttlichen Ich...

Info

Gesprächspartner: Enthroned

Zeit: 22.04.2010

Interview: E-Mail

Stil: Black Metal

Internet:
http://www.enthroned.de

Mit dem furiosen und höllischen Opus Pentagrammaton haben sie die Belgier Enthroned 2010 nicht nur lebendiger denn je zurückgemeldet, sie haben auch ein schwarzmetallisches Werk kreiert, dass nicht nur für dieses Jahr Maßstäbe setzten wird.
Anläßlich der VÖ und der entsprechenden Rezension auf musikansich.de hat sich Gitarist und Vocalist Nornagest selbst die Ehre gegeben, einige Fragen des Magazins schriftlich zu beantworten. Da gerade die Übersetzung der okkulten Begriffe oft schwierig anmutet, werden sie teilweise im englischen Original wiedergegeben...

musikansich
Zuerst einmal: Vielen Dank für die Mühe, diese Fragen zu beantworten, von denen ich einfach mal hoffe, dass sie nicht ZU blöd sind - well, we´ll see! Ich würde gern zuerst einige Fragen zu eurem phantastischen neuen, umwerfenden und sehr intensiven Album stellen, und dann vielleicht auch noch einige Dinge zu deiner Einstellung zum Black Metal als solchem...

Nornagest
Greetings, no problem. That sounds interesting, actually it sounds promising for the questions and thanx for the comment!

Zum Album: Woher kommt diese doch recht simple Titel „Pentagrammaton“? Ich meinte eigentlich bemerkt zu haben, dass diese "alten" Symbole wie das Pentagramm und das umgedrehte Kreuz fast schon einen Anachronismus innerhalb der Szene darstellen!
Der Titel selbst nimmt nun gerade keine aktuellen Bezüge auf das Pentagramm oder eine ähnliche Symbolik. Das Wort “Pentagrammaton” kann in verschiedenen Weisen interpretiert werden, in der kabbalistischen Leseweise bezieht es sich auf den Namen Christi; seine älteste Deutung kommt aber aus der wörtlichen Übersetzung aus dem Griechischen als "Name/Wort mit fünf Buchstaben", ein Konzept das meint, dass die fünf göttlichen Buchstaben wieder zusammengefügt werden, dass jedem offenbaren soll, dass sein Weg ein göttlicher sein kann. Ein krasses Beispiel wäre auch das dem entsprechende Wort "Xeper" oder "Khep´r" aus dem Ägyptischem - "I have come into being". Jedes dieser Konzepte, komme es aus der Kabbala, dem Thelema oder sonst woher führt zu einem möglichen Schlüssel der einen göttlichen Weg für jeden erschließen kann, für jeden, der weise und initiiert genug ist, um seine eigene Form des "Eternal Ascent" zu erreichen.

Das Album beginnt mit dem lateinischen Titel “In missi sollemnibus”: Stellt die "Messe" das Konzept für das gesamte Album dar, wenn z.B. auch der zweite Track “The vitalized Shell” mit einem “Amen” endet? Es lassen sich ja auch das gesamte Album verbindenden Elemente finden wie etwa die voice-samples - könntest Du also etwas zum Konzept des Albums sagen?
Unter den vielen, vielen Interviews, die ich seit dem Erscheinen des Albums gegeben habe bist du tatsächlich der erste, der diese Frage stellt und damit "a correct guide-way to the answer" gibt (hohes Lob, Dank von dieser Warte aus!). Das gesamte Konzept von “Pentagrammaton” beruht auf Fakten, auf Erfahrungen die sich in unserem Leben durch spirituelle, dämonische Interaktionen oder durch das Okkulte an sich ereignet haben. Das Album baut sich um dieses Konzept herum auf, um diese Ereignisse, die alles in eine Art von "celebration" verwandeln, oder aber von einem anderen Standpunkt aus eben in eine Art von "Messe", die diejenigen, die imstande sind, das okkultistischen Vokabular und seinen Sinn zu entziffern, in dieses Ereignis" hineinzuziehen imstande sein kann; ihnen kann es als eine Art "Grimoire" (zeremonialmagisches Werk) dienen. Einige der Chöre sind dementsprechend auch nicht der ästhetischen Form wegen verwendet worden, sondern mehr als ein atmosphärischer Schlüssel, um mit ihnen einige Teile jener Ereignisse hervorzuheben.

Leider kenne ich bisher nur die Promo des Albums, und die kam ohne Texte; ich kann daher keine Fragen zu eben den lyrics stellen, doch vielleicht könntest du ja etwas dazu sagen...
Well, ich habe ja das Gesamtkonzept bereits versucht zu erklären, und wie du dir vorstellen kanst kann der Sinn der Texte nur von jemanden vollständig erschlossen werden, der irgendwie die Ereignisse in ähnlicher Form kennt oder aber ein Wissen über das Okkulte besitzt. Aus diesem Grund werde ich mich nicht in Details der Texte ergehen, und der einfache Grund ist, dass manche Dinge eben nicht für jedermann zugänglich sein sollen!

In früheren Interviews vor dem offiziellen VÖ des Albums hast du gesagt, du seist zu 100 % zufrieden mit dem Ergebnis. Nun, nach den ersten Reaktionen - bist dus immer noch oder gäbe es inzwischen Dinge, die du anders tun würdest?
Ich bleibe dabei: I’m completely satisfied with “Pentagrammaton”. Warum auch sollte ich mit Blick auf die Meinung anderer meine Sicht darüber geändert haben?!

Wie geht ihr denn eigentlich an an solches Album heran? Sprecht ihr vielleicht nach getaner Arbeit auch mit Freunden oder befreundeten Musikern über das Ergebnis?
Nein, das nicht. Was wir getan haben, als das Album fertig war, war einige Freunde einzuladen, und die gaben ihre Meinung ab. Wir hörten natürlich aufmerksam zu, es ist ja immer interessant, eine externe Meinung zu hören, aber wir waren sogar zu 200% mit dem Album zufrieden und hätten nichts mehr daran geändert!. Was zählt ist das, was die Band selbst denkt!
Unser Arbeitsweg funktioniert in der Regel dann auch so, dass wir zuerst die Lyrics schreiben und diese dann in Musik übersetzen - "this gives the overall album a very different tone". Dieser Prozeß ist dann auch verdammt spannend, wenn jedes Riff von der Passage inspiriert wird, die daraufspäter gesungen wird!

Gibt es für dich einen Track, der dir besonders gefällt? (Zugegeben: Meiner wäre der title track “Pentagrammaton”, für mich der experimentelleste und ausdifferenzierteste Song...)
Jeder der Songs hat für mich eine bestimmte Bedeutung, jeder behandelt zu einem gewissen Teil auch einen Teil meines eigenen Lebens, daher ist es sehr schwer, sich einen herauszusuchen. Natürlich waren einige der beschriebenen Ereignisse intensiver als anderen, daher würde ich sagen, dass “Rion Riorrim” einen Wendepunkt beschreibt, der mein ganzes Leben verändert hat. “Pentagrammaton” hingegen mag ich für seine Energie und Kleinteiligkeit, “The Vitalized Shell” dann wieder für diesen "hysterical vibe that suits pretty much my state of mind".

Ich würde vielleicht gerne noch einige Dinge zum Black Metal als solchem Fragen: Würdest du eigentlich sagen, dass ihr “Black Metal” spielt, und vielleicht unabhängig von ja oder nein: Wie würdest du die Essenze eures musikalischen Schaffens beschreiben?
"I consider Enthroned as a pure Black Metal band - yes!" Heutzutage scheint es ja wichtig zu sein, dich mit ganz ausdifferenzierten musikalischen Kategorien zu schmücken, um besonders zu sein oder aufzufallen - but why?? Die meisten Bands haben eh nie verstanden, was hinter dieser Bezeichnung steckt, "and in my standards they are as Black metal as Nirvana". Für mich bedeutet Black Metal recht schlichte Metalmusik mit einem okkulten/satanischen Konzept dahinter, end of it!
Was die Essenz unserer Musik betrifft, so würde ich sie eher als einen Teil des Okkultismus selbst identifizieren. Why? Weil wir echte, authentische Dinge und Ereignisse behandeln, "no cliché anymore, no shocking values and gimmicks" Was wir tun ist genau das, was du in einschlägigen Pamphleten oder Grimoires lesen kannst, aber eben mit jenem "metal support". Bitte nicht falsch verstehen: Wir sind keine okkulten Inquisitoren, auch keine neue Auflage von LaVey’s Church of Satan, "simply occultists doing their thing with respect, passion and honesty firstly, towards ourselves!"

Gibt es denn auch eine message, die ihr euren Hörern mitgebt - und denkt ihr, dass diese verstanden wird?
“Let their eyes be darkened that they see not and make their loins continually to shake.” Einige werden das verstehen, die meisten sicher nicht. Das liegt an dieser Codierung von “Pentagrammaton”, ich gebe aber aber auch - in some way of course - durch die Beantwortung dieser Fragen hier einige Schlüssel zum richtigen Verstehen dieses Werkes zu geben...

Wie sehen deine Ansicht zu Religion oder Philosophie im allgemeinen aus, bzw. zu okkultistischen Ritualen etc.?
Philosophien sind lediglich Schablonen oder vielleicht guide lines, um dem Glauben und Verstehen des Einzlenen die Türen zu öffnen. Sie sind in der Regeln so verschieden wie Früchte und Drogen, um mal einen Vergleich anzustellen: Sie alle gehören zur selben Branche, sind aber so verschieden wie Tag und Nacht; einige sind genießbar, andere "taste like shit" und machen dich krank.
Die Verwendung von "magick" und Ritualen sind Teil der Ideen und des Lebenskonzepts jedes Einzelnen; meine Lebenskonzept ist es diesem Pfad zu folgen, aber eben auf einem "anderen Weg" der eben nur mein eigener ist, und jeder wird einen anderen Weg finden, sein Leben wahrzunehmen und auszuleben. Ein Affe kann ein Ritual durchführen, aber nur ein weiser Mann ist in der Lage, "to open the doors of perceptions" und sein Schicksal auf einer höheren Ebene als das Profane es ist, anzugehen.

Wie kamst du eigentlich zum BM und was waren und sind deine musikalischen, philosophischen und vielleicht literarischen Inspirationsquellen?
Als erstes muß ich mal gestehen, dass mich der BM mehr durch seine Konzeption als durch das musikalische reizte. Meine Neugierde brachte mich an den Punkt an dem ich wissen wollte, ob alle diese Bands mehr als ihre "just shocking values" zu bieten hatten. Natürlich hatten es einige nicht, andere dagegen schon. Als ich dann mit der Musik begann erhielt ich wie jeder Musiker meine Einflüsse mal von hier, mal von dort; wer das Gegenteil behauptete wäre wohl auch ein Lügner. Niemand kann das mit ganzem Herzen tun was er nicht schätzt oder verehrt! But still, unsere Einflüsse stammen nicht exklusiv aus dem Black Metal oder dem Metal allgemein: Das scheint dagegen der Grund zu sein, warum die meisten BM-Bands sich irgendwie gleichen, weil sie nämlich ihre eigenen Werte und ihre eigenen Geschmack aufgeben zugunsten eines (genretypischen) Wiedererkennungswertes. Darum sieht der BM in dieser "mediocrtiy" auch so blass aus! Das größte Problem des BM ist, dass seine einzigen Einflüsse der BM selbst ist! Perspektiven und Ehrlichkeit tendieren gegen null, um es mal so zu sagen; unsere Einflüsse hingegen sind unbegenzt, alles was uns emotional, physich oder auf einem spirituellen Level berührt ist eben unser hauptsächlicher Einfluß, besonders in dieser Zeit. Ich beschränke mich nicht auf einen traditionellen Satanismus; es gibt nur eine "magick" und deren Essenz nimmt tausend verschiedene Formen und Namen an. Alles in allem machen wir daraus nur ein einziges Konzept und machen es zu unserem!

Wie funktionieren BM und das gesellschaftliche Leben und deinem Alltag?
"How does blues or classical music matches with society in one person’s life?" Es ist gar nicht mal so verschieden davon. jeder hat seinen eigenen Werte und Vorstellungen, einige davon geben der Musik einen wichtigen Platz im eigenen Leben. Es gibt hunderte BM-Fans auf der ganzen Welt die sich darüber beschweren, dass sie von der jeweiligen Gesellschaft nicht akzeptiert sind, dass die Menschen sich über sie lustig machen weil sie Schwarz tragen und langa Haare haben usw. … but well, einige Idioten mokieren sich über jeden, dessen Stil sie nicht verstehen oder der nicht ihrer ist. Es liegt an jedem Einzelnen wie er damit umgeht oder wie er sein will, nicht an den Anderen! Ich habe kein Problem mit der Art, wie ich bin, was ich tue, was ich denke und glaube, und ich geben ehrlicherweise einen Sch*** darauf, was die Menschen von mir denken, auf diese Weise berührt dich das Unverständnis der Menschen weniger, ebenso die Furcht vor ihrer Häme oder Zurückweisung: I leave these to posers and BM Emo Goth fags!

Andreas Matena


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