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Artikel

October File: Arseholes to you ...

Info

Gesprächspartner: October File (Steve Beatty)

Zeit: April 2010

Stil: Post Hardcore/Groove Metal

Internet:
http://www.octoberfile.com
http://www.myspace.com/octoberfile

… ist die eigentliche Bedeutung des Titels Our souls to you, dem dritten Album des britischen Brachialquartetts OCTOBER FILE. Was Ben Hollyer (Gesang), Matt Lerwill (Gitarre), Steve Beatty (Bass) und John Watt (Schlagzeug) hier vorlegen ist nichts anderes als ein garstiger Hassbatzen, der einem den gestreckten Mittelfinger mitten ins Gesicht drückt. Die harte Musik und die anklagenden Texte bilden eine düstere Einheit. Heileweltmusik klingt definitiv anders. Im Gegensatz zum auch schon guten Vorgänger Holy armour from the jaws of god wurden OCTOBER FILE in Sachen Songwriting ein klein wenig ausgefeilter, was vielleicht auch daran liegen mag, dass man erstmals ein Album in der gleichen Besetzung eingespielt hat und sich so als gewachsene Einheit präsentiert. In Sachen Sound trennen sich allerdings die Ansichten der altersmäßig unterschiedlichen Band und so wird „Our souls to you“ als Doppel-CD mit zwei verschiedenen Abmischungen ausgeliefert. Modern und technisch sauber oder oldschool mit Ecken und Kanten? Hier bekommt man beides. Warum der Vierer dies so haben wollte, war nur eine der Fragen die MAS Bassist Steve Beatty stellte. Hier das ganze Gespräch:


Die schwierigste Frage stellen wir gleich mal an den Anfang. Wie würdest Du eure Musik Fremden in möglichst einfachen Worten beschreiben?

Nun, ich kann das einfach nicht. Wir passen einfach nicht in ein bestimmtes Genre und das ist etwas Gutes. Wir haben ein abwechslungsreiches Album aufgenommen. Nachdem wir so viel Zeit damit verbracht haben es zu schreiben, sehe ich keinen Sinn darin, zu vereinfachen was wir tun. Eines der vielen Probleme unserer Welt ist, dass jeder es einfach möchte. Warum sollten wir genau beschreiben müssen was wir tun? Es ist Musik. Lass sie für sich selbst sprechen.

Was ich mich bereits beim letzten Album gefragt habe: Woher kommt eigentlich euer Bandname - liegt eine tiefere Bedeutung darin?

Es wird immer wieder gemunkelt, dass wir uns nach dem Album October File von Die Kreuzen (US-Hardcore/Avantgarde-Band - Anm.d.Verf.) benannt haben. Aber das stimmt nicht. Erst einmal war die Platte nicht mal wirklich gut. Eigentlich ist sie annähernd langweilig. Zweitens war es eine Bezeichnung aus dem kalten Krieg, etwas Mysteriöses. Jeder talentlose, kurzlebig Volldepp auf der Welt hat einen Namen des Monats. Also haben wir große und gute Volldeppen gedacht, wir sollten das auch.

Ihr werdet oft mit den legendären Killing Joke verglichen. Ist das eine Ehre für euch oder nervt es, dies ständig hören zu müssen?

Nun, wir teilen dasselbe dunkle Territorium und wir sind in gewisser Hinsicht von ihnen inspiriert. Aber wir klingen nicht wie sie und jeder der das behauptet, ist taub. Wir haben gewisse Dinge gemeinsam. Wir spielen Gitarren und Schlagzeug und schreien viel, wie sie. Ihre Texte sind nicht dumm - mit Ausnahme von zwei furchtbaren Alben. Ich denke es gibt verschiedene Gemeinsamkeiten. Und ja, es ist beschissen langweilig, dies immer wieder hören zu müssen. Du spielst Thrash Metal, stört es Dich, dass Slayer das auch tun?!

Es scheint, in Großbritannien wimmelt es immer noch von Brit-Pop, dessen Nachfolgern und neuerdings einer neuen Welle an „Oldschool Metal“-Kopisten. Gibt es da überhaupt einen Markt für eine Band wie October File?

Britannien war einmal bekannt für großartige Musik. Leider ist sogar die Metalszene so sehr Yankee-verliebt geworden. Unsere stolze Tradition nachdenkliche, interessante Gruppen zu produzieren wird nur noch von Bands wie uns hochgehalten, wie es sie nur noch vereinzelt gibt. Ich könnte mir nicht vorstellen in einer Band zu spielen nur um „Karriere“ zu machen. Es interessiert mich einfach nicht, ob es einen Markt für October File gibt. Ich mache es nicht aus Eitelkeit heraus und leider wissen die meisten Leute, die ich auf Shows treffe, nicht einmal was eine gute Platte oder Band ist. Ich meine, schau Dir mal das Internet an. Es ist unglaublich, wie viel Müll von so vielen Trotteln geschrieben wird. Warum sollte ich mich darum kümmern was sie von meiner Band halten, wenn sie nicht einmal zu schätzen wissen, was sie hören?

Du bist bereits in Deinen Vierzigern, während der jüngste in der Band in seinen Mittzwanzigern ist. Zwischen euch liegt fast eine Generation. Was ist die Sache die euch dennoch verbindet?

John spielt Schlagzeug. Wir reden kaum über etwas anderes. Er ist ein großartiger Typ, aber wir unterhalten uns hauptsächlich über die Band. Das ist die Sache die wir gemeinsam haben. John und ich teilen die Liebe Müll abzulehnen. Wir beide hassen eine Menge gemeinsam. Es funktioniert für uns beide. Glücklicherweise ist er ein einzigartiges Individuum und nicht wie die meisten anderen seiner dummen, oberflächlich langweiligen Generation.

Kommen wir zu eurer neuen Platte Our souls to you. Sie klingt gleichzeitig fokussierter und abwechslungsreicher. War das eure Intention oder etwas das sich so entwickelt hat?

Wir haben sie über einen langen Zeitraum geschrieben. Es gab vieles das mit einfloss. Zum Beispiel bin ich sehr zum Anarcho-Punk zurückgekommen, als wir „Public display“ schrieben. Ben und ich haben viel über die alten Tage in den 80ern gesprochen, als es so schien, dass eine komplett neue Jugendbewegung die Welt ändern wollte. Er sagt, dass es eine regelrecht Schande sei, dass er kein Teil dieser aufregenden Zeit sein konnte. Heute wollen die Kids nicht mal mehr wählen gehen! Wir schrieben einen Song namens „Riot“ darüber, aber er klang dann doch zu sehr 80er-mäßig und wir wollten etwas Hochnäsigeres. Also wurde „Public display of anger“ darauf. Das ist nur ein Beispiel für die Kombination der Generationen und Einflüsse auf diesem Album. Am Ende nahmen wir das Album auf, das wir aufnehmen wollten. Wir haben hart gearbeitet um es so gut machen zu können, wie wir konnten. Es spricht für sich selbst.

Es ist das erste Album das in einem stabilen Line-Up aufgenommen wurde. Hat dies auch zum Gesamtergebnis beigetragen?

Es hat lange gedauert, an diesen Punkt zu kommen. Wir haben lange nach dem richtigen Drummer gesucht. Irgendwann kam John deswegs und es dauerte eine Weile bis es persönlich gepasst hat, da er ein ziemlich reservierter und stiller Charakter ist. Aber es hat klick gemacht und er ist so etwas wie der Klebstoff der uns zusammenhält. Jetzt hält er es schon drei Jahre mit uns aus.

Wie entwickelt ihr eure Songs? Schreibt ihr sie zusammen oder entstehen sie in lockeren Jam-Sessions? Wer schreibt die Texte?

Matt und ich haben früher die meisten Texte geschrieben, aber das hat mittlerweile Ben übernommen. Wir bringen immer noch alle unsere Ideen mit ein, da wir Sachen ausdiskutieren. Und die Ideen kommen zusammen mit der Musik. Wir spielen und entdecken zusammen.

Wer hat das letzte Wort bei Diskussionen und über die Richtung wie sich alles entwickelt?

Wen jemand etwas nicht gefällt, lassen wir es fallen. So einfach ist das. Entweder mögen ALLE es oder wir machen es nicht, ohne jeglichen „warum magst du es nicht?“-Mist. Einer für alle und alle für einen - wie bei den drei Musketieren.

Our souls to you habt ihr gleich zweimal abmischen lassen. Was hat euch dazu veranlasst?

Nun, unsere ersten beiden Alben waren produktionstechnisch nicht ganz optimal. Wir haben zwei Lager in der Band. John und Ben sind jünger, sind mehr im zeitgenössischen Metal verwurzelt und wollten eine große Produktion, während Matt und ich darüber nachdachten es einfacher zu gestalten, es so roh wie möglich zu machen, ähnlich einer 1982er Produktion. Ich kenne Justin Broadrick und Matt und ich, wir mögen Godflesh. Warum also nicht ihn nehmen? Am Ende haben wir etwas das beide Lager zufrieden stellt. Du bekommt das Doppelalbum für den Preis eines einfachen. Wir haben es nicht teuerer gemacht um die Kosten zu kompensieren.

Werdet ihr das vielleicht noch einmal wiederholen?

Auf der nächsten Platte gibt es vielleicht mehr eine Kombination unserer beiden Seiten zu hören. Möglicherweise ist es ein Teil unserer Evolution, die richtige Mixtur zwischen uns vieren zu finden. Vielleicht hilft das unseren Weg zu definieren. Bands müssen immer wieder neue Ideen finden. Was das Album betrifft, es ist eine Platte und wir sehen die Broadrick-Version nicht als Extra oder Nebenprodukt. Manche sehen das vielleicht nicht oder wollen es nicht sehen. Wir bringen das Album heraus und du weißt nie was die Leute davon halten. Aber es interessiert uns auch nicht! Ich bin nicht dafür da, um die Idioten zu befriedigen. Ich bin hier um mich selbst zu befriedigen.

Diskografie

A long walk an a short pier (2004)
How to lose friends an alienate people (EP, 2004)
Monuments (EP, 2005)
Hallowed by thy army (EP, 2006)
Holy armour from the jaws of god (2007)
Our souls to you (2010)
Victor Safonkin hat ein weiteres Mal ein tolles Cover gezeichnet. Habt ihr nie daran gedacht jemand anderen zu engagieren?

Es wäre schwer nichts von Victor zu verwenden. Er fasst uns sehr gut zusammen und das ist großartig. Victor treibt zwischen den Welten und es müssen fantastische Welten sein, da seine Vorstellungskraft unglaublich ist. Wir finden, dass das Bild gut zum religiösen Thema des Titels passt. Er ist sehr geschickt, er ist unglaublich. Er ist das dasselbe wie wir als Band. Wir versuchen einzigartig zu sein und immer unser bestes zu geben. Wer will schon wie jede andere typische habe-ich-alles-schon-gehört-Band zu klingen? Davon gibt es schließlich schon genug.

Ist Religion eines der Hauptthemen von October File? Kirchenprügelei ist derzeit ja recht beliebt.

Ich hasse alle Religionen! Sie sind wahnhafter Müll und sie können mich mal alle am Hinterteil lecken - ALLE! Ich denke der Rest der Band kümmert sich ebenso wenig um sie.

Krieg, die Kirche, Firmen welche die Politik regieren. Eure Texte sind sehr negativ. Ist October File eine Art kathartisches Vehikel um alle versteckten, negativen Gefühle einfach heraus zu brüllen?

Was soll an ihnen so negativ sein? Sie vermitteln Gefühle und Gedanken und ja, sie sollen reinigend sein. Wir machen keinen „Rock'n'Roll“ und wollen das auch nicht. Ich könnte nicht in einer Band sein und Lieder über Mädels und wie großartig der Sommer ist spielen. Lieder würde ich sterben!

Nur eine hypothetische Frage: Könnten October File existieren, wenn die Welt nur ein einziger fröhlicher Ort wären?

Ich bin fröhlich. Sehr sogar. Wir und Millionen andere, und da bin ich mir sehr sicher, würden aber trotzdem immer wieder etwas finden, um sich darüber zu beschweren. Hast Du schon mal einen Film mit Sylvester Stallone gesehen, in dem er ein Bulle ist, der in der Zukunft spielt und jeder jeden liebt? Lass es doch, das ist Schrott.

Bist du politisch aktiv oder ist in dieser Band zu spielen politisches Engagement genug?

Meine politischen Ansichten sind meine Angelegenheit. Wir gehen alle wählen. Aber ich würde eher einen Affen in einem Anzug wählen, als die Regierung die wir im Moment haben. Es ist momentan die schlimmste Zeit für Großbritannien, die wir je hatten und diese Leute müssen gehen.

Livespielen oder an neuem Material im Studio arbeiten - was gefällt Dir mehr?

Das kommt darauf an, wo wir spielen und in welcher Stimmung ich bin, wenn ich schreibe. Manchmal kann es ganz schön angespannt mit uns werden.

Nach eurem letzten Album Holy armour from the jaws of god konntet ihr nicht touren und musstet die Konzerte im Vorprogramm von Prong absagen. Warum eigentlich?

Ich bekam eine Ohreninfektion und konnte nicht touren. Ich hatte einen schlimmen Tinitus und mein Arzt sagte, ich solle warten bis meine Ohren wieder stark genug sind. Nachdem wir eineinhalb Jahre Pause machten, machte es keinen rechten Sinn mehr jetzt Konzerte zu spielen. Also nutzten wir die Zeit um eine neue Platte zu machen. Der Druck war weg. Man hatte lang nichts mehr von uns gehört und niemand erwartete etwas von uns. Es war das erste Mal, dass ich in einer Band war, welche die Gelegenheit hatte 30 Songs zu schreiben und dann die besten zehn davon aufzunehmen!

Ihr seit kürzlich mit Fear Factory getourt, was sicherlich auch eine gute Gelegenheit war für euch zu werben. Mit wem würdet ihr gerne einmal zusammenspielen. Oder ist so etwas vollkommen egal, Hauptsache spielen?

Wir hatten eine gute Tour und sind sehr gut mit den Fear Factory-Jungs ausgekommen. Sie mögen unsere Band und haben uns meistens beim Spielen zugesehen. Es war sehr angenehm ihren Respekt zu genießen. Wir haben keinen großen Plan und werden auch keinen machen. Wenn sich Dinge ergeben, werden wir sie uns zusammen ansehen und schauen, wie wir uns dabei fühlen würden.

Gibt es eine Chance euch in naher Zukunft mal in Deutschland live zu sehen?

Ich würde mich wirklich sehr freuen auch mal in Deutschland spielen zu dürfen. Aber wir haben derzeit keine Pläne hierfür. Wir werden die Tage darüber sprechen, was wir uns als nächstes vornehmen. Ein Video für den Song „Falter“ ist das einzige was derzeit auf dem Programm steht.

Ok, am Ende gibt noch Platz für die üblichen „letzten bedeutenden Worte“.

Was euch das Innre stört, das dürft ihr nicht leiden - Goethe.


Mario Karl


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