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Artikel

KANSAS und STATUS QUO - Classic Rock im Doppelpack

Info

Künstler: Status Quo

Zeit: 31.10.2009

Ort: Bamberg - Jako-Arena

Internet:
http://www.statusquo.co.uk
http://www.myspace.com/statusquo40
http://www.kansasband.com
http://www.myspace.com/kansas

In letzter Zeit ist es im Classic Rock-Bereich immer häufiger der Fall, dass sich zwei bekannte Bands zusammentun und gemeinsam auf Tournee gehen. Als Fan hat man mit solchen Paketen manchmal auch so seine Schwierigkeiten. Die eine Band mag man mehr, die andere vielleicht eher weniger. Mit den beiden oben genannten Bands hab ich jetzt allerdings keine Schwierigkeiten, die gefallen mir beide. Wobei ich Status Quo live auch ein bisschen eintönig finde, da sich die Lieder und die Songstrukturen doch sehr ähneln. Ich bin in diesem Fall eher auf Kansas gespannt, die ich noch nie live gesehen habe, und vor allem auf deren Sänger Steve Walsh.

Die Jako-Arena ist bereits gut gefüllt, als ich dort ankomme. Das Publikum ist typisches Classic Rock-Publikum, dessen Durchschnittsalter sich wohl so um die Mitte Vierzig befindet. Ziemlich pünktlich um 20 Uhr geht das Licht aus und die Prog-Rock-Legende KANSAS betritt die Bühne. Los geht’s mit dem schmissigen „Fight Fire With Fire“, das der überaus agile Steve Walsh sehr wuchtig präsentiert. Im Vorfeld war öfter zu lesen, dass Steve Walshs Stimme durch Alkohol und Drogen ziemlich zerstört wurde. Nichts davon ist zu hören, ich bin mächtig beeindruckt. Musikalisch ist die Band sowieso über jeden Zweifel erhaben. Der etwas kantige und mit Augenklappe versehene Gitarrist Rich Williams spielt seine Gitarrensoli auf der linken Bühnenseite mit stoischer Ruhe und Präzision, dass es eine wahre Freude ist. Auch der Rest der Truppe zeigt vor allem beim folgenden „Belexes“, was sie drauf haben. Der Schlagzeuger und Urgestein Phil Ehart bearbeitet sein Schlagzeug mit ziemlicher Wucht und sorgt zusammen mit dem ebenfalls ausgezeichnet singenden Bassisten Billy Greer für einen bombastischen Rhythmusteppich. Der Geige spielende Gitarrist David Ragsdale sorgt für die obligatorische Begleitung, die für Kansas typisch und unerlässlich ist.
Besonders bei dem Übersong „Point Of Know Return“ fällt überdeutlich auf, wie wichtig die Geige für den Gesamtsound dieser Ausnahmeband ist. Mir läuft ein Schauer nach dem anderen über den Rücken, das Konzert ist einfach nur geil. So sieht das auch das Bamberger Publikum, das die Band mit großem Applaus abfeiert. Bassist Billy Greer merkt an, dass Halloween ist und sagt, dass seine Band sich als „Alternde Rockstars“ verkleidet hat - ein absolut sympathischer Typ mit dem nötigen schwarzen Humor. Aber über all dem thront die Wahnsinnsstimme von Sänger und Keyboarder Steve Walsh. Es ist wirklich beeindruckend, mit wie viel Elan und Begeisterung er singt und sich auf der Bühne bewegt. Man hat den Eindruck, einen 20-jährigen Musiker vor sich zu haben. Bei „Dust In The Wind“ präsentiert die Band ihren wohl größten Hit und es ist schon ein Erlebnis, diese Hymne live zu hören. Die Zeit verfliegt geradezu und das geniale „Portrait (He Knew)“ leitet über zu einem weiteren Kansas-Hammer: „Carry On Wayward Son“. Unglaublich, wie die Band hier agiert. Der Gesang ist wie auf CD und der Song wird noch rockiger gespielt. Ich bin hin und weg, wie wohl die meisten der Anwesenden. Brutal ist schon, dass nach genau 45 Minuten das Ganze auch schon wieder vorbei ist. Ich persönlich hätte noch stundenlang zuhören können. Es wäre wirklich eine schöne Sache, wenn sich Kansas dazu entschließen würden, eine Headliner-Tour durchzuziehen.

Setlist Kansas:
Fight Fire With Fire
Belexes
Point Of Know Return
Miracles Out Of Nowhere
Dust In The Wind
Down The Road
Portrait (He Knew)
Carry On Wayward Son

Nach etwa einer halben Stunde Umbaupause geht das Licht wieder aus und die legendären STATUS QUO entern die Bamberger Bühne. Mit dem neuen Album Pictures im Gepäck beginnt eine Rundreise über das 40-jährige Schaffenswerk der unkaputtbaren Truppe. Der flotte Dreier „Caroline“, „The Wanderer“ und „Rain“ zeigt die Marschrichtung an - immer gerade und schnörkellos nach Vorne. Bei einem Wahnsinnssound kommt der Klang der beiden Fender Telecaster besonders deutlich zur Geltung. Die wichtigsten Bandmitglieder sind natürlich die Gesichter von Status Quo - Rick Parfitt und Francis Rossi. Francis Rossi, dessen Zopf letztlich weichen musste, macht viele Ansagen, diskutiert mit dem Publikum und schneidet Grimassen wie ein Wilder. Stimmlich sind die beiden auch an diesem Abend wieder bestens gelaunt. Francis Rossi singt absolut klasse und Rick Parfitts Reibeisenstimme ist ebenfalls in einem phantastischen Zustand. Aber auch die restlichen Musiker sind vom allerfeinsten und man sieht ganz deutlich, dass die fünf Spaß auf der Bühne haben. Vor allem Keyboarder Andrew Bown unterstützt die beiden teilweise mit einer dritten Telecaster, spielt Mundharmonika und eben noch Keyboard, was den Quo-Sound variabler macht. Auch die eingeblendeten Hintergrundeinspielungen per Videoleinwand zeigen durchaus ihre Wirkung.
Ein paar Oldtimer werden mit den Uralt-Hits „Pictures Of Matchstick Man“ und „Ice In The Sun“ ebenfalls präsentiert, was ich sehr passend finde. Der beste Song des Abends, bei dem auch eine witzige Geschichte dahinter steckt, ist meiner Ansicht nach „On An Island“, zu dem Francis eine witzige Geschichte (ja, es geht um Drogen) erzählt. „In The Army Now“ wird vom Bamberger Publikum leidenschaftlich mitgesungen, die Stimmung ist wirklich ausgezeichnet. „Roll Over Lay Down“ leitet über zu einem meiner persönlichen Favoriten, „Down Down“. Hier rennt der agile Francis Rossi an den Bühnenrand, und legt einfach los, die Band legt nach und der unnachahmliche Quo-Sound startet. Einfach nur geil. Die Überhymnen „Rockin All Over The World“ und „Whatever You Want“ schließen den regulären Teil des Konzerts ab. Als Zugaben werden noch „Paper Plane“, „Junior’s Wailing“ und ein Rock 'n Roll-Medley präsentiert. Bamberg ist begeistert, ich auch und so bekommt Status Quo auch den Applaus, der ihnen zusteht. Schöne Sache, diese Band auch im 40sten Jahr ihres Bestehens noch mit so viel Begeisterung und Herzblut auftreten zu sehen. Respekt und Glückwunsch! Zum absoluten Glück hat eigentlich nur noch „Gerdundula“ gefehlt - aber man kann nicht alles haben.

Status Quo Setlist:
Caroline
The Wanderer
Rain
Don't Drive My Car
Mean Girl
Softer Ride
Beginning Of The End
Proposin' Medley
Big Fat Mama
Pictures Of Matchstick Men
Ice In The Sun
The Oriental
Creepin' Up On You
Living On An Island
In The Army Now
Drum Solo
Roll Over Lay Down
Down Down
Whatever You Want
Rockin' All Over The World
Encore:
Paper Plane
Junior's Wailing
Rock 'n' Roll Medley

Ein genialer Konzertabend ist leider auch schon wieder zu Ende. Es bleibt die Gewissheit, zwei Legenden auf der Bühne gesehen zu haben, die immer noch saugut rocken können. Einziger Kritikpunkt: Die Merchandise-Preise. 35 Euro für ein Status Quo- bzw. Kansas-Shirt finde ich nun doch ein wenig übertrieben.

Stefan Graßl


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