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Artikel

BANG-YOUR-HEAD!!!-Festival 2009 - Rain or shine!

Info

Künstler: Bang Your Head 2009

Zeit: Juni 2009

Ort: Balingen, Messegelände

Besucher: ca. 15.000

Internet:
http://www.bang-your-head.de

Extremes Wetter, hierfür ist das Bang-Your-Head!!!, welches jährlich Ende Juni stattfindet, bestens bekannt. Meistens hatten dessen Besucher Glück und das Extrem beschränkte sich auf intensiven Sonnenschein. Ausnahmen gab es natürlich auch. Man denke nur an das Megaunwetter 2005, bei dem ein großer Teil der Zeltplätze regelrecht verwüstet wurden. Aber auch dieses Jahr meinte es Petrus nicht so wirklich gut mit diesem Festival auf der schwäbischen Alb. Viel Wasser gab es, das sich mit extremen Sonnenschein abwechselte. Wer sich am Freitag noch freute, nicht ohne den üblichen Sonnebrand abreisen zu müssen, brauchte am nächsten Tag sein Zelt nicht ohne Regenjacke zu verlassen, was viele veranlasste erst einmal in ihrer mobilen Behausung zu verweilen.
Aber abgesehen vom Wetter gab es nur Positives aus Balingen zu berichten. Nachdem das Echo auf das ausgelagerte Metalcamp (an den Arsch der Welt) ziemlich geteilter Natur war, gab es 2009 auch eine sehr gute Neuerung. Auf dem Festivalgelände wurde eine neue Halle gebaut, in der bereits am Donnerstagabend eine Warm-Up-Show mit Kreator und Jon Oliva’s Pain stattfand. Danach wurde sie als Metalbörse, zur Verpflegung und als ruhiger und trockener Ort zum Verweilen genutzt. Die stets sauberen Toiletten dort waren noch ein zusätzliches Plus. Ansonsten gab es wieder die üblichen (überteuerten) Verpflegungsstände mit ihrer reichlichen Auswahl. Also auch das wie gehabt. Aber trotzdem konnte man 2009 offensichtlich nicht ganz so viele Besucher wie sonst auf das Messegelände locken. Denn es war wieder etwas gemütlicher geworden. Das durchwachsene, aber dafür abwechslungsreiche, Programm überzeugte im Vorfeld wohl nicht jeden. Spaß hatte aber mit Sicherheit ein jeder, der eine Reise hierher wagte. Und Meckereien blieben am Schluss ziemlich aus.



Freitag 26.06.2009


Erster Act des heavy rockenden Wochenendes waren die Reutlinger HATSTICK. Die Organisatoren des Festivals sind ja dafür bekannt, immer wieder jungen Bands aus der Region die Möglichkeit zu geben, sich auf einem großen Open Air vorstellen zu können. So auch hier. Das mag auch der Grund sein, dass das junge Trio hier spielen durfte. Denn musikalischen passte die Band mit ihrem modernen Sound nicht so wirklich ins Programm. Denn Hatstick haben sich einem ziemlich modernen und hart groovenden Hartwurstsound verschrieben, der hier nicht so recht auf Gegenliebe stoßen wollte. Das Ganze klang etwas wie eine neumetallische Version von Prong. Alles gar nicht so richtig schlecht. Die Nervosität der drei war allerdings sehr zu spüren. Natürlich besonders bei Sänger und Gitarrist Marvin, der immer wieder bangende Köpfe heraufbeschwor. Nach 25 Minuten war diese Vorstellung auch schon wieder vorüber. Mehr als Höflichkeitsapplaus war für die Schwaben leider nicht drin.
(MK)


Arrrrr, Augenklappe und Schwert ausgepackt, ALESTORM sind los! Wenn es gerade eine Band der Stunde gibt, sind es diese vier Schotten mit ihrem Piratenmetal. Nicht wenige haben sich komplett als Piraten ausstaffiert (es fehlte nur noch ein Papagei auf der Schulter) und mit Kunstblut besudelt, um ihre neuen Helden zu ehren. Gute Stimmung war also im Voraus garantiert, wenn derart euphorische Fans vor Ort sind. Den richtigen Soundtrack lieferten Alestorm sowieso. Ihr schmissiger Metal mit seinem gewissen raubeinigen Charme und den eingängigen Melodien überzeugte auch Unbedarfte recht schnell. Aber letzteres ist auch wieder eine etwas zwiespältige Sache. Etwas zu schunkelhaft und käsig wirkt das Ganze manchmal, vor allem durch die klebrigen Keyboardmelodien. Aber das ist wohl ziemliche Geschmackssache. Metal ist dieses ekelige Umhängekeyboard das am Hals des knochigen Frontmanns Christopher Bowes baumelt trotzdem definitiv nicht. Dafür wirken die vier Jungs ziemlich sympathisch und natürlich und deswegen die Chose auch recht nett. Neben ihrem Sänger schaut auch der kleine und recht rundliche Gitarrist Dani Evans recht knuffig aus. Selten jemanden gesehen, an dem eine Sechssaitige so gewaltig wirkt. Als Alestorm gegen Ende ihr Trümpfe namens „Captain Morgan’s revenge“ und „Wolves of the sea“ auspackten, hatten sie mit Sicherheit ein paar neue Fans gewonnen.
(MK)


Wow, ich wusste gar nicht, dass L.A. neuerdings mitten in Schwaben liegt. Genau diese Schlussfolgerung ließen KISSIN’ DYNAMITE zu. Denn viel anders klang es auch in den 80ern in Kalifornien nicht. Die Jungspunde aus dem Raum Reutlingen boten klasse sleazigen Heavy Rock, wie man ihn leider viel zu selten zu hören bekommt, selbst wenn man diesen Sound in den letzten Jahren wieder verstärkt auf dem Vormarsch ist. Auch optisch hatte man den femininen Hang dieser Epoche akquiriert. Die fünf Jungs gaben von der ersten Sekunde an Vollgas und man konnte es kaum glauben, mit welch jugendlichen Musikern man es zu tun hatte. Denn man spielte derart versiert auf und riss die immer größer werdende Masse vor der Bühne von Song zu Songs mehr mit, wie es sonst nur jahrelange Profis tun. Nicht wenige begannen bald, die Refrains der Band lauthals mitzusingen. Plakative Titel wie „I hate Hip Hip“, „Addicted to Metal“ oder „Let’s get freaky“ eigneten sich hierzu auch bestens. Mit „Welcome to the jungle“ (kein Guns ´n Roses-Cover) endete ein Auftritt, der nichts anderes als ein voller Erfolg für die Band war. Mit ihrem „Steel of swabia“ rannten Kissin’ Dynamite aber auf einem traditionell ausgerichteten Festival wie dem Bang-Your-Head auch offene Türen ein.
(MK)


Was auf dem Keep-it-true vor ein paar Jahren als unterhaltsame Einlage für alte Manowar-Fans anfing, ist mittlerweile eine richtige Band: Der ehemalige Gitarrist der Ledertangaträger, ROSS THE BOSS, mit seinen jungen Mitmusikern der Tributeband Men of War. Da man mit New Metal Leader mittlerweile ein eigenes Album in der Hinterhand hat, steht dieses an diesem Tag auch im Vordergrund und nicht die Songs seiner ehemaligen Brötchengeber. Aber auch solche haben natürlich einen Eingang ins Set gefunden und ein andächtiges Raunen geht durchs Publikum als die ersten Töne von „Death tone“ und „Gloves of metal“ ertönen. Die neuen Eigenkreationen stoßen dagegen nicht auf derartige Sympathien. Denn, dass muss mal leider sagen, diesen fehlt dann doch etwas der Biss. Und gerade eine epische Nummer wie „Immortal sin“ nimmt ziemlich den Drive aus diesem eh nicht gerade überschäumenden Konzert, selbst wenn die Band recht engagiert agiert. Allen voran natürlich ihr Vorstand und Namensgeber Ross, der auch nach all den Jahren nicht seine Ausstrahlung verloren hat. Dafür merkt man vor allem Sänger und zeitweisen Zweitgitarrist Patrick Fuchs die Nervosität auf dieser großen Bühne stehen zu dürfen ziemlich an, was er auch selbst unterschwellig in seinen Ansagen zugibt. Insgesamt war diese Vorstellung dann doch ziemlich durchwachsen, selbst wenn sie mit den alten Gassenhauern „Thor“ und „Hail and kill“ ein recht zufrieden stellendes Ende nahm.
(MK)


VOIVOD konnte man in unseren Breitengraden schon viele Jahre nicht mehr live bewundern, vor allem nicht mit Originalsänger Snake. Da war dieser Auftritt schon mit einer gewissen Vorfreude verbunden. Statt Viersaiter Jason Newsted hatte man Urbassist Blacky mit im Gepäck, der damit alles andere als ein reiner Ersatz war. An der Gitarre war Daniel Mongrain von Martyr zu hören, der sich redlich bemühte das Voivod-Flair auch ohne Away zu verbreiten, der seit August 2005 leider nicht mehr unter uns weilt. Die Spannung war also groß, welche Songs uns Voivod um die Ohren hauen würden. Mit der Bandhymne „Voivod“ ging auch gleich recht standesgemäß los und in den ersten Reihen wurden ordentlich die Häupter zum Cyber-Thrash der Kanadier geschüttelt. Das sollte allerdings nicht der einzige Oldie an diesem Tag bleiben. Denn neben „Treasure chest“ vom neuen Langdreher Infini gab es nur Lieder aus der Schaffenszeit von 1984 bis 1989 zu hören. Dementsprechend ruppig fiel das Set auch aus, was vielleicht etwas schade war, denn gerade aus der mittleren Progphase hätte der eine oder andere sicher gerne ein paar Auszüge gehört. Aber man kann es schließlich in so kurzer Spielzeit nicht jedem recht machen. Höhepunkte waren auf jeden Fall das groovige „Tribal convictions“, das sehr rasante „Tornado“, sowie das abschließende Pink Floyd-Cover „Astronomy domine“. Aber man muss es sagen, die Songs selbst standen gar nicht so sehr im Vordergrund. Das tat vor allem Dingen Sänger Snake, der mit seiner Ausstrahlung eines sympathischen und Fratzen ziehenden Irren von Nebenan ziemlich mitriss. Zwar ist seine markante und etwas schräge Stimme nicht jedermanns Fall, dafür aber ziemlich markant. Als der Technikteufel wieder zuschlug und die Gitarrenanlage kurzzeitig ausfiel, musste er zudem seine Pausenclownfähigkeiten unter Beweis stellen. Aber wie könnte man diese Zwangspause besser überbrücken als ans Publikum massenweise Bier zu verschenken? Eben, gar nicht! Leider war das auch nicht der einzige technische Mangel. Denn der Sound war unter aller Kanone und sehr breiig, wodurch der Auftritt am Ende nicht ganz so gut in Erinnerung bleiben sollte, wie er begonnen hat. Schade drum. Aber trotzdem war es eine schöne Sache, Voivod mal gesehen haben. Wer weiß, ob man diese Gelegenheit noch einmal haben kann.
(MK)


Ich muss sagen, dass ich vor dem Auftritt von PRIMORDIAL etwas skeptisch war, ob die Iren an diesem Nachmittag beim Balinger Publikum wirklich punkten können. Ihre düstere und doomige Musik, die ihren Ursprung im Black- und Pagan Metal hat, genießt auf diesem Billing einen ziemlichen Exotenbonus. Und ob der Sound bei stechender Sonne so gut rüber kommen würde, war mehr als fraglich. Aber diese Bedenken erwiesen sich glücklicherweise als ziemlich haltlos. Denn erstes scheinen ihre epischen und mitreißenden Lieder auch im Bereich des traditionellen Metals mittlerweile ziemlich gut anzukommen und zweitens funktionierte das Ganze auch im Hellen erstaunlich gut. Und das lag vor allem an Frontmann Alan Nemtheanga, der mit seinem einnehmenden Charisma und seiner zu keiner Sekunde aufgesetzt wirkenden Theatralik den Hörer sofort gefangen nahm. Dieser Mann lebt einfach seine Texte, untermalt diese ständig mit ausladenden Gesten und legt jede Menge Seele in sie hinein. Nebenbei wirkt er trotz seines martialischen Auftretens inklusive Kriegsbemalung immer noch natürlich und äußerst sympathisch. Ein echtes Unikum. Aufgrund der langen Songs, gab es auch nur ganze sechs davon zu hören, von denen das eröffnende „Empire falls“, die Klassiker „Sons of Morrigan“ und „The coffin ships“, sowie das abschließende und grandiose „Heathen tribes“ am besten wirkten. Primordial konnten auf der ganzen Linie überzeugen und gewannen sicherlich ein paar neue Fans hinzu, selbst wenn nur ein überschaubarer Teil direkt vor der Bühne den Iren regelrecht aus der Hand fraß. Nicht unbeeindruckt ließen sie bestimmt mehr als diese.
(MK)


Reunion die 32.675.: Letztes Jahr bekamen wir an dieser Stelle ihre Kollegen von Forbidden zu sehen und heuer waren die wiedervereinigten SACRED REICH dran, ein Thrash Metal-Inferno zu veranstalten. Auf dem kürzlich stattgefundenen Rock Hard-Festival hatte der Vierer das Amphitheater in Gelsenkirchen in Schutt und Asche gelegt. Sollte ihnen das auch auf dem Bang-Your-Head gelingen? An der Band lag es nicht wirklich, aber derart euphorische Reaktionen gab es an diesem Tag nicht ganz. Denn Crowdsufen und wilde Moshpits sind eben nicht ganz die Sache des Balinger Publikums. Was aber nicht heißen soll, dass den Leuten die Aufführung der Herren um Teddybärchen Phil Rind missfiel. Denn Applaus gab es jede Menge als die Band ihren schmissigen Set mit „The american way“ und „Independent“ eröffnete. Die Jungs zockten so, als hätten sie auch die letzten Jahre nichts anderes mehr getan. Die Pause hatte ihnen also nicht wirklich geschadet. Phil grinste über beide Backen und nicht nur er hatte ziemlich viel gute Laune getankt. Seine Mitmusiker spielten etwas in sich versunkener, dafür aber nicht weniger engagiert. Man merkte der Band einfach an, dass wieder Hunger vorhanden ist. Hoffentlich hält das noch eine zeitlang an.
(MK)


Bevor es wieder mal melodischer und handzahmer werden sollte, beendeten SODOM erst einmal diesen harten Viererblock mit einer weiteren Portion Thrash Metal. Doch im Gegensatz zu Sacred Reich, die etwas filigraner vorgingen, gibt es bei Tom, Bobby und Bernemann die räudige Ruhrpottversion metallischen Geprügels. Mit „Napalm in the morning“ und „Outbreak of evil“ gab es gleich die volle Breitseite und einen regelrechten Tritt in den Allerwertesten. Das folgende „Axis of evil“ wurde dem verblichenen King of Pop gewidmet. Zwar hatte dieser „noch nie viel mit Sodom am Hut gehabt und Sodom nicht mit ihm, aber er war zumindest ein ganz Großer des Pop“. Humor á la Angelripper. Später setzte er dem noch eines drauf, als der Oldie „Blasphemer“ zum Zug kam. „Das nächste Stück widme ich Chris Witchhunter, der jetzt da oben gemeinsam mit Michael Jackson eine gute Zeit hat. Das ist zwar geschmacklos, aber wahr.“ Tja, wo er Recht hat, hat er Recht. Und wer braucht schon scheinheilige politische Korrektheit? Ehrlich gesagt kein Schwein! Spaß war auch weiterhin angesagt. Zwar verkniff man sich dieses Mal Blödelnummern wie „Die stumme Ursel“, dafür gab es aber die üblichen Klassiker wie „The saw is the law“ (inklusive „Surfin’ bird“ als Intro), „Agent orange“, „Ausgebombt“, „Remember the fallen“ und dem abschließenden „Bombenhagel“. Damit war die ganze Vorstellung wenig überraschend, aber auf einem Festival verlangen das wohl auch die wenigsten und so gab es zahlreiche zufriedene Gesichter als Sodom die Bühne verließen.
(MK)


Wir postieren uns vor der Bühne und warten darauf, was LITA FORD denn noch so drauf hat. Die sichtlich gealterte und eifrig geschminkte Lita stürmt mit ihrer Amiband die Bühne, deren prominentester Mitstreiter der aktuelle Guns ´n Roses-Gitarrist Ron „Bumblefoot“ Thal ist. Mit dem fetzigen „Gonna rock you tonight“ steigt die 80er Jahre-Party und es hört sich durchaus akzeptabel an. Allerdings ist der Sound nicht gerade das Gelbe vom Ei und es fällt schnell auf, dass Lita längst nicht mehr so toll singt wie damals. Die Songauswahl ist durchaus in Ordnung. Die Klassiker der Marke „Black widow“ und „Hungry for your sex“ passen auf jeden Fall. Doch warum sie ausgerechnet zwei neue Songs bringen muss, die darüber hinaus alles andere als interessant sind, bleibt die große Frage. Zwischendurch präsentiert sie dem Publikum ihre beiden Söhne und ihren Lover, was nicht viele interessiert. Bei „Back to the chains“ strapaziert sie die Geduld der Fans doch sehr. Der Song wird ewig in die Länge gezogen und verbreitet dann nur noch Langeweile. Und sie singt etwas schräg. Selbst die Überhymne „If I close my eyes forever“ gerät dann nicht zum magischen Moment. Der Keyboarder wird anschließend von Mrs. Ford aufgefordert, doch mal das Intro von Ozzy Osbournes „Mr. Crowley“ zu spielen. Zu hören ist bei dem matschigen Sound allerdings nur ein überdimensional lautes Furzgeräusch. „Mr. Crowley“ kann ich hier keinesfalls erkennen. Mit dem versöhnlichen Abschlusssong „Kiss me deadly“ geht das Konzert dann auch ziemlich pünktlich zu Ende. Nach einer Zugabe schreit kaum jemand. Nach dem Konzert wird klar, dass Mrs. Ford ihre besten Zeiten nun wirklich schon lange hinter sich hat. Es war mal nett, sie live zu sehen. Allerdings hätte man sich mehr Einsatz und Spielfreude wünschen können.
(SG)


Etwas enttäuscht warten wir auf den Co-Headliner, der mit U.D.O., dem deutschen Teutonen-Metal-Aushängeschild eine sehr gute Band zu bieten hat. Was bereits nach wenigen Sekunden auffällt: U.D.O. haben einen viel besseren, total sauberen Sound, was sich sofort in der Stimmung der Fans bemerkbar macht. Und er hat die besseren Songs. Was kann denn schon groß passieren, wenn eine Band mit einer Nummer wie „Metal heart“ einsteigt? Ganz einfach: Partystimmung! Von der ersten Minute an hat Mr. Dirkschneider die Menge voll im Griff und das Konzert wird zur einzigen Party. Bereits mit dem zweiten Song „Midnight highway“ geht mächtig die Post ab, der U.D.O.-Klassiker „They want war“ bringt die Menge ebenso zum Mitsingen. Und die Stimmung ist phantastisch, einfach nur magisch. „24/7“ ebnet den Weg für das brachiale „Princess of the dawn“, bei dem keiner stillstehen kann und das BYH-Publikum Note für Note mitsingt. „Living for tonight“, „Man and machine“ und natürlich „Thunderball“ halten die Stimmung auf höchstem Niveau. „Animal house“ kommt ebenfalls sehr gut an. Das wuchtige „Holy“, ein „Balls to the wall“, das so genial gespielt wird, dass einem die Tränen kommen und als Abschluss ein sehr schnelles „I’m a rebel“ zeigen einmal mehr, wo der Metal-Hammer hängt. Da können sich Accept reformieren, mit wem sie wollen: Ohne ihren Ausnahmesänger Udo Dirkschneider wird das nichts, Leute! U.D.O. Rules, accept the Boss! Unter tosendem Beifall verlassen Udo Dirkschneider, Stefan Kaufmann und Co. die Bühne und eins ist klar: Es wird für Journey verdammt schwer, diesen Auftritt noch zu toppen. U.D.O. hab ich oft gesehen, aber noch nie mit einem dermaßen genialen Sound und: Mr. Dirkschneider war noch nie besser bei Stimme wie an diesem Abend. Respekt!
(SG)


Als ich JOURNEY vor ein paar Jahren mit Jeff Scott Soto als Sänger in der Karlsruher Europahalle gesehen hatte, haben sie sehr viele ihrer Balladen gespielt. In Balingen können sie dieses Programm nicht wiederholen, dachte ich mir. Doch wie soll es anders gehen? Ich war sehr gespannt und hatte die größte Angst, Journey könnten vom Publikum sogar ausgebuht werden. Doch Journey sind die Perfektionisten schlechthin und überlassen hier nichts, aber auch gar nichts dem Zufall. Bereits mit dem Opener „Seperate ways (Worlds apart)“ zeigen sie den Fans, dass sie von ihrer Hardrock-Seite nichts eingebüßt haben. Ein dermaßen wuchtig gespielter Opener, bei dem Schlagzeuger Deen Castronovo und der neue Sänger Arnel Pineda alles geben, hätte ich Journey so niemals zugetraut. Nach wenigen Sekunden ist klar: Das wird der Abend des kleinen Sängers! Ein überaus sympathischer Geselle mit mächtig viel Spielfreude. Das überträgt sich auf die Band, auf die Fans und das Konzert wird zu einem wahren Triumphzug. Klassiker löst hier Klassiker ab und da macht es nichts aus, wenn zwischendurch mal eine Ballade wie das von den Fans begeistert mitgesungene „Lights“ präsentiert wird. Was auffällt: Die Songs werden erstaunlich heavy präsentiert und die Balladen, für die Journey bekannt sind, werden größten Teil außen vor gelassen. Eine bessere Setlist wird man von Journey wohl nicht mehr zu hören bekommen. Die Band hat einen Super-Tag erwischt und bei den vielen Hits kann wirklich nichts schief gehen. Beispiele gefällig? „Stone in love“, das überragende „Wheel in the sky“ und etwas weniger bekannte Songs wie „Flash of the blade“ oder „Rubicon“ runden das Ganze ab.

Neil Schon ist in absolut prächtiger Spiellaune und es macht richtig Spaß, diesen Ausnahmegitarristen bei der Arbeit zu beobachten. Jonathan Cain liefert wie immer einen absolut souveränen Job an der Gitarre bzw. den Keyboards ab und bringt vor „Wheel in the sky“ sogar eine Blueseinlage auf der Mundharmonika. Etwa drei Songs vom neuen Revelation-Album werden gespielt, die von den Fans ebenfalls begeistert aufgenommen werden. „Faithfully“ ist ein absolutes Highlight. Arnel Pineda verzaubert Balingen und der Song wird zur traumhaft schönen Mitsinghymne. Die Nackenhaare stehen mir zu Berge, als das Keyboard-Intro von „Don’t Stop Believin’“ ertönt - hört denn der Hit-Marathon niemals auf? Ebenfalls erwähnenswert: Der coole Bassist Ross Valory, der mit stoischer Ruhe und Dauergrinsen im Gesicht den Ruhepol der Band darstellt. Mit „Be good to yourself“ und dem unnachahmlichen „Anyway you want it“ geht das AOR-Spektakel leider schon viel zu früh zu Ende. Die meisten Anwesenden plus mich hätten noch stundenlang zuhören können. Eine Zugabe gibt es nicht, was aber völlig in Ordnung geht, denn die Band spielt ohne Unterbrechung durch. Journey bekommen so viel Applaus, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt habe. Aber es muss auch klar gesagt werden, dass dies einer der besten Headlinerauftritte auf dem Bang-Your-Head Festival überhaupt gewesen war! Es ist schlicht und ergreifend unbeschreiblich, was diese Band aus sich herausholen kann und dabei noch so extrem cool wirkt. Mit dem neuen absolut sympathischen und äußerst agilen Sänger, der dem Journey Sänger schlechthin, Mr. Steve Perry, in nichts nachsteht, haben Neil Schon und Co. einen Glücksgriff gemacht. Er sucht den Kontakt zu den Fans, bewegt sich viel und verpasst der Band eine enorme Frischzellenkur. Ich bin mächtig beeindruckt und der Auftritt ist Gesprächsthema auf dem Campingplatz, am nächsten Tag auf dem Festivalgelände und wird sicher noch lange nachwirken. Don’t Stop Believin’!
(SG)

Freitag 27.06.2009



Nein, einfach hatten es CLOVEN HOOF an diesem Tag definitiv nicht. Nicht nur, dass es allgemein eine etwas undankbare Aufgabe ist in aller Früh den Restalkohol aus den schweren Köpfen des Publikums zu schütteln, auch das Wetter hatte es alles andere als gut mit ihnen gemeint. Es schüttete sprichwörtlich wie aus Kübeln und deswegen war es auch kein Wunder, dass sich nur wenige standhafte Nasen auf das Festivalgelände verirrt hatten. Aber die Briten schlugen sich trotzdem recht wacker. Sie eröffneten den zweiten Festivaltag mit dem harten „Inquisitor“ und schoben gleich den alten Gassenhauer „Nova battlestar“ nach. Songtechnisch konnte so schon mal gar nichts mehr schief gehen. Wie auch schon auf dem letzten Keep-it-true bewies die runderneuerte Band, dass der mittlerweile doch etwas altbackene Sound mit der richtigen Performance immer noch mitreißen kann. Für dieses Festival hätte das Gebotene ein echter Hit sein können, aber Petrus meinte es ja nicht besonders gut. So verklang der abschließende Klassiker „Gates of Gehenna“ leider ziemlich ungehört.
(MK)


Nicht viel besser erging es auch dem Bay Area-Metalkommande LÄÄZ ROCKIT. Aber wie man die Band so kennt, blieb sie von den vom Himmel herab prasselnden Wassermassen ziemlich unbeeindruckt. Und so bekam das traurige Häuflein vor der Bühne eine ziemlich massive und mitreißende Vorstellung geboten. Zu einem großen Teil dafür verantwortlich war vor allem der wieder sehr agile Frontmann Michael Coons, der sich die ganze Zeit solidarisch auf den Steg stellte und sich ebenso wie die Fans beregnen ließ und seine Songs voller Inbrunst ins Mikro brüllte. Neben unkaputtbaren Klassikern wie „Last breath“ oder „Chasin’ Charlie“ gab es einige Titel vom Comebackalbum Lääz Rockits, „Left for dead“. Damit machte man klar, dass man kein Nostalgieact ist und es auch heute noch drauf hat. Aufgrund der energiereichen Vorstellung schaffte es der Fünfer dann doch noch ein für diese Verhältnisse stattliches Häuflein vor sich zu versammeln. Mit den energiereichen „Forced to fight“ und „Fire in the hole“ endete ein tadelloser und spaßiger Auftritt, der allen Beteiligten bestimmt noch eine ganze Zeit in Erinnerung bleiben dürfte.
(MK)


Selbiges gilt auch für den folgenden Auftritt von POWERWOLF, welchen das düstere Wetter showmäßig sogar entgegen kam. Denn im prallen Sonnenschein wäre ihr spaßiges Werwolfauftreten sicherlich nur halb so gut rüber gekommen. Denn beim Regen kam auch die Lichtshow selbst während der Mittagszeit zur Geltung und verlieh der Sache ein Plus an düsterer Atmosphäre und dadurch vielleicht auch ein Mehr an Ernsthaftigkeit. Denn ernst hat die Band wohl noch niemand so richtig genommen und dabei übersehen, dass Powerwolf trotz des unterhaltsamen Firlefanzes viele starke Songs haben. Mit dem Opener „We take it from the living“ gab es auch gleich einen ebensolchen des zweiten Albums Lupus dei. Während des Konzerts spielte man sich auch wild durch alle drei veröffentlichten CDs. Wie im Interview mit der Band angemerkt, kamen auch die neuen Songs mit etwas weniger Chören und Bombast live nicht weniger gut. Besonders stark wirkten dabei, wie zu erwarten, „Raise your fist Evangelist“ und „Werewolves of Armenia“, echte metallische Spaßpillen vor dem Herrn - Entschuldigung, vor dem Wolf natürlich. Neben witzigen Songs gab es natürlich auch wieder zahlreiche unterhaltsame Ansagen des „rumänischen“ Sängers Attila Dorn, der mit seinem gefakten osteuropäischen Akzent und nicht ernst gemeinten Kommentaren die Lacher auf seine Seite zog. Zu „Resurrection by erection“ veranstaltete er mit Hilfe des in ein Pfarrerkostüm gehüllten Bruder Cle eine kurze Messe. Mit „Kiss of the cobra king“ endete ein sehr kurzweiliger und unterhaltsamer Auftritt einer etwas unterschätzten Band. Dürfen gerne auch ein drittes Mal kommen!
(MK)


Die Amis DRIVER sind mit ziemlicher Prominenz besetzt, ist dies doch die Band von der selbst ernannten „Voice of Melodic Metal“ Rob Rock, sowie des Gitarristen Roy Z. (Tribe of Gypsies), der hinter dem Mischpult schon Bruce Dickinson und Rob Halford in ein neues Karrierehoch geholfen hat. Diese Band hatte allerdings bisher nur eine kurze Lebensdauer. Nach einer EP im Jahr 1990 war nach zwei Jahren Schluss und erst 2007 fand man wieder unter diesem Banner zusammen und veröffentlichte ein Jahr später die CD Sons of thunder, von der es heute jede Menge zu hören gab. Driver stehen wir gutklassigen und melodischen Heavy Metal der alten Schule, wie ihn Rob Rock auch mit seiner Soloband spielt. So fiel die musikalische Eingewöhnung gar nicht schwer, als der Fünfer sein Konzert mit „Sons of thunder“ und „Fly away“ eröffneten. Mittlerweile hatte sich das Wetter glücklicherweise gebessert und der Regen ließ so langsam nach. Gegen Ende des Sets strahlte auch die Sonne wieder. Ob das am Sound von Driver lag? Wer weiß, aber gut kam die Musik beim Publikum jedenfalls an, das so langsam aus seinen regengeschützten Löchern kroch. Davon ließ sich die Band sichtlich motivieren und präsentierte sich sehr spielfreudig. Allen voran Roy Z., der sichtlich Spaß daran hatte, auch in Europa mal wieder auf den Bühnebrettern stehen zu können. Seine Gitarre konnte einen schon fast Leid tun, wie er sie manchmal malträtierte und sich dabei in jede nur erdenkliche Pose schwang. Das ganze fast schon ein wenig übertrieben. Sein Sänger agierte da schon etwas zurückhaltender. Die Gesangsleistung war mal wieder spitze, aber man muss leider auch feststellen, dass Rob Rocks Gesangslinien bei allen Projekten, in die er involviert ist, ziemlich gleich klingen und mit der Zeit auch ganz schön ermüden. Mit dem Abba-Cover „Eagle“ (den Song kann man wohl nie kaputt spielen) und der Rob Rock-Hymne „I’m a warrior“ endete dann ein sehr solider und über weite Strecken unterhaltsamer Auftritt.
(MK)


Die Kalifornier WARRIOR sind eher ein Undergroundding und der großen Masse nicht wirklich bekannt. Das liegt mit Sicherheit auch daran, dass zwischen dem hochklassigen ersten Album Fighting for the earth und dem Nachfolger Ancient future satte 13 Jahre vergingen. Danach folgten noch zwei weitere CDs, die auch nicht gerade Aufsehen erregten. Dort am Mikro Rob Rock und Marc Storace von Krokus. Doch heute haben Warrior ihren einzig wahren Sänger Parramore McCarty wieder mit an Bord. Denn nur mit ihm klingen Songs wie „Defenders of creation“ oder „Mind over matter“ richtig geil. Warrior lassen an diesem Tag nichts anbrennen und die im Militärlook gekleideten Musiker geben mit den ersten Tönen von „Fight or fall“ bereits richtig Vollgas. Dass das Wetter sich dabei endlich wieder so richtig von seiner besten Seite zeigt, gibt dem Ganzen noch einen zusätzlichen Schub. Es war ein richtiger Genuss, die Band in dieser Verfassung einmal live sehen zu können. Und mit ihrem griffigen traditionellen US-Metal rannte sie auch noch offene Türen beim Publikum ein, selbst wenn viele die Songs nicht wirklich kannten. Dafür riss aber die Vorstellung ziemlich mit. Neben der tadellosen Gesangsleistung beigeisterte auch die Saitenarbeit von Joe Floyd und AC Alexander. Hier waren zweifellos Könner am Werk. Ein weiterer gesellte sich der Truppe hinzu, als Roy Z. noch einmal die Bühne betrat, um zum Abschluss mit Warrior ihre unsterbliche Hymne „Fighting for the earth“ zu spielen. Da dieser hier noch mehr ausflippte als bei seinem eigenen Auftritt kurz vorher, wäre es nur interessant zu wissen, welches Pillchen er sich vorher eingeworfen hatte. Oder fand er Warrior und deren Song einfach nur zum Abheben? Gut möglich, denn mit ihrem Auftritt war es ein ziemliches Highlight für Genreliebhaber.
(MK)


Das Ganze ändert sich schlagartig, als die altbekannten PINK CREAM 69 die Balinger Bühne entern und mit dem knackigen „Children of the dawn“ die Fans anheizen. Die sympathischen Karlsruher sind Ersatz für Tesla, was laut Sänger Dennis Readman „für die Tesla-Fans schlecht ist, für uns jedoch geil“. Dennis Readman ist stimmlich in absoluter Topform und auch der Rest der Band gibt mächtig Gas. Frisurentechnisch scheint die Band mittlerweile den preiswerten Gruppentarif bei Gaby ums Eck zu bevorzugen. Gewisse Ähnlichkeiten bei der Frisur lassen sich keinesfalls leugnen. Das Wetter wird langsam auch wieder etwas besser, was der Stimmung sichtlich gut tut. Hits wie „Talk to the moon“, das ausgezeichnete „Welcome the night“ oder das mittlerweile zum Klassiker mutierte „Keep your eye on the twisted“ bringen das Balinger Publikum auf Touren. Mit den Rausschmeißern „Shame“ und „Sea of madness“ ist das ganze dann auch schon wieder vorbei. Meine Mitstreiter und ich sind uns einig, ein ausgezeichnetes Konzert mit hoher Spielfreude gesehen zu haben. Welcome Back Pinkies!
(SG)


Die Schweden HARDCORE SUPERSTAR sollten ja eigentlich schon letztes Jahr hier auftreten, doch aufgrund organisatorischer Probleme blieb ihnen diese Ehre verwehrt. Doch mit einem neuen Album (Beg for it) und einem neuen Gitarristen an Bord (Vic Zino) dürfen sie 2009 einen neuen Versuch wagen. Und dieses Mal gaben die vier Herren ohne Erbarmen ordentlich Vollgas. An Bewegungs- und Spielfreude konnte an diesem Tag so schnell niemand das Wasser reichen. Besonders Sänger Jocke rannte und tanzte ununterbrochen wie von der Tarantel gestochen über die Bühnenbretter. Ein Wunder, dass er bei diesem Turnprogramm auch noch die richtigen Töne traf. Aber auch die Saitenfraktion stand dem in nicht viel nach, sprang wild herum und zockte dabei noch tight wie ein Affenarsch. Das Quartett riss einen dadurch unmittelbar mit und ließ auch so schnell nicht wieder los. Das nennt man wohl eine richtige Rockshow. Glücklicherweise war das nicht nur dazu da von der (vorhandenen) Klasse der eigenen Songs abzulenken, denn auch das passte zweifelsohne. Mit ihrem sleazigen Heavy Rock trafen Hardcore Superstar ziemlich ins Schwarze und Genrehighlights wie „We don’t celebrate Sundays“ und „Wild boys“ wurden ordentlich abgefeiert. Vor allem bei den jüngeren Teilen des Publikums scheint die Band ziemlich große Popularität zu besitzen. War hier die Stimmung noch etwas ausgelassener. Leider war der Sound nicht gerade das gelbe vom Ei und ziemlich schepperig. Aber trotzdem war es ein astreines Konzert. Als Rockfan sollte man die Band wohl mal gesehen haben.
(MK)


Im Freitagsbericht schrieb ich noch, dass das Balinger Publikum sich für Mosh- bzw. Circlepits sich nicht besonders erwärmen kann. Diese Vermutung konnte man bei EXODUS ziemlich schnell wieder revidieren. Denn was her abging war der absolute Hammer. „Good friendly violent fun“ eben, wie es die Band selbst nennt. Schnell war vergessen, dass die Bay Area-Legende 2006 ihren Auftritt auf dem Bang-Your-Head kurzfristig absagte, als sie, wie auch schon auf der Hallentour im März, zu Beginn „Bonded by blood“ ins Auditorium feuerte. Hier wurden schon zahlreiche Fäuste in die Höhe gestreckt, aber erst beim dritten Titel „A lession violence“ ging es so richtig los und es bildeten sich die ersten Pits, was den geschmackssicheren in US-Flaggen-Shorts gehüllten Frontbullen Rob Dukes sichtlich erfreute. Aber das war ihm noch nicht genug und er stachelte das Publikum immer mehr zu aggressiven Höhen an, worauf man von Song zu Songs immer mehr einging. Ja, ein Exodus-Konzert ist eben kein Kindergeburtstag. Während vor der Bühne die Hölle losbrach, spielte der Rest der Band mit stoischer Ruhe seine metallischen Sprenggranaten. Ganz vorne mit dabei in Sachen Coolness Drummer Tom Hunting, der seine Sonnebrille das ganze Konzert über nicht abnahm. Neben neuen Songs wie „Iconoclasm“ und „Children of a worthless god“ (mit charmanter „Fuck the Middle East“!-Ansage), waren es vor allem mittelalte Titel wie „Blacklist“ und „War is my sheppard“, die neben lieb gewonnenen Klassikern der Marke „Piranha“ oder „The toxic waltz“ am besten kickten. Vor letzt genannter Nummer schaffte es Rob sogar noch eine Wall of Death zu initiieren. So etwas gab es auf diesem Festival auch noch nie. Dabei war der gigantische Moshpit der kurz vorher über die komplette Bühnenbreite ging schon richtig Aufsehen erregend. Mit der letzten Ladung „Strike of the beast“ ging ein derart massives Konzert zu Ende, wie es das Bang-Your-Head selten erlebt hatte. Einfach der helle Wahnsinn!
(MK)


Die folgende Band hat mittlerweile schon einige umjubelte BYH-Auftritte hinter sich: Die amerikanischen Hardrock-Heroen Y&T - eine meiner absoluten Lieblinge. Sie fackeln nicht lange und legen gleich mit dem fulminanten „From the moon/Open fire“ los. Auffällig ist, dass Schlagzeuger von Y&T seinen linken Arm gebrochen hat. Ich fass es nicht, da können die doch kein normales Konzert spielen! Doch Y&T tun es trotzdem. So was hab ich echt noch nicht gesehen. Überhaupt legt die Band mächtige viel Tempo vor. Und wie immer schwebt über allem Dave Menikettis unglaublicher Gesang und sein unnachahmliches Gitarrenspiel. Etwas seltener gespielte Sachen wie das witzige „Lipstick and leather“, das klassische „Dirty girl“ und natürlich das temporeiche „Meanstreak“ werden Schlag auf Schlag präsentiert. Während einem Song reißt beim obercoolen Basser Phil Kennemore eine Seite. Diese wird gleich während des Songs noch aufgezogen, einfach krass. Das unsterbliche „Rescue me“ wird vom Balinger Publikum frenetisch bejubelt, hier zeigt die Band eine absolute Weltklasseleistung. Dave Meniketti spielt sich bei der anschließenden Bluesimprovisation in einen wahren Rausch und jeder merkt, wie viel Spaß ihm dieser Auftritt macht. „I believe in you“ nimmt das Tempo ein wenig raus, bevor mit „Black tiger“ und dem finalen „Forever“ der Auftritt leider viel zu früh zu Ende geht. Y&T bekommen sehr viel Applaus und das völlig zu Recht. Meiner Ansicht nach der beste Auftritt des kompletten Nachmittags.
(SG)


Bei der nächsten Band, W.A.S.P., wird es zunehmend voller vor der Bühne. Blackie Lawless und seine Mannen scheinen immer noch interessant für die Mehrzahl der anwesenden Fans zu sein. Zum etwas zu langen Intro von „The End“ (The Doors) kommen Blackie und Co. auf die Bühne, um mit dem fulminanten und durchaus passenden „On your knees“ auf das Publikum einzuprügeln - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Was sich der Soundmischer hier erlaubt, ist eine absolute Frechheit. Der Sound ist viel zu laut, Gitarren erkennt man kaum und der Bass ist viel zu drückend. Wir verlassen den vorderen Bereich - das ganze ist kaum auszuhalten. Das ist mir echt noch nie passiert! Bei Y&T war der Sound auch viel zu laut, aber einigermaßen hörbar. Doch jetzt - nur Schrott. Doch die Songauswahl passt. Mit „Inside the electric circus“, „L.O.V.E. machine“, „Wild child“ oder dem legendären „Chainsaw Charlie“ werden die ganzen Klassiker gespielt. Blackie selbst hat ganz schön zugelegt und spielt während des ganzen Sets mit leicht schwulen Stiefeln, einer Sonnenbrille und sieht ziemlich blass und fertig aus. Dazu passt, dass im Fotograben keiner ein Foto mit Blitzlicht machen darf - Diva bleibt Diva. Bei „The idol“ ist Blackie nach dem Gesangspart gar nicht mehr auf der Bühne zu sehen und lässt seine Mi(e)tmusiker alleine hampeln. Mit „I wanna be somebody“ und dem unvermeidlichen „Blind in Texas“ geht ein routinierter, aber auch sehr einfallsloser Festivalauftritt zu Ende. Wenn man das mit 1999 vergleicht, können W.A.S.P. heuer glatt einpacken. Damals wurde keine Möglichkeit ausgelassen, das Publikum zu schocken bzw. irgendwelche Showeinlagen einzubauen. Davon ist 11 Jahre später überhaupt nichts mehr zu sehen. Wenigstens den blutigen Totenkopf könnte sich Mr. Lawless bei „I Wanna be somebody“ über den Kopf gießen - aber nichts dergleichen. Außerdem ist die Setlist sehr vorhersehbar. Bis auf wenige Ausnahmen kamen fast die komplette Reihenfolge und die gleichen Songs wie beim Auftritt vor ein paar Jahren. Etwas mehr Abwechslung bitte!
(SG)


Der stimmungsmäßige Höhepunkt des Tages waren zweifelsohne W.A.S.P., das muss man auch als Meckerer anerkennen. Dagegen würden es BLIND GUARDIAN auch als Szenelieblinge ziemlich schwer haben. Auch im Vergleich mit Journey am Vortag, die einen absoluten „Überraschungssieg“ beim Balinger Publikum landeten. Dabei war der Einstieg schon ziemlich famos. Mit „Time stands still (At the Iron Hill)“, „Another holy war“ und „Nightfall“ wurden gleich ein paar deftige Highlights ausgepackt, welche die Fans in Wallung versetzten. Nur überlies die Band dem Publikum ziemlich sich selbst und agierte sehr aus dem Hintergrund. Besonders von den beiden Gitarristen André Olbrich und Marcus Siepen war nicht viel zu spüren heraus. Dafür scheint Hansi Kürsch in der Zwischenzeit mehr in seine Rolle als Frontmann hineingewachsen zu sein. Wirkt er doch wesentlich offener als noch in früheren Jahren. Nur die Tatsache, dass er mittlerweile mit seiner neuen Kurzhaarfrisur eher das Flair eines Versicherungsvertreters versprüht, wirkte etwas störend.
Aber Blind Guardian sind ja mehr oder weniger bekannt, ihre Songs für sich sprechen zu lassen. Und das Programm war gut gewählt. Lediglich die ansonsten tolle Ballade „Blood tears“ wirkt am Ende es ersten Drittels wie ein echter Stimmungskiller. Dafür machte sich das Publikum beim mitsingbaren „Valhalla“ wieder richtig bemerkbar. Allerdings nicht ganz so laut wie gewohnt, was zum großen Teil auch am wieder aufkommenden Regen lag, der es der Band nicht gerade leichter machte die Massen mitzureißen. Gegen Mitte des Konzerts setzte so langsam eine Massenflucht ein, da viele Leute die Nase voll vom Wasser hatten und an die Abreise dachten. Schade für die Band. Sie kämpfte sich aber tapfer durch. Es verging aber noch eine Weile, bis die Fanlieblinge „The Bard’s Song (In the forest)“ und „Mirror, mirror“ das Konzert positiv zu Ende brachten.

Was bleibt, ist die Freude Blind Guardian mal wieder gesehen und jede Menge guter Musik gehört zu haben. Denn das Programm war gut abgestimmt und es gab einen interessanten Querschnitt aus dem Schaffen der Band zu hören, der alle Phasen abdeckte, inklusive eines neuen Songs („Sacred“). Man muss aber sagen, dass die Band noch nie Stimmungskanonen waren und es aufgrund der äußeren Umstände auch nicht gerade einfach hatte. Der erhoffte Mega-Headlinerauftritt war es im Rückblick dann leider nicht ganz.
Setlist: Time stands still (At the Iron Hill) / Another holy war / Nightfall / Traveller in time / Turn the page / The script for my requiem / Blood tears / Goodbye my friend / This will never end / Valhalla / Sacred / Time what is time / Lord of the rings / Punishment divine / Imaginations from the other side / The Bard's Song (In the forest) / Mirror, mirror
(MK)

Das war es dann auch mit dem Bang-Your-Head!!! 2009. Es war zusammenfassend wieder eine sehr spaßige Sommerparty. Vom Wetter ließen sich glücklicherweise nur die wenigsten die Stimmung vermiesen. Mit dieser Einstellung steht dann auch einer Fortsetzung im nächsten Jahr nichts mehr im Wege. Der Termin steht, wie üblich, natürlich auch schon wieder fest. Es wird der 16. und 17. Juli sein. Also zwei Wochen später als sonst üblich. Das gilt es bei der Urlaubsplanung für 2010 zu berücksichtigen.


Stefan Graßl + Mario Karl


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