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Artikel

EUREKA - Durch die Antarktis zurück zu den eigenen Wurzeln

Info

Gesprächspartner: Frank Bossert

Zeit: 05.08.2009

Ort: Berlin - Husum

Interview: Telefon

Stil: Art Prog

Internet:
http://www.eureka-music.de

In der letzten Ausgabe hat Norbert von Fransecky das neue Album von Eureka besprochen. Frank Bossert beschreibt auf dem Konzeptalbum Shackleton’s Voyage die Expedition des britischen Abenteuerers Sir Ernest Shackleton durch die Antarktis.
Norbert hat sich über die ruhigen Töne gewundert, die dabei benutzt wurden. Also hat er sich ans Telefon gehängt, um etwas über die Hintergründe des Albums zu erfahren.


musikansich:

Fangen wir gleich mit dem Auffälligsten an: Sie haben sich mit der Reise von Sir Ernest Shackleton durch die Antarktis beschäftigt. Ein Name, der anderes als Amundsen und Scott in unseren Breiten eher unbekannt ist. Wie sind sie auf Shackleton gestoßen?

Frank Bossert:
Das liegt schon einige Jahre zurück. Um 2000 rum bin ich mehr aus Zufall in eine arte-Dokumentation rein gestolpert. Unter dem Titel Verschollen im Packeis wurde da über Shackletons Reise berichtet. Und ich wusste gleich: Das ist mein Konzeptalbum, wenn ich mal eins mache. Damals passte es nicht, weil ich gerade mit meinem zweiten Album beschäftigt war, und es für mich keinen Sinn machte, da nur kleine Stücke von zu veröffentlichen.
Letztes Jahr habe ich die Idee dann wieder aufgegriffen und mich ans Recherchieren gemacht. Und als klar war, dass das Thema noch keiner musikalisch bearbeit hat, begann die Arbeit an Shackleton’s Voyage

musikansich:
Was wollen Sie mit ihrem Konzeptalbum ausdrücken? Für eine Vertonung eines Überlebenskampfes ist das Album überraschend ruhig gehalten.

Frank Bossert:
Das ist mir erst hinterher bewusst geworden. Ich habe mir viel Zeit gelassen und ein ausführliches Storyboard geschrieben, um mir klar zu werden, welche Szenen ich aufnehmen wollte und welche nicht. Denn mir war klar, dass ich das Ganze chronologisch anordnen wollte. Und ich musste dann sehen, welche Etappen der Reise ich beschreibe.
Die Reaktionen auf das Album sind sehr unterschiedlich. Wenn Leute einfach sagen, die Musik passt nicht zu der Story, dann runzele ich nur die Stirn. Aber das ist ähnlich wie bei Verfilmungen von Büchern. Manch einer sagt, das Buch sei gut getroffen; andere haben ganz andere Vorstellungen davon, wie so ein Buch umgesetzt werden soll.

musikansich:
Ich hatte beim Hören den Eindruck, die Musik sei eher von der Majestät und der einsamen Weite des antarktischen Eises inspiriert, als vom Überlebenskampf der Männer?

Frank Bossert:
Das stimmt nur bedingt.
Aber die Reise hat ja über zwei Jahre gedauert. Das war ja kein permanenter Kampf, sondern eher ein gemeinsames Durchhalten. Shackletons große Leistung wird heute oft darin gesehen, dass es ihm gelungen ist, diese Gruppe von fast 30 Männern zusammen zu halten und zu motivieren.
Insbesondere bei Manager-Trainings spielt sein Name heute eine gewisse Rolle als Vorbild für einen leitenden Motivator.
Es gibt sehr viel Material dazu, weil eine ganze Reihe der Beteiligten Tagebuch geführt hat.
Shackleton ist kein männlicher Held im klassischen Sinn gewesen. Während andere Expeditionsleiter heroisch in den Heldentod gegangen sind, hat Shackleton einen größeren Sinn darin gesehen, seine gesamte Mannschaft wieder mit zurück zu bringen.
Bei Shackleton’s Voyage ist das Booklet ein wichtiges Hilfsmittel zum Verständnis. Jeder Titel hat eine eigene Seite mit einem Foto von Frank Hurley, das erkennbar macht, wovon der Titel handelt. Wir haben uns extra für jedem Titel ein Foto lizensieren lassen.

musikansich:
Sind das Originalfotos von der Reise? Ich habe leider nur eine Promo-CD ohne Booklet und Cover.

Frank Bossert:
Ja, die Fotos sind während der Reise gemacht worden. Shackleton ist da sehr modern ran gegangen und hat die Bildrechte schon vorab zur Finanzierung der Expedition verkauft. Der Australier Frank Hurley war auch nicht irgendwer, sondern ein recht prominenter Fotograf in seiner Zeit.

(Ergänzung Nvf: Mittlerweile liegt mir das Album mit Booklet vor. Und ich mus Bossert Recht geben. Das Booklet mit seinen fast 100 Jahre alten schwarz-weiß Fotos, die hier Sepia eingefärbt und wie in einem Foto-Album jeweils mit erläuternden präsentiert werden, rechtfertigen schon fast alleine den Ankauf des Albums. Die Motive zeigen nicht nur Männer und Schiffe, sondern erstrecken sich von einem in den Hafen der Grytviken Whaling Station geschleppten Wal bis hin zum Rugby-Spiel im ewigen Eis.)

musikansich:
Sie benutzen wenige Worte. Nur drei Titel haben Text. Worum geht es in den Texten?

Frank Bossert:
Nehmen wir als Beispiel das sehr heroische von Billy Sherwood gesungene „The Challenge“. Es steht ganz am Anfang bevor die Expedition überhaupt zusammengestellt war und beschreibt ihre Intention. Shackleton hatte eine Anzeige geschaltet, in der er es ganz bewusst sehr offen gehalten hatte, wie groß die Chance ist, wieder zurückzukommen. Es haben sich über 5.000 Bewerber auf diese Anzeige gemeldet, die teilnehmen wollten.

musikansich:
Wenn man sich die Daten von Shackletons Reise (1914 - 16) ansieht, fällt natürlich sofort auf, dass das Ganze während des 1. Weltkriegs passiert ist. Hat das für Shackletons Reise eine Rolle gespielt?

Frank Bossert:
Erst einmal nicht. Die Vorbereitungen liefen ja vorher. Als der erste Weltkrieg ausbrach, befand sich die Expedition bereits in Buenos Aires, um letzte Ausrüstungsgegenstände und auch noch einige Teilnehmer an Bord zu nehmen.
Nach der Kriegserklärung war Shackleton aber sofort bereit die Expedition abzubrechen. Er bot der englischen Marine sogar an, sich mit der „Endurance“ in ihre Dienste zu stellen. Aber Churchill, der damals wohl Admiral gewesen ist, lehnte ab. Er war der Meinung Shackleton und seine Männer wären für England von größerem Nutzen, wenn sie die Expedition durchführen, als wenn sie irgendwo die britische Marine um 28 Mann verstärket hätten. Daher lautete seine Antwort: Weiter machen!
Es ist besonders tragisch, dass ein großer Teil von Shackletons Männern, nachdem sie die Antarktis überlebt haben, danach in der zweiten Hälfte des Krieges auf dem Schlachtfeld gefallen ist.

musikansich:
Eureka - das sind im Wesentlichen Sie allein.

Frank Bossert:
Ja! Ich habe Eureka 1997 als Soloprojekt gegründet. In der Anfangsphase hat mich das Vorbild von Mike Oldfield gereizt - vor allem seine Arbeitsweise, im Studio an der Musik zu tüfteln und das Ganze sich entwickeln zu lassen.
In der Zeit von 2003 bis 2005, während der Arbeit am dritten Album, habe ich dann vermehrt andere Musiker ins Studio geholt. Daraus hat sich dann sogar so etwas wie eine Band entwickelt, mit der ich auch live aufgetreten bin.

Diskografie

Eureka (1997)
The full Circle (2002)
The Compass Rose (2008)
Shackleton’s Voyage (2009)
musikansich:
Es ist schon deutlich geworden, dass Shackleton’s Voyage nicht das erste Eureka-Album ist. Waren die Alben davor ähnliche Konzeptalben?

Frank Bossert:
Nein! Bei Shackleton’s Voyage habe ich das erste Mal mit einem durchgehenden Konzept gearbeitet.

musikansich:
In einer Review zu einem früheren Album wird Eureka als „Kombination aus oldfieldschen Celtic-Folk-Elementen, Mittelalterromantik und spacigen Einflüssen“ beschrieben. Davon ist nicht mehr viel zu hören. Existiert da ein sehr breiter Graben zwischen Shackleton’s Voyage und der Eureka Vergangenheit?

Frank Bossert:
Auf jeden Fall!
Shackleton’s Voyage ist eine Übergangsplatte. Ich will wieder stärker zurück zur Rockmusik. Ich habe mich auf den bisherigen Platten stark von der Rockmusik entfernt. Ich habe zum Beispiel so gut wie kein Schlagzeug benutzt und mehr mit verschiedenen Percussion-Instrumenten gearbeitet. So ähnlich hat das Mike Oldfield auch bei Ommadawn gemacht.
Das will ich in Zukunft wieder etwas ändern. Shackleton’s Voyage bietet sich da als Zwischenschritt an, da es als Konzeptalbum sowieso etwas anders ist.

musikansich:
Damit ist über die Zukunft bereits einiges gesagt. Aber offenbar hat es auch eine Vergangenheit vor Eureka gegeben.

Frank Bossert:
Ja, ich bin von Haus aus eigentlich ein singender Bassist. Ende der 80er/ Anfang der 90er sind wir mit Schülerbands als eine Art frühreife Rush- und Genesis-Fans in der Hamburger Szene aufgetreten. Besonders gefallen hat mir auch World Trade, eine Band von Billy Sherwood. Überhaupt haben mir die etwas amerikanischer geprägten Yes-Alben mit Trevor Rabin immer auch sehr gut gefallen.
In die Richtung könnte es in Zukunft wieder stärker gehen.

musikansich:
Und das soll dann weiter unter dem Namen Eureka geschehen?

Frank Bossert:
Das muss sich zeigen. Vielleicht gibt es auch einen neuen Namen. Erst einmal muss ein neues Album da sein.

musikansich:
Herzlichen Dank für die Antworten!


Norbert von Fransecky


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