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Artikel

U.D.O. - Der Dominator kommt!

Info

Gesprächspartner: U.D.O. (Udo Dirkschneider + Fitty Wienhold)

Zeit: 26.06.2009

Ort: Balingen (Bang-Your-Head)

Interview: Face 2 Face

Stil: Heavy Metal

Internet:
http://www.udo-online.de
http://www.myspace.com/udoonline

Vermeintlich große Ereignisse werfen bekanntlich ihre Schatten voraus. So auch das Erscheinen des neuen U.D.O.-Langdrehers Dominator im August. Um sich im Vorfeld ein Bild über das bereits zwölfte Album der Ex-Accept-Recken Udo Dirkschneider und Stefan Kaufmann machen können, lud AFM Records, das aktuelle Label der Band, zur exklusiven Listening Session ein. MAS hatte die Ehre bei dieser Veranstaltung dabei sein zu dürfen. Ort des Geschehens war nichts anderes als der VIP-Bereich des diesjährigen Bang-Your-Head Festivals in Balingen. Tags darauf bekamen wir zusätzlich noch die Gelegenheit Udo höchstpersönlich, sowie Bassist Fitty Wienhold, in einem kurzen Interview ein paar Fragen zu der neuen CD zu stellen. Dabei entpuppten sich beide also absolut bodenständige und sympathische Gesprächspartner, wie man sie sich öfter wünscht. Doch zuerst zu den neuen Songs.



Am frühen Freitagnachmittag fand sich also die ganze Journalistenriege ein, um den zehn neuen Songs von „Dominator“ zu lauschen. Die Sonne brannte unbarmherzig vom Himmel und was einen in der nächsten Dreiviertelstunde erwartete, sorgte auch nicht wirklich für Abkühlung, da der Stahl ziemlich heiß geschmiedet wurde. Ein Mitarbeiter des Labels, sowie Udo Dirkschneider selbst, begrüßten kurz die Anwesenden und wünscht viel Spaß beim Hören. Hier also ein paar Eindrücke der einzelnen Titel:

1. The Bogeyman
Ein kurzes, Spannung steigerndes Intro und schon steht man mittendrin im neuen U.D.O.-Album. „The Bogeyman“ nennt sich also der erste Song bietet gleich starke Headbangerkost. Harte Riffs im modernen Sound, ein stampfender Midtemporhythmus, ein paar düstere Keyboardtupfer für die Atmosphäre, sowie ein griffiger und bedrohlich wirkender Refrain. Das Lied scheint regelrecht auf Udos Stimme zugeschnitten zu sein. Ein starker Opener. Da kann der schwarze Mann ruhig kommen.

2. Dominator
Ähnlich drückend geht es gleich mit dem Titeltrack weiter, der zwar etwas schneller um die Ecke kommt, aber ähnlich stark durch die Lautsprecher groovt. Udo singt hier mit voller Inbrunst wirklich gut und der Song dürfte sich live zu einer echten Granate mausern, auch wenn er beim ersten Hören noch nicht sein volles Potenzial entfaltet.

3. Black And White
„Black And White“ ist wohl das, was man einen typischen U.D.O.-Rocker nennt, der ganz in der Tradition von Accept steht. Im Midtempo dahin schlendernd, etwas ruhiger in der Strophe und mit einem einprägsamen und mitsingbaren Chorus. Dieser wird leider gegen Ende etwas sehr in die Breite gewalzt. Etwas straffer wäre sicherlich besser gewesen. Trotzdem, kommt nicht schlecht.

4. Infected
Der nächste Titel war bereits von der Vorab-EP geläufig und ist deshalb schon so etwas wie ein alter Bekannter. Ein schmissiger Uptempo-Brecher mit einem zackigen Riff, der sich recht bald in den Gehörgängen festsetzt. „Infected“ würde sich auch wunderbar als Konzertopener zum gemeinsamen Fäusterecken eignen. Ein simpler, aber dafür griffiger Glanzpunkt des Albums.

5. Heavy Metal Heaven
Meine Herren, jetzt wird die Klischeekeule aber ausgepackt! Wie der Name schon verrät, ist „Heavy Metal Heaven“ eine Ode an unser aller Lieblingsmusik, die vor Klischees und schwermetallischen Phrasen geradezu trieft. Textlich gilt da wie immer: Love it or hate it. Musikalisch macht das Stück aber absolut Spaß. Der Song beginnt im Midtempo mit akzentuierten Drums und steigert sich zu einer richtigen Hymne mit epischem Refrain. Coole Nummer.

6. Doom Ride
Dafür ist „Doom Ride“ ein typischer und standardisierter Headbanger mit einem etwas zu gewöhnlichen Refrain, der nicht so recht zünden will. Vielleicht wird das noch. Aber vorerst: Der nächste bitte.

7. Stillness Of Time
Dafür wird es jetzt etwas ungewöhnlicher. Eine romantisch anmutende Halbballade gab es von U.D.O. noch nicht allzu oft. Ganz spontan fällt mir beim Hören als Vergleich die alte Accept-Schote „Winter Dreams“ ein. „Stillness Of Time“ beginnt schön ruhig mit Klavierklängen, geht im Midtempo inklusiv melodischer Keyboardunterlage weiter und wird mit einem leicht hymnischen Refrain ziemlich catchy. Insgesamt fällt das Lied auf dem harten „Dominator“ etwas aus dem Rahmem - aber positv!

8. Devil's Rendezvous
Das tut auch das folgende „Devil’s Rendezvous“, ein tänzelnder und betont cooler Rock ´n Roller mit einem swingenden Tangorhythmus als Basis. Das Stück klingt zunächst etwas ungewöhnlich, verbreitet aber unmittelbar gute Laune und macht einfach Spaß. Live geht dabei sicherlich einiges. Zweifelsohne ein weiteres Highlight.

9. Speed Demon
Im Anschluss wird es mit „Speed Demon“ aber wieder um einiges handfester. Mit einem modernen „Rammstein auf Speed“-Riff geht es in die Vollen bei diesem Uptempo-Reißer. Das Haupthaar wackelt unmittelbar mit. Trotz des harten Grundgerüsts bleibt es doch auf seine Art eine ziemlich typische U.D.O.-Nummer. Aber eine gute.

10. Whispers In The Dark
Das war es dann aber auch mit der vollen Metalkante. Denn zur Überraschung ist das abschließende „Whispers In The Dark“ eine weiter Ballade. Dieses Mal sogar eine richtige, bei der Udo mit klarer Stimme zur Klavierbegleitung singt. Das ist ungewohnt, funktioniert aber tadellos. Wer hätte gedacht, dass diese Reibeisenstimme heute auch noch für derart sanfte Töne gemacht ist und für einen richtig schönen Schlusspunkt sorgt?

Fazit: U.D.O. setzen den auf Mastercutor eingeschlagenen Weg konsequent fort und bastelten dazu noch ein wenig an der Feinjustierung. Will heißen, der harte, maschinelle Sound ist geblieben, während man gleichzeitig wieder etwas melodischer wurde. Und trotz der einen oder anderen kleineren Überraschung, bestehen zu keiner Sekunde Zweifel welche Band gerade am Werk ist.

Diskografie

(nur Studioalben)
Animal House (1987)
Mean Machine (1989)
Faceless World (1990)
Timebomb (1991)
Solid (1997)
No Limits (1998)
Holy (1999)
Man And Machine (2002)
Thunderball (2004)
Mission No. X (2005)
Mastercutor (2007)
Dominator (2009)
Bassist Fitty Wienhold bringt am nächsten Tag das U.D.O.-Rezept ganz einfach auf den Punk: „Wo U.D.O. drauf steht, ist auch U.D.O. drin.“ Das wichtigste dabei sei die Basis nicht aus den Augen zu lassen. „Trotzdem experimentieren, neue Sounds kreieren, bisschen moderner klingen“, gibt er weiter zu Protokoll. Wobei sich natürlich die Frage stellt, was man denn nun als modern ansehen solle. So recht lässt sich das wohl nicht definieren, schließlich lebt das Musikgeschäft von schnelllebigen Trends. Deswegen ist es oft besser die Beobachterrolle einzunehmen, anstatt sich in zu viele Experimente zu versteigen: „Wir haben unsere Ohren auch am Markt und beobachten, was machen denn die anderen. Trotzdem immer bei den Roots bleiben!“ Dabei ist man im Bandlager immer wieder glücklich, wenn man trotz des ziemlich gefestigten Stils den Fans kleine Überraschungen bieten kann.

Auf die Frage wie Udo Dirkschneider die Entwicklung seiner Band vom letzten Album bis Dominator einschätzt, antwortete er folgendes: „Ich glaube, Mastercutor war so eine Art Wegbereiter für Dominator. Es ist ein wenig härter, aber auch melodiöser als Mastercutor. Ich muss sagen, das hat gut funktioniert.“ Dies kann man selbst nach dem ersten Hören nur bestätigen und die alten Fans beruhigen, welche befürchtet haben, U.D.O. würden in Zukunft noch mehr auf zeitgemäße Härte, anstatt auf gut ausgearbeitete und griffige Melodien setzen. Vielleicht liegt diese qualitative Steigerung auch daran, dass man sich für U.D.O.-Verhältnisse relativ viel Zeit mit einem Nachfolger der 2007er CD gelassen hat. Denn vom Schreiben erster Songentwürfe bis zur endgültigen Fertigstellung von Dominator verging fast ein Jahr. Warum denn so lange Herr Dirkschneider? „Wir haben zwischendurch viele Pausen gemacht und es ein wenig sacken lassen. Dazwischen lagen auch die Arbeiten an der DVD und wir hatten auch eine Tour zwischendurch. Effektiv gearbeitet an dem Album haben wir ab November bis Ende Mai.“

Die Vermutung, dass man sich vielleicht zu sehr unter Druck setzt um seinem hochwertigen Backkatalog noch eins draufsetzen zu wollen und deshalb ein bisschen länger an den Stücken feilt, bestätigt sich dabei nicht. „Wir setzen uns da auch nicht unter Zwang“, meint Fitty. „Als Mastercutor rauskam, hab ich mir gedacht, oh toll, super Album, wie wird’s beim nächsten Mal, wie toppen wir das? Aber genau machst Du Dir beim Schreiben gar keine Gedanken drüber und denkst eher: geil, das klingt klasse, das klingt super. Und dann kommt auch was dabei raus.“ Von einer Schreibblockade oder ähnlichem also keine Spur. Ähnlich sieht das auch Udo: „Man darf sich auch nicht bewusst hinsetzen und sagen ‚was machen wir jetzt’, sondern einfach machen. Dann kommt auch irgendwann rüber: Das ist es jetzt irgendwie! Du nimmst Dir auch nicht vor jetzt einfach 15 Songs zu schreiben.“ Dieses Mal waren es sogar weit mehr. Um die 20 Stück hat man so zusammen getragen, wobei zehn auf dem normalen Album gelandet sind, zwei Stück auf der Vorab-EP Infected zu finden sind und zwei weitere als Bonustracks auf verschiedenen Editionen stehen.

Was auf Dominator besonders auffällt, ist dass die Stimmgewalt und das Stimmvolumen von Udo Dirkschneider in all den Jahren nicht nachgelassen, sondern wie bei seinem Kollegen Biff Byford von Saxon, eher noch zugenommen haben. Mit der Ballade „Whispers in the dark“ wagt er sich sogar auf eine Art Neuland wie Udo mit einem Lächeln im Gesicht gerne zugibt: „Das ist für mich ganz neu zu singen, sagt mir aber für die Zukunft, dass noch ganz andere Sachen möglich sind. Meine Stimme wird meiner Meinung nach immer variabler und man kann immer mehr machen. Das heißt im Prinzip, man ist noch nicht am Ende angelangt.“ Das wollen wir ihm auch wünschen. Dann können wir dieses markante Organ auch noch einige Jahre genießen. Der Vergleich mit reifendem Wein bringt den Sänger sogar selbst zum Schmunzeln. Dabei ist er in gesanglicher Hinsicht ein echter Glückspilz. „Ich hatte glücklicherweise noch nie Probleme mit meiner Stimme“, merkt Udo an. „Und ich muss jetzt auch nicht meine Stimmt trainieren oder so. Es ist naturgegeben. Vielleicht hat man auch irgendwie ein paar Jahre in denen man selbst mit der Stimme nicht so zufrieden ist.“ Momentan kann davon allerdings keine Rede sein. Sicherlich spielen da nicht nur körperliche Aspekte eine Rolle, sondern auch das Arbeitsumfeld, bei dem Fitty Wienhold sofort zustimmt: „Ganz wichtig ist auch die Band selber, dass da alles stimmt, dass es da keine Egozentriker gibt, dass es da keine Querelen gibt. Wenn das stimmt, dann bist Du frei das so zu tun.“


Und diese gute Stimmung ist auch absolut zu spüren. Egal ob auf der Bühne wie am Abend zuvor, wo man so ziemlich jede Band des Tages an die Wand spielte, oder eben beim neuen Album Dominator. Wobei sich am Ende auch die Frage stellt wer oder was dieser Dominator sei. „Was auf dem letzten Album der Mastercutor war, ist jetzt der Dominator“, lautet die schlichte Antwort auf diese Frage. Wobei die Ähnlichkeit der beiden Figuren nicht von der Hand zu weisen ist. Doch während es 2007 noch ein durch geknallter Showmaster mit bleichem Gesicht und diabolischen Grinsen war, ist es 2009 ein Terminatorverschnitt mit Gebeinen aus glänzendem Stahl. Doch einen losen thematischen Zusammenhalt der einzelnen Lieder, wo beim Mastercutor vorhanden, gibt es heuer nicht mehr, wie Udo anmerkt: „Es ist eigentlich eine lose Reihenfolge von Songs. Es ist also schon ziemlich unterschiedlich von der Thematik her.“

Soweit die Vorschau zum neuen U.D.O.-Album. Bleibt am Schluss nur noch die Frage ob die Band durch die Reaktionen der Presse auf die neuen Songs weiterhin glücklich einschlafen kann. „Ja, vollauf! Ein gutes Zeichen ist, wenn die Journalisten bis zum Schluss dableiben. Und das hat funktioniert“, schallt Udo lachend ins Mikrofon. Die Reaktion der Fans dürfte sicher nicht anders sein, wenn Dominator ab 21. August in den Händlerregalen steht.


Mario Karl


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