····· Europe starten den Final Countdown... ····· Bang your Head-Auftritt von Crematory erscheint auf CD und DVD  ····· E-Gitarren Wettbewerb für Kinder 2017 ····· Lando van Herzog macht mit dem Project Fair Play gegen die Umsonstmentalität bei der Mediennutzung mobil ····· Mit den Black Capes startet eine neue Welle des Gothic Rocks in Athen ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Artikel

EXODUS + OVERKILL - 100 % Metal Thrashing Mad!

Info

Künstler: Exodus, Overkill

Zeit: 05.03.2009

Ort: Augsburg (Spectrum)

Besucher: ca. 500

Internet:
http://www.gamabomb.com
http://www.torturesquad.com.br
http://www.exodusattack.com
http://www.wreckingcrew.com

Unter dem Banner „Killfest“ tourte vor kurzem ein Thrash Metal-Paket durch unsere Lande, welches bereits im Vorfeld für leichte Zuckungen in der Halswirbelgegend sorgte. Die Bay Area-Legenden EXODUS und das New Jersey-Metalkommando OVERKILL hatten sich angesagt, zusammen die Bühnen zu entern. Als Anheizer hatte man die nordirischen Newcomer GAMA BOMB, sowie TORTURE SQUAD aus Brasilien mit im Gepäck. Erinnerungen an selige „Clash of the Titans“-Touren kamen unweigerlich hoch. Als echter Thrashlunatic war es keine Frage, dass man einfach dort hinmusste. MAS nutzte die Gelegenheit und stattete dem Tourtross in Augsburg einen Besuch ab. Dass richtige Metalkonzerte in der Fuggerstadt zudem noch eine Seltenheit sind, war ein weiterer Grund sich das Ganze anzuschauen. Dieser Umstand sorgte mit Sicherheit auch dafür, dass der Spectrum Club an diesem Abend recht gut gefüllt war. Ca. 500 Headbanger dürften es am Ende gewesen sein.



Gama Bomb - Joe McGuigan

Doch zu Beginn war die Kulisse noch etwas bescheidener. Dies lag bestimmt nicht nur daran, dass GAMA BOMB keinen besonders großen Bekanntheitsgrad besitzen, sondern auch daran, dass die fünf Nordiren schon eine halbe Stunde vor dem angekündigten Konzertbeginn auf die Bühnenbretter mussten. Dazu waren viele noch damit beschäftigt im Eingangsbereich ihre erste Gerstenkaltschale zu genießen und alte Bekannte zu begrüßen. Nichtsdestotrotz gab die Band ihr Bestes um das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Die rotzige Mischung aus Nuclear Assault und thrashigen Sounds die Mitte der 80er aus dem Ruhrpott kamen, war zum Aufwärmen am frühen Abend auch gar nicht so verkehrt. Die Jungspunde wirkten allerdings nervös und spielerisch auch etwas wackelig, was sich mit der Zeit legte. Lediglich Basser Joe McGuigan tobte ohne Unterlass herum, während die restliche Saitenfraktion eher mit Starren beschäftigt war. Sänger Philly Byrne versuchte immer wieder die Leute anzustacheln, was ihm gegen Ende des Sets, das mit programmatischen Titeln wie „Hammer slammer“, „Bullet belt“ oder „Thrashaholic“ gefüllt war, immer mehr gelang. Insgesamt eine ganz nette, aber nicht weltbewegende Vorstellung die nach einer halben Stunde mit „Zombie brew“ ihr Ende fand. Live war die Sache aber mit Sicherheit besser als auf Platte, wo die Chose etwas bieder wirkt. Aber trotz allem fügt man sich gut in die Retrowelle junger wilder Thrasher ein, zu der auch Bonded by Blood oder Fueled by Fire gehören.




Nachdem der brasilianische Brachialmetalthron nach dem jahrelangen Abschlaffen von Sepultura immer mehr verwaist, müssen neue Bands her, die diesen besetzen. Wirkliche Nachfolger wurden noch keine gefunden, aber mit Krisiun oder TORTURE SQUAD sind zumindest zwei dabei, welche den Untergrund schon längere Zeit ein wenig aufwirbeln. Letztere sind heute die zweite Band, welche nach einer sehr kurzen Umbaupause die Halswirbel der Augsburger zum Rotieren bringen soll. Und das gelingt ihnen sogar ganz gut, obwohl ihr Sound nicht gerade der eingänglichste ist und die meisten Songs ziemlich gleich klingen. Aber ihr brachialer Prügelsound, der mit ein paar Death Metal-Ingredienzien angereichert ist, kommt an dem Abend ziemlich gut an und bringt in den ersten Reihen, die sich inzwischen ganz gut gefüllt haben, zahlreiche Köpfe zum Mitwippen. Die größten Aktivposten von Torture Sqaud sind eindeutig Bassist Castor, der wie ein Derwisch über die Bühne saust, sowie Frontmann Vitor Rodrigues. Dieser setzte zwar beständig eine grimmige Miene auf, kommt aber durchaus sympathisch und natürlich rüber und animiert die Feierwilligen immer wieder. Dafür ist sein Gesangsstil der vom typischen Shouting ins Todesröcheln übergeht etwas gewöhnungsbedürftig, passt aber gut zu dem harten Kurs, welchen die Band fährt. Auch den Brasilianern stand eine halbe Stunde zur Verfügung, die sie mit Songs wie „The beast within“, „Pandemonium“, „Chaos Co.“ oder „In the cyberwar“ füllte. Der Auftritt war recht kurzweilig und ein gutes Aufwärmprogramm für das nun Folgende.



Exodus - Gary Holt

Und das war mit EXODUS und ihrer „Lesson in violence“ die erste große Attraktion des Abends. Im Vorfeld konnte man befürchten, dass die Band eventuell nur Songs aus der Dukes-Ära, sowie dem kürzlich neu eingespielten Debüt Bonded by blood zockt. Doch dem war glücklicherweise nicht so und es gab eine Stunde lang ein starkes und gut durchgemischtes Programm aus einem Vierteljahrhundert Exodus. Der Start mit dem Titeltrack des Erstlingswerks war schon mal gut gewählt und deshalb kein Wunder, dass das Spectrum, welches sich mittlerweile sehr gut gefüllt hatte, kollektiv am Durchdrehen war, selbst wenn der Sound nicht wirklich das Gelbe vom Ei war. Viel zu laut und verwaschen. Das machte die Band mit ihrer Brachialität allerdings wieder wett. Zwar ist sie nicht wirklich interessant anzuschauen, aber die Attitüde stimmt, auch wenn Jack Gibson an seinem Viersaiter ziemlich gelangweilt aus der Wäsche guckt und Lee Altus irgendwie abwesend für sich selbst spielt. Dafür schneidet Bandgründer und Herr der Riffs, Gary Holt, ständig Grimassen und hält seine Spielfreude nicht zurück.
Markantester Punkt des Fünfers ist seit seinem Einstieg 2005 allerdings ganz eindeutig Brüllwürfel Rob Dukes. Die imposante Mischung aus Paul Baloff, Steve Souza und einer bissigen Bulldogge stellte schnell klar wer hier das Sagen im Ring hat. Glücklicherweise hielt er sich mit seinen Pöbeleien an diesem Abend ziemlich zurück, zeigte aber nur allzu gerne wenn er das Geschehen vor der Bühne für zu lasch hielt. Wirklich sympathisch wird einem dieser Herr nicht mehr werden. Aber solange er seine Texte mit einer solchen Inbrunst wie bei „.44 Magnum Opus“ oder „Piranha“ ins Mikro jagt, sei ihm das mal verziehen. Am Schlagzeug saß für diese Tour die Drumhure Nick Barker (ex-Überall), da der etatmäßige Stöckchenschwinger Tom Hunting sich lieber im Mexikourlaub die Sonne auf den Bauch scheinen ließ. Spielerisch vermisst hat ihn wohl keiner, da der Brite ihn mehr als würdig vertrat und Songs wie „Blacklist“, bei dem sich Gary ein Bierchen genehmigte und Rob solange die Saiten anschlug, oder „Fabulous disaster“ den richtigen Punch verlieh. Die Stimmung war zwar leicht aggressiv, aber im Großen recht ausgelassen und es wurde viel gebangt und gemosht. Stimmungsmäßige Höhepunkte waren „War is my shephard“ (inkl. kurzem Drumsolo) und der Oldie „Toxic waltz“. Beim abschließenden „Strike of the beast“ schaffte es Zeremonienmeister Dukes dann noch eine Wall of Death zu inszenieren. Wer hätte das gedacht. Damit war der bärtige Fleischberg endlich auch zufrieden und die Fans ebenso. Eine starke Show. Eine Stunde „good friendly violent fun“ eben.



Setlist:
Bonded by blood
.44 Magnum Opus
Fabulous disaster
Piranha
Children of a worthless god
Blacklist
A lesson in violence
War is my shepherd
Toxic waltz
Strike of the beast








Overkill - Bobby "Blitz" Ellsworth

Exodus hatten bereits für zahlreiche verschwitze Leiber gesorgt und manch einer durfte durchaus zweifeln ob OVERKILL dem noch eins draufsetzen könnten. Aber wer die Band schon einmal live gesehen hatte, weiß dass dies ein Leichtes für sie ist. Schließlich ist die Wrecking Crew als eine der agilsten Truppen und echte Konstante im Livesektor bekannt. Nicht umsonst können Overkill auf eine eingeschworene Fanbasis zählen, die ihnen überall hin folgt. So war selbstverständlich auch an diesem Abend ihr Skullcrushers-Fanclub zahlreich vertreten. Aber nicht nur diese feierten ihre Lieblinge euphorisch ab. Von der ersten Minute an, als die Band die Bühne betrat, ging es im Auditorium richtig rund. Waren bei Exodus nur ein paar vereinzelte Stagediver zu sehen, segelten diese jetzt regelrecht im Dutzend durch die Luft. Da es im Spectrum keinen Fotograben oder sonstige Absperrungen gibt, bot sich dies auch an. Overkill gaben aber auch alles und zeigten mit einer mit Klassikern am laufenden Band gespickten Setlist wer die Band des Abends ist. Mit einer Ausnahme gab es keine Songs nach 1991. Dafür vom Debüt Feel the fire gleich vier Stücke. Oldschool pur. Irgendwie scheint sich die Band mittlerweile damit abgefunden zu haben, dass ihre Fans überwiegend den alten Stoff hören wollen. Die Zeit in der aus New Jersey wirkliche Albumhighlights wie The years of decay oder Horrorscope kamen ist auch schon eine ganze Zeitlang vorbei. Aber das interessierte an diesem Abend niemanden.
Zu engagiert ging man zu Werke. „Deny the cross“, „E.vil N.ever D.ies“ und „Hammerhead“ wurden so euphorisch durch die PA gepfeffert, dass man unweigerlich mitbangen musste. Sänger Bobby Ellsworth ist nach wie vor einer der sympatisch- und charismatischsten Frontmänner auf diesem Planeten und hat seinen Spitznamen Blitz mit der Form, die er an den Tag legte, immer noch verdient. Kaum zu glauben, dass er bald 50 wird. Auch der Rest der Band stand dem nicht viel nach und so war es kein Wunder, dass der Schweiß bald in Strömen von den Leibern tropfte. Thrashmetal galore! Mit „In union we stand“ gab es mitten im Set eine kurze hymnische Verschnaufpause, bevor sich der Abend mit einem heftig hinaus geprügelten „Rotten to the core“ und der Raserei „Elimination“ langsam den Ende entgegen neigte. Nach „Overkill“ folgte eine kurze Zigarettenpause, bevor es mit dem killenden Groover „Necroshine“ noch einmal in die Vollen ging. Nachdem jetzt schon zahlreiche Mittelfinger in die Höhe gestreckt wurden, war klar was als traditioneller Schlusspunkt folgen sollte: Die Subhumans-Coverversion „Fuck you“. Noch ein letztes Mal gab es Fleischgulasch im Pit. Zur Feier des Tages hatte man den Song mit Motörheads „Overkill“ angereichert. Blitz nahm noch ein Bad in der Menge und dann war der Spuk nach rund 70 Minuten auch schon vorüber. Overkill wurden lauthals gefeiert und hinterließen nichts anderes als eine Masse glücklicher Gesichter. Die Band bewies mit ihrem Auftritt einmal mehr, dass sie immer noch zu den stärksten Liveacts im Metalbereich zählt. In dieser Form beehren uns die Fünf hoffentlich noch oft!



Setlist:
Deny the cross
E.vil N.ever D.ies
Hammerhead
Hello from the gutter
Thanx for nothin’
Feel the fire
In union we stand
Rotten to the core
Elimination
Overkill
---
Necroshine
Fuck you/Overkill




Mario Karl


Zurück zur Artikelübersicht