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Artikel

It Bites - Prog oder nicht Prog, das ist hier die Frage

Info

Gesprächspartner: It Bites

Zeit: 22.09.2008

Interview: Telefon

Stil: Progresive Rock / Rock

Internet:
http://www.itbites.com

Die Flamme von It Bites brannte kurz, aber heftig. Die Band veröffentlichte nämlich ihre drei regulären Studioalben zwischen 1986 und 1989 und avancierte, obwohl sie hier doch nicht alle Klischees erfüllte, zu den Prog-Rock-Helden der End-80er. Vor allem ihr Meisterwerk „Once Around The World“ geriet zum Meisterwerk und zum Klassiker einer Band, die in erfrischender Weise Wave und Rock vereinte. Gerade wegen ihrer einzigartigen Größe haftete der Band ein nicht unerheblicher Kultstatus an, der bis heute anhält. So war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich die Band reformieren würde. Und auch wenn Frontmann Francis Dunnery nicht mehr mitmischt, ist diese Reunion schon deswegen spekta-kulär, weil hier, auf dem nun endlich erscheinenden neuen Werk „The tall ships“ (Inside Out/SPV) wirklich der Geist von It Bites wiederbelebt wird. Schlagzeuger Bob Dalton und Keyboarder John Beck fanden hierfür nämlich kongeniale Unterstützung in dem glühenden Verehrer John Mitchell. Der Sänger und Gitarrist, der sonst bei Projekten wie Arena und Kino zu finden ist, war genau das fehlende Puzzleteilchen, da er in Gitarrensound und Stimmenumfang genau den Nerv der Band traf. So ist „The tall ships“ überhaupt keine halbherzige Angelegenheit, sind doch auf dem siebzigminütigen Werk mit „Ghosts“ und „Lights“ erst einmal die It Bites-typischen Kurzweil-Rocker vertreten, wobei aber gerade mit „The Wind That Shakes The Barley“ und vor allem „This Is England“ der progressive Anspruch lässig bedient wird und gewahrt bleibt. Somit gibt es dann wohl genügend Gründe, mit It Bites-Schlagzeuger und Gründungsmitglied Bob Dalton ein nicht allzu ernsthaftes Gespräch zu führen.




MAS: It Bites hatten ja bekanntlich ihren künstlerischen Zenit Ende der 80er. Für mich habt ihr zugleich meinen ganz persönlichen Soundtrack für die Wendezeit geliefert. Aus dem Osten Deutschland kommend war euer Album „Eat Me in St. Louis“ dann das Erste, was ich mir nach der Grenzöffnung zugelegt habe.

Bob Dalton: Zu dieser Zeit waren wir gerade in Amerika unterwegs und standen auf der Bühne, als Francis mit der Information aufwartete, dass die Berliner Mauer gefallen ist. Das führte beim Publikum zu massiven Beifallsbekundungen. Ich mochte das erst gar nicht glauben, da wir sechs Wochen zuvor in West-Berlin waren und noch sahen, womit wir es hierbei zu tun hatten. Ich muss zugeben, dass es auch für mich eine ganz merkwürdige Situation war, da hiermit auch wirklich niemand gerechnet hatte.

MAS: Was It Bites so interessant machte war euer gerade Ende der 80er für einen frischen Wind sorgender Mix aus New Wave und Progressive Rock, der so gesehen schon einzigartig war.

Bob Dalton: Wir waren in unseren Anfangtagen viel in den Clubs in Nordengland unterwegs und bekamen so schnell mit, dass die Leute Songs hören wollten, mit welchen sie sich auch identifizieren konnten. So kamen wir eben dazu, Songs mit catchy Melodien zu schreiben, die dennoch, bezüglich der Arrangements, einen gewissen musikalischen Anspruch wahren konnten. Weil wir eben auch auf Band wie Yes, Genesis, Weather Report der Jethro Tull standen. In den Clubs, in welchen wir aber spielten, waren gerade Bands wie Duran Duran mächtig angesagt. So gab es den Stoff, den wir bevorzugt spielten und den Stoff, den wir hörten. Und aus den beiden Bestandteilen entstand wie von selbst der Stil, den man dann als typisch It Bites bezeichnete. Bei den Beatles war es ja ähnlich. Sie hatten auch Songs, die ruhig, proggig, rockig uns so weiter waren. Sie besaßen auch eine Reihe an Longtracks und erfanden sich quasi mit jedem Album neu. Für mich ist beispielsweise „Sgt. Pepper“ ein astreines Prog-Album. Das bedeutet, das erste Prog-Album überhaupt, welches die Popmusik um Längen voranbrachte. Trotzdem enthält es eine Reihe an catchy Popsongs. Ich denke, dass wir in ähnlicher Art und Weise vorgingen. Wir schrieben in erster Linie Popsongs. Doch entwickelten wir diese für unsere Alben so weit, dass sie dann doch weitaus mehr als Pop waren.

MAS: Für eine reine Progrockband konntet ihr dann doch zu wenig Longtracks vorweisen. Nämlich im Großen und Ganzen mit „Once Around The World“ einen Einzigen. Womit das Hauptklischee eurerseits erst einmal nicht erfüllt wurde.

Bob Dalton: Gut, wir hatten dann noch „Yellow Christian“ und auch „Old Man And The Angel“, die respektable Längen besitzen. Aber gerade „Once Around The World“, wo alle diese Songs enthalten sind, würde ich als unser Prog-Album bezeichnen. Wir wollten uns nicht wiederholen, weswegen wir unseren Stil auch von Album zu Album veränderten und modifizierten. Letztendlich beeinflussten wirklich unsere Club-Gigs, auf welche Weise wir unsere Songs schrieben. So hatten wir mit „The Big Lad In The Windmill“ ein Popalbum, mit „Once Around The World“ ein Prog-Album und schließlich mit „Eat Me In St. Louis“ unser Rock-Album. Und diese stilistischen Wechsel lagen dann eben an den Dingen um uns herum, welche uns maßgeblich beeinflussten. Auf dem neuen Album „The tall ships“ haben wir dann Pop-, Rock- und Progsongs und mit „This Is England“ und „The Wind That Shakes The Barley“ gar noch zwei Longtracks. Ich denke, dass sich die Diskussion, ob wir nun eine Rockband, eine Popband oder eine Progband sind, erübrigt. Wir sind die Band, die wir sind, und das ist entscheidend.

MAS: „The tall ships“-Songs wie „Ghost“ oder „For Safekeeping“ sind wieder typisch It Bites und hätten so auch vor zwanzig Jahren erscheinen können.

Bob Dalton: Ja, wir waren der Meinung, dass unsere Fans nach fünfzehn Jahren Pause auch von uns erwarteten, dass wir mit unserem neuen Album eine Art Brückenschlag in die Vergangenheit bauten. Mit John Mitchell haben wir aber einen neuen Frontmann in der Band, der schon neue Einflüsse mit einbrachte, so dass es durchaus Songs gibt, die sich von dem, was wir früher machten, unterscheiden. Das Album zeigt, dass uns unsere Vergangenheit immer noch wichtig ist, wir aber trotzdem nicht auf der Stelle treten sondern uns weiter entwickeln wollen. So unterscheidet sich unser neues Album von unserem letzten und unser nächstes wird sich auch sicherlich von unserem aktuellen unterscheiden. Wir wären auch nie so richtig glücklich, uns nur auf einen Stil für immer und ewig festlegen zu wollen.

MAS: Was passierte eigentlich in den langen Jahren zwischen dem Split und der Reunion?

Bob Dalton: Eine Menge Dinge. Wir spielten für viele Leute. John Beck und Dick Nolan arbeiteten unter anderem für Alan Parsons und John Wetton und ich für Jethro Tull und Chris Norman. John, Dick und ich, wir blieben auch die ganze Zeit über in Kontakt und liefen uns in musikalischer Hinsicht nicht nur einmal über den Weg. Aber die meiste Zeit arbeiteten wir für andere Leute, für eine Reihe an Produzenten und Musiker. Aber uns lag dieses Session-Ding nicht, so dass es eigentlich nur eine Frage der Zeit war, wann wir wieder etwas zusammen in Angriff nehmen würden. Und als schließlich John Mitchell auftauchte und uns von sich aus den Vorschlag unterbreitete, zusammen eine Band aufzumachen, war eigentlich alles klar, da er ein wirklich phantastischer Musiker ist. Eigentlich war erst einmal eine neue Band im Gespräch, mit welcher wir es mit Marillion-, Arena-, Kino- und It Bites Songs probierten. Und, was soll ich sagen, der It Bites-Stoff lief am Besten und machte uns auch am meisten Spaß. So waren wir einheitlich der Meinung, die Reunion von It Bites einzuläuten. Dick war bei dieser 2006 auch noch dabei, hatte dann aber doch nicht die Zeit, mit uns weiterzumachen. Für ihn kam Lee Pomeroy, der vorher für Rick Wakeman arbeitete.

MAS: Chris Norman? Doch nicht etwa der ex-Smokie Frontmann?

Bob Dalton: Ja, genau. Es war auch ein gutes Arbeiten für Chris. Er ist wirklich ein großartiger Musiker und mir machten die drei/vier Jahre, in welchen ich mit ihm unterwegs war, unter anderem auch in Deutschland, richtig Spaß.

MAS: Und was ist mit Francis Dunnery, euren ehemaligen Frontmann?

Bob Dalton: Er lebt zurzeit in New York, weswegen es für ihn schon schwierig wäre, sich mit uns zu treffen, geschweige denn, wieder in einer gemeinsamen Band zu spielen. Wir versuchten es mit ihm, bevor wir John trafen. Er kam zu zwei oder drei Proben und wir arbeiteten auch schon an neuem Material. Dann hatte er aber keine Zeit mehr, weil er in Amerika Termine hatte. Er machte den Vorschlag, das Songwriting via Internet fortzuführen. Wir dachten darüber nach und waren der Ansicht, dass das nichts bringen würde. So stieg Francis wieder aus und das war dann auch der Zeitpunkt, wo John Mitchell auf dem Plan stand.

MAS: Und John Mitchell ist nun auch festes Bandmitglied? Immerhin spielt er noch in diversen anderen Projekten.

Bob Dalton: Ja, auf jeden Fall. Immerhin schrieb er zusammen mit John Beck auch alle neuen Songs. Er brachte auch so etwas wie frischen Wind in die Band, da er die Songs in einer viel einfacheren Art und Weise als Francis schreibt. Er kam mit einer Idee, die sofort von John Beck arrangiert wurde, womit der Song eigentlich recht schnell fertig war. Bei Francis war es anders. Wenn wir gerade dabei waren, einen Song zu arrangieren, sprang er auf und kam mit einer neuen Idee, die er auch sofort umsetzen wollte. Das war auch mit einer der Gründe für den Split Anfang der 90er. Wir bekamen einfach keine Songs mehr fertig, da Francis immer mit neuen Ideen ankam und wir einfach keine Zeit mehr für die Arrangements hatten. Es kam beispielsweise auch vor, dass wir uns in einer Absprache für einen Song befanden und Francis aufsprang, sich seine Gitarre nahm und etwas ganz anderes spielte. Das konnte so nicht weitergehen. Eigentlich schade, da er wirklich ein phantastischer Musiker ist. Er hat gute Ideen, aber durchaus seine Probleme, diese auch zu Ende zu bringen. So hatten wir es dann immer mit einer ganzen Anzahl halbfertiger Songs zu tun, weshalb wir es zu jener Zeit auch nicht geschafft haben, unser viertes Album fertig zu bekommen.

MAS: Welchem seiner Projekte gibt John Mitchell in dieser Situation eigentlich den Vorzug?

Bob Dalton: Arena ist zurzeit auf Eis gelegt. Und ich denke und glaube auch, dass sich John viel besser bei It Bites macht, da er hier seine musikalischen Stärken besser herauskehren kann. Was It Bites dann auch zu seiner Hauptleidenschaft macht.





MAS: Ist und bleibt diese Reunion ein Einalbum-Ding oder habt ihr schon Pläne für die Zukunft?

Bob Dalton: Wir haben bei ‚Inside Out’, unserem Label, einen Vertrag über drei Alben. Nach den drei Alben? Ich weiß noch nicht. Das ist ja dann noch etwas hin. Immerhin sind auch noch eine Menge Songs von den Aufnahme-Sessions übrig geblieben. Es wäre ein leichtes, uns gleich an das zweite Album zu machen. Nach unserer 2006er Reunion-Tour, auf welcher wir auch schon ein/zwei neue Songs spielten, ließen wir uns sechs Monate Zeit für das Songwriting. Weitere sechs Monate brauchten wir für die Aufnahmen, so dass wir das komplette neue Album in zwölf Monaten fertig bekamen. Und hier blieb natürlich eine Menge an Material übrig. Ein Song davon, nämlich „When I Fall“, wird als Bonus auf der deutschen Ausgabe enthalten sein. Immerhin spielten wir fünfzehn Songs ein, von welchen schließlich elf, beziehungsweise zwölf, auf dem fertigen Album zu hören sind.

Diskografie

Studioalben
1986 The Big Lad In The Windmill
1988 Once Around The World
1989 Eat Me In St Louis
2008 The Tall Ships

Live Alben
1991 Thank You And Goodnight
2004 Live In Montreux 1987
2007 When the Lights Go Down


Wolfgang Kabsch


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