····· Der urbane Underground Tel Avivs hat Malox hervor gebracht ····· Luxusprobleme im Hause Black Space Riders - zu viel Material für ein Doppelalbum auf Lager ····· Beruhigen wollen Shotgun Valium eher nicht ····· Mit neuem Drummer erscheinen TXL auf zwei Festivals ····· 14 Jahre nach dem letzten Studioalbum starten die Styx zum Mars ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Artikel

Universal startet den Download Store LOST TUNES

Universal Musik hat einen Download Store namens Lost Tunes an den Start gebracht, über den verschollene Stücke des Universal Katalogs per Download zugänglich gemacht werden sollen.
Das klingt gut. Raritäten-Sammler lecken sich schon die Lippen nach einer neuen Möglichkeit, ihrer Passion zu frönen. Aber wo Licht ist, da ist auch Schatten. Wir blicken - bevor wir die Universal-Pressemittelung komplett dokumentieren - ein paar Monate zurück, um der neuen Entwicklung ihren Platz in der Geschichte zu geben.

Vor ein paar Monaten verursachte es ein leises Rauschen in den Medien - der Major-Gigant Universal hatte das gut etablierte Indie Label Sanctuary Records geschluckt. Dass bei Sanctuary nicht mehr alles rund lief hatten wir in der Zeit zuvor immer wieder bemerken können. Die Berliner Dependance war geschlossen worden. Kontaktaufnahmen wurden ungewisser.


Aber dennoch: Insbesondere, was die Pflege des Archivs anbelangte, machte Sanctuary immer wieder eine gute Figur - ob das Rock oder Hard Rock Acts der 70er waren, Beat Bands aus den 60ern, Punk aus den 70ern, oder nicht zuletzt der große Katalog des Ska- und Reggae-Labels Trojan Records. Ihr habt davon profitiert u.a. in Form von Reviews zu frühen Status Quo Scheiben, Wishbone Ash, Colosseum, The Damned, Sex Pistols, Mud, Bonnie Tyler, Magnum, Grandmaster Flash, der Sugarhill Gnag, Dillinger, George Isaacs, Yellowman und der beliebten thematischen Trojan-Boxen, die auf 3-CD jeweils 50 Reggae- oder Ska-Perlen unter einer bestimmten Überschrift versammelten.

Aber Sanctuary war natürlich mehr als ein Nachlassverwalter. Auf dem rührigen Label sind in den vergangenen Jahren unter anderem Alben von Debase, Adam Green, Belle and Sebastian, Christine McVie, The Ga Gas und Bruce Dickinson erschienen.
Die Übernahme durch Universal hat unter den Acts der Firma nicht nur Begeisterung ausgelöst. Auf der einen Seite gehörte man nun zum Imperium eines der ganz großen Global Player des Musikgeschäfts. Auf der anderen Seite drohen Nischenacts neben den Chartstürmern vergessen zu werden.

Ein Beispiel sind Uriah Heep. Nach Jahren des Alleingangs war es ihnen gelungen, ihr neues, lange erwartetes Album Wake the Sleeper, auf das Band und Fans große Hoffnungen setz(t)en, bei Sanctuary unterzubringen - ein passender Ort, das das Label auch für große Teile des Heep-Backkatlaogs zuständig ist. 2005 wurde dort das 35. Bandjubiläum mit der opulenten 6-CD-Box Chapter & Verse gefeiert, in der 98(!) Titel von Heep und ihren Vorläufern präsentiert wurden.

Nachdem Sanctuary von Universal geschluckt wurde, gab es erst einmal monatelang Fragezeichen. Würde Heep übernommen werden? Was passiert mit dem Backkatalog? Wann erscheint Wake the Sleeper?
Heep hatten Glück. Sie haben in den Augen der Universal-Label-Manager Gnade gefunden und das überzeugende Album ist Anfang Juni mit fast einjähriger Verzögerung dann endlich erschienen.
Anlass für eine grundlegende Entwarnung ist das nicht.

Wie viele Sanctuary-Bands übernommen wurden, und wie viele nicht, darüber gibt es meines Wissens nach keine Zahlen; auch keine Angaben, welche Bands gedroppt wurden.
Und was ist mit den Backkatalogen?
Seitdem Sanctuary geschluckt wurden, habe ich noch keine Ankündigung einer dieser schönen Wiederveröffentlichungen erhalten. Wir stellen Euch Monat für Monat CDs vor, auf denen verschollene Scheiben liebevoll mit Original-Cover, Bonus-Tracks und gut informierten Liner Notes wieder zugänglich gemacht werden. Sahnestücke für Musikliebhaber.
Aber auf den Labels dieser Scheiben steht dann z.B. Esoteric Records drauf, der Name eines kleinen aber feinen Independent Labels. Die Namen der ehemaligen Sanctuary Firmen sind da nicht mehr dabei.

Jetzt taucht einer wieder auf. Der Name Trojan erscheint in der Pressemitteilung von Universal. „Weitere 500 exklusive Download-Alben werden in den kommenden sechs Monaten veröffentlicht werden. Diese werden einige nie veröffentlichte Juwelen aus u.a. Trojan-, Fiction- und Decca-Archiven beinhalten.“
Heißt das, statt der liebevollen Sammlerstücke gibt es jetzt einen kleinen Haufen Bits und Bytes im mp3-Format? Dann hätte der Sanctuary-Verkauf genau die Folgen, die die schärfsten Kritiker befürchtet haben.
Dann würde die Nachricht über die Eröffnung des Lost Tunes Download-Stores tatsächlich einen schwarzen Tag in der Geschichte der Musikvermarktung markieren.

Im Folgenden dokumentieren wir die Universal-Pressemitteilung im Wortlaut. Die Übersetzung aus dem Englischen besorgte Karin Schultz:

Universal Music Catalogue veröffentlicht verschollene Stücke. Der Download Store verschreibt sich seltener Musik. Die LAs und Lieferzeiten werden folgen

Universal Musik hat Lost Tunes (www.losttunes.com) gestartet, einen Bahn brechenden Download-Store, der sich exklusiven Raritäten und vernachlässigten Klassikern widmet. Die Site startet mit 134 Alben, die als downloads nur bei Lost Tunes erhältlich sind. Lost Tunes stellt eine neue Ära im Katalog-Marketing dar und unterstreicht Universal Musics Verpflichtung, den Wunsch von Musikliebhabern nach dem Kauf von immer seltener werdendem Material als digitalem Download zu erfüllen.

Die erste Charge von digitalen Downloads beinhaltet unter anderem Live in Japan von den Walker Brothers, die drei Alben der gefeierten Comsat Angels, Bill Fays gleichnamiges Album, den UK-Blues von Nine Below Zero, Mellow Candle und Oriental Sunshine.

Um den Start dieses Stores zu markieren haben Fiction Records' Delays, eine Band die laut NME einen „intuitiven Sinn für einen großartigen Popsong" besitzt ihre vier liebsten "Lost Tunes" aufgenommen. Diese werden exklusiv am Montag, dem 01.09., bei Lost Tunes veröffentlicht. Diese Veröffentlichung fällt zusammen mit einer anderen Exklusivität von Lost Tunes, einer neuen Sammlung von bisher unveröffentlichtem Material der LA's - acht seltene Aufnahmen inkls. der John Leckie und Steve Lilywhite Mixes von „Come in Come out", sowie dem John Leckie und Bob Andrew Mix von „Way Out".

Greg Gilbert von den Delays kommentiert: „Uns ging es immer nur um Songs und darum, die Musik, die uns inspiriert hat, neu zu interpretieren, ist ein immenser Nervenkitzel. Der Katalog von Lost Tunes ist so reichhaltig, dass es schwierig war, anzufangen, aber wir denken, dass wir einige richtige Edelsteine gefunden haben, während wir in den Gewölben abgetaucht waren."

Weitere 500 exklusive Download-Alben werden in den kommenden sechs Monaten veröffentlicht werden. Diese werden einige nie veröffentlichte Juwelen aus u.a. Trojan-, Fiction- und Decca-Archiven beinhalten.

Alle Downloads dieser Site sind in höchster Qualität mit 320kpb-mp3 erhältlich. Die heruntergeladenen Stücke werden auf jedem MP3-kompatiblen fest installierten oder tragbarem Gerät laufen, inkl. iPods, MP3-Player oder Handys.

Neben den Download-Raritäten bietet die Seite auch Must-Have Katalog-Alben, übersehene Juwelen einer Vielzahl von Künstlern, inkl. Joni Mitchell, Scott Walker, Marianne Faithfull und The White Noise. Ein breit gefächertes Angebot von Labels wird auf dieser Site repräsentiert, von Seltenheiten und digitalen Exclusivitäten von Prestige, Verve und Impulse zu Pflichtkäufen von A&M, Motown, Stax und Vertigo.

Lost Tunes ist für Universal Music ein Hauptprojekt, welches vor nur einem Jahr mit einem hingebungsvollen Team begonnen wurde, welches die Archive von Universal Music nach vergessenen Juwelen durchsucht hat.

Die Site ist für Musikliebhaber konzipiert mit einem Fokus auf vertiefendes Editorial und Produktinformationen. Eine „Smart-Search“-Funktion wurde für den Store entwickelt, welche den Nutzern ermöglicht, in jeder Kombination von Genre, Jahrzehnt und Label verfeinert zu browsen. Bezeichnenderweise wurden Standard-Kategorien zugunsten von spezifischeren Unterkategorien abgelöst, sodass Nutzer in beeindruckenden 38 Genres und Untergenres browsen können, von Progressive Rock zu Electronica zu Dub zu Jazz Fusion zu World zu Spokenword.
Wir wollten, dass Lost Tunes die Erfahrung widerspiegelt, die man im örtlichen Plattenladen hat, in dem browsen und Musikentdecken eine wahre Freude und ein Abenteuer ist. Wir haben nur Musik ausgesucht, die wir lieben.

Lost Tunes wird von 7 Digital betrieben und wurde entworfen von One Shoe. Nationale Ausgaben dieser Site werden in den kommenden Monaten gestartet.

Norbert von Fransecky


Zurück zur Artikelübersicht