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CAMPRA, CHARPENTIER, RAMEAU - Eine Visitenkarte des goldenen Zeitalters französischer Musik

Info

Künstler: Campra – Charpentier - Rameau (Rousset)

Zeit: 06.06.2008

Ort: Essener Philharmonie

Besucher: nicht ausverkauft

Veranstalter: Philharmonie Essen

Internet:
Philharmonie Essen

Es sind die großzügig schwingenden Phrasen und atmenden melodischen Bögen, die die geistliche französische Musik des 17. Jahrhunderts für heutige Ohren überraschend „romantisch“ klingen lassen. Wären da nicht immer wieder die tänzerischen Rhythmen, die das Geschehen von innen her beleben. Und die dissonanten Vorhalte und eleganten Verzierungen, durch die sich Werke von Marc-Antoine Charpentier, André Campra und Jean-Philippe Rameau dann doch immer wieder als originäre barocke Schöpfungen entpuppen.
Trotz vieler ausgezeichneter Einspielungen auf CD ist diese herrliche und vielgestaltige Musik zumindest in Deutschland nach wie vor randständiges Repertoire. Um so schöner, dass Christophe Rousset zum Abschluss seiner Artist-in-Residence- Spielzeit in der Essener Philharmonie Werke der drei oben genannten Meister ins Programm genommen hat.
Zusammen mit fünf bestens aufeinander abgestimmten Solisten, dem exzellenten Kammerchor Les Éléments und seinem Orchester Les Talents Lyriques brachte der Cembalist und Dirigent im ersten Teil des Abends die vollständige Grand Motet Quam dilecta von Rameau und Auszüge aus der Grand Motet De Profundis von Campra. In der Verbindung von Chören, instrumentalen Vor- und Zwischenspielen, Ensembles und Soli ähneln diese großformatigen Psalmvertonungen der deutschen Kirchenkantate des Barock. Der Klangeindruck ist jedoch monumentaler und epischer. Aufwändige Mehrstimmigkeit in den Chören verleiht dem Ganzen einen erhabenen Charakter, während die Soli und Ensembles eher an das individuelle religiöse Gefühl appellieren.
Eine Folge kurzer, jedoch exquisiter Instrumentalstücke von Charpentier, die unter dem Titel Simphonies pour un reposoir wohl zur Weisung der Reliquien der Dornenkrone in der Saint Chapelle komponiert wurden, beschlossen den ersten Teil des Konzerts. Auch diese Stücke zeigten die hohe Spielkultur des Orchesters.
Nach der Pause dann folgte Campras Requiem, ein Werk, in dem sich französische Opulenz glücklich mit italienischer Klangsinnlichkeit und Theatralik verbindet. Die Zugabe bestand aus dem ergreifenden Kyrie der Missa Assumpta est Maria von Charpentier.

Ein in Farbe und Ausdruck eher herbstliches Programm also, dem man dennoch ein ausverkauftes Haus gewünscht hätte. Die Darbietungen waren von makelloser Schönheit. Der warme, altgoldene Klang des Orchesters verband sich ausgezeichnet mit dem präzisen, dabei erstaunlich intensiven Chorklang von Les Éléments. Von den beiden sinnlich funkelnden Sopranstimmen von Céline Scheen & Salomé Haller hätte man gerne noch mehr gehört. Elegant phrasierten die beiden Tenöre Emiliano Gonzalez-Toro und Robert Getchell. Lediglich der wohlklingende Bass von Matthew Brooks schien für die Musik fast zu viel Kraft und expressive Energie zu haben.
Bleibt nur zu hoffen, dass man von nun an häufiger Musik des französischen goldenen Zeitalters in dieser Qualität und auf diesem Niveau in Essen zu hören bekommt!

Georg Henkel


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