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Artikel

THE TRADITIONALS: Spirit Of Oi!

Info

Gesprächspartner: Dave Harris

Zeit: 10.04.2008

Ort: Köln / Pittsburgh

Interview: E-Mail

Stil: Oi Punk

Internet:
http://www.impact-records.de
http://www.myspace.com/thetraditionals
http://www.last.fm/music/The+Traditionals

Die Oi! Szene hat es nicht immer leicht. Oft werden aufgrund von Vorurteilen und Missverständnissen, die Szenemitglieder der falschen rechten politischen Gesinnung zugeordnet, ohne überhaupt zu wissen wie die ursprünglich Oi! Skinhead Szene enstanden ist. Da die amerikanischen Oi! Punk Band The Traditionals vor kurzem ihr neues Album Generation Of Today vorgestellt hat und sich die Möglichkeit eines Interviews mit Gitarristen Dave Harris ergeben hat, haben wir die Chance wahrgenommen ein Paar Fragen zur Oi! Szene und The Traditionals zu stellen.

MAS:
Bevor ich euer Album Generation Of Today bekommen haben, waren mir The Traditionals unbekannt. Das wird bei einigen unserer Leser ebenso sein, daher möchte ich dich bitten euch kurz vorzustellen.

Dave:
Erstmal danke das ihr uns interviewt. The Traditionals sind diesen Sommer seit 11 Jahren zusammen. Als meine alte Band (The Sussed) sich aufgelöst haben, wurden The Traditionals gegründet. Mein Bruder Joe Harris und ich machen zusammen Musik, seit wir Kinder waren, und wir nutzten diesen Chance um nun auch zusammen in einer Band zu spielen. Obwohl wir relativ unbekannt sind, haben wir schon vier Alben seit 1997 veröffentlicht. Einige große Shows haben wir auch schon gespielt, z.B. bei den Beer Olympics (?) 2000 in Atlanta oder beim Holidays In The Sun Festival 2002 in New Jersey, größtenteils treten wir aber bei uns in der Nähe auf. Ein Tour in Deutschland haben wir auch schon absolviert, wir waren in Frankfurt, Hannover, Leipzig and Krefeld. Das war 2006, da waren wir mit Evil Conduct, Hardskin und 4-Promille unterwegs.
Eigentlich ziehen wir es aber vor zusammen Songs zu schreiben und zu trinken, als On The Road zu sein, und vollkommen fertig nach Hause zu kommen.
Die Bandmitglieder müssen alle arbeiten, und einige haben auch Familie, und wir versuchen das bestmöglich zu kombinieren. Das aktuelle Line-Up von The Traditionals sieht momentan so aus: Rob Faulkner-Gesang, Dave Harris-Lead Gitarre, Joe Harris-Schlagzeug, AJ Falcione-Gitarre und Matt Janitor zupft den Bass.

MAS:
Eure Texte liegen irgendwo zwischen Partysongs und politisch motivierten Themen. Welche Songs sind einfacher zu schreiben, die Partysongs, oder die eher ernsteren Themen?

Dave:
Manchmal habe ich eine Idee im Kopf wenn ich z.B. auf dem Heimweg bin, zu Hause versuche ich mich dann daran zu erinnern. Dazu werden dann Texte verfasst und bei den Proben findet dann das Fine-Tuning statt, manchmal fügt sich ein Teil zum anderen. Rob schreibt die Lyrics und wenn wir an der Musik arbeiten fügen wir beides zusammen. Ich denke es ist wichtig unser Recht auf freie Meinungsäußerung wahrzunehmen und zum Ausdruck zu bringen was wir über unsere Gesellschaft denken, was wir machen wenn wir nicht grade von unseren Jobs und Pflichten erdrückt werden. Es gibt viele Bands die sich nicht trauen über Probleme zu singen, weil sie dann von der Musik in die eine oder andere Schublade gesteckt werden. Da wir mit der Musik sowieso kein Geld machen, und uns das auch nicht stört, können wir auch über das Singen was wir lieben (Bier!) und über die alltäglichen Probleme, und natürlich eine gute Zeit bei den Proben und einem Gig zu haben!

MAS:
Ich mag die Power und die Energie des Songs “Spirit Of Oi“. Der Text handelt von der Vergangenheit der Punk und Oi! Szene, und das deren ursprünglicher Geist verloren gegangen ist! Warum ist dies passiert, und was ist nötig den Geist der Szene zurückzubringen.

Dave:
Ich habe dieses Lied 1993 mit meinem Freund Joe Fertitta (Sänger von The Sussed) geschrieben. Das Lied habe ich wahrscheinlich schon eintausend mal gespielt und mache das immer noch gerne. Das war eines meiner ersten Stücke welches ich als junger Skinhead geschrieben habe, es bedeutet mir damals viel, und tut dies auch noch heute. Wie jeder weiß, der etwas mit der Oi und Punk Musik zu tun hat, sind wir eine Minderheit in der Szene, verglichen zur ursprünglichen Zeit um 1969 oder der Revivalperiode von 1981 - 1989. Einen Bruch in der Szene habe ich Anfang der 90er Jahre festgestellt. Hier in Pittsburgh waren wir damals 25 Leute, als ich zum erstenmal mit der Oi Szene in Berührung gekommen bin, aber die sind inzwischen verschwunden. “The faces change with the years but the feeling is still here”, ist eine Textzeile von einem unserer älteren Songs (Memories)

Ich glaube das Skins und Punks noch lange existieren werden, weil dies halt ein Lifestyle ist. Ich bin stolz mit jeden Morgen meine Stiefel zu schnüren und meine Bomberjacke anzuziehen. Nicht-rassistische Leute brauchen einen Platz den sie ihren eigenen nennen können, und da gibt es keine besser Sub-Kultur als die Oi Szene!

MAS:
Woher bezieht ihr eure Einflüsse?

Dave:
Wir hören eigentlich alle Variationen von Punk, Oi, Rocksteady, Skinhead Reggea, Ska, Hardcore, Rockabilly, Two Tone, und den ganzen anderen großartigen Shit!. Einige Bands die mir spontan einfallen wären z.B. Cocksparrer, The Business, Ramones, Templars, Oxymoron, 999, 4-skins, Sham, Cockney Rejects, Slaughter And The Dogs, Blitz, One Way System, Perkele, Evil Conduct und viele andere!

MAS:
Welche Jobs habt ihr zusätzlich zur Musik?

Dave:
Ich bin Chefkoch und manage ein Restaurant, Joe ist ebenfalls Chefkoch, Rob geht wieder zur Schule, AJ kocht auch und Matt managed ein Autoersatzteile Geschäft!

MAS:
Wo stehen The Traditional in 10 Jahren. Habt ihr Pläne euch in eine bestimmte Richtung zu entwickeln?

Dave:
Ich bin immer jemand gewesen der im jetzt lebt, und nicht allzu weit in die Zukunft schaut. Man weiß nie, in welche verrückte Situationen man kommt. In den letzten 11 Jahren gab es viele widrige Umstände, unter denen sich andere Bands aufgelöst hätten. Ich denke wir werden in 10 Jahren immer noch zusammen sein. Ich schaue immer etwas auf andere Bands wie The Business oder Cocksparrer, die immerhin schon seit 30 Jahren zusammen sind, und das motiviert mich weiterzumachen und nicht zu denken ich wäre zu alt für den Scheiß, wie es so viele andere getan haben. Ich hoffe die nächste Generation macht weiterhin Musik für die Arbeiterklasse. Unsere Musik wird sich über die Jahre hinweg verändern, aber ich weiß nicht wie viel Einfluss wir darauf haben, oder ob dies nur der natürliche Fortschritt ist, denn wir als Musiker erleben. Ich weiß nur das wir unsere Instrumente wesentlich besser beherrschen als vor 10 Jahren.

MAS:
Die Oi! Szene in Europa ist ziemlich klein, was auch damit zusammenhängt, dass oft Skinheads mit den falschen politischen Idealen mit der Oi! Szene in Verbindung gebracht werden. Die meisten Menschen kennen den Unterschied zwischen der Oi! und der Skinhead Szene nicht. Wie sieht das mit der Oi! Szene in den USA aus?

Dave:
Hier sieht es nicht besser aus. Die Wahrheit ist, dass auch wenn es hier auch die Nazi Skins gibt, der Grossteil der Skins nicht rassistisch ist, man nimmt eher den Kampf gegen die radikal faschistische Politik auf. Eine ganze Menge der politischen Punk Bands, reden darüber wie sie die Nazis hassen, aber in unserer Stadt sieht es eher so aus, als ob die Oi! Skins die Nazis kleinhalten, sobald sie ihre Köpfe zuweit rausstrecken. Die Skinhead und die Oi! Szene entstand aus der Arbeiterbewegung, wo die Leute aufgewachsen sind, die nicht allzu viel hatten. Die Nationale Front und eine verkommene Art von Skinheads hat es auf ewig geschafft, den Blick den die Gesellschaft auf die Skinhead Szene hat negativ zu verändern. Aber wahre Skins hängen deswegen nicht ihre Stiefel an den Nagel. Es ist alleine schon das Gefühl, wenn du deine Stiefel schnürst, neue Freunde kennenlernst, und mit deinem Mädchen mit Ihrer Chelsea Frisur an der Bar stehst, während Cocksparrer aus der Jukebox dröhnen.

Warum sollten wir uns der Gesellschaft anpassen?

Die Oi! Szene gehört nicht exklusiv den Skinheads, und es gibt dort wirklich großartige Menschen, die man kennen sollte!

MAS:
Willst Du unseren Lesern noch etwas besonderes mitteilen?

Dave:
Bitte kauft unsere CD, ladet sie nicht runter und klaut sie. Das wenige Geld das wir mit den CD Verkäufen machen, hilft uns irgendwann einmal in eurer Stadt zu spielen. Unterstützt die Musiker, und sie werden euch lange erhalten bleiben!

Glaubt nicht immer was die Zeitungen sagen.

Und im Dezember werden wir in Deutschland und andere europäischen Ländern touren. Ihr könnt uns auf unserer myspace Seite oder bei lastFM besuchen.

Wir sehen uns!

MAS:
Danke für das Interview!

Rainer Janaschke


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