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Die seltenen Vögel auf ihrem Höhepunkt - The Story of HOELDERLIN, Kapitel 4

Hoelderlin

Rare Birds


Info
Musikrichtung:Krautrock

VÖ: 08.02.2007 (1977)

(EMI)

Gesamtspielzeit: 46:57

Internet:

http://www.hoelderlin.com



In seltener Einmütigkeit bezeichnen Musiker und Kritiker Rare Birds ziemlich eindeutig als das beste und reifste Album Hoelderlins. Im Vergleich zum Vorgänger ergibt sich der Qualitätssprung vor allem daraus, dass die Anzahl der einfach grandiosen Tracks deutlich höher ist. Mit „Häktik Intergaläktik”, “Rare Bird”, “Necronomicon” und “Sun Rays” befinden sich gleich vier Meilensteine auf dem Album. Dabei setzen „Häktik Intergaläktik” und “Necronomicon” den von der „Schwebebahn“ bekannten typischen Hoelderlin-Stil fort, während der Titelsong wieder deutlichere Anleihen bei den frühen Genesis macht, sie aber sehr soft ansetzt und in eine fast schon düstere, sehr ruhige Atmosphäre einbindet. “Sun Rays” befindet sich näher am “Rare Bird”, als an den anderen beiden Titeln, greift aber mit seiner sanften mystischen Aura auch die Clouds-Seite des Vorgängeralbums wieder auf. Ein grandioses Werk, das Gänsehautatmosphäre garantiert.

Als DER Hoelderlin-Song überhaupt, wird es aber noch von „Häktik Intergaläktik” geschlagen. Hier versammelt sich alles, was die Stärken Hoelderlins ausmacht. Der Titel ist gleichzeitig verspielt, verträumt, romantisch, kraftvoll, absolut eigenständig und letztlich nicht zu beschreiben oder zu vergleichen.
Wahnsinn!!
Zu erwähnen bleibt noch kurz “Necronomicon”, ein stück dem es gelingt eine tolle fesselnde Walzer-Atmosphäre zu erzeugen ohne auch nur im mindestens ein Walzer zu sein.

Als Bonus gibt es auf dem Re-Release von Rare Birds nur Kleinkram, ein ruhiges Vocalstück zur Akustikgitarre und eine Art Piano-Etüde mit Gesang. Hier ist wirklich die Werkstatt-Atmosphäre eines Studiotages eingefangen.

Insgesamt wird Rare Birds ein rockigeres und rhythmischeres Herangehen zugesprochen. Als verantwortlich dafür gilt der neue Gitarrist Pablo Weeber, die vielleicht schillerndste Gestalt in der bisherigen Geschichte der Band - passt irgendwie zu dem Paradiesvogel auf dem Cover.
Bassist Hans Bäär spricht dem Spanier eine neue Qualität an Ehrgeiz und Professionalität zu, die die Band so bislang offenbar nicht gekannt hatte. Das hat die acht Monate, die Weeber bei Hoelderlin war, laut Bäär zur „produktivsten und kreativsten Phase in der Bandgeschichte“ gemacht, da Weeber nicht nur selber ein grandioser Gitarrist war, sondern auch den Rest der Band zu bislang ungeahnter Höchstleistung anspornte.
Aber Weeber muss wohl ein Janus-köpfiger Zeitgenosse gewesen sein. „Er ist über Leichen gegangen, wenn es darum ging, seine Musik und seine Vorstellungen durchzusetzen“, erinnert sich Christian Grumbkow, der von Weeber an der Gitarre ersetzt wurde, aber im Hintergrund weiter Teil der Band war. Weeber werden auch zerstörte Studios und ähnlich aggressive Ausbrüche zugeschrieben.
Als der Südländer in der Fahndungs-Hysterie nach der Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Schleyer wiederholt von der Polizei kontrolliert wurde, lies er seine Wut immer wieder an der Band aus, so Grumbkow.

So blieb Rare Birds neben dem folgenden Live-Album Traumstadt das einzige Studio-Album von Hoelderlin, an dem Weeber mitwirkte.


Fortsetzung folgt



Norbert von Fransecky



Trackliste
1Häktik Intergaläktik 8:30
2Sky Lift 4:16
3Before you lay down 7:35
4Rare Bird 7:32
5Necronomicon 6:25
6Sun Rays 8:57
7Blackbird (Demo) 0:55
8You are the One (Demo) 2:29
Besetzung

Hans Bäär (B)
Michael Bruchmann (Dr, Perc)
Joachim Grumbkow (Keys, Voc <4>)
Christoph Noppeney (Viola, Voc)
Pablo Weeber (Git, Voc <3>)

Gast:
Manfred von Bohr (Dr <5>)

Norbert von Fransecky


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