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SO! ist es!

Info

Gesprächspartner: SO!

Stil: Alternative Rock

In Zeiten des großen Casting-Show-Booms fragt man sich schon manchmal, ob musikalische Talente überhaupt noch ohne dieses Konzept entdeckt werden können. Gott sei Dank geht es aber doch noch anders.

Den Beweis dazu tritt die Karlsruher Formation SO! an. Die fünf Jungs spielten sich mit Talent und dem nötigen Biss in den Bandpool der Rockstiftung Baden Württemberg. Dort werden sie für 18 Monate mit den Gepflogenheiten im Musikbusiness vertraut gemacht und entsprechend gefördert.

SO!, das sind Ralph Darko (Gesang), Simon Wiesmayr (Gitarre), Raymar Laux (Gitarre), Alwin Laux (Bass)
und Bernd Lüddemann (Schlagzeug).

Ich traf die Band im Anschluss ihres Gigs auf einem Festival in Stuttgart. Schon ganz Profi standen sie mir Rede und Antwort.

MAS: Danke, dass ihr euch die Zeit für dieses Interview nehmt. Wie würdet ihr euren heutigen Auftritt bewerten?

Al: Wir hatten ein paar Probleme mit der Technik, aber das ist eigentlich normal bei Live-Gigs.

Ralph: Ja, aber es war insgesamt kein so guter Auftritt.

Ray(sehr selbstkritisch): Für unsere Verhältnisse war es ein schlechter Gig, schnell abhaken.

MAS: Wie lange gibt es SO! schon?

Ralph: Seit 1999 in der heutigen Besetzung. Mit dem Simon mache ich aber bereits seit zehn Jahren Musik.

MAS: Wie habt ihr denn zusammengefunden?

Simon: Als wir noch einen Drummer brauchten haben wir eine Anzeige aufgegeben, da hat sich dann der Bernd gemeldet.

Ralph: Ja, das ist auch schon wieder sieben Jahre her, der Alwin kam vor fünf Jahren dazu , ein Jahr später
dann Ray

Al: Man kann sagen wir sind alles Freunde.

Ray: Nein wir zwei sind ja Geschwister, also Freunde und Familie.

Ralph (grinst): Okay, wir sind alle eine große Familie.

MAS: Auch im Musikbusiness ist alles schön in Schubladen geordnet. In welcher Schublade findet man SO!?

Ralph: Alternative-Rock würde ich mal sagen.

Ray: Ja, damit können wir am ehesten leben.

Al: Die Leute sollen sich am besten selbst ein Bild machen, wie es für sie im Detail klingt.

MAS: War es von Anfang an klar, welche Musikrichtung ihr einschlagen wolltet, oder hat sich dies
erst nach und nach entwickelt?

Ralph: Das hat sich im Laufe der Jahre entwickelt.

Al: Ja, mit Heavy Metal fingen wir an.

Ralph: Metalmäßig schon, aber nie Speed oder so.

Ray: Wir waren eher auf der Linie Power-Metal, oder so wie Ozzy Osbourne.

Ralph: In kurzer Zeit wechselten wir aber dann ein bisschen in den REM-Stil und heute sind wir
bei den Manic Street Preachers angelangt.

MAS: Der Name Manic Street Preachers ist ja gerade gefallen. Sind sie eure Vorbilder?

Ray: Ich würde eher sagen, sie sind unsere Inspiration.

Ralph: Genau, sie inspirieren uns. Vorbilder - nein, das haben wir keine, wir sind ja keine sechzehn mehr.
Aber sie bieten uns eine Orientierungshilfe.

Ray: Man kann auch sagen, wir befinden uns auf einer Wellenlänge mit den MSP - von der Einstellung her und so.

Al: (lacht) Du kennst sie doch gar nicht.

MAS: Wer kam auf die Idee den Song "Survivor" von Destiny's Child zu covern?

Ralph: (wie aus der Pistole geschossen) Ich war das!

Großes Protestgeschrei und Gelächter.

Ralph: Doch, doch, mir hat das Lied schon in der Originalversion so extrem gut gefallen, ich finde es einfach nur geil. Und da wir ja immer ein Cover in unserem Programm haben, sind wir natürlich auch ständig auf der Suche nach dem Optimum. Es muss ein Song sein, den man auch eine Weile mit Freude spielen kann.
Wir schreiben auch die Coversongs meist komplett um, so auch "Survivor", das hat jetzt einen fetten Bass und kommt nun live hammermäßig rüber.

MAS: Eure Cd heißt "Cruising missiles won't feed my children", seht ihr euch als politische Band?

Ralph: Nicht als politische Band wie "Rage against the machine". Ich würde sagen wir haben eine politische Attitüde, z.T. auch mit einer politischen Aussage in den Texten. Dennoch eher auf die subtile Art, also nicht
so plakativ.

Ray: Unsere Texte sollte man nirgendwo einordnen, jeder soll sich selbst dazu Gedanken machen. Es geht auch nicht immer um gerade aktuelle Themen, sondern eher um Allgemeines.

MAS: Habt Ihr alle Songs selbst geschrieben?

Ralph: Ein ganz klares Ja! Bis auf die Coversongs halt, aber da wir die ja auch total umkrempeln, entsteht
fast ein neuer Titel daraus.

MAS: Wie entsteht ein Song? Zuerst die Musik oder der Text? Was inspiriert euch?

Ray: Sex!

(Großes Gelächter)

Ralph: Nein, zuerst steht der Song, dann kommt die Gesangslinie und irgendwann kommt dann mal der Text.

Al: Ja, so funktioniert es bei uns am besten. Wenn die Grundidee gut und ausbaufähig ist, dann steht der Song nach einer Stunde. Zu 70 Prozent ist das Ding dann okay.

Ralph: Manchmal haben wir es auch schon in zwanzig Minuten geschafft.

Al: Kam auch schon vor, wichtig ist halt, dass es dann auch live gut funktioniert.

MAS: Ihr seid dieses Jahr in den Bandpool der Rockstiftung Baden Württemberg aufgenommen worden.
Was erhofft ihr euch davon?

Ralph: Stimmt, seit März sind wir dabei. In erster Linie hoffen wir natürlich, dass sich unser Bekanntheitsgrad steigert. Es wäre schön, wenn in Zukunft immer mehr Leute mit dem Namen SO! etwas anfangen könnten.
Durch die Rockstiftung ist es uns auch möglich wichtige Kontakte im Business zu knüpfen. Kurz gesagt, es ist einfach eine gute Visitenkarte.

MAS: Wie sind die Leute der Rockstiftung auf euch aufmerksam geworden? Habt ihr bei irgendwelchen Bandausscheidungen mitmachen müssen?

Ralph: Ich habe echt keine Ahnung, wir haben keinen einzigen Contest gespielt.

Ray: Nein, wir haben ganz einfach unsere Cd dort hingeschickt und Kontakt aufgenommen und diese Kontakte auch gepflegt.

Ralph: Dann haben sie uns irgendwann zum Gespräch eingeladen und das war's dann.

MAS: Wie sieht die Unterstützung seitens der Rockstiftung aus?

Einstimmig alle: Der Bandbus!!

Ray: Es ist eine unglaubliche Erleichterung für uns diesen Bus gestellt zu bekommen. Wir müssen ihn zwar mit den ganzen anderen Bands der Rockstiftung teilen, aber wenn man sich rechtzeitig anmeldet, dann klappt das auch.

Ralph: Ja und dazu kommen noch die ganzen Seminare und Meetings die wir besuchen können.

Ray: Oft rufen auch Leute bei der Rockstiftung an, die nach neuen Bands suchen. Die Stiftung schickt daraufhin die Listen und Cd's der in Frage kommenden Bands raus. Daraus eröffnen sich immer neue Möglichkeiten. Es geht halt nichts über Kontakte, Kontakte, Kontakte.

MAS: Ihr habt tatsächlich nie bei irgendwelchen Band-Contests mitgemacht?

Simon: Doch früher schon, nur für die Rockstiftung nicht.

Ray: Ja, aber da gibt es einige Wettbewerbe, vor denen man junge Musiker wirklich warnen sollte.
Das ist die reinste Abzocke.

Al: Wir spielten mal bei so einer Veranstaltung, da mussten wir DM 150,- bezahlen, damit wir auftreten durften. Pay to play, quasi. Für das Geld haben wir ca. 100 Eintrittskarten bekommen, die wir selbst verkaufen mussten. Das Publikum entschied dann per Handmeldung welche Band weiterkommt.

Ralph: Fakt ist, wer die meisten Karten an seine Leute verteilen konnte, der hatte gewonnen. Und die Veranstalter haben fette Kohle gemacht.

MAS: Welches war bisher euer größter Gig?

Ralph: (lacht) Der kommt noch.

Ray: Das Fest in Karlsruhe am 19.07.03 auf der Zeltbühne, das wird bestimmt geil.

MAS: Habt ihr mit Lampenfieber zu kämpfen?

Al: Ich persönlich bin immer etwas aufgeregt, denke aber das muss auch so sein, alles andere wäre doch nicht normal.
Ralph: Vor größeren Gigs muss man doch ein wenig aufgeregt sein, sonst ist man doch tot, oder?
Lampenfieber würde ich es dennoch nicht nennen, eher eine motivierende Anspannung.

MAS: Was war bisher euer peinlichster Auftritt?

Großes Rätselraten bei den Jungs.

Ray: So was vergisst man immer recht schnell.

Ralph: Eigentlich war doch noch nichts richtig peinlich.

MAS: Es flogen also noch nie rohe Eier oder Dreckklumpen auf euch?

Al: Nein, aber wir spielten mal einen Gig vor einigen hundert Leuten. Wir freuten uns, dass wir Gelegenheit bekamen vor so viel Publikum zu spielen. Die standen aber alle nur wie tot rum. Es kam erst Bewegung in die Menge als das Freibier ausgeschenkt wurde. Dann rannten alle los und hingen am Tresen ab. Peinlich war's zwar nicht, aber enttäuschend.

MAS: Welches Projekt steht als nächstes an?

Ralph (grinst): Steinreich zu werden!
Nein, im Ernst, einen Plattenvertrag zu bekommen, ganz klar.

Al: Wir planen auch eine zweiwöchige Tour auf Ende 2003 oder Anfang 2004, daran basteln wir gerade.

MAS: Habt Ihr durch die Rockstiftung nicht die Möglichkeit einen Plattenvertrag zu bekommen?

Ralph: Durch die Stiftung direkt nicht. Aber es gibt ja immer wieder mal Showcases bei denen man vor Leuten der großen Labels spielen kann.

MAS: Wo möchtet ihr in fünf Jahren stehen?

Einstimmig: Unser Ziel ist es nur von der Musik leben zu können, in fünf Jahren müsste das zu schaffen sein.
Ray hat dennoch einen extra Wunsch: Eine kleine Burg mit Stall in der Provence.

MAS: Herzlichen Dank für das Gespräch. Ich wünsche euch alles Gute und viel Erfolg, damit
Ihr recht bald eine Releaseparty auf Ray's Burg feiern könnt.

Wer SO! einmal live erleben möchte, der kann dies am 19.07.2003 auf dem Fest in Karlsruhe (Zeltbühne).

Weitere Infos zur Band unter www.so-world.net.

Jutta Hinderer


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