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Artikel

Keep It True VIII - Das Kultfestival in Lauda-Königshofen

Info

Künstler: Keep it True VIII

Zeit: 14.04.2007

Ort: Lauda-Königshofen

Besucher: 1.500

Internet:
http://www.keep-it-true.de

„Willkommen zum Zeitmaschinen-Sonderflug Nr. 666 von Stahlfurt nach Lauda-Königshofen aus Anlass des achten Keep-it-true Festivals. Bitte klappen Sie die Tischchen hoch, stellen das Rauchen ein und legen ihren Patronengurt an. Sobald wir in der Luft sind werden ihnen unsere leibeigenen Pleasure Slaves Gerstenkaltschalen und Schnittchen servieren. Das gesamte Team von Kultmetal-Airlines wünscht ihnen einen erholsamen Flug und anschließend einen angenehmen Aufenthalt in den 80ern.“

Ja und nun standen wir da in der Tauberfrankenhalle zu Lauda-Königshofen und genossen mit allen Sinnen das schon als legendär zu bezeichnende Keep-it-true-Feeling. Und das taten an diesem sommerlichen Tag auch 1.500 andere friedfertige Metalfans. Doch was ist es denn das „Keep-it-true-Feeling“ wegen dem Besucher aus ganz Europa (u.a. Schweden, Griechenland, Spanien, Italien) hierher pilgern? Als erstes das gemütliche, brüderliche und undergroundige Flair das von den Besuchern ausstrahlt. Dies rührt vor allem von der einmaligen Mischung an alten (vor allem) und jungen (nicht ganz so viele) Bands her, die es so nur hier zu sehen gibt. Bands die fest im wahrhaftigen Metal verankert und denen Worte wie Kommerz oder Ausverkauf völlig fremd sind. Noch dazu schafften es die Organisatoren des Keep-it-true immer wieder, Bands zu verpflichten die bereits seit vielen Jahren als aufgelöst gelten und hier noch mal das Feeling der „guten alten Zeit“ verbreiten. Neben einigen einheimischen und europäsichen Acts traten auch überwiegend Bands aus Übersee auf, die früher nur sehr selten oder noch überhaupt nie in unseren Breitengraden zu sehen waren. Und wer sich nicht die ganze Zeit auf das Bühnengeschehen konzentrieren will, kann sein hart verdientes Geld im sehr umfangreichen Metalmarkt unter die Leute bringen. Das alles zu einem wirklich billigen Preisen von 20 - 25 EUR. Dieses Konzept ist die Erfolgsformel für dieses kleine aber sehr feine Festival. Und dieses wurde auch bei der achten Ausgabe wieder erfolgreich angewandt. Man kann Oli und Tarek nicht genug dafür danken, ihre Linie so konsequent zu verfolgen.

Aber nun den einzelnen Bands des Samstags selbst:


Den bunten Schwermetallreigen eröffnete auf dem KIT Nr. 8 das kanadische Trio Cauldron (ex-Goat Horn). Und welche Band hätte auch besser gepasst? Zwar altersmäßig wahrscheinlich die jüngste Band, verkörperte diese von der Musik und dem Erscheinungsbild her den Spirit von Früher so gut wie nur wenige an diesem Tag. Allein schon optisch (hautenge Jeans, lange Matten mit Pony) kam man sich 25 Jahre zurückversetzt vor. Und auch der gebotene Sound passte hervorragend in dieses Schema. Knackige teils thrashige Riffs und Soli, nette Melodien und mitbangbare Rhythmen. Schön verpackt in fetzige Songs wie „Into the cauldron“, „Torture’s too kind“ oder das natürlich perfekt passende und prollige „Making noise, drinking beer“. Nur das Stimmchen von Sänger/Bassist Jason Decay klang etwas dünn. Das machte er aber mit jede Menge Feuer im Allerwertesten wieder wett. So wie überhaupt die ganze Band. Es wurde auf der Bühne gebangt bis zum Umfallen und schön zusammen gepost, dass es eine wahre Pracht war. Ergebnis davon waren jede Menge Applaus und ein gut unterhaltenes Publikum. Die Jungs machten sich nicht schlecht in ihrer Openerrolle. Man sollte die Drei auf jeden Fall im Auge behalten.

Nach diesem bleihaltigen Sperrfeuer wurde von einer Handvoll gut gelaunter Schweden erst mal so richtig die Bude gerockt. Ihr Name: Bullet. Diese boten mit ihren Songs in der Schnittmenge aus AC/DC und Accept genau den Sound mit dem man jedes Bierzelt problemlos im Nullkommanichts zum Kochen bringt. Kein Wunder also, dass in der Tauberfrankenhalle zur Mittagszeit der Bierkonsum plötzlich anstieg und die vorderen Ränge ordentlich in Wallung gerieten. „Heading for the top“, „Turn it up loud“ und „Leather love“ hießen die Wunderwaffen die Bullet während ihrer Dreiviertelstunde verschossen. Aber nicht nur die Songs waren spitze, auch die Mucker selbst zeigten wie eine Rock ´n Roll-Show auszusehen hat. So posten und grinsten z.B. die beiden Gitarristen Hampus Klang und Erik Almström pausenlos um die Wette. Da durften die sechs Saiten auch mal mit den Zähnen gezupft werden um ordentlich aufzufallen. Und während Lenny Blade und Gustav Hjortsjö an Bass und Drums im Hintergrund die Sache nach vorne pumpten schrie sich der korpulente Sänger Dag Hell Hofer wie ein irrer die Seele aus dem Leib. Man hätte fast meinen können, sein Schädel würde jede Minute platzen. Eine echt engagierte Vorstellung eben. Da das Publikum am Ende allzu sehr nach mehr gierte, gab es mit dem programmatischen „Bang your head“ sogar noch eine Zugabe. Feine Sache das!


Der Gig von Twisted Tower Dire ließ einen etwas faden Beigeschmack zurück. Dabei hätte es so gut werden können. Und das lag ausnahmsweise nicht mal unbedingt an der Band, sondern vor allem an dem Herrn hinter dem Mischpult. Denn dieser undefinierbare höhenlastige Matsch der aus den Boxen drang, klang nach akuter Arbeitsverweigerung. Selbst für Fans war es nicht gerade einfach einzelne Songs herauszuhören. Man hätte glatt denken können der Mischer hätte etwas gegen die Band. Das hatten Twisted Tower Dire wirklich nicht verdient. Und so steuerten die Fünf auch dagegen und zeigten sich sehr motiviert. Schließlich hatte man sich lange nicht mehr in unseren Breitengraden sehen lassen. Und außerdem hat man mit Johnny Aune auch noch ein neues Goldkehlchen vorzustellen, was natürlich keine leichte Aufgabe bei einem charismatischen Vorgänger wie Tony Taylor ist. Aber Johnny machte seine Sache ziemlich ordentlich. Stimmlich klingt er etwas rauer (soweit man aufgrund des Sounds überhaupt ein richtiges Urteil abgeben konnte) und gestikulierte auf der Bühne wild umher. Jedenfalls hatte er jede Menge Pfeffer im Hintern. Das gefiel nicht allen so gut, denn natürlich ist er kein zweiter Tony, aber meine Wenigkeit hatte Spaß dabei. An Songs hatte man u.a. „Transfixed“, „At night“, das neue „Starshine“ und den Überhit „Axes and honour“ im Gepäck. Wirklich geile Songs, irgendwo in der Schnittmenge aus Maiden, Titan Force und Mercyful Fate. Wie gesagt: Es hätte so gut werden können, wäre da nicht dieser Sound gewesen. Das sahen auch die Anwesenden so. Denn wirklich ausgeflippte Reaktionen rief die leider Band nicht hervor.

Erwähnt man unsere Nachbarnation Holland im Zusammenhang mit metallhaltiger Musik, denkt man heute wahrscheinlich als erstes an Trällerelsensound der Marke Within Temptation oder Epica. In den 80er Jahren brachte man aber auch den einen oder anderen Hard Rock- und Metalact hervor. Vengeance zum Beispiel. Oder die hier auftretenden Defender. Kein Begriff? Kein Wunder, denn außer mit einer EP machte man nicht wirklich auf sich aufmerksam. Das tat man das an diesem Nachmittag aber umso mehr. Dafür sorgten schon mal die in die Höhe lodernden Feuerfontänen, die gleich zu Beginn fast die eine andere Haarpracht im Fotograben angesengt haben. Ein heißer Start sozusagen. Man versteht sich also in Szene zu setzen. Neben ihren Eigengewächsen bliesen Defender auch zwei Coversionen von Metal Church („Metal Church“) und Annihilator („Allison hell“) durch die Verstärker, bei denen die Band natürlich heftigen Applaus einheimste. Damit steckte man zugleich das musikalische Terrain ab, da man sich irgendwo zwischen Thrash- und US-Power Metal bewegt. Der Fünfer hatte jede Menge Spaß in den Backen und die an den Tag gelegte Spielfreude übertrug sich auf das Auditorium. Sänger Simon Menting (der heute wie der nette Nachbar von nebenan aussah) wurde gar etwas übermütig und sang eine Strophe lang vom PA-Turm herunter. Nur zu schade, dass er dabei sein Mikrofon vergessen hatte. Nachdem man bei der Bandhymne „Defender“ als dritter Gitarrist und zweiter Bassist ein paar ehemalige Bandmitglieder begrüßen durfte und nun alle Musiker die je bei der Band spielten auf der Bühne standen, gingen recht unterhaltsame 45 Minuten zu Ende.


Dass eine gute Show oder ein krasses Image mit einem ausfallen Outfit und/oder auffälligen Texten schon die halbe Miete für jede Menge in die Luft gereckte Fäuste darstellt, ist spätestens seit Alice Cooper und Kiss weithin bekannt. Und auch Gord Kirchin alias Piledriver (mittlerweile The Exalted Piledriver) spielt diese Karte nur allzu gerne aus. Weise Entscheidung von ihm, denn allein mit seiner nicht gerade einfallsreichen Rumpelmucke würde er sicher nicht allzu viele Personen hinter dem Ofen hervorlocken. Aber so konnte man eine ziemlich große Menschenmasse vor der Bühne begrüßen um trashige (hier wirklich ohne h) Hits wie „Piledriver“ oder „Witch hunt“ und Texte über Blut und Sperma unter die Leute zu streuen. Denn keiner wollte sich diesen optischen „Genuss“ entgehen lassen, wenn ein paar sehr schwergewichtige Herren in Totenkopfmasken über die Bühne wackeln. Allen voran natürlich Mr. Piledriver nur mit ein paar Ledergurten und einer Stachelkappe bekleidet. Ganz wie man ihm vom Metal Inquisition-Cover kennt. Das war allerdings schon witzig anzusehen. Eines kann man ihm so definitiv nicht nachsagen: fehlendes Selbstbewusstsein. Zwischen seine alten Nummern, die auch heute noch wie eine Mischung aus ganz alten Slayer (die Bösartigkeit) und Mötley Crüe (die einfachen Songstrukturen) klingen, wurden auch ein paar neue Nummern wie des Cheffes ganz persönliches „Metal Manifesto“, gemischt. Und dazu muss man sagen, dass sie gar nicht mal so schlecht klangen. Insgesamt war’s dann doch ganz lustig, auch wenn es mich persönlich ein wenig wundert, dass das Publikum ausgerechnet hier abging wie Schmidt’s Katze. Lag wohl doch an dem einleitend erwähnten Image und dem dazugehörigen kultigen Ambiente und weniger an den Songs. Oder es war einfach nur die Freude daran den allerersten Piledriver-Auftritt in Europa mitzuerleben.

Destructor durften für die im Vorfeld ausgefallenen Dänen Artillery einspringen. Da die Mannen um Dave Schindelar bereits am Vortag auf der Warm-up-Show ein amtliches und gefeiertes Thrash-Feuerwerk abgebrannt hatten, lag das natürlich nahe. Aber das machte die Band wohl nicht mehr so interessant für Einige, denn die Amis mussten am späten Nachmittag vor einer fast leeren Halle spielen. Aber dies dürfte nicht der einzige Grund dafür gewesen sein. Denn viele genossen einfach das tolle Wetter im Freien und gönnten sich zwischen zwei auffälligeren Acts eine Auszeit von der mittlerweile doch ziemlich stickigen Halle. Schade für Destructor. Diese ließen sich von den Umständen allerdings nicht allzu sehr beeindrucken und zogen trotzdem voller Eifer ihr Ding durch und boten eine solide Show. Zu gute kam dem Vierer, dass er als einzige Thrash-Band des Tages einen annehmbaren Sound bekam. Und so tönten klassische Keulen wie „Storm of steel“ ziemlich amtlich. Gut, aber an diesem Tag nicht großartig.


Etwas das man von den wiedervereinigten Lethal allerdings nicht behaupten kann. Denn dieser Auftritt gehörte eindeutig zu den Highlights der ganzen KIT-Geschichte. In welcher Form sich die Band befand und wie sie ihr doch nicht wirklich einfaches Songmaterial präsentierte war wirklich erstaunlich. Besonders wenn man bedankt, dass dies der erste Lethal-Auftritt seit zehn Jahren gewesen sein soll. Noch dazu das erste Mal, dass die Band in Europa ihre Musik zelebrierte. Instrumental ließen die Jungs nichts anbrennen. Dabei war Gitarrist Eric Cook heute sogar an seiner Hand durch einen Verband gehandicapt. Doch meisterte er mit seinen Kollegen die Aufgabe meisterlich und mit traumwandlerischer Sicherheit. Bereits im Vorfeld war allerdings klar, dass dieser Auftritt vor allem mit der stimmlichen Verfassung von Tom Malicoat stehen oder fallen würde. Zwar wirkte er optisch mit Cowboyhut und Shorts an diesem Abend etwas befremdlich, aber stimmlich ist dieser Mann kaum gealtert und singt emotional mitreißend wie eh und je. Jede Note saß da wo sie hingehört und so wurden Göttergaben wie „Fire in your skin“, „Programmed“ oder dem Übersong „Immune“ (Gänsehaut pur!) zum akustischen Hochgenuss. Kaum zu glauben, dass die Band jahrelang nicht aktiv war. Ehemalige Weggefährten wie Queensryche, mit denen Lethal immer gerne verglichen werden, sollten sich daran eine sehr dicke Scheibe abschneiden. Das Publikum ging ohne Umschweife steil und feierte Lethal ab bis zum Geht-nicht-mehr. Tom Malicoat (wie seine restlichen Bandkollegen wohl auch) war derart überrascht von den Reaktionen, dass er fast keine Worte mehr fand (den Kauderwelsch aus seinem Mund verstand eh keiner) und deswegen schon etwas eingeschüchtert wirkte. Schade dass der Auftritt schon nach einer Stunde mit „Killing machine“ sein Ende fand. Ich war auf keinen Fall der Einzige der gerne noch mehr davon gehabt hätte. Bitte sehr bald wieder kommen!


Sabbat war sicher eine der Bands der an diesem Tag viele am meisten entgegenfieberten. Die Halle war bei den Briten jedenfalls komplett gefüllt. Kein Wunder, schließlich wurde im Vorfeld angekündigt, dass man im originalen Dreamweaver-Line-up, sprich mit Martin Walkyier und Andy Sneep, auftreten würde. Und das taten sie auch. Und wie sie das taten! Das Quintett präsentierte sich kurz nach seiner UK-Rundreise mit Cradle of Filth perfekt eingespielt und ließ keine Zweifel daran aufkommen, dass man hier Englands bester Thrash-Band bei der Arbeit zusehen darf. Der Zahn der Zeit hat jedenfalls kein bisschen an den Musikern genagt. Vor allem nicht an Derwisch Martin Walkyier, der immer noch zu den charismatischsten Frontmännern im Metalbereich zählt. Es ist eine wahre Pracht wie er seine seitenlangen Texte äußerst gestenreich und mit vollem Eifer in die Welt hinausbellt (von Gesang kann man ja hier nicht wirklich sprechen). Einen weiteren Pluspunkt verschaffte er sich damit, dass er seine Ansagen in feinstem Deutsch machte. Man kann nur hoffen, dass er seine Drohung nicht wahr werden lässt, sich von der Musikszene zurückzuziehen. Dies wäre ein echter Verlust. Auch der Rest der Band gab alles und blies ein Riffgewitter in die Welt hinaus, das sich gewaschen hat und brachte damit vor allem die ersten Reihen ordentlich in Wallung, so dass ein sogar ein sehr beachtlicher Moshpit entstand. So heftige Reaktionen rief sonst keine Band hervor. Große Klasse. „Thrash with class” eben. Zum Abschluss noch ein Abriss über die gespielten Songs: „Intro/A cautionary tale”, „Legends of war”, „Clerical conspiracy”, „Behind the crooked cross”, „Do dark horses dream of nightmares”, „I for an eye”, „Best of enemies”, „For those who died”. Da es sich hier nur um eine kurze Live-Reunion handeln soll, darf man umso erfreuter sein, diesen Auftritt miterlebt zu haben.


Nach dem heftigen Gig der Landsleute Sabbat brauchten einige wohl eine kleine Verschnaufpause und so wurde es merklich luftiger vor der Bühne als die Diamond Head ihren Auftritt mit „Mine all mine“ und dem „Lightning to the nations“ starteten. Wenigstens hatte man so genügend Beinfreiheit um diese Rockshow (nicht unbedingt Metalshow) zu genießen. Denn die Briten um den letzten DH-Mohikaner Brian Tatler waren mit Abstand die softeste Band an diesem Tag. Was aber kein Fehler war, sondern eher wie eine angenehme Erfrischung zwischen den ganzen intensiven Bands, von deren Riffgewittern man sonst beschallt wurde, wirkte. Diamond Head spielten Songs aus fast jeder Schaffensperiode von ganz alt („Helpless“) bis brandneu („I feel no pain“). Wobei man sich verständlicherweise mit Songs wie „Heat of the night“, „Sucking my love“ (die Blaupause für das „Seek and destroy“-Riff), „To the devil his due“, „Borrowed time“ (mit Mitsingspielchen) oder „It’s electric“ auf die frühen glorreichen Bandjahre konzentrierte. Mit diesen Liedern kann man eben nichts falsch machen. Schon eher mit der Wahl des neuen Frontmanns. Denn der recht zeigefreudige Nick Tart passt mit seiner rockigen Stimme zwar gut ins Bild, stieß aber nicht allerorts auf Begeisterung. Die meisten Augenpaare ruhten dann auch auf Bandleader Brian Tatler, der immer noch ein hervorragender Gitarrist ist und im Gegensatz zur Megadeth-Tour vor zwei Jahren sehr frisch und vital aussah. Die ganze Band präsentierte sich auf sehr professionellem Niveau und so wurde auch der teilweise Ausfall der Gitarrenanlage während „The prince“ mit Leichtigkeit überspielt. Die meisten Songs wurden sehr wohlwollend aufgenommen (auch die neuen moderneren Rocknummern), aber natürlich standen Diamond Head in der Pflicht einen bestimmten Song zu spielen, den man sich natürlich bis zum Schluss aufhob: „Am I evil?“. Und als dieser durch die Lautsprecher gejagt wurde gab es für die Headbanger kein Halten mehr und der Refrain drang aus hunderten von Kehlen. Dieses „Fischer Chöre-Feeling“ gab es zuletzt mit Ross the Boss („Hail and kill“) und Jag Panzer („Chain of command“). Zusammenfassend kann man nur sagen, dass es eine wirklich gute Show war, bei der auch die Lichtanlage endlich mal schön zur Geltung kam.


„Ladies and Gentlemen, please welcome all the way from San Francisco: LAAAAAAAAAAZ ROOOCKIT!” Jetzt lag es an den Bay Area Power Thrashern Lääz Rockit einen deftigen Schlusspunkt unter das achte Keep-it-true zu setzen. Und die Chance nutzten sie auch prächtig. Zwar war auch hier der Sound ziemlich bescheiden, aber die unbändige Spielfreude die der sympathische Fünfer an den Tag lege steckte einfach an. Denn dass die Herren ordentlich Spaß bei der Sache hatten und motiviert bis in die Haarspitzen waren, merkte man ihnen zu jeder Sekunde an. Und mit Fäustereckern wie „Shot to hell“, „Prelude“ oder „Euroshima“ hat man die Fans eh auf seiner Seite. Zwar sind die letzten 15 Jahre auch an den Kaliforniern nicht ganz spurlos vorbeigezogen, doch insbesondere Sänger Michael Coons und Bassist Willie Lange (beide äußerst durchtrainiert) entpuppten sich als absolute Aktivposten. Allen voran Lange, der wie von der Tarantel gestochen pausenlos über die Bühnenbretter stürmte, dass es eine wahre Pracht war. Einer überbot diesen an den Tag gelegten Enthusiasmus sogar noch. Dieser gehörte allerdings nicht zur Band, sondern war ein Fan der pausenlos sehr euphorisch mit Halford-Screams auf sich aufmerksam machte. Irgendwann wurde er auf die Bühne gezerrt um seine Faves kniend zu den Tönen von „Last breath“ zu huldigen. Doch das reichte ihm offensichtlich nicht und dieser Durchgeknallte stürmte headbangend zwischen den Musikern herum und griff sich jedes Mikro das er nur bekommen konnte um den Song gleich selbst zu singen. Sänger Coons kam (wie das Publikum auch) aus dem Lachen gar nicht mehr heraus. So etwas nennt man wohl einen unfreiwilligen Showhöhepunkt. Dabei hätte es das gar nicht gebraucht, denn Lääz Rockit zockten eine astreine Greatest Hits-Setlist (u.a. „Leatherface“, „Bad blood“ und „Chasin’ Charlie“), an der es wenig auszusetzen gab. Sogar ein Song der LR-Nachfolgeband GACK kam zum Zug („Leave“). Absolute Stimmungshöhepunkte waren (wie zu erwarten) das hammergeile „Fire in the hole“ und der Überhit „City’s gonna burn“. Nach über 75 Minuten ließ die Band überglücklich und schweißgebadet die anwesenden Metalfans zurück und man kann der Band abschließend nur ein absolut positives Zeugnis ausstellen. Starker Auftritt eines würdigen und quicklebendigen Headliners!

So ging auch das achte Keep-it-true wieder zu Ende. Und es war wieder einmal, wenn man von den zwei üblichen Kritikpunkten Sound (wobei man sagen muss, dass diese Halle in der Hinsicht nicht allzu viel hergibt) und kilometerlange Schlangen an der Essensausgabe absieht, hervorragend. Es gab keine wirklichen Ausfälle und (fast) alle Bands präsentierten sich von ihrer Schokoladenseite. Besonders die drei reunionierten Lethal, Sabbat und Lääz Rockit gehörten zu den absoluten Gewinnern. Mit drei derart guten Auftritten konnte man nicht unbedingt rechnen.

Das Billing für das nächste (kleine) KIT in Dittigheim steht bereits wieder fest. Es werden u.a. Leatherwolf (Original Line-Up!), Toxik, Sacred Oath, Pagan Altar und Steel Assassin auftreten. Doch wer jetzt auf die Idee kommt sich hierfür Karten zu sichern, der muss leider enttäuscht werden. Denn alle 500 Tickets hierfür wurden am Festivalsamstag bereits innerhalb von ein paar Stunden verkauft. Aber dafür darf man sich bereits jetzt auf das Jubiläums-KIT im April 2008 freuen.

Mario Karl


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