····· Auf Album Nummer Fünf interpretiert Markus Kohl seine Klassiker neu ····· Nach den Studio-Alben werden nun auch ein Best of- und ein Live-Album von Pink Floyd auf Vinyl widerveröffentlicht ····· Für ihre Frühjahrs-Tour haben J.B.O. die Wiener Rammelhof als Support bestätigt ····· Europe zeigen neues Video ····· Die Erfurter Traditionsmetaller Macbeth rereleasen ihr zweites Demo als Vinyl-EP ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Artikel

Mehr als Comedy - Interview zum Re-Release der ersten beiden FRANK ZANDER-Alben

Info

Gesprächspartner: Frank Zander

Zeit: April 2007

Ort: Berlin - Berlin

Interview: E-Mail

Stil: Comedy

Internet:
http://www.frank-zander.de

Pünktlich zu seinem 65. Geburtstag wurden die ersten beiden Alben von Frank Zander als Doppel-Digi-Pack neu veröffentlicht. (Review in der letzten Ausgabe) Beim Hören bekam Norbert von Fransecky Lust auf mehr. Also hat er sich bei Frank Zander höchstpersönlich erkundigt, was mit den folgenden Scheiben ist - und bei der Gelegenheit hat er einfach noch ein bisschen weiter gefragt.

MAS:
Ich habe die Doppel-CD `Wahnsinn/ Zander’s Zorn´ unter der Rubrik „Comedy“ abgelegt. Als die Alben in den 70ern erschienen, gab es diesen Begriff noch gar nicht. Siehst Du dich als Pionier?

Zander:
Ich war schon immer der Zeit voraus und damals, auf dem Hansa-Label „der andere Song“, durften wir uns als Künstler austoben. Es gab die Liedermacher, die Kabarettisten und natürlich die Schlagersänger. Ich gehörte in keine dieser Schubladen und wurde als Gruselrocker beschrieben oder auch als Blödelbarde, was ziemlich dämlich klingt. Ich habe nie gezielt auf eine Sparte oder Schublade oder einen kommerziellen Trend hingearbeitet, weil ich einfach das gemacht habe, was mir gerade Spaß brachte, mal mit - mal ohne Erfolg.

MAS:
Wer hat dich damals beeinflusst? Ich könnte mir Komiker wie Otto oder Heinz Erhardt vorstellen.

Zander:
Vorbilder waren für mich eher amerikanische und englische Künstler wie Spike Jones, Stan Freeberg, Monthy Python oder natürlich Cheech & Chong. Der Mix aus kranken Sketchen und Musik hat mich schon immer fasziniert. Otto war für mich in Sachen Timing ein Gigant, aber beeinflusst hat er eher meinen Sohn - der hörte lieber seine als meine Platten.

MAS:
Welche Rolle spielt die Musik bei den beiden jetzt wieder veröffentlichten Scheiben?

Zander:
Die Musik war der Ursprung und das Gerüst der Alben. Die Sketche sind das Sahnehäubchen und geben dem ganzen die Würze - Je schwärzer, desto besser. Alle wollten damals mitspielen, sogar mein ehemaliger Plattenboss Thomas Meisel. Er spielte den Polizisten bei „Wo ist der Schnee“. Wir hatten echt jede Menge Spaß.

MAS:
Der „Nick Nack Man“ (Krautrock) oder die diversen Disconummern hätten auch ohne Comedy-Texte ihren Sinn. Siehst Du das ähnlich?

Zander:
Also gerade der “Nick Nack Man“ ist alles andere als Comedy. Er wurde später für eine Anti-Drogenkampagne angedacht und verkörpert das absolut Böse im Menschen, die Verführung und die Zerstörung. Der Song „Rauchen macht frei“ (Stammt nicht von den beiden wieder veröffentlichten Alben; NvF) wurde ganz offiziell von der österreichischen Regierung als Anti-Raucher Kampagne verwendet - also auch kein Comedy - eher ironisch mahnend. Musikalisch sind all die Songs leider schwer nachspielbar, weswegen kaum eine Live-Band meine Songs spielen kann. Denn z.B. „Ich trink auf Dein Wohl, Marie“ ist zwar eine schöne Melodie, aber wer schafft es schon während einer Nummer immer besoffener zu werden und das glaubhaft zu imitieren ?

MAS:
Auf dem Doppelalbum sind zwei englische Bonus-Tracks, die keinen Comedy-Charakter haben. Mit welchem Ziel wurden sie aufgenommen und veröffentlicht?

Diskografie

1974 • Wahnsinn
1975 • Rund um die Welt (Fred Sonnenschein und seine Freunde)
1976 • Zander's Zorn
1977 • Frank's beknackte Ideen
1979 • Donnerwetter
1980 • Die fröhliche Hamsterparade (Fred Sonnenschein und seine Freunde)
1980 • Frank Zander - Das Album zur Frank Zander TV–Show
1981 • Ja, wenn wir alle Englein wären (Fred Sonnenschein und seine Freunde)
1981 • Frankie's Zanda Da Da
1981 • Stars in Gold
1987 • Stromstöße (Frank Zander und die Elektriker)
1988 • Frank´s Party
1990 • Kurt (Quo Vadis)
1991 • Die unglaublichen Hits von Frank Zander
1992 • Weihnachten mit Fred Sonnenschein (Fred Sonnenschein und seine Freunde)
1992 • Der komplette Wahnsinn
1993 • Einfach Zanders
1995 • Hier Kommt Frank
1995 • Garantiert Gänsehaut
1997 • Die Hamsterparty (Fred Sonnenschein und seine Freunde)
1998 • Zander´s Powerpack
1999 • Zander´s Hitbox
2000 • Oh, Frank
2000 • Weihnachten mit Fred Sonnenschein (riesel, riesel ...) (Fred Sonnenschein und seine Freunde)
2004 • Rabenschwarz
2005 • Rabenschwarz Teil 2
2007 • Wahnsinn/ Zander´s Zorn (Re-Release als Doppel-CD)
Zander:
Die “Disco Polka“ auf englisch war damals eine Single-Auskopplung für die Diskotheken, weil die deutsche Version wochenlang Nr. 1 beim WDR war und die DJs nach einer englischen Version bettelten. Den Sänger Terry Explosion gab es natürlich nie und so hatten wir unseren eigenen Spass mit der Single. “Captain Starlight“ in der Super Sound Maxi-Version als original 12“ wird z. Zt. bei Vinyl-Händlern in den USA und GB zwischen 360,-- € und 450,--€ verkauft. Das liegt daran, dass wohl einige sehr namhafte DJs aus New York diese Scheibe lieben und wiederentdeckt haben.

MAS:
Welchen Unterschied und Fortschritt siehst Du zwischen `Wahnsinn´ und `Zanders Zorn´?

Zander:
Wahnsinn war einfach der Anfang und somit auch mehr experimentell. Zanders Zorn hingegen hatte schon mehr ein Konzept und natürlich den Superhit „Oh, Susi“, dem es dann auch zu verdanken war, dass dieses Album zu den 25 erfolgreichsten deutschen Alben aller Zeiten gehört.

MAS:
Auf dem Digi-Pack steht „100% Kult“. Kult ist meistens ein Begriff, der auf Vergangenes zielt. Wie empfindest Du diese Kategorisierung?

Zander:
Diesen Stempel muss man sich verdienen und das über Jahre. Das Wort „Kult“ wird ja inflationär für jeden jungen Comedien verwendet, aber ich glaube, dass diese beiden Scheiben das Prädikat verdient haben.

MAS:
Als ich die englische Version von „Captain Starlight“ hörte, vermisste ich massiv den „ratlosen Rudi“. Dürfen wir mit weiteren Re-Releases rechnen?

Zander:
Die englische „Captain Starlight“ Version habe ich für den internationalen Markt zusammen mit Klaus Zufall produziert. Da hatte der gute Rudi nix zu suchen. Als nächste Re-Releases haben wir uns die beiden Alben F.B.I. mit Songs wie „Der Disco Planet - Wir beamen“ oder „Die Frau von gegenüber“ und Donnerweter mit dem Hit „Captain Starlight“ ausgesucht. Mal sehen, wann wir die veröffentlichen. Es war ja eine Riesennerverei mit den Majors. Das komplette Album auf dem eigenen Label zu veröffentlichen bedurfte einiger Freigaben und Verträge. Ich hoffe, dass wir Ende des Jahres oder Anfang 2008 die nächste Doppel-CD raushauen können.

MAS:
Was ist von Frank Zander in der Zukunft zu erwarten?

Zander:
Viele haben mich auf ein drittes Rabenschwarz Album angesprochen (Rabenschwarz ist ein Projekt von Frank Zander, bei dem er deutsche Schlagerklassiker in düsteren Rock-Versionen präsnetiert; NvF), aber den Schlager habe ich zwei Mal zu Grabe getragen. Das reicht! Das nächste Album-Projekt trägt den Namen Reibeisen und wird ein wenig verträglicher, gerade für die TV- und Radioredakteure. Ich möchte gerne einige meiner Lieblingssongs von internationalen Künstlern mit ähnlicher Stimme ins Deutsche bringen. Also Songs von Rod Stewart, Brian Adams, Zucchero oder auch Chris Rea werde ich mit deutschen Texten neu produzieren. Natürlich werde ich auch eigene Songs aufnehmen und zwei Exoten mit unserem Capital Dance Orchestra - einem geilen Swing Orchester aus Berlin. Wir wollen evtl. den alten Rühmann Song „Ich brech´ die Herzen der stolzesten Frau´n“ und meine Nummer „Wir steh´n auf“ neu aufnehmen.

MAS:
Danke für die Antworten. Wir werden gespannt beobachten, was an Neuem und neuem Alten aus Deiner Werkstatt kommt.

Norbert von Fransecky

Norbert von Fransecky


Zurück zur Artikelübersicht