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Artikel

AEREOGRAMME - Es geht darum etwas Spezielles einzufangen

Info

Gesprächspartner: Campbel McNeil (b, Aereogramme)

Zeit: 09.01.2007

Interview: Telefon

Stil: Alternative/Post Rock

Internet:
http://www.aereogramme.co.uk

Glasgow, Schottland - In der Arbeiterstadt im Norden Großbritanniens hat sich in den letzten zehn Jahren eine regelrechte kreative Hochburg in Sachen Alternative gebildet. Sammelbecken für die dort ansässigen Bands ist das einheimische Label Chemikal Underground. Bands die die Delgados (zugleich Inhaber der Firma), Arab Strap und Mogwai wurden von Chemikal unter ihre Fittiche genommen. Aber auch die verschrobenen Bartträger Aereogramme sind dort (wieder) zu Hause. Und um ebenjene Band soll es hier gehen.
Das Quartett hat soeben, nach dreijähriger Kreativpause, ihr viertes Werk My heart has a wish you would not go in die Verkaufsregale gehievt. Mit diesem Album haben eingehende Veränderungen im Sound der Band Einzug gehalten. So musste zum Beispiel das bisherige Markenzeichen, die auf die Spitze getriebene Laut-/Leisedynamik, noch ausgefeilterem Songwriting weichen. Andere Elemente, wie die soundtracktypische Atmosphäre wurden dagegen mehr in den Vordergrund gestellt. Grund genug für MAS, Bassist Campbell McNeil vor das Mikrofon zu zerren um ihn über die Neuigkeiten im Hause der Filmfreaks zu befragen.





MAS:
Hallo Campbell, könntest Du Deine Band Aereogramme unseren Lesern, welche euch nicht kennen, vielleicht in ein paar Worten vorstellen?

CMN:
Wir sind eine Band aus Glasgow, Schottland. Wir machen Alben seit 2001. Am besten würde man uns wahrscheinlich als eine Alternative Rockband mit cineastischen Einflüssen und teilweise orchestraler Melodik sowie gefühlvollen Tonfolgen beschreiben.

MAS:
Am 9. Februar erscheint eure neues Album My heart has a wish that you would not go in Deutschland. Wie würdest Du den Unterschied zu euren bisherigen Werken umschreiben?

CMN:
Im Gegensatz zu unseren bisherigen Alben, welche ziemlich heavy, voll von Screams und Wut sind, wollten wir hier etwas Anderes versuchen. Genauso intensiv aber in kontrollierten Bahnen. Es gibt z.B. mehr Orchestrierung. Wir haben versucht uns selbst etwas mehr zu fokussieren. Alles sollte cineastischer werden.

MAS:
War dieser Schritt nach vorn mehr ein natürlicher Prozess oder habt ihr euch ganz bewusst dorthin ausgerichtet?

CMN:
Nun, das fing alles damit an, dass unser Sänger Craig eine wirklich schlimme Halsinfektion bekam. Er fügte sich über die Jahre durch vieles übertriebenes Schreien ziemlichen Schaden zu. Er hatte seine Stimme für fast sechs Monate verloren. Darum mussten wir auch viele Touren absagen. Wir hörten auch damit auf Songs zu schreiben. Als wir mit den Sessions für dieses Album begannen, hatten wir Angst, dass seine Stimme nicht mehr zurückkommen würde. Wir waren dadurch, dass es Aereogramme vielleicht nicht mehr geben würde ziemlich resigniert. Wir hatten keine großen Erwartungen als wir dieses Album gemacht haben, da wir einfach so glücklich darüber waren noch eine Band zu sein. Das hatte einen großen Einfluss. Wir fühlten einfach, dass dies die Platte ist, welche wir machen wollten.

MAS:
Dann war Craigs Krankheit wohl auch der Grund für die relative lange Pause zwischen Seclusion und My heart has a wish that you would not go?

CMN:
Ja, teilweise wohl auch. Die CD wurde allerdings zwischen September und Oktober 2005 aufgenommen. Wir wollten sie bereits im Frühjahr 2006 herausbringen. Aber Du weist ja wie das so ist. Wir mussten zuerst einige Dinge in Sachen Label und ähnliches regeln. Aber Du hast schon Recht, ein großer Grund dafür, dass es so lange gedauert hat war Craigs Krankheit.

MAS:
Nach einem kurzen Intermezzo beim englischen Label Undergroove seid ihr wieder in eure schottische Heimat Chemikal Underground zurückgekehrt. Warum dies, wart ihr mit der Arbeit von Undergroove nicht so ganz zufrieden?


CMN:
Oh nein. Wir waren glücklich wie die Dinge mit ihnen gelaufen sind. Wir gingen zu Chemikal Underground zurück, weil wir bei einem Label sein wollten das etwas ruhiger ist. Undergroove ist mehr für härtere Musik bekannt. Dieses Album passt gut in das Programm von Chemikal. Wie Du bereits gesagt hast, ist dieses Label eine Art natürliches Zuhause für uns. Wir haben unsere ersten beiden Alben über sie herausgebracht und die Leute dort sind sehr gute Freunde von uns. Sie haben uns schon damals gesagt, dass die Tür für Aereogramme offen stehe, sollten wir irgendwann zu ihnen zurückkommen wollen. Es schien einfach das Richtige zu sein dies zu tun. Es war gut für eine CD bei Undergroove unter Vertrag zu stehen. Sie mochten unsere Musik schon immer. Rückblickend gesehen lief es damals doch ziemlich gut für uns.

MAS:
Wie Du bereits am Anfang erwähnt hast, wird eure Musik oft als cineastisch beschrieben. Musik für einen imaginären Film. In welcher Art von Film könnten die neuen Songs verwendet werden? Oder überlasst ihr es mehr dem Hörer was er in ihnen sieht?

CMN:
Mit jedem einzelnen Lied versuchten wir uns auf einen speziellen Aspekt konzentrieren. Jeder Song, jede Idee und jedes Arrangement sollte so ausgelegt sein, dass das Ganze in eine bestimmte Art von Film oder Soundtrack passen würde. So hatte jedes Lied einen bestimmten Bezug. „Exits“ zum Beispiel basiert auf dem Werk des Komponisten Cliff Martinez, der u.a. die Musik für den Film „Traffic“ geschrieben hat. Die Sache an Filmmusik ist, dass die Leute dort bestimmte Dinge hören und sich vorstellen. Dies ist etwas was in zeitgenössischer Rockmusik nicht so oft verwendet wird. Ein Element welches wir allerdings gerne einbauen. Ian ist zum Beispiel Komponist für Filmmusik. Deshalb ist es für uns ganz natürlich dies zu nutzen. Allerdings war es auch vorher schon ein Teil unserer Musik und alle unsere Alben haben dieses filmische Feeling. Und mit diesem neuen Album wollten wir dies noch ausdehnen, da es ein Markenzeichen von Aereogramme ist. Andere Bands haben uns immer wieder gefragt, ihnen in dieser Richtung zu helfen, da wir einen Filmkomponisten in unseren Reihen haben. Auch deshalb macht es einfach Sinn, etwas daraus zu machen.

MAS:
Der Albumtitel bezieht sich auf das Buch „Der Exorzist“ von William Blatty. Dieser Satz wird verwendet als Father Merrin sich von seinem alten Freund verabschiedet. Warum habt ihre gerade dies als Titel für das neue Album verwendet? Hat dies auch mit eurer neuen Musik und der Weiterentwicklung dieser zu tun?

CMN:
Zuerst einmal ist es einfach ein sehr schöner Satz. Er wurde allerdings nicht im Film verwendet. Blatty hat auch das Drehbuch zum Film geschrieben und es hat mich sehr gewundert, dass er ihn aus dem Film heraus genommen hat. Er ist einer der schönsten Sätze im Buch. Er besitzt ein Gefühl von Schwere, Hoffnung, Verlust und auch Vorahnung. All diese Dinge fühlten wir auch als wir das Album aufnahmen. Dort war eine Art Verzweiflung über die Tatsache welche Art von Band wir sind und welchen Erfolg wir damit erreichen möchten. Und noch einige andere Dinge. Diese Situation zu akzeptieren brachte ein Stück Hoffnung zurück. Mit dem Blick nach vorne zu leben, anstatt deprimiert über deine Situation zu sein, bringt dich einfach zu einem neuen Optimismus. Aber zurück zum Titel. „Der Exorzist“ ist einer der Lieblingsfilme von uns vieren. Es ist kein echter Horrorfilm. Er dreht sich mehr um Glauben, Freundschaft, Hoffnung und Ersatz. Und dies passte so gut während wir die Platte machten.

MAS:
Wie entsteht ein Aereogramme-Song normalerweise? Schreibt jeder in der Band seine eigenen Stücke oder entwickelt ihr sie eher zusammen?

CMN:
Es beginnt in der Regel damit, dass Craig die groben Lieder und Melodien auf der Akustikgitarre schreibt. Anschließend macht er rohe Aufnahmen davon und gibt sie dem Rest von uns. Dies geht ungefähr über einen Zeitraum von einem Monat. Wir leben ja alle in Glasgow und so können wir uns jederzeit treffen um die Sachen zusammenzufügen. So trafen wir uns über ein paar Wochen hinweg um den Schreibprozess auf die nächste Stufe zu stellen in der jeder seine Ideen und ein Konzept in welche Richtung es gehen solle einbringen konnte. So bringt jeder sein eigenes Feeling in Songs die Craig vorher geschrieben hat. Aber auf diesem Album gibt es auch Songs die erst im Studio von uns vier zusammen geschrieben wurden. „Running man“ und „Exits“ zum Beispiel. Aber er geht bei uns nicht nur um die Arrangements und die Instrumentierung. Auch die Idee wie sich ein Lied anfühlen soll ist wichtig. Diese Ideen kommen mehr beiläufig und wir versuchen sie dann einzufangen. Wir sprechen in diesem Zusammenhang immer von Farben und Bildern, was hilfreicher ist als „ich möchte, dass es wie diese oder jene Band klingt“.

MAS:
Wie lange dauerte die Entstehung von den ersten Ideen, über die Aufnahmen, bis zum fertigen Album?

CMN:
Ich denke Craig begann mit dem Schreiben bereits im Februar 2005 und war bis ca. Juli damit fertig. Nach einiger Zeit nahmen wir im Oktober und November auf und mixten es im Februar und März 2006. Wie die siehst war es doch ein ziemlich langer Prozess für unsere Verhältnisse. Dazwischen gab es auch eine Zeit in der wir gar nicht aufnehmen konnten. Vor den eigentlichen Aufnahmen haben wir Demos von den Songs gemacht um sie auszuprobieren und auch um ein wenig heimisch in diesem Studio zu werden. Im Endeffekt haben wir es in den zwei Monaten zweimal aufgenommen. Im ersten Monat als Demo für die Arrangements und im zweiten Monat dann richtig für die Veröffentlichung. Dies dauerte allerdings nur noch zwei Wochen.

MAS:
Habt ihr dazu ein Studio in eurer Heimatstadt Glasgow genutzt?

CMN:
Ja, es wurde dort aufgenommen. In einem Studio namens 4th Street, so wie die Adresse. Dieses Studio gehört einem Freund von uns. Es war sehr relaxed und alle waren guter Stimmung. Wir blieben auch fast 24 Stunden am Tag dort. Zusammenfassend war es eine ziemlich gute Erfahrung.

MAS:
Das kann man auch in den Songs hören. Sie klingen stellenweise so positiv wie nie zuvor.

CMN:
Auf jeden Fall! (lacht) Ich glaube es war auch das erste mal, dass wir bei den Aufnahmen wirklich Spaß hatten. Einiges auf diesem Album ist ziemlich düster und immer noch sehr intensiv. Aber man kann die Hoffnung und Freude darin fühlen.

MAS:
Wie wichtig ist für euch das CD-Cover als Teil des Gesamtergebnisses?

CMN:
Nun, wieder ein Filmbezug. Es basiert auf den Arbeiten des Grafikers Saul Bass. Du kennst vielleicht seine Arbeiten. Er arbeite in den 60er und 70er Jahren für Alfred Hitchcock und für einige andere Leute. Und wie mit dem Rest des Albums, bin ich auch hier sehr zufrieden damit. Es ist eine starke Grafik und ich denke sie funktioniert sehr gut. Ich habe so etwas noch nirgends gesehen. Es gibt großartige Alben mit hässlichen Covers, aber auch schreckliche Alben mit großartigen Covers. Und man das so sieht, kann man nur sagen wir sind sehr glücklich damit.

MAS:
My heart has a wish that you would not go ist nicht das einzige was man Neues von Aereogramme in den Läden findet. Kürzlich erschien bereits die Zusammenarbeit mit Isis als Teil der In the Fishtank-Serie. Wie kam es dazu?


CMN:
Das ist etwas was sich über längere Zeit entwickelt hat, ungefähr sechs Monate. Diese Platte wurde für das holländische Label Konkurrent aufgenommen. Wir stehen bei ihnen für die Länder Holland und Belgien unter Vertrag. Und sie wollten, dass wir einmal bei der Fishtank-Serie mitmachen. Dieses Projekt gibt es schon lange, es ist bereits Teil 14. Teil dieses Projekts ist es, zwei Bands für 14 Stunden in einem Studio zusammenzubringen, damit sie eine gemeinsame Platte aufnehmen. Wir waren ziemlich aufgeregt dies zu tun. Ende des Jahres 2004 fragten uns Isis ob wir nicht ein paar Shows in UK für sie eröffnen würden. Auf diese Weise wurden wir Freunde. Und wir sind auch große Fans der Band. Als wir von Konkurrent gefragt wurden ob wir an dem Projekt mitmachen möchten, dachten wir gleich an Isis. Wir fragten sie und sie haben gleich ja gesagt. Und so nahmen wir dieses Album 2005 außerhalb von Amsterdam auf. Es war eine wirklich aufregende Erfahrung! Spaßig, aber auch schwierig. Wir kannten die Jungs zwar, aber jemanden kennen und dann Musik zusammen zu machen ist doch etwas anderes. Weist Du, Musik zu kreieren ist doch eine ziemlich persönlich Sache. Und da waren plötzlich neun Leute die zusammen eine Platte machen sollten. Viele versprachen sich davon, dass wir dies zusammen machten, einiges. Und darum geht es auch bei den Fishtank-CDs. Man sieht einfach zu was passiert wenn man Bands zusammenwirft. Wir sind zwei verschiedene Gruppen. Ich denke das Endergebnis ist großartig und es ist interessantes Zeug darauf. Ich hatte wirklich Spaß bei der Sache

MAS:
Vor allem kann man auch ganz neue Seiten an beiden Bands entdecken.

CMN:
Genau. Ich war ziemlich überrascht wie es sich entwickelte. Craig zum Beispiel wollte ganz auf Screams und solche Dinge verzichten. Isis wollten in eine ziemlich sanfte Richtung gehen, wir dagegen in eine ziemlich harte. (lacht)

MAS:
Also entwickelte sich jeder in eine ganz andere Richtung als er vorher gedacht hat.

CMN:
Es war wirklich fantastisch und wir hatten einige tolle Tage dort. Und darum geht’s hier. Jeder soll experimentieren und das tun auf was er Lust hat, ohne Grenzen. Es war in einem sehr schönen Studio. Ein klassisches Studio aus den 70ern in dem bereits die großen holländischen Bands wie z.B. Golden Earring aufgenommen haben.

MAS:
Im Februar macht ihr auch wieder deutsche Bühnen unsicher. Was kann jemand der noch nie ein Aereogramme-Konzert besucht hat von euch erwarten?

CMN:
Mittlerweile treten wir zu fünft auf. Es wird viel Perkussion geben. Es ist groß und episch angelegt, mit tollen Melodien. Es dürften gute Shows werden. Wir haben auch eine Vorband dabei. Die Magic Numbers aus Großbritannien. Sie sind wirklich groß dort und spielen in der Regel vor drei oder viertausend Menschen. Sie sind mehr eine Art Sonnenscheinband, während wir im Vergleich dazu ziemlich dunkel sind. Es ist eine Art Festivaltour, die Hurricane-Tour. Wir hoffen, dass wir im Mai zurück nach Deutschland für eine paar Konzerte kommen können.

MAS:
Dieser fünfte Mann den ihr dabei hat, welche Rolle wird er spielen? Übernimmt er nur die Perkussion?

CMN:
Nein, wir haben ein großes Perkussionsset dabei, auf welchem jeder einmal für ein paar Songs spielen wird. Darin sind Sachen wie Gongs, Glocken, Pfeifen und so Sachen. Wir versuchen das Feeling des Albums noch nah wie nur möglich live zu reproduzieren. Es sollte wirklich gut werden, sehr aufregend mit viel Spaß.

MAS:
Siehst Du Aereogramme jetzt mehr als Live- oder als Studioband? Was gefällt Dir davon am meisten?

CMN:
Das ist gar nicht so einfach dies zu beantworten. Es ist beides Teil des Ganzen. Ich liebe beides genauso, nur auf andere Art und Weise. Ich mag es genauso im Studio zu arbeiten, wie live zu spielen. Es ist Teil des Spiels. Die Hälfte verbringt man im Studio, die andere auf der Bühne. Es sind zwei Disziplinen, aber am Ende doch das Selbe. Es geht darum etwas Spezielle einzufangen. Egal ob live oder im Studio.

Diskografie

A story in white (2001)
Sleep and release (2003)
Seclusion [Mini-CD] (2004)
In the Fishtank 14 [mit ISIS] (2006)
My heart has a wish you would not go (2007)

Mario Karl


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