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Artikel

Bang Your Head Festival 2006

Info

Künstler: Diverse

Zeit: 23.06.2006

Ort: Balingen, Messegelände

Fotograf: Mario Karl

Internet:
http://www.bang-your-head.de

Bang-Your-Head, die Elfte - nachdem die Macher vom Heavy-Magazin 2005 ihr Jubiläum feierten, ging das große Metalfestival des Südens heuer in die Verlängerung. Auf die geballte Verpflichtung von Megaacts wie im Vorjahr wurde bewusst verzichtet und auf ein abwechslungsreiches Programm mit seltener zu sehenden Highlights gesetzt. Dafür konnte man zwar nicht mehr ganz so viele Hard Rock- und Metalfreunde nach Balingen locken (ca. 20.000 werden es am Ende gewesen sein), was andererseits das Festival um einiges gemütlicher werden ließ. Diese, aus der Sicht des Fans, erfreuliche Entwicklung merkte man schon am Anreisetag Donnerstag. Konnte man auch abends noch ohne weiteres einen einwandfreien Platz am Campinggelände ergattern. Organisatorisch war glücklicherweise alles beim Alten. Besonders das freundliche und zuvorkommende Personal verdient ein besonderes Lob.

Wer nach 13 Stunden Musik immer noch nicht genug hatte, konnte die Nacht wie gewohnt im Partyzelt zum Tage machen. Hier wurde am Samstagnachmittag auch das Fußballspiel Deutschland-Schweden übertragen, was begeistert angenommen wurde. Wer dagegen die deutsche Wirtschaft unterstützen wollte, konnte dies an den zahlreichen Ständen und in der Metalbörse tun. Die Getränke- und Essenpreise waren wieder festivaltypisch moderat ausgefallen (z.B. 0,4 l Bier/Softdrink 3,- EUR, ein Stück Schlabberpizza oder Döner 4,- EUR). Aber daran musste man sich in den letzten Jahren ja leider gewöhnen. Dafür erfreute sich der nahe gelegene Real-Markt wie jedes Jahr über ein sattes Umsatzplus. Gerne angenommen wurde das Angebot eines Kräuterlikörherstellers, zu jedem Gläschen einen orangefarbenen Sonnenhut abzustauben. Keine schlechte Idee, denn das Wetter zeigte sich ja von seiner besten Seite und schenkte uns tagelang pausenlosen Sonnenschein. Von Regen oder gar einem Sturm blieb man 2006 glücklicherweise verschont. Und so konnte man sein Hab und Gut ohne größere Schäden wieder mit nach Hause nehmen.

Aber genug des Geplänkels. Kommen wir nun zu dem, weswegen die Meisten ins beschauliche Balingen pilgerten:



Freitag



Die Rock Hard-Lieblinge Hellfueled waren als Opening-Band eine recht gute Wahl. Flutscht ihr Ozzy-mäßiger Sound auf Anhieb ins Ohr und sorgt für ein sattes Kopfnicken. Die vier Schweden freuten sich offensichtlich über ihre zugeteilte Rolle und rockten voller Elan durch ihr Programm und heizten dem bereits zahlreich vorhandenen Publikum recht gut ein. Besonders Gitarrist Jocke Lundgren hatte seinen Spaß und poste mit einem imaginären Zakk Wylde um die Wette. Von den Soundleuten bekam man dazu noch einen deftigen Sound verpasst (Gitarre und Bass drückten ohne Ende) und somit konnte nicht mehr viel schief gehen. Gespielt wurde eine gute Auswahl der beiden Hellfueled-Alben, wobei besonders Let me out und die Single „Midnight lady“ vom ersten Album gut ankamen. Als absoluter Livehit entpuppte sich allerdings der melodiöse Mitgröler „Can´t get enough“. Ein sehr solider Start in das sonnige Festivalwochenende. Um in der Riege mit den großen Jungs zu spielen reichte es zwar insgesamt noch nicht ganz, aber der Weg dorthin ist nicht mehr allzu weit.
(MK)

Communic - Oddleif Stensland

Aus musikalischer Sicht sind die Senkrechtstarter Communic mit ihren beiden Veröffentlichungen dort bereits angekommen. Nun galt es ihre langen und vertrackten Stücke entsprechend auf die Bühne zu bringen. Spielerisch kann man dem Dreier nichts ankreiden, sind sie nicht nur auf Platte, sondern auch live absolute Könner. Besonders beeindruckend ist Sänger/Gitarrist Oddleif Stensland, wie er die kompliziertesten Gitarrenläufe spielt und dabei eine sehr intensive und tadellose Gesangleistung vorlegt. Ein gutes Beispiel hierfür ist „Waves of visual decay“, wenn er voller Inbrunst ein verzweifeltest „Come back to life“ ins Mikro schmachtet. Absolut authentisch und mitreißend. Ansonsten agieren Communic etwas schüchtern und zurückhaltend (aber auch nur auf der Bühne - Anm.d.Verf.). Stimmungsmäßig tanzte verständlicherweise nicht gerade der Bär, da die Aufmerksamkeitsspanne des durchschnittlichen Festivalbesuchers um diese Zeit für Epen vom Schlage „Communication sublime“ oder „Fooled by the serpent“ wohl etwas zu kurz ist. Lediglich bei dem abschließenden und allseits bekannten „Conspiracy in mind“ wehten so einige Pommesgabeln im Wind. Summa summarum war es nicht gerade der schlechteste Ersatz für die kurzfristig abgesprungenen Exodus.
(MK)


Besonders gespannt durfte man auf die Wiederbelebung von Leatherwolf sein, die mit ihren drei hervorragenden Alben unter Insidern fast schon Legendenstatus besitzen. Mit runderneuerter Mannschaft und der CD World asylum im Gepäck präsentierte man sich das erste Mal seit vielen Jahren auf europäischen Boden. Mit „Street ready“ und „Rise or fall“ ging man gleich in die Vollen und es war einfach wunderbar diese Songs endlich einmal live zu erleben. Etwas gewöhnungsbedürftig war dabei lediglich Neu-Sänger Wade Black (ex-Crimson Glory und Seven Witches), welcher nicht ganz so melodisch, dafür mit umso mehr Power wie sein Vorgänger Michael Olivieri singt und dabei wie ein Derwisch über die Bühne fegte. Die Wenigen störten sich nicht daran und feierten die alten Gassenhauer ziemlich ab. Nur die beiden neuen Songs, welche die Band präsentierte (u.a. „Live or die“) ließen die zwingenden Melodien von früher etwas vermissen und wollten sich nicht so recht in das Set einfügen. Dafür gestaltete sich das Ende mit dem Abschlusstrio „Thunder“, „Spiter“ und „The calling“ umso anbetungswürdiger und führten den Auftritt zu einem mehr als angenehmen Ende.
(MK)

Flotsam and Jetsam, welche mit ihren ersten beiden Alben Meilensteine des Thrash-Metal geschaffen haben und danach keinen rechten Aufwind mehr abbekamen, fielen leider größtenteils niederen körperlichen Bedürfnissen des Redakteurs zum Opfer. Was man nebenbei mitbekam, war allerdings nicht von schlechten Eltern. Die Amerikaner legten sich recht gut ins Zeug und Sänger Eric A.K. ist nach wie vor sehr gut bei Stimme. Für den etatmäßigen Gitarrero Edward Carlson hatte man für diesen Auftritt Ur-Mitglied Michael Gilbert ins Boot geholt, dessen Performance leider etwas unscheinbar blieb. Für die Bühnenaction waren da eher Frontmann Eric und Basser Jason Ward zuständig. Nachdem die Band mit Black Sabbath´s „Sympton of the universe“ ihr Zeitsoll erfüllt hatten, bleibt nur noch zu hoffen, dass sie bei ihrem nächsten Europa-Abstecher (sprich: Keep-it-true-Festival) in ähnlich guter Form sind.
(MK)

Vengeance - Leon Goewie, noch trocken

Die Sonne zeigte sich am frühen Nachmittag mittlerweile von ihrer unbarmherzigsten Seite, so dass man sich eine kleine Abkühlung gewünscht hätte. Stattdessen gab es eine heiße „Rock ´n Roll shower“ der Holländer Vengeance. Im Vorfeld hatte man vielleicht eine dieser überflüssigen Reunions ein paar alternder Ex-Rocker erwartet, doch pünktlich zum BYH meldete sich die Band mit dem bärenstarken Album Back in the ring aus dem Reich der Toten zurück, um die Rockwelt mit einer Portion Rotzigkeit noch ein wenig aufzumischen. Da passte auch gleich der Titel des Eröffnungssongs „Take it or leave it“ perfekt. Aber dem Charme der fetzigen Hardrock-Songs konnte man sich nicht so leicht entziehen. Dazu präsentierte sich der Fünfer in hervorragender Verfassung. Besonders Sänger und Pausenclown vom Dienst Leon Goewie schien die lange Pause hervorragend überstanden zu haben und zeigte nur allzu gerne, dass das Geld für den Fitnessklub gut angelegt war.
Aber auch stimmlich gab es keinen Grund zur Klage. Seine Mitmusikanten ließen nichts anbrennen und feuerten Hit für Hit ins Auditorium. Ob „May heaven strike me down“, „Take it to the limit“, „Power of the rock“ oder das hymnische “Arabia”. Auch die beiden neuen “No mercy” und “Back in the ring” fanden großen Anklang. Passend zu letzterem flanierten des Öfteren ein paar Bikinischönheiten mit Rundennummern über die Bühne. Das freute nicht nur den durchgeknallten Strahlemann Leon, welcher sich ansonsten noch gerne mit Wasser oder Gerstensaft (das gute Zeug!) überschüttete. Die Wiederbelebung von Vengeance war also mehr als gelungen und so darf sich die Band in dieser Form bald wieder bei uns sehen lassen. Lediglich das Fehlen des angekündigten Special Guests Arjen Lucassen irritierte etwas.
(MK)


Nachdem sich das britische Powertrio Raven beim Keep-it-true im vorigen Jahr erfolgreich zurück gemeldet hatte, scheint die Band wieder bereit zu sein ihr Klanginferno über Europa zu verbreiten. Die Briten waren richtig heiß darauf hier zu spielen und sprudelten geradezu über vor Spiellaune. Wo andere Dreierbesetzungen auf der großen Bühne etwas verloren wirken, übernahmen die Briten mit „Take control“ sogleich dieselbe und füllten sie bis in den letzten Winkel aus. Die beiden Gallagher-Brüder sprangen wie wild gewordene Gummibälle über die Bühne feuerten die feierwütigen Headbanger immer mehr an. Selbst von einem in Rauch aufgegangenen Gitarren-Amp ließ sich die Band nicht großartig irritieren. Kein Wunder, dass bei „All for one“ oder „Rock until you drop“ akuter Mitgrölalarm angesagt war. Aber nicht nur die kampferprobten Oldies kamen zu Bühnenehren, mit dem neuen „Breaking you down“ zeigten Raven, dass sie es auch im (nicht mehr so) neuen Jahrtausend noch können. Nach einem ausgedehnten „Break the chain“ (incl. Humble Pie-, AC/DC-, Black Sabbath-Medley) schleppte sich Band total verschwitzt und glücklich in die Kabine. Auf Platte mögen Raven vielleicht etwas unscheinbar klingen, doch auf der Bühne ist der sympathische Haufen nach wie vor ein absoluter Spaßgarant.
(MK)

Jon Oliva - Der Mountain King in Aktion

Eines der Festivalhighlights kam vom personifizierten Mountain King Jon Oliva und seiner inoffiziellen Savatage-Nachfolgeband Jon Oliva´s Pain. Los ging es mit den Powergranaten „Warriors“ und „Sirens“. Von der ersten Sekunde an war die Stimmung mehr als nur hervorragend und die Metalfans feierten den Amerikaner nach allen Regeln der Kunst ab. Auch wenn Jon körperlich nicht wirklich den fittesten Eindruck macht, ist er stimmlich mittlerweile wieder voll auf der Höhe und singt diese alten Stücke als hätte er sie erst gestern geschrieben. Dabei darf man natürlich seine kompetente Begleitband nicht verschweigen, welche auch den nachfolgenden Streets- Stücken „Agony & ecstasy“ und „Jesus saves“ frischen Glanz verliehen. Aber nicht nur altes Savatage-Liedgut stand auf dem Programm. Mit „The Dark“ (welches er seinem Verstorbenen Bruder Chris widmete) und dem Tribut an seine Vergangenheit „Poeple say - give me some hell“ bekamen wir die Highlights seines Tage Mahal-Albums zu hören. Besonders hier konnte Gitarrist Matt LaPorte seine Klasse zeigen und mit ausgezeichneten Solis brillieren. Seinen Abschluss fand dieser tolle Auftritt mit „Hounds“, dem frenetisch begrüßten „Gutter ballet“ und dem Stampfer „Hall of the mountain king“, sowie der Gewissheit, das Savatage-Erbe in guten Händen zu wissen, sein Ende.
(MK)


Für all jene, denen Herr Oliva zu hymnisch und melodisch war, gab´s anschließend mit Death Angel deftig was in die Kauleiste. Der Bay Area-Fünfer sorgte ja bereits 2004 für einen der Wochenendhöhepunkte. Und um es gleich vorweg zu nehmen: sie enttäuschten auch dieses Jahr nicht. Die Live-Performance der Band ist nach wie vor der helle Wahnsinn. Sie spielen ihre Songs mit einer solchen Intensität, als würden sie jeden Moment vor Eifer zerplatzen und schaffen es dabei noch diese positive Energie auf ihr Publikum zu übertragen. Jedenfalls wurden sie wie bei ihrem letzten Gastspiel in Balingen euphorisch begrüßt. Der neuerdings kurzhaarige Gitarrist Rob Cavestany und Bassist Dennis Pepa wüteten besonders an ihren Instrumenten, während Frontmann Mark Osegueda ständig in Kontakt zu den Fans war und gar nicht mehr vom Bühnensteg herunter wollte. Die Setlist wurde etwas variiert und so kam auch seltener gespieltes Liedgut zum Zug. Als Stimmungsmacher entpuppte sich aber nichts desto trotz Hits vom Schlage „Third floor“, „Seemingly endless time“, „Evil priest“ oder dem mitsingkompatiblen „Voracious souls“. Den Beweis, dass Death Angel auch das Grooven bei allem Geballer noch nicht verlernt haben, lieferten sie, als sie ihren Auftritt mit dem funkigen “Discontinued“ beschlossen. So war man auch 2006 wieder ein absoluter Höhepunkt für Freunde des niveauvollen Geprügels. Bleibt nur zu hoffen, dass die Familienbande diese Energie bei ihren nächsten CD-Aufnahmen mit ins Studio retten kann.
(MK)

Helloween + Tony Martin - Eine ungewöhnliche Kombination

Dann kommt eine Band, die ich mit Spannung erwarte: Helloween. Hab ich doch vor etlichen Jahren zu Songs wie „Starlight“, „Ride the sky“ und „Rise or fall“ zum ersten Mal meine Rübe geschüttelt.
Zu dem Intro der neuen Scheibe The keeper of the seven keys - The Legacy kommt die Hamburger Band auf die Bühne marschiert. Dem Intro folgt „The king for a 1000 years“. Diese Song hören die Die-Hard-Fans der Hamburger Metal-Institution sicher gerne. Problem auf einem Festival ist aber nun mal, dass viele sich einfach die Band mal anschauen und dann aber auch die Songs hören wollen, die sie kennen. Von dem her ist so ein sperriges und überlanges Anfangsstück schon mal unpassend. Das anschließende „Eagle fly free“ wäre da als Opener wesentlich besser gewesen. Helloween haben außerdem das Pech, einen sehr schlechten Sound erwischt zu haben. Man hört Sänger Andi Deris teilweise nicht wirklich, bei manchen Stücken sind fast gar keine Gitarren zu hören. Auch der Song „Halloween“, eigentlich ein Klassiker allererster Güteklasse, wird unnötig in die Länge gezogen und nimmt sehr viel Spannung raus. Andi Deris müht sich nach Kräften, kann aber bei dem Sound fast nur verlieren. Nervig ist außerdem Chefgitarrist Weikaths Rockstar-Gehabe in Form von Zungeherausstrecken oder Augen verdrehen. Das kommt meiner Meinung nach sehr arrogant rüber und ein Kontakt zum Publikum wird erst gar nicht aufgebaut. Dafür tobt der sympathische Bassist Markus Großkopf sehr agil über die Bühne. Auch der neue Gitarrist Sascha Gerstner fügt sich gut ein. Der Abschluss ist mit „Future world“, „Mrs. God“, „I want out“ und dem überragenden „Dr. Stein“ gut gewählt, zeigt aber auch, dass der Großteil von Helloweens Klassikern schon einige Jahre auf dem Buckel haben.
Als Zugabe wird dann noch „Headless cross“, der Titelsong vom gleichnamigen Black Sabbath-Album präsentiert. Sänger ist hier allerdings nicht Andi Deris, sondern kein geringerer als der ehemalige Sabbath-Frontmann Tony Martin! Mit dem langjährigen Black Sabbath-Keyboarder Geoff Nicholls kann dann auch nichts mehr schief gehen und mit vereinten Kräften bringt die Band den Gig mehr oder weniger erfolgreich zu Ende. Schade ist das schon, denn als ich die Band im Januar in Nürnberg bei der The keeper of the seven keys - The legacy-Tour gesehen habe, war ich restlos begeistert.
(SG)


Bei Foreigner waren die Meinungen ja schon im Vorfeld ziemlich geteilt. Viele meinten, dass diese Band überhaupt nicht auf das BYH gehört. Andere freuten sich, dass zwischendurch mal eine etwas melodischere Band spielt. Mir gefallen von Foreigner vor allem die Alben Double Vision und Head Games, und da ich die Band noch nie live sehen konnte, war ich schon ziemlich gespannt. Ein bisschen Angst hatte ich auch davor, dass der Auftritt ein absoluter Reinfall werden könnte. Außerdem hätte ich die Band gerne mit dem legendären Sänger Lou Gramm gesehen und war enttäuscht, dass er leider krankheitsbedingt nicht mehr mit dabei sein kann.
Mit „Double vision“ legten die Haudegen gleich mal richtig fetzig los und bewiesen von der ersten Minute an Spielfreude und einen echten Rock ´n Roll-Spirit. Der neue Sänger Kelly Hansen (Ex-Hurricane) jagt mir an diesem Abend mehrere Male richtige Schauer über den Rücken. Man hat wirklich den Eindruck, da singt Lou Gramm. Der Ausnahmesänger verpasst der Band eine Art Frischzellenkur, die ihr wirklich nur gut tut. Außerdem peitscht er das Publikum durch sein enormes Laufpensum auf der Bühne nach vorne und klettert sogar an der Bühnenkonstruktion hoch. Es fällt auf, dass die Band mit dem überragenden Jeff Pilson (Ex-Dokken/Dio) am Bass und Jason Bonham (Ex-Ufo, Sohn des legendären Led Zeppelin-Drummers) am Schlagzeug eine Rhythmussektion am Start hat, die zu den besten des gesamten Festivals gehört. So wird „Dirty white boy“ wesentlich härter präsentiert als auf Platte und das kommt gut an beim von Beginn an mitfeiernden Publikum. „Cold as ice“ und das von dem agilen Ur-Gitarrist Mick Jones gesungene „Starwriter“ vom Debüt-Album halten das Stimmungsbarometer weit oben. Foreigner machen das einzig richtige und spielen ein Best of-Programm allererster Güteklasse. Was soll bei Songs wie „Head games“ oder „Jukebox hero“ denn auch noch groß schief gehen? Das Sextett erweist anschließend auch mit einem kurzen „Whole lotta love“ auch noch Led Zeppelin die Ehre, was sicherlich allen Festivalbesuchern gut gefallen hat. Bei „Urgent“ beweist Gitarrist Thom Gimbel, dass er perfekt Saxophon spielen kann. Das wirkt dann auch nicht peinlich oder aufgesetzt, sondern es passt einfach. Als Zugabe wird dann noch „Hot blooded“ gespielt, was dem absolut gelungenen Auftritt den passenden Höhepunkt verleiht.
Auch das Balinger Publikum feiert Foreigner sehr enthusiastisch und das völlig zu Recht. Meine Befürchtungen, einige Idioten könnten wieder mit Bechern werfen wie bei Uriah Heep (zu sehen auf der BYH-DVD) oder den Scorpions wurde nicht erfüllt. Meiner Meinung nach die absolute Überraschung und das beste Konzert am Freitag.
(SG)

In Flames - Da brennt die Luft

Während bei den Überraschungssiegern Foreigner Jung und Alt noch gemeinsam feierten, sah es bei In Flames etwas anders aus und das Publikum wurde schlagartig verjüngt. Schade für die Ferngebliebenen. Denn diese hatten eine in der Tat headlinerwürdige Vorstellung der „Trendscheißer“ (O-Ton eines Festivalbesuchers) verpasst. Der Sound war anfangs noch etwas matschig, was die Band aber mit ihrem Enthusiasmus gleich wieder ausglich. Nur Sänger Anders Friden lag manchmal ein wenig neben der Kappe, besonders was seine ständigen Schweden-Ansagen betraf (hat sich damit nicht wirklich Freunde gemacht). Die Setlist glich im Großen und Ganzen derjenigen der Frühjahrstour, lediglich die Aufnahme des „Jester´s race“-Oldies „Graveland“ überraschte ein wenig. Die wenigsten erinnerten sich allerdings noch an dieses feine Stück Melodic Death. Ansonsten war kollektives Headbangen und Fäusterecken angesagt. Wie man es von In Flames auf großen Festivalbühnen gewohnt ist, wurden Pyros und Flammensäulen im Sekundentakt gezündet. Und die hervorragende Lichtshow tat ihres dazu um ein sattes Spektakel zu veranstalten. Nicht wenige mutmaßten, dass die Schweden ohne dieses ganze Brimborium nicht viel Wert hätten. Doch gespielte Nackenbrecher wie „Pinball map“, „Behind space“, „Trigger“ oder „Come clarity“ (live einfach mega!) sprachen da eine andere Sprache.
Stimmungshöhepunkt war, wie zu erwarten, „Cloud connected“ und die Hüpforgie „Only for the weak“. Das von 15.000 Beinpaaren hervorgerufene Beben konnte man gut und gerne noch bis Stuttgart spüren. Und da sage noch einer, hier käme keine Stimmung auf. Mit „My sweet shadow“ und einem feurigen Flitterregen gingen dieser Auftritt und der erste Festivaltag mit einem wahren Paukenschlag zu Ende.
(MK)

Anschließend wankten die Massen glücklich zu ihren mobilen Behausungen oder ins Partyzelt um dort noch die Nacht zum Tage zu machen. Glücklicherweise erwachte man in diesem Jahr am nächsten Tag ohne einen Swimmingpool in seinem Zelt zu haben, sondern wurde von strahlendem Sonnenschein wach geküsst. Der Start in den zweiten Festivaltag war so schonmal nicht schlecht. Also Sonnencreme eingepackt und weiter ging´s.


Samstag



Powerwolf sind das beste Beispiel dafür, wie man aus einer witzigen Idee und ein paar guten Songs einen unterhaltsamen Metalcocktail mixt. Außerdem haben vor ihnen bereits Majesty bewiesen, dass es sich mit einer gesunden Portion Comedy/Metalsatire gut in Schwung kommen lässt. Den bereits um diese Uhrzeit erschienenen Schwermetallfreunden gefiel die Chose deshalb sehr gut und Titel wie „The evil made me do it“ oder besonders „Kiss of the cobra king“ zeigten live richtige Ohrwurmqualitäten. Frontvampir Attila Dorn war recht gut bei Stimme, auch wenn er es selbst etwas anders sah („Habe heute noch zuviel Blut in Alkohol“) und sorgte mit seinen unterhaltsamen Ansagen mit pseudorumänischen Akzent (natürlich gewollt) für den einen oder anderen Lacher. Red Aim, ups, Powerwolf sind live also eine runde Sache, auch wenn sie auf Platte, auch ohne Schminke, etwas blass wirken.
(MK)

Anvil - Lips, high on emotion

Mit den ersten Akkorden von Anvil („666“) kam man sich vor als sei man einer Zeitmaschine entstiegen. Schien sich doch in den letzten 20 Jahren bei den Kanadiern nichts, und zwar überhaupt gar nichts, verändert zu haben. Seien es das optische Erscheinungsbild, der Sound bzw. die Setlist oder das leicht entrückte Grinsen von Obersympathikus und Urgestein Lips. Seinen Dildo hatte er zwar dieses Mal zu Hause gelassen, dafür eine große Tüte mitgebracht - eine Tüte rumpliger Klassiker natürlich. „Winged assassins“, „Forged in fire“ oder „School love“. So lässt sich der letzte Schlaf leicht aus den müden Knochen schütteln. Mit diesem Metaldinosaurier konnte zwar nicht jedermann/-frau was anfangen, aber wer sich doch vor die Bühne wagte ließ sich von der guten Laune des Vierers sogleich anstecken und während „Mothra“ zu ein paar Mitsingspielchen animieren. Mit „Metal on metal“ war dann Schicht im Schacht und Anvil entließen die durstige Meute zufrieden zu den Bierständen.
(MK)


Dann kam eine Band, auf die ich mich sehr freute: Victory. Deren melodischer Hardrock ist durchaus festivaltauglich und die ideale Musik zum Aufwachen an diesem heißen Samstagmorgen. Die Jungs um die Veteranen Hermann Frank (guitar), Petern Knorn (Bass) und Tommy Newton (guitar) legen fulminant mit „Take the pace“ los und treten gleich zu Beginn mächtig in die Pobacken.
Der neue Sänger Jioti Parcharidis (Ex-Human Fortress) setzt sich fabelhaft in Szene und beweist, dass er mit seinen beliebten Vorgängern Charlie Huhn oder Fernando Garcia locker mithalten kann. Die Band spielt wie aus einem Guss. Es macht Spaß, bei diesem Gig dabei zu sein. Stimmungstechnisch legt das Balinger Publikum für diese Tageszeit schon wieder eine gewaltige Ladung Begeisterung hin. Der Funke zwischen Band und Publikum ist hier auf jeden Fall spürbar. Hier ist nichts gekünsteltes, sondern fünf Hardrock-Arbeiter bieten eine schweißtreibende, lässige Show. Geil! Das Gitarren Duo Hermann Frank und Tommy Newton spielen sehr gut zusammen. Peter Knorn mit seinem originellen (selbstgebauten?) Bass bietet ein Rhythmusfundament, das es wirklich in sich hat.
Einen etwas peinlichen und letztendlich missglückten Heiratsantrag legt ein unbekannter Fan hin, der seine Freundin auf die Bühne bitten und ihr von dort aus etwas mitteilen will. Das wird dem Vollblut-Rocker Jioti Parcharidis dann doch zu doof und er nimmt ihm das Mikrophon aus der Hand, um den abschließenden Kracher „Check’s in the mail anzustimmen. Recht hat er, solche Aktionen stehlen wertvolle Spielzeit und sind meiner Meinung nach mehr als überflüssig. Alles in allem ein sehr guter Auftritt mit sehr vielen geilen Hits. Welcome back Victory!
(SG)

Count Raven - Dan Fondelius

Das Bang-Your-Head und die Entdeckung der Langsamkeit. Nach Solitude Aeturnus (2001) und Candlemass (2002 + 2005) fehlten nun nur noch Count Raven um das Meistertriumvirat des Doom-Metal zu vervollständigen. Und so sollte es dann sein. Der sympathische Frontmann/Gitarrist Dan Fidelius präsentierte sich in Balingen erstmals mit seinen neunen Spießgesellen Fredrik Jansson (b) und Jens Bock (dr). Doom bei brennender Sonne auf einer überdimensionierten Bühne ist immer so eine Sache. Doch Count Raven zeigten sich von diesen Voraussetzungen wenig beeindruckt, zogen ihr Ding voll durch und ließen die Musik einfach für sich sprechen. Die Freunde der Schweden in den lichter gewordenen Zuschauerreihen verstanden es, sich von den Lavaströmen, welche aus den Boxen strömten davon treiben zu lassen. Insbesondere „Hippie´s triumph“, „Fallen angels“ und „Leaving the warzone“ sorgten bei ihnen für gepflegte Glückseligkeit. Ansonsten konnten leider nicht allzu viele diesem Sound etwas abgewinnen.
(MK)


Dass Death Metal auf dem Bang-Your-Head funktionieren kann, haben in den Vorjahren bereits Hypocrisy und besonders Amon Amarth mit Bravour bewiesen. Auch Unleashed konnten sich über den Zuschauerstrom nicht beschweren. Die Wikinger halten sich generell nicht mit unnötigen Spielereien auf und bliesen einem wahren Soundorkan über das Messegelände. Todeskeulen wie „The longships are coming“, „Into glory ride“ oder „Winterland“ brachten zahlreiche Köpfe ins Rollen und überzeugten so manchen Zweifler von der Live-Stärke der Band. Unleashed zeigten sich in Bestform und Fronter Johnny Hedlund dazu in bester Gesprächslaune. Nur zu gut, dass wenigstens hier der unvermeidliche Fußball kurzzeitig mal außen vor blieb. Stimmungshöhepunkt war das als „Death Metal anthem“ angekündigte schlachterprobte „Death Metal victory“, welches fast sinnbildlich für diesen brachialen Auftritt stand. Neben alt Bekanntem gab es mit „New dawn rising“ auch einen kleinen Vorgeschmack auf das im Herbst erscheinende neue Album. Man darf gespannt sein.
(MK)

Armored Saint - John Bush sammelt Sympathiepunkte

Für Freunde des traditionellen US-Metal war der folgende Auftritt ungefähr so als würden Ostern, Weihnachten und Geburtstag zusammen fallen. „L.A.´s most headbanging band“ beehrte das Bang-Your-Head ein weiteres Mal mit seiner Anwesenheit: Armored Saint. Und es fühlte sich an als seien sie nie weg gewesen. Die bekannte Armored Saint-Magie war sofort wieder zu spüren. Der Fünfer präsentierte sich auch nach mehrjähriger Pause als fest zusammengehörige Einheit und gab dem Wort Spiellaune eine ganz neue Bedeutung. Allen voran Sänger John Bush, welcher wieder voll in seiner Rolle als Frontmann aufging und sang wie ein junger Gott. Der Mann ist einfach geschaffen für die Bühne. Anthrax hin oder her - diese Band ist seine wahre Heimat. Während „Pay dirt“ war er wieder da, der von Drumtier Gonzo und Grinseweltmeister Joey Vera gefeuerte AS-Groove. Mit den folgenden „Reign of fire“ und „Trible dance“ gab es dann das volle Pfund. Kein Wunder, dass es die Band mit dem epischen „Aftermath“ kurz ein wenig ruhiger angehen ließ. John Bush dankte Song für Song dafür, dass die Band in Europa all die Jahre nicht vergessen wurde. Besonders freute er sich über einen Fan, zu jedem Song die passende Schallplattenhülle (für unsere jüngeren Leser: die großen runden Dinger mit einem kleinen Loch in der Mitte) des passenden Albums in die Luft hielt. Seine Solidarität mit dem Gastgeberland bewies John zudem durch das Tragen eines roten Deutschlandtrikots. Ein glorreiches Ende fand der Gig mit dem frenetisch abgefeierten „Can u deliver“ und der Bandhymne „March of the saint“.
Und genau das war es aus. Ein denkwürdiger Auftritt. Nicht nur der zuständige Redakteur dankte der Band auf Knien für diese Vorstellung. Dave Prichard wäre stolz auf seine Jungs. Fehlt nur noch ein neues Studioalbum zur absoluten Glückseligkeit.
(MK)

Es wird spannend, denn nach Armored Saint haben sich die dänischen Pretty Maids angekündigt. Auf diese Band war ich schon sehr gespannt, hab ich sie doch seit der -Tour nicht mehr live begutachten können. Die Tour damals war sehr stark und auch das gleichnamige Album finde ich super. Seitdem haben sie sich auf dem Live-Sektor doch ziemlich rar gemacht. Umso besser, dass sie fürs BYH-Festival wieder mal einen Abstecher nach Deutschland machen.
Die sympathische Hardrock-Legende legt dann auch gleich mit dem schmissigen „Rock the house“ los und der Titel wird zum Motto des Gigs. Das Publikum geht von Anfang an begeistert mit und auch ich schüttele meine Rübe bis zur Schmerzgrenze. Sänger Ronnie Atkins ist stimmlich wieder einmal in Topform und hat die Menge vom ersten Ton an fest im Griff. Sein dauergrinsender „Partner in crime“ Ken Hammer (Gitarre) spielt auch mit vollem Einsatz und man sieht ihm die Begeisterung förmlich an. Die Jungs sind heiß und froh, wieder einmal vor einem großen Publikum spielen zu können. Schade ist nur, dass Schlagzeuger Michael Fast nicht mehr mit von der Partie ist. Doch sein mir unbekannter Nachfolger und der mittlerweile schon sehr lange zur Band gehörende Bassist Kenn Jackson sorgen für einen gewohnt fetten Rhythmusteppich. Mit „Wouldn’t miss you“ und „Live until it hurts“ werden zwei Songs der neueren Generation gespielt, die auch sehr gut ankommen. Das Highlight des Konzerts ist für mich definitiv der „Future world“-Klassiker „Yellow rain“, der mir eine Wahnsinns-Gänsehaut verpasst (nicht nur Dir, mein Freund! - MK). Hier zieht Ronnie Atkins alle Register und beweist, dass er einer der besten Sänger des Hardrock-Planeten ist. „Virtual brutality“, ein Song vom neuen Album reiht sich mühelos in die Klassiker ein.
Der brachiale Dreier „Back to back“, „Future world“ und natürlich „Red hot and heavy“ beenden eine grandioses Konzert, das leider viel zu früh vorbei ist. Es geht vielen so wie mir: Man hätte sicher noch stundenlang zuhören können!
(SG)

Mittlerweile leerte sich der Platz vor der Bühne ein bisschen, da die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft zeitgleich das Achtelfinale gegen die Schweden bestritt. Doch trotzdem ist die Menge bei Y & T wieder geschlossen vor der Bühne. Die Band hat sich durch den letzten BYH-Auftritt vor drei Jahren wieder in die Erinnerung ihrer Fans gespielt und mit Sicherheit den einen oder anderen Supporter dazu gewonnen. Damals waren sie eine der großen Überraschungen des kompletten Wochenendes.
Und so packen sie auch am Anfang einen ihrer Klassiker aus und zeigten gleich wer Herr im Hause ist: „Hang ´em high“! Anschließend ließen sie gleich den „Black tiger“ vom Stapel. Das gefällt den Fans und die Menge geht voll mit. Ist ja auch kein Wunder, bei diesen lässigen Hardrock-Hits. Dave Meniketti spielt wieder einmal eine Weltklasse-Gitarre, ist jedoch stimmlich nicht ganz auf der Höhe und dies ärgert ihn auch. Der obercoole Phil Kennemore am Bass post wieder wie ein Weltmeister und verleiht den Songs im Zusammenspiel mit Neu-Schlagzeuger Mike Vanderhale den nötigen Dampf. Schade trotzdem, dass Ur-Drummer Leonhard Haze nicht mehr mit am Start ist. Mit dem Über-Song „Midnight in Tokyo“ machen sie viele Fans glücklich, das anschließende „Hurricane“ hält den Stimmungspegel oben. Als dann ein Bühnentechniker zeitlich die Tore der deutschen Mannschaft meldet, kennt die Feierlaune eh kein Halten mehr. Bei dem unsterblichen „Rescue me“ wird wieder ein kleiner Gang zurückgeschaltet, eine gelungene Blues-Einlage verschafft Menikettis Stimme eine kleine Verschnaufpause. Hier hätte man jedoch auch das kultige „Squeeze me“, das von Phil Kennemore gesungen wird, einbauen können. Mit „Meanstreak“ und dem epischen „I believe in you“ (yeah!!!) wird das reguläre Set beendet. Als Zugabe muss natürlich einmal mehr „Forever“ herhalten, das dem sehr guten Auftritt noch einen würdigen Abschluss verpasst.
(SG)


Der folgende Auftritt von Rik Emmett ist mit Sicherheit der mit den meisten Fragezeichen. Da der kanadische Hardrock-Act Triumph in unseren Breitengraden eh nie so erfolgreich war, ist ihre Musik auch nicht so vielen Leuten bekannt und manch einer weiß mit dem Bandnamen nix anzufangen. Ich hab die Truppe auch erst vor einigen Jahren für mich entdeckt und freute mich schon auf die Präsentation einiger Klassiker. Doch hat Rik Emmett es gesanglich und spielerisch noch drauf?
Der Platz vor der Bühne hat sich seltsamerweise ziemlich geleert und viele schauen lieber zeitgleich Fußball an. Ein etwas enttäuschter Horst Odermatt präsentiert dann endlich Rik Emmert. Dieser betritt die Bühne und ich brauche einige Zeit, bis ich in ihm den früheren Triumph-Gitarristen erkenne. Ziemlich unspektakulär legt er und seine Begleitband mit dem als Opener etwas unpassenden „Fight the good fight“ los. Der Song wird sicherlich sehr nah am Original präsentiert, lässt jedoch die Wucht früherer Tage eindeutig vermissen. Auch ist Rik Emmett absolut kein Entertainer. Er spielt präzise und mannschaftsdienlich und überlässt sehr oft seinen sehr jungen zweiten Gitarristen die „Pole Position“.
Der Applaus ist dann auch vergleichsweise spärlich. Beim zweiten Song „Allied forces“ ist dann schon ein bisschen mehr Action angesagt, dieser Song wäre als Opener wesentlich besser gewesen. Auch singt der Bassist ähnlich wie seinerzeit Schlagzeuger Gil Moore. Das Tempo wird mit „Rock ´n Roll machine“ natürlich gehalten, doch so richtig kommt das Ganze nicht in Fahrt. Ich habe Triumph als Band mit einer riesigen Laser- und Lightshow auf DVD gesehen und dem gegenüber bleibt der Auftritt bei Tageslicht etwas blass. Natürlich macht es Spaß, die alten Klassiker einmal live zu hören, aber die Band spielt ein bisschen zu viele Solos und zieht dadurch die Songs unnötig in die Länge. Auch habe ich das Gefühl, dass Rik Emmett lieber eigenes Material präsentiert hätte und die Songs manchmal ein bisschen unmotiviert vom Stapel lässt. „Ordinary man“ vom wohl bekanntesten Album der Band Allied forces ist pure Magie, hier geht Mr. Emmett auch ein bisschen aus sich heraus. Anschließend folgt ein viel zu langes Solo, dem natürlich der Hit der Band schlechthin folgt: „Magic power“. Ich und viele andere freuen sich wie Schneekönige, allerdings wird auch dieser Song mit einem unnötigen Solo in die Länge gezogen und verliert dadurch seinen ganz eigenen Charakter. Auch hätte sich Mr. Emmett seine überflüssigen Kommentare Marke „I play for pay...“ getrost sparen können.
Der Auftritt war irgendwie seltsam. Es war schön, solche Klassiker einmal im Leben live zu hören. Auf der anderen Seite bleibt die Erkenntnis, dass manches, was früher genial war, nicht beliebig wiederholt werden kann.
(SG)

Stratovarius - Endlich wieder eine Einheit

Stratovarius haben ja in letzter Zeit doch für ziemlich viele Schlagzeilen gesorgt. Erst der Rausschmiss von Schlagzeuger Jörg Michael und Sänger Timo Kotipelto, dann die angeblich neue Sängerin Miss K (die man sich und den Fans Gott sei Dank erspart hat) - zuletzt war von den sympathischen Finnen doch mehr in den Klatschspalten zu lesen, als ihnen wohl selbst lieb war.
Stratovarius selbst haben jedoch das einzig richtige gemacht. Sich wieder zusammen gerauft und mit dem neuen Bassisten Lauri Porra sehr gut verstärkt. Das neue Album ist meiner Meinung nach auch sehr gelungen. Nun sollte sich zeigen, ob die Band live noch so gut ist wie früher. Der Einstieg ist mit dem hymnenhaften „Hunting high and low“ absolut passend. Es ist von Anfang an eine gute Stimmung vor der Bühne. Timo Kotipelto ist sehr engagiert bei der Sache und singt einfach klasse. Überhaupt ist das Zusammenspiel der Band wie aus einem Guss, was mir besonders bei dem wirklich bärenstarken Jörg Michael und seinem Bassisten Lauri auffällt. Überhaupt dieser Bassist! Ein absoluter Aktivposten, der sich sehr gut in die Band eingefügt hat und ihr den nötigen Tritt in den Hintern verpasst, den der ganze Haufen wohl hin und wieder mal braucht. Und die Setlist ist eine echte „Festivalsetlist“. Es wird Klassiker an Klassiker präsentiert und das nimmt das Balinger Publikum natürlich sehr gern an. Kracher wie „Paradise“, „Kiss of Judas“ oder das geniale „Phoenix“ kommen sehr gut an und untermauern den Status von Stratovarius. Auch Timo Tolkki (guitar) spielt sehr mannschaftsdienlich und insgesamt hat man den Eindruck, dass die internen Querelen überwunden sind und sich alle wieder auf das konzentrieren, was sie am Besten können: Gute Songs schreiben und diese dann wuchtig live umsetzen.
Zum Schluss bekommen die Jungs tosenden Beifall und Jens Johansson lässt noch mal so richtig den Durchgeknallten raushängen. Daumen hoch für Stratovarius!
(SG)

Für 21.20 Uhr waren Whitesnake angesetzt. Die Spannung steigt und der Platz vor der Bühne ist schon sehr gut gefüllt. Viele Fans laufen mit Whitesnake-Shirts rum und alles ist eigentlich perfekt für einen schönen Festivalausklang. Doch die „Umbauarbeiten“ dauern schon sehr lange. Trotz der Verzögerung scheint es sich um kein besonders großes Problem zu handeln, da alle paar Minuten ein Techniker rauskommt und immer wieder bei einem Gerät einen Knopf an bzw. ausschaltet. Für ihn sicher amüsant, ich komme mir dabei allerdings ein bisschen verarscht vor. Ich kenne dies aus einer Simpson-Folge, bei der Homer Simpson, fasziniert von einer neuen Art von Lichtschalter sich ähnlich verhält. Offensichtlich sehen das viele Festivalbesucher so, da ein Techniker von einem geworfenen Becher getroffen wird. Der Gipfel der Peinlichkeit ist allerdings erreicht, als derselbe Techniker kurze Zeit später provozierend gelangweilt an den Bühnenrand geht und ein Kaugummi in Richtung Publikum wirft.
Um 21.50 Uhr kommen dann endlich Whitesnake auf die Bühne. Das Publikum ist schon mehr gereizt als begeistert, geht jedoch bei dem Paukenschlag „Burn/Stormbringer“ richtig gut mit. David Coverdale präsentiert sich körperlich sehr fit, stimmlich hat er allerdings einige Defizite. Dies fällt besonders bei Stücken auf, bei denen er hoch singen muss. Bei „Slide It In“ kann man das ganz deutlich hören. Der Rest der Band spielt sehr stark. Bassist Marco Mendoza wurde gegen einen mir unbekannten Bassisten ausgetauscht. David Coverdale entschuldigt sich beim Publikum für die lange Umbaupause, er sagt sie hatten „technische Störungen“. Ohne einen Seitenhieb auf Kollegen („Hey - I `m not Axl Rose“) geht dies hier leider nicht ab. Der Applaus hält sich auch in Grenzen, da die ganze Band sich ziemlich lustlos präsentiert. „Love ain’t no stranger“ kommt dann wieder ganz gut an, doch das überlange Gitarrensolo von Doug Aldrich (Ex-Dio) ist übertrieben und passt in keinster Weise zum musikalischen Stil dieser Band. David Coverdale singt zwischendurch ein bisschen und ist dann im Mittelteil von „Crying in the rain“ schon wieder hinter der Bühne und gönnt sich eine Pause. Diese Pause verkürzt Altmeister Tommy Aldridge (Ex-Ozzy Osbourne, Thin Lizzy) mit einem Schlagzeugsolo, das zwar klasse, aber keinesfalls neu ist.
Anschließend stellt Mr. Coverdale verblüfft fest, dass er ein kleines Zeitproblem hat. Wenn das Zeitproblem bloß sein einziges wäre. Er verspricht nun, so viele Songs zu spielen, wie es nur irgendwie geht. Und spätestens jetzt fühle ich mich absolut verarscht (und mit Dir mindestens 10.000 andere - MK). Jeder BYH-Besucher weiß, dass die Bands um 23 Uhr aufhören müssen. Wenn ich also um 21.50 Uhr zu spielen beginne, hab ich von Anfang an ein Zeitproblem! Als dann „Here I go again“ angestimmt wird, ist klar, das nicht mehr viel kommt. Mit dem Über-Hit „Still of the night“ wird dann das große Finale eines viel zu kurzen und fragwürdigen Konzerts eingeleitet. Fünf Minuten vor 23 Uhr will Coverdale dann von der Bühne und zofft sich noch mit Schlagzeuger Tommy Aldridge. Als dann das Feuerwerk nicht kommt, brüllt er ziemlich laut „Burn up the fucking fireworks!“. Er zuckt immer wieder entschuldigend mit den Schultern Richtung Publikum, andeutend, dass er gerne noch länger gespielt hätte. Wer ihm das abkauft, glaubt mit Sicherheit auch, dass Ritchie Blackmore und Ian Gillan insgeheim die besten Freunde sind.
Absolut enttäuschte Gesichter sind das Resultat dieses Konzertes. Die Begeisterung, die normalerweise bis jetzt immer nach dem Samstagsheadliner (ich hab seit 1999 jedes BYH besucht) auf dem ganzen Festival- bzw. Campinggelände geherrscht hat, gibt es in diesem Jahr so nicht. Schuld daran ist ein abgewrackter eitler Gockelhahn, der nicht einsieht, dass man dann aufhören sollte, wenn es am schönsten ist. Nebenbei bemerkt glaube ich kaum, dass sich die „Weiße Schlange“ in dieser Form und in diesem Line-Up noch sehr oft auf Bühnen blicken lässt. Die Band hat mit Sicherheit sehr gute Musiker vereint, allerdings sind sie keine gewachsene Band, sondern eine Ansammlung von sehr guten, aber relativ seelenlosen Mietmusikern. Es tut mir selber leid, dass ich eine meiner absoluten Lieblingsbands einmal so abkanzeln muss, aber jegliche Art von Lob wäre hier verschwendete Zeit.
(SG)

Und so ging auch dieses Bang-Your-Head mit dem traditionellen Feuerwerk zu Ende. Hinter uns liegt ein entspanntes Wochenende mit jeder Menge musikalischer Höhepunkte, wobei jede Band größtenteils die Aufmerksamkeit und den Sound verpasst bekam, welchen sie verdiente. Lediglich der Abschluss erwies sich als kleines Haar in der Festivalsuppe (s.o.), schmälert aber in keinster Weise den positiven Gesamteindruck.

Die MAS-Crew bedankt sich bei den Organisatoren und den vielen Helfern des Festivals und wünscht sich für 2007 wieder ein derart tolles Festivalerlebnis. BYH Nr. 12 findet am 22. und 23. Juni 2006 ebenfalls wieder auf dem Messegelände in Balingen statt. Karten hierfür sind bereits über die Festivalhomepage erhältlich.

Stefan Graßl; Mario Karl


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