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Artikel

KITSHICKERS - Zukunftssoundtrack aus Luxemburg

Info

Gesprächspartner: Gilles (Kitshickers)

Interview: E-Mail

Stil: New Wave

Das Album „…..so that´s the miricale of life….“ der Luxemburger Kitshickers ist ebenso überraschend verspielt und hart wie es das bunte Cover, das wie ein Ausschnitt aus einem Sience-Fiktion-Comic daher kommt. Es kommt eine Menge Spielfreude rüber, die Songs wirken teils improvisiert, teils hochgradig durchkomponiert, und obwohl das unvereinbar scheint, ergibt sich daraus ein sehr homogenes Werk mit einem unglaublichen Spannungsbogen. Um mehr zu erfahren führte ich ein e-Mail Interview mit Gilles von den Kitshickers.

MAS:
Erst einmal Danke für eure Zeit, meine Fragen zu beantworten. „….so that´s the miricale of Life….“ , Euer neues Album, ist eines der stärksten und in sich geschlossensten, die ich seit einiger Zeit gehört habe. Da kann ich nur gratulieren. Wie ist das Album entstanden?

Gilles:
Danke, es ist mir ein Vergnügen, dieses Interview zu machen. Das Album ist das Resultat einer vier Monate langen harten Arbeit im Studio. Geschrieben wurde es zwischen Februar und Oktober 2005. Während dieser Zeit hatten wir einige Besetzungswechsel, unsere komplette Rhythmustruppe, also Bass und Schlagzeug, verließen die Band. Wir fanden jedoch schnell Ersatz in Pol (Bass) und Nelson (Schlagzeug) und begannen sofort mit dem Schreiben und Aufnehmen dieses mysteriösen Stückes Musik. Trotz der Veränderung im Lineup der Band konnten wir die musikalische Identität der Band halten und bekamen dazu noch eine wesentlich straffere Rhythmussektion. Diese positive Änderung war uns natürlich willkommen und das Ergebnis war sehr positiv. Ich kann nur sagen, dass wir wirklich von dem guten Ergebnis überrascht waren, vor allem, wenn man bedenkt, dass dieses Lineup erst gerade begonnen hatte, miteinander zu spielen.

MAS:
In dem Album kommen eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Stile zusammen. Welche musikalischen Hintergründe habt Ihr?

Gilles:
Für Boris und mich, also die Gründungsmitglieder, war immer klar, dass wir uns keinerlei musikalische Grenzen setzen wollten. Wir hören alle sehr unterschiedliche Sachen. Boris ist mehr der Metaller unter uns, während Nelson mehr im Rock und Latin zu Hause ist, Pol wiederum ist eher aus dem Hardcore Bereich und meine Wenigkeit lauscht eher den psychedelischen Sachen, aber auch Mathrock, Jazz und einige Weltmusik Sachen gefallen mir gut. Wir lieben es, CD´s untereinander zu tauschen und dadurch die Vorlieben des anderen zu verstehen. Was auch sehr interessant und lustig ist, denn manchmal finden wir uns diskutierend über Jazz im Proberaum wieder, nachdem wir gerade mit Heavy Metal herum gejammt haben.

MAS:
Auf Grund des Covers und der Tatsache, dass sich nicht nur die Songs musikalisch ineinander verweben, sondern sogar die Titel einen zusammengesetzten Satz ergeben, vermute ich mal ein Konzept hinter dem Album. Verrätst Du mir, welches es ist?

Gilles:
Das Konzept startete eigentlich schon mit dem zweiten Album. (Dies ist das vierte). Hier entschieden wir, dass wir das Konzept und die Art des Covers vom ersten Album fortsetzen wollten. Also entwarfen wir eine komplette Geschichte über die Hauptperson auf dem Cover. Wir versuchen eine Musik zu entwerfen, die etwas über unser normales Leben auf emotionaler Basis erzählt, aber dem Hörer trotzdem Platz lässt, seine eigene Reise durch die Sounds und Melodien anzutreten. Schlussendlich soll jeder das darin erkennen, was er entdeckt bzw. erkennen will. Das ist ein Grund dafür, warum wir einige Sätze immer wiederholen, weil ich selber immer wieder andere Dinge darin erkenne. Es kann mal materialistische Gedanken auslösen (die ich nicht so mag) und im nächsten Moment welche, die auf einer ganz anderen Ebene stehen. Wenn Du alle Dinge zusammenfasst, die unser androgyner außerirdischer Coverheld erlebt, Siddhartha auf seiner suche nach der Erleuchtung vergleichen. Das ist wahrscheinlich auch ein Grund dafür, warum die Musik manchmal buddhistischen Formen nahe kommt, dadurch, dass wir einige Melodien oder Gitarrenphrasen immer wieder wiederholen.

MAS:
Wie entstehen Eure Songs, respektive Soundlandschaften?

Gilles:
Wenn wir im Prozess des Schreibens stecken, meistens aus den Jams während unserer Proben. Meistens nehmen wir sie auf, hören sie uns dann wieder an und arbeiten die Passagen, die uns gut gefallen, weiter aus. Manchmal kommt auch jeder von uns mit einzelnen Iden an, die wir dann ausarbeiten. Jeder hat die Möglichkeit sich einzubringen, Ideen zu bringen, seine Meinung zu äußern und somit auch mal Nein zu sagen. Bei uns gibt es nicht die eine Person, die verantwortlich für das Schreiben ist. Es geschieht alles in einem gemeinsamen, durchlaufenden Prozess.

MAS:
Wer hatte denn die Ideen für diese jazzigen Parts in „…. How your whole life….“? Und habt ihr dafür Gäste eingesetzt?

Gilles:
Dieses Riff flog mir irgendwann zu. Ich denke das kam, weil ich zu der Zeit viel Motown, also so Sachen wie Jackson 5, Gil Scott Heron und Pat Matheney hörte. Zu Anfang waren wir dem Part gegenüber etwas skeptisch, aber es passt und funktioniert und gibt zu 100% den Kitshickers Sound wieder. Und wir lieben Überraschungen. Für diesen Part luden wir den Vetter unseres Bassisten ein uns mit dem Saxophon zu unterstützen und zusätzlich baten wir Polka-Claus, die Keyboards zu übernehmen. Polka-Claus ist ein Bekannter, mit dem Pol (der Bassist), der in dem jazzigen Teil übrigens auch Trompete spielt, und ich mitunter in einer Ska und Reggae Band spielen.


MAS:
Wer ist für das außergewöhnliche Artwork der CD verantwortlich?

Gilles:
Nun, wie bereits erwähnt arbeiten wir seit unserer ersten CD mit demselben Künstler zusammen. Sein Name ist Gutz. Doch er macht das nicht alleine, er arbeitet mit einem alten Freund von uns, Heavy, zusammen. Letzter im Bunde bin ich selber. Wir setzen uns schon während der Aufnahmen mitunter für einige Stunden zusammen, um das Konzept zu diskutieren. Wir versuchen halt, die Stimmungen auf dem Album, die Atmosphäre des Sounds auf das Artwork zu übertragen und dabei unsere fortlaufende Geschichte weiter zu erzählen. Besorgt euch alle vier Alben, haltet die Cover aneinander und ihr werdet sofort verstehen, was ich meine.

MAS:
Werdet ihr mit „….and that´s the miricale of life…“ auf Tournee gehen? Und werdet ihr, oder falls ihr schon unterwegs wart, habt ihr das ganze Album am Stück gespielt?

Gilles:
Unsere Auftritte können, so denke ich, als etwas Spezielles betrachtet werden, denn wir spielen immer in einem durch ohne jegliche Pause zwischen den Songs. Nun, halt wie auf den Alben. Natürlich klingt es auf der Bühne alles eine Spur härter. Wir mögen es nicht, viel auf der Bühne zu sprechen und glauben, das endloses Gerede zwischen den Songs den Fluss und die Energie eines Auftritts zerstören. Deshalb haben wir die Albumvorstellung auch in einem Kino gemacht, wo alle Besucher Kopfhörer hatten. Obwohl wir live spielten, konntest Du nicht einen Ton hören, ohne die Kopfhörer aufzusetzen. Der Zuhörer sollte fühlen und hören, was wir fühlen wenn wir spielen und sich nicht von den Störungen der Realität ablenken lassen. Er sollte sich von der Musik führen lassen. Manchmal setzen wir auch selbst gemachte visuelle Effekte bei den Shows ein.




MAS:
So, Gilles, vielen Dank für die ausführlichen Antworten. Abschließend möchte ich noch kurz etwas mehr über den Werdegang der Band bis jetzt erfahren. Es gibt ja bereits vier Alben. Erzähl doch bitte ein wenig zur Entstehung und bisherigen Geschichte der Band.

Gilles:
Boris und Ich haben die Band 1997 gegründet. Zu dieser Zeit waren wir alle noch Teenager und wir wollten einfach nur Spaß haben und kräftigen, jedoch einfachen drei Akkorde Punk spielen. Bald gesellte sich ein Bassspieler zu uns, der auch bis 2004 dabei war. Es war klar, das wir früher oder später diesen simplen Punk Rock hinter uns lassen mussten, um uns weiter zu entwickeln. Über die letzten Jahre haben wir zwei Europatourneen und eine Italientournee gemacht und so viele, viele Shows gespielt. Es entstanden 2 Demotapes und die erwähnten drei Alben vor dem aktuellem. 2004 unterschrieben wir bei Winged Skull Records, ein Independent Label aus Luxemburg (www.wingedskull.com). Und da sind wir im Hier und Jetzt, zwei neue Bandmitglieder, ein neues Album und einer Europatournee, die später in diesem Jahr angedacht ist.


Bleibt mir nur mich für die ausführlichen Antworten zu bedanken und darauf zu hoffen, das es bald auch in unseren Breiten möglich sein wird, die Band Live zu erleben.

Wolfgang Kabsch


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