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Die ELOY-History, Teil 5

Die ambivalente Situation zwischen erfolgreichen Singles und nachlassendem Erfolg beim Stammpublikum sollte sich noch zuspitzen. Der Griff nach den Sternen, sprich: einem Durchstarten in England, sollte sich als der Anfang vom Ende erweisen. Obwohl die letzte Scheibe noch einmal ein Schritt nach vorne war, ließ sich der "Konkurs" nicht mehr aufhalten.


Kapitel 5: Die "Macht aus England" versenkt "Germanys Finest"


Kein Wunder, dass der Druck auf die Band wuchs. Im Umfeld der Erfolge von Punk, New Wave und Neuer Deutscher Welle hätte die EMI gerne sogar deutsche Texte von Eloy gehört. So weit ist es nicht gekommen. Aber die Verwandlung der nicht mehr ganz so Erfolgs verwöhnten Band hin zu einem tougheren rockigeren Act setzte sich fort. Nie sah ein Eloy-Cover technischer aus als das des 83er Albums Performance". Die mit "Laserschwertern" spielenden Billardspieler versetzen in eine SF-Atmosphäre, die nicht mehr von der magischen Fantasy, sondern vom technischen Sternenkrieg geprägt ist.



Eloy

Performance



Info

VÖ: 1983 / 18.02.2005

(EMI)

Gesamtspielzeit: 55:13


Wenn man dem Booklet der Remaster-CD trauern darf, ist der Wandel gegen den Widerstand von Band-Chef Bornemann geschehen, der sich bei der Arbeit an dieser Scheibe relativ weit zurücknahm. Selbst auf sein Markenzeichen, die Schirmmütze, verzichtete er, um dem modernen Auftreten der Band nicht im Wege zu stehen. Heute spricht er so kritisch von Performance, wie bislang nur von dem Mülltonnen-Debüt.

Dabei startet das Album mit einem der packendsten Eloy-Tracks überhaupt. Im Rahmen einer kraftvollen Struktur wird "In Disguise" von druckvollen Riffs nach vorne getragen, während flirrende Gitarren reizvolle Akzente setzen. Bornemanns charakteristische Stimme garantiert wieder einmal die Kontinuität.

Keine Frage, die frühen Eloy-Scheiben, mit denen diese grandiose Band sich selber erfunden hat, sind wichtiger als Performance, aber Bornemanns (Selbst)Kritik ist unangebracht. Ohne seine kritischen Worte zu der CD und ihrer Entstehung erschiene das 83er Album als konsequenter weiterer Schritt in der Bandgeschichte. Die ausufernden, märchenhaften Longtracks der Gründerjahre sind Vergangenheit. Kompakte druckvolle Synthie-Rocker ohne jede Künstlichkeit sind das Gebot der Stunde. Vergleiche mit Alan Parsons und Pink Floyd werden seltener. Dafür erinnert der Piano-Sound von "Surrender" an die megaerfolgreiche Toto-Scheibe IV.

Der geringer werdende Erfolg, sowohl der LP, wie der Tour, die mit deutlich abgespeckten Bombast inszeniert wurde, scheinen Bornemanns Missgefallen recht zu geben. Aber war es nicht doch eher der Zeitgeist, der dem Eloy-Stil keine Chance mehr lies? Mir ist Performance, so wie sie ist, jedenfalls lieber, als eine Ocean Part 27,35.

Als Bonus gibt es auf dem remasterten Album drei in Paris eingespielte Live-Versionen.

Metromenia wird vorerst das letzte Album von Eloy sein. Äußerlich macht es allerdings in zweifacher Hinsicht den Eindruck eines Neuaufbruchs. Zwar bleibt das Cover (im Gegensatz zum Vorgänger) in guter alter Eloy-Tradtion dem Fantasy-Genre treu, aber es verabschiedet sich endgültig von den bisher sehr naturnahen Motiven und zeigt eine pflanzenfreie Utopie-City. Vom Motiv und der Farbe her sind die Parallelen zu Asias Astra kaum zu übersehen.





Trackliste
1In Disguise4:29
2Shadow and Light5:18
3Point of no Return3:44
4Surrender5:41
5Heartbeat6:28
6Fools5:10
7A broken Frame8:10
8Shadow and Light (live 1983)5:08
9Heartbeat (live 1983)6:00
10Fools (live 1983)4:49
Besetzung
Frank Bornemann (Voc, Git)
Klaus-Peter Matziol (B)
Hannes Arkona (Git, Key)
Hannes Folberth (Keys)
Fritz Randow (Dr, Perc)





Eloy

Metromania



Info

VÖ: 1984 / 18.02.2005

(EMI)

Gesamtspielzeit: 40:29


Noch einschneidender aber ist die Verabschiedung vom Eloy-Logo, das die Bandgeschichte zehn Jahre und neun Alben lang begeleitet hatte. Metromania wird von dem Logo geziert, das man in England bereits von dem Matthews-Covern zu Plantes und Time to turn kannte. Das ist wohl ein Anzeichen dafür, dass die EMI eine internationale Zukunft von Eloy anstrebte, die unter einem modernen Markenzeichen stattfinden sollte.

Umso überraschender ist es, dass Bornemann in der Scheibe eine Art Notbremse sieht, mit der er den Weg Eloys nach dem von ihm ungeliebten Vorgänger wieder auf alte Wege zurücklenken wollte. Der Opener lässt derartiges noch nicht vermuten. Hier geht es ähnlich rockig und krachend zur Sache, wie ein Jahr zuvor mit "In Disguise". Und damit ist der Star eines Albums, das nur selten wirklich aufhorchen lässt, auch schon ins Rennen gegangen.

Aus einen relativ faden Reigen mittelprächtiger Eloy-Stücke ragt vor allem das an U2 erinnernde "Nightriders" heraus, das aber an keiner Stelle an die guten Eloy-Zeiten anknüpfen kann. Entsprechend mager fielen die immer weiter zurückgehenden Verkaufszahlen aus.

Kurz vor Veröffentlichung der CD gab es einen letzten Adrenalinschub. Die BBC hatte Eloy nach London eingeladen, wo der legendäre (heute leider geschlossene) Marquee-Club an zwei Abenden nacheinander völlig ausverkauft war und Eloy von den Fans enthusiastisch abgefeiert wurden. Die gerade durchstartenden Marillion, EMI-Label-Mates von Eloy, boten sogar eine gemeinsame Tour an.

Die allerdings hat nicht stattgefunden. Mit den Gründen dafür rückt Bornemann erst heute heraus. "Bei den Londoner Konzerten waren sowohl Marillion als auch deren Betreuer von der englischen EMI dabei. Als die gesehen haben, was bei unseren Konzerten abging, haben sie sofort die Notbremse gezogen." Offenbar sahen die Engländer in Eloy weniger einen Support, als eine Bedrohung für Marillion. Um nicht die Gefahr heraufzubeschwören, dass dem neuen EMI-Zugpferd bei seiner Tour die Show gestohlen würde, wurden Eloy sofort wieder von der Tour gekippt.

Ein Freund von Eloy, der in London dabei war und von den dortigen Plattenfirmen-Leuten nicht als Eloy-Mann erkannt worden sei, habe in der Nähe gestanden und die entsprechenden Gespräche direkt mitbekommen, erklärt Bornemann sein Wissen.

Zurück in Deutschland verliefen nicht nur die Live-Konzerte enttäuschend. Auch die Unterstützung der EMI für Eloy lies nach. Anweisung aus London, von wo aus die EMI Marillion auch in Deutschland durchsetzen wollte, meint Bornemann. Er zog die Konsequenz und löste noch im Jahr 1984 eine der erfolgreichsten deutschen Bands der 70er Jahre auf.

Das letzte Wort im Fall Eloy war damit zwar noch nicht gesprochen. Jahre später gab es eine Reunion. Aber die spielte sich nicht mehr bei der EMI ab; so dass die folgenden Scheiben auch nicht in der Remaster-Edition erscheinen werden. Bornemann war mit einem neuen Label in seiner Heimatstadt Hannover fündig geworden, wo sich SPV in den 90ern zu einem der führenden Independent-Labels aufbaute.





Trackliste
1Escape to the Heights4:58
2Seeds of Creation4:29
3All Life is one6:28
4The Stranger4:01
5Follow the Light9:38
6Nightriders4:39
7Metromania6:07
Besetzung
Frank Bornemann (Voc, Git)
Klaus-Peter Matziol (B)
Hannes Arkona (Git, Key)
Hannes Folberth (Keys)
Fritz Randow (Dr)

Gäste:
Sabine Matziol (Back Voc)
Jane "Janie" James (Back Voc)
Romy Singh (Back Voc)
Kalle Bösel (Back Voc)
Monika (Back Voc)
Susanne (Back Voc)
Michael "Flexe" Flexig (Back Voc)
Rainer Przywara (Back Voc)




Fortsetzung folgt

Norbert von Fransecky


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