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Artikel

Die ELOY-History, Teil 3

Die drei Superalben `Power and the Passion´, `Dawn´und `Ocean´ hatten Eloy in Deutschland ganz nach oben gespült. Für die `Ocean´-Tour musste in die großen Hallen der Nation umgebucht werden.

Kapitel 3: Der Traum von Harmonie und Frieden

Um ihre Show zu präsentieren hatten Eloy bereits einiges gewagt bevor sich herausstellte, dass man in den ganz großen Hallen antreten würde. Für die Show wurde ein Vierfarb-Laser aus England besorgt. Damals - wie die Keyboards einige Jahre zuvor - eine völlig neue Technik, die auch noch nicht so problemlos einsetzbar war wie heute. “Für die Kühlung wurden 25 Liter Wasser pro Minute verbraucht! So musste jedes Mal ein Schlauch durch die halbe Halle gelegt werden“, erinnert sich Bornemann im Interview zur Veröffentlichung der Remasters. Und die Sache war zudem noch recht gefährlich. Bornemanns Bericht erinnert eher an Laserkanonen á la Kampfstern Galactica, denn an ein Rockkonzert. “Ein direkter Strahl von diesem Laser und Du hättest ein Loch im Kopf gehabt.“ Kein Wunder, dass der TÜV jeden Tag Ehrengast war und immer wieder gezittert werden musste, ob das Konzert am Abend überhaupt stattfinden kann. Denn neben dem Laser gab es auch noch reichlich Pyro-Technik und Magnesiumbomben, von denen die Hallendirektoren ganz besonders begeistert waren.

Fast nebenbei wurde während dieser Tour auch noch das Album Live mitgeschnitten. Das Ergebnis war wieder einmal nicht ganz nach dem Geschmack von Perfektionist Bornemann. “Wir hätten gern ein komplettes Konzert mit seiner ganzen Atmosphäre und Magie veröffentlicht, aber das war nicht möglich.“ Unfähige Tontechniker und eine Lichtanlage, die immer wieder ein gewaltiges Brummen und Knistern in die Tonleitungen schickte, hatten dazu geführt, dass es am Ende nicht ein einziges sauber mitgeschnittenes Konzert gab. Und was für 99% aller Bands eine Selbstverständlichkeit ist, war für Bornemann der Biss in den sauren Apfel. Für Live wurden gelungene Aufnahmen aus unterschiedlichen Konzerten zu einem Album zusammengestellt.

Ich denke, man kann den guten Frank Bornemann beruhigen. Was erst einmal ganz sicher ist: Die Songs werden live gut rüber gebracht. Das Ganze tendiert in keine der beiden Richtungen, die Live-Alben oft den Todesstoß versetzen. Das Album klingt weder klinisch sauber, noch gehen die filigranen Kompositionsteile in einer Art Soundbrei unter.
Im Gegenteil, die Stücke haben durch die lebendige Präsentation genau die ganz eigene Magie gewonnen, um die Bornemann gefürchtet hat. Vielleicht war das damals in den Hallen noch grandioser. Aber alles kann man sowieso nicht auf Band und Datenträger bannen.

Die Tracklist der Live-LP bevorzugt die beiden Konzeptalben. Die ersten und die letzten 20 Minuten gehören Ocean, das damit bis auf “Decay of Logos“ komplett vertreten ist. Weitere 20 Minuten werden mit Dawn-Titeln gefüllt. Dann ist nur noch für je einen Titel von Inside und Power and the Passion Platz. Floating und - natürlich - das Debüt werden überhaupt nicht berücksichtigt.




Eloy

Live



Info

VÖ: 1978 / 28.05.2004

(EMI)

Gesamtspielzeit: 78:40


Was mich überrascht hat, weil es gerade für Live-Alben der 70er Jahre völlig ungewöhnlich ist, sind die Spielzeiten der einzelnen Stücke. Sie stimmen bis auf wenige Sekunden mit denen der Studio-Alben überein. Lediglich die Agonie von Atlantis wird um noch einmal fünf Minuten ausgedehnt. Überlange Improvisationen, Soli und ähnliche Spielereien sind also nicht zu erwarten. Neu ist wohl vor allem der gesprochene deutsche Text beim “Sun-Song“

Das ist, wie Bornemann bestätigt, ein Stück weit der Tribut an die imposante Bühnenshow gewesen. Wie bei der Lamb lies down-Tour von Genesis waren die Musiker an einen möglichst exakten Zeitablauf gebunden um die Synchronizität von Show und Musik zu gewährleisten.

Die Live-LP beendet nicht nur vorerst das Kapitel der Eloy-Konzeptalben. Auch ein Abschied von dem wohl erfolgreichsten Line Up der Band beginnt sich anzudeuten. Es beginnt es zu kriseln. Risse tun sich zwischen den zum Teil sehr verschiedenen Persönlichkeiten auf. Ein weiteres Studio-Album wird es in der bewährten Formation Bornemann, Matziol, Schmidtchen und Rosenthal dennoch geben. Brigitte Witt steuert als Gast den Engelsgesang zu “The Vision“ bei.





Trackliste
1Poseidon's Creation11:42
2Incarnation of the Logos 8:46
3The Sun-Song8:32
4The Dance in Doubt and Fear7:36
5Mutiny9:58
6Gliding into Light and Knowledge4:24
7Inside6:34
8Atlantis' Agony at June 5th - 8498, 13 p.m. Gregorian Earth Time20:57
Besetzung
Frank Bornemann (Voc, Git)
Klaus-Peter Matziol (B, Voc)
Detlev Schmidtchen (Keys)
Jürgen Rosenthal (Dr, Perc, Voc)





Eloy

Silent Cries and mighty Echoes



Info

VÖ: 1979 / 18.02.2005

(EMI)

Gesamtspielzeit: 51:12


Silent Cries and mighty Echoes ist das bisher rockigste und kompakteste Eloy-Werk. Das ruhige Instrumental “Astral Entrance“, das stark an Pink Floyd zur Wish you were here-Phase erinnert, leitet zum krachenden Rocker “Master of Sensation“ über. Der Longtrack “Apocalypse“ dürfte danach eine wohltuende Erleichterung für alle Freunde von Ocean sein. Auch hier befinden sich bei den weiblichen Gastvocals und der Gitarre deutliche Parallelen zu Pink Floyd. Mit ihrem klaren schwebenden Sound geraten Eloy aber nie in die Gefahr mit den Briten verwechselt oder gar zur Kopie abgestempelt zu werden. Floyd und Eloy bleiben zwei eigenständige Welten.

Immer wieder klingen auf Silent Cries and mighty Echoes spirituelle, ja biblische Anklänge durch. Vokabeln wie der „Herr“, der „Geist“, das „Paradies“, „Jesus“ und die „Dreieinigkeit“ lassen sich in jedem Stück finden. Saubere christliche Dogmatik bedeutet das natürlich noch lange nicht. Eloy scheinen hier textlich mit esoterisch, fantastischen Konzepten und Hoffnungen zu spielen, die gut in die SF/Fantasy-Atmosphäre passen, in der sich die deutschen Krauter immer schon bewegten. “Das ist alles auf Rosenthals Mist gewachsen. Der war damals auf so einem apokalyptisch destruktiven Trip.“ Bornemann selber kann damit nur bedingt etwas anfangen. “Ich bin immer ein positiv denkender Mensch gewesen.“
Nach langer Zeit mischt er sich daher bei dem erneut sehr rockigen “Pilot to Paradise“ wieder in die textliche Gestaltung ein. Gegen die überwiegend düstere Ausrichtung von Rosenthals Lyrics wollte er positivere Akzente setzen. Wobei ich eine wirklich düstere und negative Atmosphäre auf den Vorgänger-Alben eigentlich nicht entdecken kann. So lässt sich ein erkennbarer Bruch innerhalb des neuen Albums zwischen “Pilot to Paradise“ und dem restlichen Material auch kaum finden.

Silent Cries and mighty Echoes enthält in der remasterten Fassung zwei Bonustracks. Als eine der erfolgreichsten deutschen Bands waren Eloy angefragt worden, einen Beitrag zum Jahr des Kindes zu leisten. Das dazu geschriebene “Child Migration“ ist eine Vorform des gleichnamigen Songs, der auf dem folgenden Album Colours erschienen ist. Sowohl Text als auch Musik sind allerdings stark verändert worden. Die hier zu findende Version ist wesentlich kraftvoller und zupackender. Daran ändert auch der mitwirkende Tölzer Knabenchor nichts. “Let the Sun rise in my Brain“ ist ein typischer Cut-out; solide Eloy-Ware, aber nicht auf dem Niveau des Album-Materials. Interessant wird das Stück für Eloy-Freaks vor allem durch die Querflöte, die hier im Mittelpunkt steht.

Das Album, das im Weiteren zwischen rockigeren und Ocean-Songs wechselt, und auch die darauf folgende wieder sehr aufwendige Tour setzten die nun schon gewohnte Erfolgsstory der Niedersachsen fort. Ein Zufall führte zum Hannover-Doppel mit den Scorpions in der Kölner Sporthalle, das sogar mit Bild und Ton in den Fernsehnachrichten berücksichtigt wurde. Aber auch der Erfolg hielt die Band nicht zusammen.

Bornemann hatte das Quartett gerade um den Gitarristen Hannes Arkona zum Quintett aufgestockt, als Detlev Schmidtchen und Jürgen Rosenthal ihren Ausstieg bekannt gaben. Die beiden hatten bereits zuvor unter dem Namen EGO on the Rocks das phänomenale Album Acid in Wounderland veröffentlicht, ein Projekt dem leider keine Fortsetzung beschieden war.

Mit dem langjährigen Begleiter Klaus-Peter Matziol und Neuzugang Hannes Arkona machte sich Bornemann ans Durchstarten. Mit dem folgenden Album begann einmal meine persönliche Eloy-Longplayer-Geschichte. Bislang war mir die Band vor allem durch Sampler-Beiträge und das Album Ocean, das ich mir von einem Freund überspielt hatte, ein Begriff. Plötzlich aber waren Eloy ein Top-Thema der EMI. Ihre Scheiben lagen mit einem großen Aufkleber The german Way of Rock ganz vorne in den Auslagen von Karstadt und Heimann (WOM gab’s damals noch nicht.) und nicht mehr nur in den Regalen der kleineren Independent-Läden aus.

So lauschte ich irgendwann dem vielleicht nicht besten, aber für mich bis heute einem der faszinierendsten Eloy-Stücke. Fast sakral, wie aus einer anderen Welt begrüßen die Stimmen von Edna und Sabine, die beim Opener aushalfen, den Hörer von Colours. Ein zwar nicht monotoner, aber immer wiederkehrender Grundrhythmus, der ein wenig an Alan Parsons I robot erinnert, schafft eine passende meditative Atmosphäre, der den weiblichen Stimmen die Basis verleiht, um die Hörer in die erhabenen fantastischen Sphären der Parallelwelt von Eloy zu erheben.





Trackliste
1Astral Entrance3:03
2Master of Sensation6:01
3The Apocalypse14:55
3.1Silent Cries divide the Nights
3.2The Vision - Burning
3.3Force majeure
4Pilot to Paradise7:03
5De Labore Solis5:06
6Mighty Echoes7:13
7Child Migration4:05
8Let the Sun rise in my Brain3:29
Besetzung
Frank Bornemann (Voc, Git)
Klaus-Peter Matziol (B, Voc)
Detlev Schmidtchen (Keys)
Jürgen Rosenthal (Dr, Perc, Voc)





Eloy

Colours



Info

VÖ: 1980 / 18.02.2005

(EMI)




Hätte ich zu dem Zeitpunkt schon mehr Eloy gekannt, wäre mir beim zweiten Titel natürlich sofort aufgefallen, dass mir nun der traditionelle Sound dieser Band begegnet, dem der heftigen Wechsel im Line up offenbar nicht geschadet hat; im Gegenteil: Man hat eher den Eindruck, dass die langsame Metamorphose zu einer etwas härter rockenden Band, völlig bruchlos weiter voran getrieben wurde.

Zu dem Rest-Trio Bornemann-Matziol-Arkona kommen Hannes Folberth (Keys) und Jim McGillivray (Dr, Perc) neu hinzu. Letzterer ist laut Booklet zusammen mit einer Sonja Brown (<3,4>) für die Lyrics zuständig. Das ist allerdings nicht ganz neu. Bereits für den Text von “Child Migration“, das nun in einer völlig neuen Form Teil der CD wird, war er verantwortlich. “Jim ist zwar erst zu `Colours´ Mitglied der Band geworden, gehörte aber bereits vorher zu engeren Freudenskreis der Band,“ erklärt Bornemann und beruhigt damit meine Irritation, dass ein Neuzugang gleich alleiniger Texter wird. “Die Band war auseinander gefallen. Der Texter war weg. Und so hatten wir einen Engländer in der Band, der auch noch gut schreiben konnte.“

Auch musikalisch wurde “Child Migration“ völlig umgemodelt, da Bornemann mit der ursprünglichen Version mal wieder nicht zufrieden war. Schon die Entstehung des Stücks war ihm ein Gräuel. “Der Tölzer Knabenchor, der auf dem Stück (zum Jahr des Kindes; NvF) zu hören ist, war überhaupt nicht dafür geschrieben. Die Aufnahme gab es schon und sie wurde einfach in das Stück reingemischt."

Stimme und Gitarrenarbeit von Chef Bornemann garantieren Kontinuität. Und von Düsternis kann man bei den Texten von Clours wahrlich nicht mehr sprechen. “Horizons“ und “Illumination“ lassen eine fast schon glückselige Geborgenheit in einem paradiesischen Elysium erkennen. Und der “Giant“, der achtlos durch die Welt stapft und kleinere Wesen schlicht zertritt, wird anrührend um Besserung gebeten. Love, Peace and Brotherhood bis zum Umfallen. Klar, dass “Giant“ trotz einiger heftiger Gitarrenriffs insgesamt sanft daher kommt. Der Soundtrack zur Friedensbewegung, die sich zeitgleich auf ihren Höhepunkt zu bewegte?

“Ja! In dieser Zeit hatte ich das Gefühl, jetzt ändert sich die Welt. Wir finden neue Strukturen, die wir an die kommenden Generationen weiter geben,“ bestätigt Bornemann den Eindruck. Wirklich politische Texte hat es bei Eloy aber nicht gegeben. “Sie sollten ja auch unterhalten. Daher haben wir diese Science Fiction-Konzepte benutzt.“

“Impressions“ schlägt den Bogen zu dieser wunderbar harmonischen Welt wieder zurück, ohne auf die rockenden Elemente zu verzichten, die auf der ehemals zweiten LP-Seite verstärkt zu hören sind. Insbesondere “Gallery“ trägt kräftige Farben auf, gibt dem Keyboard viel Raum zum Auftrumpfen und lässt sogar richtige Solo-Duelle zwischen Tasten und Saiten zu. Der instrumentale Ausklang “Sunset“ ist dann eine sanft fast akustische Streicheleinheit.


Das Album ist ohne Abstriche als gelungen zu bezeichnen und verbindet alte Eloy-Traditionen organisch mit neuen Klängen. Den Fans schien man das - und vielleicht auch den Line Up-Wechsel - aber nicht ganz vermitteln zu können. Die Verkaufszahlen blieben zwar sechsstellig und in Griechenland wurden Eloy wie Rock-Super-Stars abgefeiert - mit teuren Hotels, TV am Flughafen und Bodyguards. Die Zahlen des Vorgängers erreicht Colours aber weder mit dem Album noch bei den Konzerten. Als „Preis für den Erfolg“ muss man wohl die Single “Wings of Vision“ bezeichnen. Sie ist zusammen mit der gekürzten Single-Version von “Silhouette“ als Bonus auf der Remaster-Edition. Als ein “sicherlich radiokompatibler und gefälliger Song“ wird das Stück im Booklet vorsichtig beschrieben. Banaler Synthiepop weit unterhalb der Eloy-Gürtellinie trifft es wohl besser - entstanden auf Wunsch der Plattenfirma. Und es soll nicht der letzte Song mit dieser Tendenz bleiben.





Trackliste
1Horizons3:21
2Illuminations6:21
3Giant6:07
4Impressions3:09
5Child Migration7:20
6Gallery3:10
7Silhouette7:14
8Sunset2:53
9Wings of Vision4:14
10Silhouette (Single Edit)3:30
Besetzung
Frank Bornemann (Voc, Git)
Klaus-Peter Matziol (B, Voc)
Hannes Arkona (Git)
Hannes Folberth (Keys)
Jim McGillivray (Dr)

Gäste:
Sabine (Voc <1>)
Edna (Voc <1>)






Fortsetzung folgt

Norbert von Fransecky


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