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GERHARD AUGUSTIN: Der Pate des Krautrock; Schmutzige Wäsche im Business

Info

Autor: Gerhard Augustin

Titel: Der Pate des Krautrock

Verlag: Bosworth Edition, Berlin, 2005

ISBN: ISBN 3-86543-050-3

Preis: € 34,95

398 Seiten Seiten

Marius Müller-Westernhagen?, Ike and Tina Turner??, die Spider Murphy Gang???
- als Kapitelüberschriften in einem Buch über Krautrock?
Klarer Fall von „Thema verfehlt“?

Nein, das dann doch nicht. Das kleiner Gedruckte hilft weiter. Es geht nicht (nur) um Krautrock, sondern um den „Paten des Krautrock“. Der heißt Gerhard Augustin, hat in den 70ern und 80ern mit Amon Düll II zusammengearbeitet und sich vor allem deshalb den leuchtenden Titel „Pate“ zugelegt und sich ganz bescheiden als eine Art Maharadscha im Hanffeld auf dem Titelcover seiner Autobiographie verewigen lassen. Durch sein Berufsleben führt dieses Buch.

Das beginnt Anfang der 60er in den USA, findet einen ersten Höhepunkt zwischen 1963 und 68 in Bremen, wo er als erster Discjockey Deutschlands und Mitbegründer des legendären Beatclubs dafür sorgte, dass die Beat-Musik ihren Weg in die Köpfe und Wohnzimmer Deutschlands findet. Die erste Hälfte der 70er arbeitet Augustin als A&R-Mann für United Artist in Los Angeles und München. Mitte der 70er macht er sich mit Gammarock Music selbständig, einer GmbH, die eigene Musikproduktionen fährt, als Musikverlag und Management tätig ist. Heute lebt Augustin wieder in Bremen und produziert eine eigene Fernsehsendung für den dortigen Offenen Kanal.

So bietet Der Pate des Krautrocks auf der einen Seite fast automatisch einen nicht uninteressanten Überblick hinter die Kulissen des Rockbusiness Deutschlands vor allem in seinen Anfangstagen. Vor allem nutzt Augustin, der offenbar über besonders viel Ego und ebenso wenig Selbstdistanz verfügt. Er ist der Größte, daran lässt er keinen Zweifel - und auch daran nicht, mit wie viel großen Stars der Musikgeschichte er befreundet ist oder war. Die Rückschläge in seinem Leben sind dementsprechend grundsätzlich durch Neid. Bösartigkeit und Intrigen von Ex-Partner, Gegnern oder Vorgesetzten verursacht. Und Augustin benutzt sein Buch um hier gründlich schmutzige Wäsche zu waschen, was manchmal vergnüglich, auf die Dauer aber etwas penetrant wirkt. Auch sein Freund Olaf Kübler, der sich - zu Recht oder unrecht - für den Erfinder von Udo Lindenbergs Panik-Image hält, darf in einigen Kapiteln seine Ansprüche einklagen.

Neben den beiden ist der dritte breit behandelte Name im Paten des Krautrock die Krautrockband Amon Düll II. Mit gut 100 Seiten nimmt das Amon Düll-Kapitel über ein Viertel des Umfangs ein und rechtfertigt den Titel des Buches zumindest ansatzweise.

Insgesamt entsteht bei der Lektüre des Paten das extrem klischeehafte Bild einer Rockszene, die sich im Wesentlichen mit Drogen, Sex, Selbstbeweihräucherung und Intrigen beschäftigt. Und zwar nicht nur bei den Musikern, sondern auch in den Chefetagen der Medien-Multis. Dass dabei noch Musik entstehen kann, überrascht ein wenig.

Norbert von Fransecky


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