····· 2Cellos machen Game of Thrones Soundtrack zum überwältigenden Klangerlebnis ····· Die zweite EP der Scoops kommt Anfang April ····· Monster Truck zusammen mit Deep Purple auf Tour ····· Dockerrock lassen Hamburger Hafenrock vom Stapel ····· Stern oder Sternchen? Annalé veröffentlicht Single als Vorboten ihres Debütalbums ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Artikel

STELLA MARIS - Auf ins gelobte Land

Info

Gesprächspartner: Dirk Schlömer (Stella Maris)

Stil: Art Pop

Mit To The Promised Land veröffentlicht Stella Maris via Prudence/Rough Trade nach sieben Jahren nun endlich ein neues Album. War das Debüt noch gekennzeichnet von der nicht nur musikalischen Partnerschaft von Dirk Schlömer und Raphaela Hermes, so ist das neue Album nach dem Weggang der Sängerin nun geprägt von einer Vielzahl an Vocalistinnen, die auch dieses Projekt des Neues Glas/ Das Zeichen/ Ornah-Mental Masterminds Schlömer zu einer ganz speziellen Reise machen. Denn die Künstlerinnen Alquimia (Mexiko/ London), Louisa John-Krol (Australien), Kerstin Blodig (Norwegen/Berlin), Matore (Deutschland) und Schlömers 14-jährige Tochter Maria verleihen den einzelnen Songs durch ihre verschiedene Herangehensweise an die Thematik und ihre unterschiedliche Herkunft eine ganz spezielle und eigene Note, so daß „To The Promised Land“ zu einer überaus farbenfrohen Karawane durch die Refugien von Medieval, Ethno-Pop, World Trance und Folk. So hatten wir Gelegenheiten, den Dingen auf den Grund zu gehen und uns von Dirk Schlömer etwas Licht hinter das Phänomen Stella Maris bringen zu lassen.

MAS:
Auffallend auf dem neuen Album ist, im Gegensatz zum Erstling von 1998, die Vielzahl an Sängerinnen. Wie kam es zu diesem doch sehr aufwendigen Konzept und ist das immer noch das gleiche Projekt wie 1998?

Dirk Schlömer:
Nein, natürlich nicht. Zuerst mal ist die Zeit und die Arbeit mit Ela nicht wiederholbar. Mir war klar, daß ich einen ganz neuen Ansatz für ein Stella Maris -Album finden mußte. Zum zweiten hat sich die Welt um uns herum sehr verändert. Auch im spirituellen Empfinden. Viele Hoffnungen und Wünsche von 1998 haben sich als reine Vorstellungen entpuppt. Dieses Konzept mit ganz unterschiedlichen Sängerinnen hat mich schon länger gereizt, da mich auch diese Vielfalt an unterschiedlichen Einflüssen als Komponist immer angeregt hat. Tatsächlich haben sich die Erwartungen erfüllt, daß jede der Interpretinnen es geschafft hat, ihre ganz eigene Ästhetik mit einzubringen.

MAS:
Welchen Stellenwert räumst Du Stella Maris in Bezug auf deine anderen Projekte ein und was ist der Unterschied zu beispielsweise Das Zeichen?

Dirk Schlömer:
Ich glaube, diese verschiedenen Projekte stehen gleichberechtigt nebeneinander. Das Zeichen hat im Vergleich vielmehr von der Improvisation, von spontanen Einfällen und diesen intensiven Momenten gelebt. Deswegen ist Stella Maris auch vielmehr ein Projekt von mir mit anderen: Ich habe auch auf dem ersten Album viele Sachen alleine komponiert oder komplett vorbereitet.

MAS:
Das Stella Maris Debüt, welches auf Hyperium erschien, war damals kaum zu bekommen. Das Angebot stand also nicht im Verhältnis zur Nachfrage. Was lief damals schief?

Dirk Schlömer:
Schwer zu sagen. Definitiv hat diese Firma nicht korrekt an ihre Künstler abgerechnet. Ich bekomme inzwischen Fanpost aus China als Reaktion auf das erste Stella Maris- Album. Dadurch sehe ich überhaupt erst die Ausmaße der Auslandsgeschäfte, denn wir sind vor allem in Asien richtig populär. Leider ist der Chef dieses Labels inzwischen tragisch verunglückt und so lassen sich die Dinge nicht mehr klären. So eben auch die Frage, warum bei so einer Nachfrage keine neue Auflage für den deutschen Markt zustande kam.

MAS:
Im Booklet ist zu lesen, daß die Aufnahmen zu „To The Promised Land“ im Zeitraum von 2003 bis 2005 passierten. Lag das an der relativen Aufwendigkeit des Konzepts oder einfach nur daran, daß Du bei Bedarf daran gearbeitet hast?

Dirk Schlömer:
Von beidem etwas. Zunächst war der Weg ja noch recht unklar und so haben sich auch erst nach und nach die richtigen Kompositionen zueinandergefügt. Als dann allerdings die ersten Gesangsaufnahmen dazukamen ( Alquimia arbeitet ja z.B. alleine in ihrem Studio in London, kreiert dort ihren ganz eigenen Vocal-Sound ) , war ich sehr motiviert die Stücke klanglich weiterzutreiben. Meist kamen durch die Interpretationen ganz unerwartete Aspekte einer Idee zum Vorschein. Diesen Aspekten habe ich dann versucht zu folgen. So habe ich in den letzten Monaten, etwa von Oktober bis Februar fast ausschließlich an diesem Album gearbeitet.

MAS:
Was ist mit deiner ehemalige Partnerin Ela, die Dich auf Deinen spirituellen Reisen mit Das Zeichen begleitete und ja auch beim Stella Maris Debüt beteiligt war?

Dirk Schlömer:
Nun, ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Sie lebt in Portugal und wir hatten in der letzten Zeit keinen Kontakt mehr. Durch meine Zeit mit Neues Glas haben wir uns voneinander entfernt. Während ich hier auf Tour war, hat Sie ganz andere Erfahrungen gesucht, zunächst in Indien und dann in Portugal. Wir haben bei den „Apsara Tapes“, dem letzten Album von Das Zeichen eigentlich einen ganz guten Weg gefunden, auch in kürzeren Sessions zusammenzufinden, aber wahrscheinlich war das doch nicht befriedigend für Sie. Frag Sie selbst.

MAS:
Welchen Anteil hatten die einzelnen Sängerinnen an Stella Maris?

Dirk Schlömer:
Einen sehr unterschiedlichen. Alquimia und ihren eigenen Stil hatte ich schon erwähnt. Aber auch Kerstin Blodig, die ich in meinem Studio aufgenommen habe, hat mich mit ihrer sanften Intensität verzaubert. Für Matore hatte ich einen Mix vorbereitet, auf dem ich meine Gesangsspur nur als Anregung für Sie gedacht hatte. Sie hat aber auf diese Sachen reagiert und so ist ein richtiges Duett daraus geworden. Von Louisa Files aus Melbourne geschickt zu bekommen war ebenfalls sehr spannend und mit meiner Tochter zusammen zu singen ist natürlich eine sehr persönliche Sache, sehr gefühlsmäßig. Und so sind auch die entsprechenden Songs.

MAS:
Könnte man den Titel „To The Promised Land“ nicht in metaphorischer Hinsicht für das ganze Konzept des neuen Albums betrachten?

Dirk Schlömer:
Ja, sicher. Dieses Wort vom gelobten Land stammt ja aus dem alten Testament, als die Juden in Ägypten in Gefangenschaft waren und durch das Rote Meer gehen mußten, um in die Freiheit zu gelangen. Es ist also auch in dieser Wüstengeschichte das Wasserelement wichtig, um eine Transformation zu durchstehen. Ansonsten hoffe ich natürlich, daß die Musik auf „Promised Land“ von dieser Sehnsucht erzählen kann, den Schritt ins Ungewisse zu wagen, in das Andere Land, in das wir eines Tages ohnehin gelangen.

MAS:
Gibt es wichtige Sachen, die an dieser Stelle vergessen wurden und die dir noch am Herzen liegen?

Dirk Schlömer:
Ich bin froh, daß sich dieses Experiment sich zu so einer homogenen CD gefügt hat und hoffe, daß es diesmal keine 7 Jahre bis zur nächsten dauert.

Carsten Agthe


Zurück zur Artikelübersicht