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HANAU A GO-GO - Provinzielle Notizen aus der Provinz

Der Film Hanau a Go-Go scheitert an seinen eigenen Ansprüchen

Man mag es nicht glauben, aber das verschlafene hessische Provinznest Hanau soll in den 50ern und 60ern einer der heißesten Orte der deutschen Rock’n’Roll-Szene gewesen sein. Basis dafür waren 30.000 amerikanische GIs, die in der Garnisonsstadt stationiert waren. Hanau a Go-Go erhebt den Anspruch, ein Portrait dieser Begegnung zwischen deutscher Provinz und amerikanischer Kultur zu zeichnen. Und genau an diesem Anspruch schildert der 40-minütige Film vollständig.

Hanau a Go-Go ist eine Collage aus Interviewauszügen, Kamerafahrten durch das heutige Hanau und kurzen Live-Mitschnitten aus den Rock’n’Roll-Jahren. Die stammen zum Teil aus Hanau, zum Teil aus anderen Orten oder TV-Beiträgen. Die Interviewpartner sind ausschließlich Männer, die damals eine Rolle in der Hanauer Rock’n’Roll-Szene gespielt haben. Kommentierende Texte gibt es nicht.

Letztlich kommt so ein Film zustande, der für die Beteiligten den Charakter eines erinnerungstrunkenen Blätterns in alten Fotoalben haben dürfte; eine distanzlose Nabelschau auf die eigene Vergangenheit. Das ist manchmal ganz amüsant, häufig aber ebenso langweilig, wie das Ansehen des vierten Urlaubsvideos, das Kollege Brüsewitz in Mallorca gedreht hat.

Filmemacher Daniel Siebert scheint eine Menge über die damalige Zeit zu wissen. Das zeigt sich aber eher an den Fragen, die er in den Interviews stellt, die der DVD als Bonusmaterial beigegeben worden sind. Siebert hätte mehr Mut zeigen sollen, dieses Wissen auch in den „Hauptfilm“ einzubringen. Der Blick hätte über die Rock’n’Roll-Szene hinausgehen können. Es hat Konflikte mit der Stadt gegeben. Das kommt kurz in den Blick, als darüber berichtet wird, wie die Kommune die Szene wegen massiver Lärmbelästigung langsam trocken legt. Hier wären Interviews mit damaligen Kommunalpolitikern oder Anwohnern konstruktiv gewesen. So aber bleibt das, was über die Hanauer Rock’n’Roll-Szene berichtet wird, 08/15-Material, das man mit den Erinnerungen von Mitfünfzigern aus Hannover, Münster oder Heidelberg wahrscheinlich genauso hätte drehen können.

Schade. Eine verpasste Chance. Aber vielleicht tröstet das Video die Hanauer Provinzjugend von heute mit dem Wissen, dass sogar in ihrer Stadt mal was los war.

Norbert von Fransecky


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