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Artikel

„Die Cover waren Müll” - Ken Hensley verklärt die Vergangenheit von Uriah Heep nicht

Info

Gesprächspartner: Ken Hensley

Zeit: April 2018

Ort: Berlin - München

Interview: E-Mail

Stil: progressiver Hard Rock

Internet:
http://www.uriah-heep.com

Die Wiederveröffentlichung des Uriah Heep Back Katalogs ist kommentarlos gestoppt worden. Es passiert nichts mehr. Selbst Ken Hensley, der frühere Bandkopf der Hard Rock Legende, die die Fundamente dieses Genres mit definiert hat, hat keine Ahnung, wie die Planung für die weiteren Veröffentlichungen aussehen.
Aber er erzählte Norbert einiges über die ersten Wiederveröffentlichungen, sein Verhältnis zu den Uriah Heep von heute und das Best of Album Your Turn to remember, das zum Start der Wiederveröffentlichungsserie erschienen war. Und eins wurde immer wieder deutlich. An einem Job im diplomatischen Dienst ist Ken Hensley wohl kaum interessiert.


(Wie das Mick Box Interview zuvor veröffentlichen wir auch dieses Interview im englischen Original und in dieser deutschen Übersetzung.)


MAS: Ihr habt eine neue Edition mit Heep Wiederveröffentlichungen gestartet. Das ist ja nun nicht die erste. Warum musste es noch eine sein? Und was ist an ihr anders, oder sogar besser, im Vergleich zu früheren Editionen?

Ken Hensley: Das war eine Idee der BMG, um ihre Übernahme des Katalogs zu feiern. Das Neue ist, dass wir ein Stück weit beteiligt waren (anstatt alles Außenstehenden zu überlassen).

MAS: Die Remaster Versionen, der fünf Alben, die bereits veröffentlicht worden sind, sind jeweils von einer “Alternative” Version begleitet worden, die neben Bonus Tracks sämtliche Tracks des jeweiligen Albums in anderen Versionen enthält. Soll diese Struktur bei den kommenden Alben beibehalten werden?

Ken Hensley: I denke, ja.

MAS: Warum erscheinen die Alternativ-Versionen auf den Bonus-CDs in einer anderen Reihenfolge, als auf den Original Alben?

Ken Hensley: Keine Ahnung … Tut mir leid!

MAS: Als die neue Edition gestartet wurde, erschien auch eine neue Zusammenstellung von Uriah Heep-Songs. Keine „Best of“, denn Ihr habt euch entschieden von jedem der 17 Alben zwei Stücke auszuwählen. Als Folge sind eine ganze Reihe von Bandklassikern hintern runtergefallen, um Stücken auch der schwächeren Alben Platz zu lassen. War das eine Entscheidung der Band oder des Labels? Und was war der Grund?

Ken Hensley: Mick (Mick Box, Gitarrist und einziges Mitglied, das von Anfang an bis heute dabei war; NvF) und ich, wir hatten da einige Einflussmöglichkeiten. Und ganz ehrlich, bei einem so umfangreichen Katalog, fällt immer irgendwas hinten runter.

MAS: Ihr habt die Compilation `Your Turn to remember´ genannt. Habt Ihr nicht drüber nachgedacht, den Song, der seinen Namen für dieses Album gegeben hat, mit aufzunehmen. „Your Turn to remember“ ist immer einer meiner Lieblingssongs von `Return to Fantasy´ gewesen.

Ken Hensley: In diese Entscheidung war ich nicht eingebunden. Tatsächlich sah es ganz am Anfang so aus, als würde ich sehr intensiv an all diesen Re-Issues beteiligt sein. Aber ich war dann so beschäftigt, dass Mick und andere die Verantwortung übernommen haben.

MAS: Heep war eine von vier ungewöhnlich innovativen Bands, die den Hard und Heavy Rock aus der Wiege gehoben haben. Ich weiß, dass die Band eine große Anzahl früher Fans in ihrer „Pop-Phase“ um `Innocent Victim´ und `Fallen Angel´ herum verloren hat. Das mag einer der Gründe dafür sein, dass heute oft nur die Namen von Led Zep, Sabbath und Purple als Gründungsväter des Hard Rock genannt werden – und auch ein Grund dafür, dass Purple und Sabbath große Arenen bespielen, während Heep durch die Clubs tingeln.
Du und Mick habt die Liner Notes zu `Your Turn to remember´ geschrieben. An der Stelle, an der Du die beiden Songs von `Innocent Victim´ kommentierst, heißt es: „Heep waren nicht in ihrer besten Form“. Dazu passt es, dass diese Phase mit John Lawton nur ganz kurz gestreift wird. Sein Namen wird sogar kein einziges Mal in den Liner Notes erwähnt. Ist das eine bewusste Distanzierung von einer Ära, an deren Ende Heep so sehr am Boden war, wie nie zuvor (und danach) in der Geschichte der Band?


Ken Hensley: In der Zeit nach dem Weggang von David (David Byron, Sänger von 1969 bis 1976; NvF) haben wir uns ganz eindeutig von dem musikalischen Schema fortentwickelt, das mitgeholfen hat, die Identität der Band zu formen und ihr ihren Platz in der Geschichte des Rock’n‘Roll zu geben. In diesen glorreichen Tagen konnte ich mit einem Song zu der Band kommen, und die Band schnappte ihn sich und machte einen Heep-Song daraus. Meine Songs sind oft sehr poppig und der Einfluss der unglaublich rockenden Band holte sie aus dieser Ecke raus. Nach David passierte das nicht mehr und niemand schrieb etwas in dieser Art. Mit der Chemie, von der David und Gary (Gary Thain, Bassist von 1972-1975; NvF) ein großer Teil waren, wanderte auch die Band in eine weitgehend identitätslose Richtung. „Free me” war und wird immer ein Pop Song bleiben. Aber es wurde ein Riesenhit, der der Band eine Menge Auszeichnungen eingebracht hat. Meinungen können Tatsachen nicht verändern!

MAS: Was für Gefühle löst es bei Dir aus, wenn Du Dich so intensiv mit dieser Band befasst, die nun schon fast 40 Jahre ohne Dich unterwegs ist?

Ken Hensley: Ich habe dabei keine besonderen Gefühle. Mick ist das einzige verbliebene Originalmitglied. Für mich werden das nie Heep sein. Ich bin in der glücklichen Lage, dass die meisten der Songs meine sind. Daher kann ich völlig losgelöst von den “Pflichten”, die damit verbunden sind die Namen zu verwenden, diese wunderbare Geschichte weiter tragen, ohne mit einem Fuß in der Vergangenheit zu stecken.

MAS: Was hälst Du von den aktuellen Uriah Heep der letzten zehn Jahre, nachdem erst Lee (Lee Kerslake, Schlagzeuger von 1971-1979 und 1982-2008; NvF) und dann Trevor (Trevor Bolder, Bassist von 1976-1980 und 1983-2013; NvF) die Band verlassen haben?

Ken Hensley: Absolut kein Kommentar. Trevors Schicksal ist eine traurige und tragische Geschichte (Trevor Bolder starb am 21. Mai 2013 an Krebs) und ich hoffe und bete täglich für Lee.

MAS: Es ist reiner Zufall, dass ich kurz nacheinander eine CD von Yes’ `Time and a Word´ auf einem Flohmarkt in Hannover und die US-Vinyl-Ausgabe von `Look at yourself´ auf einem Flohmarkt in New York gekauft habe. Ich hatte `Time and a Word´ nie zuvor gehört. Daher war ich sehr überrascht, als ich reichlich Keyboard Sounds hörte, die mich stark an bestimmte Passagen von `Look at Yourself´ erinnerten. War `Time and a Word´ ein Einfluss für das experimentellste Album, das Heep je aufgenommen haben?

Heep rüsteten optisch gelegentlich auf.

Ken Hensley: Ich habe das Album weder gehört, noch von ihm gehört. … Tut mir leid.

MAS: Ich würde gerne auf das Image zu sprechen kommen, mit dem Heep gearbeitet haben. Wenn man das Artwork von `Very eavy´, `Salisbury´ oder `High and mighty´ betrachtet, hat man sehr martialische und morbide Bilder vor Augen. Wie geht das zusammen mit friedensbewegten Texten, wie denen von „Lady in Black”, „Pilgrim” oder „Come away Melinda”?

Ken Hensley: Gar nicht!! Diese Cover waren Müll!

MAS: Hattest Du je ein Problem mit dem Bandnamen, der von einem schleimigen bösartigen Charakter stammt, den Charles Dickens einst erfunden hatte?

Ken Hensley: Nein ... das war die Idee unseres Managers!! Stell Dir vor!

MAS: Ein ganz andere Atmosphäre erschaffen die Cover, die von Roger Dean gestaltet worden sind. Im Booklet zu `Demons and Wizards´ erwähnst Du, dass Du in diesen Jahren stark von Tolkien beeinflusst warst. Bezieht sich das nur auf das Auenland und die Elben? Was ist mit dem Einfluss von Mordor?

Ken Hensley: Mach’s nicht so kompliziert, mein Freund. Ich habe die Bücher gelesen, sie aber nicht studiert oder auswendig gelernt. Ich habe einfach etwas von den fantastischen Bildern aufgesogen und habe meine Fantasie damit spielen lassen.

MAS: Wie seid Ihr in Kontakt mit Roger Dean gekommen? War er damals noch ein Künstler unter vielen oder bereits ein Stück weit die Legende, die er später durch seine Arbeiten für Heep, Yes und andere Bands geworden ist?


Ken Hensley: Unser Manager stellte den ersten Kontakt her und ich mochte sehr, was er auf Demons & Wizards gemacht hat. Das Cover von The Magician´s Birthday war nur eine armselige Kopie. Das lag damals wohl am Einfluß der Plattenfirma.

MAS: Dein Urteil über `The Magicians Birthday´ ist sehr hart. Mich hat das sehr überrascht – nicht nur weil ich mich nicht in der Lage sehe, Deinem Urteil zu folgen. Für mich stand `The Magicians Birthday´ immer zwischen `Demons and Wizards´ und Deinen ersten beiden Solo-Alben, die ein wenig in das Folk/Songwriter Genre gehen. Warum urteilst Du so scharf? Hattest Du noch große Pläne für `The Magicians Birthday´, die Du nicht umsetzen konntest?

Ken Hensley: Ganz genau! Ich war dabei eine Kurzgeschichte zu schreiben, die das Herz des Albums werden sollte. Alle Titel des Albums sollten sich aus diesem Zentralthema heraus entwickeln. Aber die Plattenfirma trat aufs Gas, trieb die Aufnahme Sessions voran und ich bekam nie die Chance die Story zu beenden. Meine Gefühle sind total davon geprägt, dass ich weiß, wieviel besser das Album hätte werden können.

MAS: Lass uns noch einen Blick in die Zukunft werfen. Seit der Wiederveröffentlichung von `The Magician’s Birthday´ im letzten März ist nichts mehr passiert. Warum diese lange Pause? Kannst Du etwas zu dem Zeitplan für die nächsten Veröffentlichungen sagen?

Ken Hensley: Es tut mir wirklich leid, aber dazu weiß ich gar nichts.

MAS: Wie lange wirst Du in das Rerelease Programm einbezogen sein – bis `Conquest´?

Ken Hensley: Anzunehmen! Ich sehe keinen Grund, warum ich darüber hinaus einbezogen sein sollte.

MAS: Herzlichen Dank für die Antworten

Norbert von Fransecky


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