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MM Extra: Me + Marie und Matthew Matilda in Leipzig

Info

Künstler: Me + Marie, Matthew Matilda

Zeit: 17.01.2017

Ort: Leipzig, Werk 2, Halle D

Internet:
http://www.meandmarie.com

Wieso diese beiden Formationen gemeinsam auf Tour gehen MÜSSEN, erschließt sich dem Linguisten allein schon aufgrund der Häufung des 13. Buchstaben des Alphabets am Anfang der die Bandnamen bildenden Worte. In drei Fällen haben wir damit auch den Anfangsbuchstaben eines Musikervornamens ergründet.

Zwei davon stehen als erstes auf der Bühne: Matthew Matilda, ein Duo aus (Achtung) Manchester und München, mittlerweile komplett in letzterer Stadt ansässig und ebenda anno 2015 zur Lokalband des Jahres gekürt. Sieben Songs bekommt das Auditorium zu hören, sechseinhalb davon in sehr spartanischer Weise: Matthew singt und spielt Gitarre, Matilda spielt Cello und steuert einige wenige Gesangspassagen bei. Das Gerüst der Songs ist irgendwo auf halbem Weg zwischen Singer/Songwriter und Bluesrock zu verorten, der Grundbeat liegt niedrig, und das Feld der dynamischen Möglichkeiten bleibt demzufolge in gewisser Weise begrenzt. Interessant werden die Songs immer dann, wenn beide Instrumente kammermusikalisch aufeinander eingehen, anstatt das Cello einfach nur einen Rhythmusteppich unter die Gitarre legen zu lassen, der aufgrund des fehlenden Schlagzeugs eher dünn wirkt.

Dass ein perkussiver Zusatz Wunder wirken kann, wissen Matthew Matilda auch. Ihre erste, im Frühjahr zu erwartende EP haben sie unter Zuhilfenahme eines Schlagzeugers eingespielt, und der akustische Beweis wird auch an diesem Abend angetreten, als nämlich im letzten Song die beiden Hauptprotagonisten von Me + Marie auf die Bühne kommen und am bereits aufgebauten Drumkit ins Geschehen eingreifen, was der Schlußhälfte dieses Songs mehr Dynamik verleiht als dem ganzen vorausgegangenen Set zusammen.

Dafür überzeugen Matthew Matilda aber mit Authentizität, Matthew bekennt zudem, es sei „the first time in the east“ für ihn, und die Gesangsstimmen harmonieren trotz arg unterschiedlicher Ansätze auch gut. Nur der sehr konsequente Downbeat ist etwas anstrengend, aber trotz dieses Faktes und desjenigen, dass kaum einer der Anwesenden das Duo zuvor gekannt haben dürfte, spendet das Publikum doch reichlich Applaus.



Me + Marie sind auf ihrem Debütalbum One Eyed Love auch ein Duo. Vor die Frage gestellt, wie man als solches den zwar reduzierten, aber doch vielfältigen und anspruchsvollen Sound adäquat auf die Bühne bekommt, entschieden sich Maria de Val (das dritte M, bürgerlich bekannt als Maria Moling und szeneintern bekannt von Ganes) und Roland Scandella (das Ich aus dem Bandnamen), einen Gastmusiker mitzunehmen – und Erie Thomson entpuppt sich als Hauptgewinn, denn der Mann ist ein fähiger Multiinstrumentalist und macht praktisch alles, was man von ihm verlangt: Gitarre spielen (das ist seine Hauptbeschäftigung), singen, Keyboards spielen, Schlagzeug spielen ...

So ergänzt er das, was die beiden Hauptprotagonisten abliefern (Maria spielt Schlagzeug, Roland Gitarre, dazu singen auch beide), in kongenialer Weise, und Me + Marie schaffen den Spagat zwischen Sprödigkeit und Zugänglichkeit, den sie auf der Tonkonserve bewältigt haben, auch live, wenngleich erstens nicht mit einer 1:1-Umsetzung der Studiovorlagen und daraus resultierend zweitens unter stärkerer Betonung eines dritten Faktors: des rockenden Energiefaktors nämlich. Scandella ist üblicherweise in härteren Formationen unterwegs, und schon beim zweiten Song, dem Albumtiteltrack, baut er gegen Ende des Songs eine postrockige Instrumentalwand auf und springt dazu wie von der Tarantel gestochen über die Bühne, was in der Folge noch in etlichen weiteren Songs passiert. Egotrips kennt er nicht, sondern überläßt Gastmusiker Thomson einen Gutteil der Leadgitarrenparts, und gesanglich können sich die beiden Hauptprotagonisten sowieso in vielfältigster Weise entfalten.

Dass das Debütalbum im Set breiten Raum einnehmen würde, sollte keiner näheren Erläuterung bedürfen, aber es findet sich auch gleich an Setposition 4 eine Nummer namens „His House/My Own“, die keiner der Anwesenden kennt – warum, das verrät Roland in der folgenden Ansage: „Der ist neu, der kommt aufs nächste Album!“
Maria de Val

Apropos Anwesende: Es war vorher schwer einzuschätzen, welchen Status Me + Marie haben, ob sie als Headliner an einem Dienstagabend also vor vollem Haus agieren oder sich mit einer Handvoll Neugieriger begnügen müssen. Von daher verwundert die Wahl der Halle D des Werk 2 als Veranstaltungsort, denn die ist relativ breit und hinterläßt bei geringem Publikumszuspruch schnell einen leeren Eindruck, während etwa die Moritzbastei, wo Ganes ja regelmäßig gastieren, aufgrund des schlauchartigen Tonnengewölbes auch bei geringerer Kopfzahl einen viel volleren Eindruck hinterläßt. Aber dort ist der Sound bisweilen problematisch, während man sich in der Halle D über einen sehr klaren solchen freuen darf; zudem ist der große Mischpultkomplex räumlich abgeteilt, so daß die dahinter befindliche Bar keinen Sichtkontakt zur Bühne mehr bietet und so das Publikum, sofern es die Band nicht nur hören, sondern auch sehen will, quasi nach vorn gezwungen wird. Das zahlt sich aus, aber auch generell sind überraschend viele Leute da, so dass der Raum vor der Bühne einen zwar keineswegs über-, aber doch gut gefüllten Eindruck hinterläßt, und auch die Stimmung wird nach drei, vier Songs Anlaufzeit immer besser.

„Taking My Time“, eine Coverversion (von wem war die gleich noch?), schließt den Hauptset ab, in dem „White Noise“ den stärksten Eindruck hinterläßt, und das mittlerweile in Schwung gekommene Publikum fordert natürlich Zugaben ein. Die erste gerät zur mittelschweren Überraschung: Man hatte sich während des Hauptsets nicht des Eindrucks erwehren können, daß die Aufteilung der Saitenarbeit etwas an Motörhead erinnert – Lemmy hatte seinen Baß ja eher wie eine Rhythmusgitarre gespielt, während Roland seine Gitarre eher Baßfunktionen übernehmen läßt oder sie eben ähnlich spielt wie Lemmy seinen Baß (einen Bassisten haben Me + Marie ja nicht dabei). Nun fragt Roland in die Runde, ob Motörhead mal hier gespielt hätten. Ja, haben sie – zwar nicht hier in Halle D, aber zumindest hier in Leipzig, am 18.12.1996 nämlich, im Haus Auensee. Das allgemeine Staunen ist ähnlich groß wie die darauf folgende Begeisterung, als Me + Marie nun tatsächlich „Ace Of Spades“ in einer originellen Version covern. Es folgt das ruhige „Please Forgive Me“, und dann tätigt Roland eine längere Ansage über Bären, nachdem er sich auch hier erkundigt hat, ob es in Leipzig Bären gäbe – nicht im Zoo, sondern richtig draußen in der Natur. Die Vermutung, es käme jetzt noch eine Coverversion von Grauzones „Eisbär“ (immerhin Schweizer Landsleute Rolands), geht allerdings ins Leere – „Uors“ ist eine Eigenkomposition, die den starken Gig im typischen, sich auf einem Bluesrockfundament in eine der diversen passenden Richtungen entwickelnden Stil von Me + Marie abschließt.

Roland Ludwig


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