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Artikel

Udo Dirkschneider ruft ein letztes Mal zur großen Accept-Sause

Info

Künstler: Dirkschneider

Zeit: 02.04.2016

Ort: Memmingen - Kaminwerkt

Internet:
http://www.udo-online.com

Als Udo Dirkschneider, der für mich nach wie vor die ultimative Stimme von Accept ist, diese Tour angekündigt hatte war mir klar, dass hier ein Besuch Pflicht ist. Für mich ist „Staying Alive“ von Accept eines der besten Live-Alben aller Zeiten, das ich als Teenager teilweise wochenlang rauf- und runtergehört habe. Was kann da noch schiefgehen? Etwas erstaunt war ich dann im Vorfeld, dass das Konzert sogar für eine DVD mitgeschnitten werden soll.

Das Kaminwerk steht in Memmingen mitten im Industriegebiet und sieht von außen ziemlich unspektakulär aus. Wenn man drin steht befindet man sich in einer Top-Eventhalle, die fast nur für Konzerte genutzt wird. Der Auftritt ist schon Wochen vorher ausverkauft - das garantiert gute Stimmung!

Die Vorband PALACE aus Hannover schmettert ihren Teutonic-Metal alter Schule, der mich ein bisschen an Grave Digger oder Unrest erinnert, richtig begeistert unter's Volk. Während die Band spielt, werden die Kameras, Licht- und Soundeinstellungen gecheckt. Sänger Harald Piller schafft es mit seinem schneidenden und bestens aufgelegten Organ spielend das feierfreudige Publikum zu begeistern. Ich kenne keines der Lieder und auch die Band kannte ich vor dem Auftritt nicht. Aber der Gig begeistert mich und die Songs gefallen mir auch. Sehr schade, dass die Jungs nur drei Songs bekommen. Aber: Die Chance haben sie bestens genutzt - alle Achtung!

Die Kanadier ANVIL sind da schon wesentlich bekannter. Anvil besitzen schon von jeher einen gewissen Kultstatus, der sich seit dem Film „The Story Of Anvil“ noch vergrößert hat. Mittlerweile können sie von ihrer Musik laut eigener Aussage sogar einigermaßen leben. Sänger und Gitarrist „Lips“ Kudlow ist in der Metal-Szene sehr beliebt und Schlagzeuger Robb Reiner gehört zu den besten seines Fachs. Mittlerweile haben sie sich mit dem Bassisten Chris Robertson verstärkt. Anvil starten mit tollem Sound und werden vom Start weg vom Publikum mit offenen Armen empfangen. Lips setzt sein bekanntes Grinsen auf und malträtiert erst einmal seine Gitarre. Songtechnisch hat das Trio nicht ganz das goldene Händchen. Das Instrumental „March Of The Crabs“ dämpft die Stimmung im Publikum, die Leute hier wollen feiern! Auch „666“, ein Uralt-Klassiker kommt nicht besonders gut beim Publikum an. Außerdem hat Lips gesanglich keinen optimalen Tag und klingt eher ein bisschen erkältet. „Badass Rock'n'Roll“ kommt da schon wesentlich besser und griffiger rüber. Auch „Daggers and Rum“, ein Song der neuen Anvil-Scheibe „Anvil Is Anvil“, gefällt mir ausgezeichnet und bleibt im Ohr hängen. Den Schlusspunkt bildet der Uralt-Klassiker „Metal On Metal“, der immer funktioniert und vom Memminger Publikum begeistert gefeiert wird. Fazit: An sich ein solider Gig, der durch Lips' Stimme und die etwas unglückliche Songauswahl nicht ganz das erwartete Niveau erreicht hat.

Setlist Anvil:
March of the Crabs
666
Badass Rock 'n' Roll
Winged Assassins
Free as the Wind
Daggers and Rum
Die For a Lie
Metal on Metal


Nun merke ich selber wie bei mir die Spannung immer mehr steigt. Ich habe mir bewusst keine Setlist im Internet vorher angeschaut, ich will von den Songs überrascht werden. Das Intro „Just A Gigolo“ kündigt großes an und U.D.O. lassen gleich danach mit „Starlight“ Taten folgen! Sound, Licht - hier passt einfach alles. Und was macht Udos Stimme? Die hält, und hält, und hält… Allein was er bei „Starlight“ abliefert, ist schon das Eintrittsgeld wert. Das Memminger Publikum krönt diese Leistung mit wahrer Begeisterung und einer Feierlaune, die schier unbeschreiblich ist. Die Wahl von Memmingen als Aufnahmeort für die DVD war goldrichtig!

Das brachiale „Living For Tonite“ sorgt fast ohne Pause gleich dafür, dass die gute Stimmung weiter anhält. Die phänomenale Band trägt die Songs vor, als ob es ihre eigenen wären. Ich habe zu keiner Sekunde den Eindruck, dass die Musiker angepisst sind, weil ausschließlich Accept-Klassiker geboten werden. Im Gegenteil: Alle sind bestens gelaunt und bis in die Haarspitzen motiviert! Allein das Gitarren-Duo Andrey Smirnov und Kasperi Heikkinen lässt die Lieder so dermaßen nach den seligen Accept klingen, dass man meinen könnte, Wolf Hoffmann und Jörg Fischer würden persönlich auf der Bühne stehen. Bassist Fitty Wienhold heizt die Fans pausenlos an, verausgabt sich völlig und bringt mit seinem markanten und wuchtigen Bassspiel einen wahnsinnigen Drive in die Songs. Besonders bei den schnellen Sachen wie „Up To The Limit“ oder „Monsterman“ spielt er den Bass mit einer dermaßen kaputten Geschwindigkeit, dass mir schon vom Zuschauen fast schlecht wird. Respekt! Udo Dirkschneiders Sohn Sven, der seit letztem Jahr an den Dampfkesseln sitzt, klingt mehr nach Stefan Kaufmann als irgend ein anderer Schlagzeuger und freut sich wie ein Honigkuchenpferd, die Songs seines Vaters zusammen mit ihm auf der Bühne live zu präsentieren.

Toll ist, dass Udo an diesem Abend Songs wie „Head Over Heels“, „Wrong Is Right“ oder „TV War“ bringt. Solche Songs hört man von den aktuellen Accept live so gut wie nie. Und dass er Perlen wie das für mich unsterbliche „Midnight Highway“, die tolle Ballade „Winter Nights“ und sogar „Screaming For A Love Bite“ auspackt, rechne ich ihm verdammt hoch an. Ansagen gibt es heute fast gar nicht, es folgt wie bei den Ramones Song auf Song ohne großes Herumgekaspere. Einzig das eine oder andere Mitsingspielchen dauert mir - vor allem zu vorgerückter Stunde - bei dem einen oder anderen Song manchmal schlichtweg zu lange. Es ist eng in der Halle und vor allem die Hitze und der geringe Sauerstoff zeigen im Laufe der Zeit einfach ihre Wirkung.

Optisch sind heute neben diversen Feuersäulen auch eine tolle Lightshow und diverse Pyros geboten. Die Feuersäulen sind jedoch grenzwertig. Bei „Burning“ wird’s mit ganz schön heiß und es riecht verdammt nah nach verbranntem Gummi. Feuerschutz rules! Udo ist bei manchen Songs sichtlich gerührt und schafft es mühelos während der kompletten Zeit, seine Stimme auf einem brutal hohen Niveau zu halten. „Metal Heart“ wird zum Triumphzug, bei dem die beiden sympathischen Gitarristen ein weiteres Mal glänzen können. „Fast As A Shark“ und das legendäre „Balls To The Wall“ lassen die Stimmung im Publikum noch einmal hoch kochen, jeder holt das letzte aus sich heraus. Ich bin stehend k.o. und erstaunt über die lange Spielzeit. Nach „Balls To The Wall“ erwartet jeder das Ende des Gigs. Udo legt jedoch mit dem schnellen „Burning“ noch einen drauf. Danach ist jedoch dann wirklich Schluss und Udo Dirkschneider und seine Band verlassen unter grenzenlosem Jubel des bestens aufgelegten Memminger Publikums die Bühne.

Songtechnisch gibt es während der gigantischen zweieinhalb Stunden überhaupt nix zu meckern. Es sind nahezu alle Klassiker von Accept enthalten, die man sich so wünscht. Udo hat super gesungen, seine Band war hoch motiviert. Mir persönlich hat Udo mit dieser Setlist ein kleines Geschenk gemacht und mich innerhalb der zweieinhalb Stunden mal schnell für zwanzig Jahre jünger gemacht. Spätestens am Tag danach hat sich dieser Effekt wieder eingestellt und ich merke, dass Headbanging doch nicht mehr so mein Ding ist. Aber scheißegal: Das Konzert war geil und für mich sicher jetzt schon eines der Highlights 2016!

Setlist Dirkschneider:
Starlight
Living for Tonite
Flash Rockin' Man
London Leatherboys
Midnight Mover
Breaker
Head Over Heels
Neon Nights
Princess of the Dawn
Winterdreams
Restless and Wild
Son of a Bitch
Up to the Limit
Wrong Is Right
Midnight Highway
Screaming for a Love-Bite
Monsterman
T.V. War
Losers and Winners
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Metal Heart
I'm a Rebel
Fast as a Shark
Balls to the Wall
Burning

Stefan Graßl


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