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David Bowie (8. Januar 1947 – 10. Januar 2016)

Selten hat mich eine Todesnachricht eines Prominenten derart geschockt wie die von David Bowie. An dem Wochenende vorher habe ich noch, wie wohl all seine Fans, mit Begeisterung seinem neuem, am 8. Januar erschienenen Album Black Star, gelauscht. Auch am Morgen des 10. Januars 2016 lief das Album über mein Smartphone. Als die Nachricht seines Todes dann gemeldet wurde, war ich tief betroffen.

Einerseits hat mich die Düsternis des Titeltracks und weiterer Songs des Albums erschreckt und umgehauen, andererseits war ich überwältigt vom Experimentiergeist des 69-jährigen und wie er es wieder geschafft hatte, sich musikalisch neu zu definieren und trotz aller Schrägheiten ein hochmelodiöses und eingängiges Werk zu schaffen. Einige dieser Eigenschaften, insbesondere die Düsternis, erhielten dann durch seinen Tod und der Tatsache, dass er selbst seit anderthalb Jahren wusste, daß es zu Ende geht, eine ganz andere Bedeutung.

Nach genauer Betrachtung der Musik, der Texte und der beiden zugehörigen Videos zu “Black Star“ und “Lazarus“ ergibt sich das Bild das David Bowie mit dem Album und den zugehörigen Filmen sogar seinen Tod künstlerisch inszeniert hat. Und für diese Aufgabe ist er noch mal zur Höchstform aufgelaufen. Ich möchte hier gar nicht zu sehr auf die Biographie des als David Robert Jones am 8. Januar 1947 in Brixton, London geborenen Bowies eingehen. Sein Schaffen und sein Lebensweg sind hinlänglich dokumentiert.

David Bowie war ein Musikverrückter. Ihm war es stets wichtig, sich nicht zu wiederholen und immer in neue musikalische Dimensionen vorzustoßen. Dabei hat er alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um dieses Ziel zu erreichen. Er hat früh neue musikalische Tendenzen und Möglichkeiten erkannt und sich dann in diese hineingearbeitet, um sie in seine eigene Musik einfließen zu lassen. Dabei war er oft der Vorreiter und seiner Zeit um ein oder zwei Jahre voraus. Diese höchst innovative Arbeitsweise zeichnete vor allem seine frühen Jahre bis 1980 aus. In dieser Zeit zog er sich zu diesem Zeitpunkt weniger bekannte Musiker aus den Bereichen Krautrock und Elektronik heran und erschuf Musik, die in den Charts so vorher noch nicht vertreten gewesen war.

In seiner mittleren Phase von ca. 1980 - 1995 drehte er seine Arbeitsweise dann etwas um. In dieser Zeit verstand er es kongenial, hippe, neue Sounds aufzugreifen und sich zueigen zu machen. Auf diese Weise entstanden dann Werke, die seine alten Fans eher verprellten aber die breite Masse genau ins Herz trafen. Und man kann über diese eher poppige und sicherlich auch nicht ganz so innovative Phase reden was man will, es kamen immer noch erstklassige Popsongs in bester Produktion dabei heraus. David Bowie selbst bezeichnete diese Phase in Interviews selbstironisch und abschätzig als seine Phil-Collins-Jahre, was viel über seinen Humor und seine Fähigkeit zur Selbstkritik aussagt, aber mit der er sich auch selbst ein wenig Unrecht tat.

In seiner letzten Schaffensphase von 1995 bis 2016 wandelte er seine Arbeitsweise dann wieder. Nun setzte er auf harsche Industrialsounds (1. Outside) oder experimentierte offen und ohne Rücksicht auf (Fan-)Verluste mit Drum'n'Bass (Earthling). Aber er traute sich auch, einfach mal ein Album zu machen, welches sich all seiner Schaffensperioden bediente (Hours oder aber auch The First Day). Und das Chamäleon des Pop konnte all seine Werke in letzter Konsequenz auf der Bühne bringen. So erklangen dann Klassiker wie “Aladin Sane“ im Industrial- oder Drum'n'Bass Sound.

Mit David Bowie hat uns der wahrscheinlich innovativste und im Wortsinn progressivste Musiker der Pop- und Rockkultur verlassen. Seine Musik und auch sein Auftreten haben stets polarisiert. Es ist schier unmöglich, alles, was er gemacht hat zu mögen. Aber egal ob man etwas mochte oder nicht, den künstlerischen Wert und Stellenwert in der Musikgeschichte kann man ihm in keiner Phase seiner Arbeit absprechen.

Die Musikwelt hat mit David Bowie einen seiner hellsten Sterne verloren. Hoffen wir, dass der Starman nun das Ziel seiner Suche und seiner Reisen erreicht hat. Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass er uns so viel zurück gelassen hat.
Danke, David Bowie!

Wolfgang Kabsch


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