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Artikel

CULT OF L UNA

Info

Gesprächspartner: Cult of Luna

Zeit: 16.10.2004

Ort: Trier - Ex-Haus

Stil: Ambient Hardcore

Nachdem Cult Of Luna mit Salvation eine der interessantesten Platten des Herbstes veröffentlicht haben, hatte ich beim großen October Blast in Trier (mit u.a. The Ocean, Shikari, Stretch Arm Strong, ...) das zweite Mal das Vergnügen, die sieben Schweden aus Umea live zu sehen.
In blaues Licht getränkt bewegen sich Cult Of Luna zwischen langen, ruhigen, stets melancholisch bis depressiven Passagen, ausgefeilten Melodie- und Spannungsbögen sowie intensivsten Ausbrüchen. Es kommt vor, dass Sänger Klas Rydberg für eine Viertelstunde nicht auf der Bühne ist, um dann wieder die Dynamik der minutenlangen, exzessiven, lauten Parts mit seiner metallischen Stimme zu forcieren.
Vor dem Konzert hatte ich die Möglichkeit mit den beiden Gitarristen Johannes Persson und Erik Oloffson ein Gespräch zu führen.


MAS:
Ich habe euch vor circa zwei Wochen in Paris gesehen. Das hat mir wahnsinnig gut gefallen. Wie läuft die Tour bisher so?

Johannes:
Das ist unsere erste Headlining-Tour und da weiß man einfach vorher überhaupt nicht, was man erwarten soll. Es waren aber immer viele Leute da, worüber wir natürlich sehr glücklich sind.

Erik:
Es ist schon der Hammer zu wissen, dass die Leute da sind, um dich zu sehen. Da ist man auch sehr aufgeregt vor den Shows. Bisher ist es richtig gut. London und Manchester zum Beispiel waren unvergesslich.

Johannes:
U.K. haben wir auch schon vier mal durchtourt.

Erik:
Nur der Unterschied das mal als Headliner machen zu können ist echt super. Darauf arbeitet eigentlich jeder Musiker hin. Man braucht dann nicht unbedingt die finanzielle Unterstützung vom Label wie das eben ist, wenn man nur jemanden supportet.

MAS:
Speziell auf eurem neuen Album habt ihr euch alle ziemlich reduziert was eure Instrumente angeht. Ihr habt da sehr drauf geachtet das Ganze nicht zu überladen. Wie ist das für auch als Individual-Musiker, ein schwerer Prozess?

Johannes:
Dieser Prozess hat im Prinzip von unserem ersten Tag als Cult Of Luna angefangen. Wir versuchen uns alle zu verbessern in die Richtungen, die eben möglich sind. Mit dem Weg, den wir jetzt gegangen sind war das nicht so schwer, weil wir alle sieben eigentlich ähnlich denken. Da gab es dann keine Konflikte untereinander oder so...

Erik:
Wir haben erkannt, dass nicht jeder alles zur gleichen Zeit spielen muss. Wir zwei Gitarristen sind zum Beispiel teilweise auch komplett still.

Johannes:
Weniger ist sehr oft eben doch mehr. Ich mache beispielsweise jetzt seit ungefähr zehn Jahren Live-Musik und es ist sehr leicht sich hinter einer Soundwand zu verstecken. Wenn du aber viel softeres Zeug spielst bist du sehr nackt, weil man jeden Fehler, den du machst, hört. Für Erik und mich gibt es Stellen, an denen wir gar nichts spielen. Aber was machst du dann auf der Bühne? Das ist schwer...

Erik:
Wir verbessern uns auch sehr. Wir verbessern uns was die Instrumente angeht, was speziell nach diesem Album jeder musste, damit wir es live auch so umsetzen können wie wir uns das vorstellen.

MAS:
Ich finde eure Texte sehr gut, schreibt die Klas?

Erik:
Das machen Klas und Johannes zu etwa gleichen Teilen.

Johannes:
Das ist sehr interessant, da Salvation das erste Album ist, bei dem Klas und ich, obwohl wir die Lyrics getrennt voneinander geschrieben haben, textlich richtig eng zusammengearbeitet haben. Wir haben den gleichen Ausgangspunkt, aber eben jeweils andere Sichtweisen. Und natürlich helfen wir uns gegenseitig was das Texten angeht.

MAS:
Schreibt ihr die Texte für fertige Songs oder schreibt ihr Texte auch bevor ihr musikalische Verbindungen für sie habt?

Johannes:
Beides eigentlich. Ich habe aber oft ein Thema im Kopf, beginne dann aber gleichzeitig Text und Musik gleichzeitig zu machen - zumindest bei den Songs die ich schreibe, versteht sich.

MAS:
Bist du von bestimmten Schriftstellern beeinflusst was deine Art des Textens betrifft?

Johannes:
Nein, ich denke nicht. Natürlich sind wir alle nur ein Produkt unserer Einflüsse, aber ich könnte zumindest keine Verbindung zu einem Schriftsteller benennen. Ich lese viel und hab auch Lieblingsschriftsteller, jedoch hat das wenig mit meinen eigenen Texten zu tun.

MAS:
Salvation ist erst seit ein zwei Wochen draußen. Könnt ihr es schon reflektieren?

Erik:
Bis jetzt sehe ich das Album nicht anders als ich es nach dem Fertigstellen gesehen habe. Der einzige Unterschied ist, dass es die Leute jetzt hören können. Angefangen hat das eigentlich mit dem Zeitpunkt, wo die Promos rausgingen. Dann ist es sofort im Internet. Ich bin aber auf alle Fälle sehr zufrieden mit dem Album.

Johannes:
Ich werde noch einige Zeit brauchen bis ich es reflektieren kann. Das geht vielleicht erst, wenn du das Album anhören kannst ohne dich selbst spielen zu hören. Du siehst dich praktisch selber wie du im Studio spielst, während du es hörst. Ich bin noch zu nah dran. Um es distanzierter betrachten zu können wird es noch eine Weile brauchen. Oft ist es so, dass es besser ist, wenn du von der Tour nach Hause kommst und das Album dann noch mal anhörst.

Erik:
Weil sich Kleinigkeiten live verändern und du dann was die Songs angeht eher die Live-Erinnerung hast, ist das Album dann normal das erste Mal etwas anders für dich.

MAS:
Ihr seid aus Umea in Schweden. Habt ihr denn da auch im Stallet (Szene-Club) gespielt?

Erik:
Oh, nein. Da waren wir nicht mal.

Johannes:
Wir spielen sehr selten in unserer Heimatstadt. Den Stallet gibt’s auch erst seit ein paar Jahren, vorher gab’s deutlich größere Venues. Zu der Zeit als wir auch in der Szene noch aktiv waren, vor 5-8 Jahren, war da deutlich mehr los. Alle zwei Wochen waren da große Festivals in der Größenordnung dieses October Blasts, nur mit lokalen Bands. Im Vergleich ist die Szene in Umea heute winzig. Viele gute Bands kommen aber von dort. Viele der Leute, die Mitte der 90er in der Hardcore-Szene waren, spielen jetzt in wirklich sehr vielen erfolgreichen Bands. Nicht nur harte Musik, das geht bis zum Soul.

MAS:
Ich habe gelesen, dass ihr selbst auch gar nicht mehr viel harte Musik hört.

Erik:
Ja, kaum einer von uns. Hin und wieder auf jeden Fall. Wir kommen alle aus der Szene und haben das gewissermaßen in uns drin, aber irgendwann verliert das Meiste aus dieser Richtung an Reiz. Es gibt aber natürlich Ausnahmen.

Johannes:
Ich hab noch ne Mission. Vor einigen Wochen haben mir alle meine Freunde von einer Band erzählt, die ich mir unbedingt anhören sollte und erst kurz bevor wir auf Tour gegangen sind hab ich mir das getan und mich hat’s umgehauen. 16 Horsepower heißt die Band. Die machen etwas in die Richtung Folk-Country. Ich höre das die ganze Zeit an. Und wenn man ne gute Band entdeckt hat will man, dass es jeder hört.

MAS:
Eure Musik ist sehr vielschichtig. Habt ihr euch überlegt noch eine visuelle Komponente mit einfließen zu lassen?

Erik:
Eines Tages wäre das super und die Idee ist gut, aber wenn sollte das auch etwas wirklich Spezielles sein und nicht nur irgendein Rip-Off von ner anderen Band. Zusätzlich kommen dann eben auch noch die Geldprobleme hinzu... Zum Anfang konzentrieren wir uns mehr auf das Bühnenlicht, aber auch das ist nicht billig.

Johannes:
Das Visuelle ist sehr wichtig. Eine Band muss mehr machen, als nur Rock’n’Roll-Songs zu spielen. 50 oder vielleicht sogar 70-80 % der Eindrücke kommen von visueller Seite. Du kannst den besten Song spielen und es kann sein, dass er nicht ankommt. Man muss schon über eine Art visuelle Sprache nachdenken. Den besten Gig bis jetzt hatten wir in Manchester und ich weiß nicht, ob es auch musikalisch der Beste war, aber das Licht war wirklich nicht von dieser Welt. Unglaublich. Ich denke, dass war der Hauptgrund warum der Gig so gut wurde.

Erik:
Am liebsten würden wir auch unseren eigenen Licht-Techniker mitnehmen, denn meistens wenn jemand vom Club am Licht rumfummelt wird’s furchtbar.

MAS:
Die kennen normalerweise einfach die Songs nicht.

Johannes:
Genau. Das mit dem eigenen Licht-Techniker wäre schon die Ideallösung, aber wir sind schon sieben Leute und das ist wirklich nur vom Geld abhängig.

Erik:
Wir haben im Nightliner ja so schon kaum Platz.

Kevin Kirchenbauer


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