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The Studio Collection: Vinyl-Backkatalog von Queen im frischen Gewand (Queen II und Innuendo im Detail)

Der Vinyl-Boom schreitet unweigerlich voran und es ist kein Wunder, dass auch die ganz Großen nun ihre Liebe zu dem alten Format wieder auffrischen. Nach Led Zeppelin sind Queen die nächste Band, die ihren kompletten Backkatalog neu aufbereitet. Vor vier Jahren gab es schon groß eingeführte, neue CD-Remasters. Für die neuen Vinyl-Versionen nahm man die alten Originalbänder allerdings noch einmal in die Hand und vertraute sie dem Mastering-Spezialisten Bob Ludwig an, der das beste Ergebnis daraus erzielen solle. Geschnitten wurde das Ganze dann letztlich in den legendären Abbey Road Studios.

Und so finden die 15 Studioalben Queens von Queen bis Made in Heaven wieder als große Scheiben den Weg zurück in den Handel. Als einzelne Exemplare sowie als große Box unter dem Namen The Studio Collection. Als kleines Zuckerchen haben darin alle LPs eine andere, zum Cover passende Farbe und es ist ein 108-seitiges, aufwändig illustriertes Hardcover-Buch enthalten. Als weitere Besonderheit kommt Queen II auf zwei Scheiben heraus (nur in der Box!), wobei nur jeweils eine Seite bespielt ist und die andere eine individuelle Radierung enthält. Erstmals erscheinen die eigentlich für CD konzipierten Alben Innuendo und Made in Heaven komplett und ohne Kürzungen auf Doppel-Vinyl. Also noch ein Grund mehr für den Fan, tief in den Tasche zu greifen. Denn ganz billig ist das Ganze erwartungsgemäß nicht.

Bereits vor ein paar Jahren haben wir in unserer großen Diskografie-Story einen Blick auf das Vermächtnis der Band geworfen. Bei dieser Gelegenheit möchten wir den Fokus aber auf zwei bestimmte Platten richten, die vielleicht nicht ganz im Fokus der Masse stehen, für sich aber richtige Höhepunkte der zwei Epochen von Queen (von 1973 bis 1980 sowie 1981 bis 1991) sind: Queen II und das letzte zu Lebzeiten von Freddie Mercury veröffentlichte Album Innuendo. Zur Verfügung standen uns hierfür die entsprechenden Vinyl-Wiederveröffentlichungen.


Queen II (1974)


Als das zweite Queen-Album im Frühjahr 1974 erschien, waren die vier Musiker noch reichlich unbekannt. Allerdings hatte man große Ambitionen und den Willen etwas Besonderes zu erschaffen. Queen II klingt auch dementsprechend. Pompös und versponnen, ein bisschen größenwahnsinnig und polternd und dann doch wieder so filigran und emotional. Dabei ist die Platte schon fast ein Konzeptalbum. Die meisten Songs gehen direkt ineinander über und haben fantasiereiche Texte. Vor 40 Jahren standen Queen noch knietief im Artrock, teilweise hatten die Songs schon fast progressive Strukturen. Vor allem was Gitarrist Brian May mit seiner „Red Special“ zaubert ist faszinierend. Nur mit ein paar Effektgeräten und nicht allzu vielen Spuren lässt er schon fast ein Gitarrenorchester erklingen. Ein guter Nährboden für den exaltierten Freddie Mercury, der auch hier schon zeigt, welch starker und einfallsreicher Sänger er ist.

Aufgeteilt in eine weiße und eine schwarze Seite ist Queen II ein Parforceritt durch eine fantastische Welt. Nach dem königlich inszenierten Intro „Procession“ legt das Quartett mit „Father to son“ einen tollen Bombastrocker vor, dem man nicht widerstehen kann. An sich stark polternd, lebt der Song doch von den einnehmenden Gesangslinien. Etwas was im gleichen Maße für die Eröffnung der zweiten Seite, „Ogre Battle“, gilt. Nur lässt man dabei durch das etwas verrückt anmutende Arrangement einen gewissen Wahnsinn durchblicken. Ganz anders ist dagegen das melancholisch-theatralische „White Queen (As It Began)“, das für eine andere Seite des Albums steht. Das darauf folgende „Some Day One Day“ ist dagegen regelrecht freundlich schwebend. Ähnliches gilt für das poppige „Funny How Love Is“, das nur ein ganzes Stück nervöser klingt.

Erwähnen sollte man auch den ersten Single-Hit der Band. Der mitreißende Piano-Rocker „Seven Seas of Rhye“ befindet sich als Abschluss auf der Platte. Queen waren damals allerdings noch keine Single-Band, auch wenn sie es später werden sollten. Queen II wirkt vor allem als Komplettpaket und ist auch heute noch ein großes, leider oft übersehenes Highlight der Band. Eine noch raue, barocke Schönheit voller Theatralik im einfallsreichen Hardrock-Gewand.

Das Remastering dieser Version ist äußerst gelungen. Die Musik klingt nach wie vor authentisch und auch angenehm roh. Und doch hört man viele Details, die vorher vielleicht nicht ganz so klar greifbar waren. Ein dichtes Klangerlebnis. Auch die optische Aufarbeitung passt. Das Cover im ikonenhaften Design erstrahlt klar und neben der schweren Vinyl-Scheibe ist ein Textblatt enthalten.

1. Procession (1:12)
2. Father to Son (6:14)
3. White Queen (As It Began) (4:34)
4. Some Day One Day (4:23)
5. The Loser in the End (4:02)
6. Ogre Battle (4:10)
7. The Fairy Feller's Master-Stroke (2:40)
8. Nevermore (1:15)
9. The March of the Black Queen (6:33)
10. Funny How Love Is (2:50)
11. Seven Seas of Rhye (2:50)


Innuendo (1991)


17 Jahre später war die Welt für Queen eine andere. In den 80er-Jahren waren die Musiker zu Superstars aufgestiegen und füllten locker ganze Stadien. Doch nach dem Ende der Magic-Tour 1986 zogen dunkle Wolken heran. Die Welt wusste damals noch nicht von der AIDS-Erkrankung Freddie Mercurys. Im Vorfeld zu den Aufnahmen von Innuendo wurden die Beschwerden immer stärker und es war unklar, wie lange der Sänger noch weiterarbeiten könne. Im Februar 1991 erschien dann das letzte Album, an dessen alle vier Bandmitglieder bis zum Schluss mitarbeiteten. Der Albumtitel (dt. „versteckte Anspielung“) war bereits ein Fingerzeig, was intern vorging. Und auch sonst trugen einige Songs einen ungewohnt melancholischen Grundton mit sich. Am Ende schien es so, als habe die Band noch einmal alle kreativen Kräfte zusammen gezogen. Denn Innuendo ist ein hervorragender Schwanengesang geworden. Ein äußerst fantasiereicher noch dazu. Man fegte den leicht angestaubten 80er-Sound etwas zur Seite und präsentierte zwölf abwechslungsreiche Songs.

Der eröffnende Titeltrack klingt dabei wie ein Schlenker in glorreiche 70er-Artrock-Tage, fast wie das „Kashmir“ Queens. Höhepunkt dieser Bombastnummer ist ein Flamenco-Gitarren-Solo von Steve Howe (Yes). Nicht so bombastisch, dafür noch etwas zupackender sind der eingängige Hardrocker „Headlong“ und das regelrecht aggressive „The Hitman“. Hört man speziell dieses, könnte man nicht meinen, dass Freddie Mercury nur noch so wenig Zeit auf Erden bleibt.

Etwas das eigentlich für das komplette Album gilt. Denn die Gesangsleistung ist enorm. Beschäftigt man sich allerdings mit den Texten, wird die Sache doch recht schnell klar. Die wehmütig-zarte Nummer „These are the days of our lives“ und vor allem die aufbegehrende Abschluss-Hymne „The show must go on“ klingen wie bewusste Abschiedsnummern. Kein Wunder, dass die beiden Songs zu den Highlights des Albums gehören. Dazu zählt auch der irr anmutende Pop „I’m going slightly mad“. Wohl selten zuvor hat jemand so fein und gefasst über das Abrutschen in den Wahnsinn gesungen.

Unter den restlichen Nummern befinden sich noch weitere interessante, stilistisch komplett verschiedene Songs, auch wenn diese nicht ganz so mitreißend wie die genannten sind. „I can’t live with you“ und „Ride the wild wind“ kann man guten Gewissens ins Rocklager packen, während „All god’s people“ schon fast wie eine Gospelnummer klingt. Schön ist auch die künstlerische, melancholische Ballade „Don’t try so hard“. Am außergewöhnlichsten und gewöhnungsbedürftigsten ist dafür die Ode an Mercurys Katze, „Delilah“ - inklusive von Brian May gespielten „Miau“-Tönen.

Auch diese Vinyl-Version ist sehr gelungen. Während die erste CD-Ausgabe aus heutiger Sicht etwas muffig klingt, erstrahlen einige Songs in neuer Klarheit. Die ursprüngliche LP-Trackliste wurde reaktiviert. Dafür hat man keine Schnitte mehr gemacht. Die Songlängen entsprechender der CD-Version. Dafür kommt Innuendo als Doppel-LP heraus. Dem Gatefold liegen ebenfalls Textblätter bei.

1. Innuendo (6:31)
2. I’m Going Slightly Mad (4:22)
3. Headlong (4:38)
4. These Are the Days of Our Lives (4:15)
5. Don’t Try So Hard (3:39)
6. Ride the Wild Wind (4:42)
7. All God’s People (4:21)
8. I Can’t Live with You (4:33)
9. Delilah (3:35)
10. The Hitman (4:56)
11. Bijou (3:36)
12. The Show Must Go On (4:35)



Mario Karl


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