····· Neue Single von Oansno veröffentlicht ····· Neues Album von Dritte Wahl kommt am 1. September (+ Tourdaten) ····· Europe starten den Final Countdown... ····· Bang your Head-Auftritt von Crematory erscheint auf CD und DVD  ····· E-Gitarren Wettbewerb für Kinder 2017 ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Artikel

Mehr als nur ein Dire Strait solo: Mark Knopfler live in München

Info

Künstler: Mark Knopfler

Zeit: 11.07.2015

Ort: München - Olympiahalle

Internet:
http://www.markknopfler.com
https://www.facebook.com/MarkKnopfler

Mark Knopfler hat erst vor kurzem sein neues Album Tracker veröffentlicht und kommt nun mit einer Tour in die großen Hallen nach Deutschland. Ich habe den Ausnahme-Gitarristen und ehemaligen Mastermind der legendären Dire Straits bisher noch nie live gesehen und hatte mich dazu entschlossen, auf dieser Tour erstmals mit dabei zu sein. Das neue Album habe ich mir im Vorfeld gekauft, um beim Konzert ein paar der neuen Songs zu kennen. Die ganze Scheibe ist sehr ruhig mit irisch-keltischen Einflüssen. Die CD lässt sich sicher sehr gut im Winter hören, wenn es draußen kalt ist und einen Meter Schnee hat. Mir persönlich ist sie ein bisschen zu ruhig geraten. Von daher habe ich mich auf ein relativ entspanntes Konzert eingestellt.

Mark Knopfler lockt noch immer die Massen in die Olympiahalle. Es ist so ziemlich jeder Platz voll, vor der Halle werden nur sporadisch Karten verkauft. Der gesamte Innenbereich ist bestuhlt, was mich zuerst doch ein wenig wundert. Im Laufe des Konzerts macht diese Maßnahme jedoch durchaus Sinn. Der Beginn ist auf 20 Uhr angesetzt, eine Vorband gibt es nicht. Ein bisschen später kommt Mark Knopfler auf die Bühne, hinter ihm seine Band. Er wird von einem Mann in einem Anzug angekündigt, der die britische Nationalflagge aufgedruckt hat. Der Showeffekt ist ganz witzig, im Gesamtkonzept des Konzerts jedoch wirkt das ganze eher unpassend.

Das Konzert beginnt mit „Broken Bones“, einem Song des neuen Albums. Soundtechnisch zu Beginn noch etwas schwammig, tut man sich schwer, alle Instrumente und vor allem auch den Gesang von Mark Knopfler gut zu verstehen. Das bessert sich im Laufe des Abends. Zu sehen bekommt man von ihm an dem Abend nicht allzu viel, da es keine Leinwände gibt. Ich sehe nur einen Mann auf der Bühne stehen, der Gitarre spielt und singt. Wenn man die verhältnismäßig teuren Kartenpreise sieht, wäre das durchaus drin gewesen. Knopflers Band ist vom Feinsten. Jeder ist ein absoluter Meister seines Fachs. Die Musiker bieten Knopfler bei jedem Song ein felstenfestes Fundament. Darüber kann er seine Texte singen, Solos spielen und manchmal richtig experimentell jammen. Ich habe den Eindruck, die Band könnte man nachts um 3 Uhr rausklingeln und alle würden fast schlafwandlerisch sicher das komplette Konzert herunter reißen.

Die irish-keltischen Einflüsse, die auf der neuen Cd sehr stark durchschimmern sind auch an diesem Abend sehr prägnant. Geiger und Flötist John McCusker und sein Gegenpart auf der rechten Seite, Mike McGoldrick, sorgen mit Original-Instrumenten und gefühlvollem Spiel für ein regelrechtes Irland-Flair. Das Ganze ist sicher musikalisch äußerst gut gemacht und man kann der Musik wunderbar lauschen, aber besonders spannend oder mitreißend ist es nicht. Der Abend plätschert teilweise an einem vorbei. Mark Knopflers Gesang ist vor allem bei den ruhigen Liedern sehr gut, hier gibt er sich besonders viel Mühe. Vom neuen Album werden drei Stücke gespielt, die gut ankommen und sich perfekt in den Klassiker-Reigen einfügen. Warum er „Beryl“ nicht spielt, ist mir jedoch ein Rätsel.

Die beste Stimmung ist erwartungsgemäß bei den beiden Dire-Straits-Klassikern „Romeo and Juliet“ und „Sultans Of Swing“. Hier ist das Münchener Publikum sichtlich am feiern, es kommt eine echte Konzertatmosphäre auf. „Sultans Of Swing“ scheint Mr. Knopfler himself jedoch sichtlich zu nerven. Beim Gesang schludert er nur so vor sich hin, er gibt sich nicht einmal Mühe. Gitarrentechnisch lässt er hier ein wahres Solo-Feuerwerk vom Stapel. Aber auch hier hätte ich mir eine Kamera gewünscht, die sein Gitarrenspiel auf eine Leinwand bringt. Das ist ja eigentlich genau das, was man sehen möchte. Vor allem, wenn so schon showtechnisch nichts geboten ist. Andererseits kann ich ihn verstehen. Mich würde es als Musiker auch nerven, wenn meine aktuellen Songs weitaus weniger Beachtung finden als der Kram, den man vor Urzeiten aufgenommen hat.

Manche seiner Solo-Stücke sind etwas rockiger geraten. Hier lässt er seine Band ab und zu auch von der Leine, was den Musikern sichtlich gut tut. Die können was, haben Spaß in den Backen - nur leider viel zu selten. Meistens werden sie durch die Songs selbst ausgebremst. Ansagen gibt es fast gar keine. Knopfler ist ein Musiker, der einfach nur spielen will und sonst nichts. Unterhaltsam oder gar in irgendeiner Art und Weise fesselnd ist er an diesem Abend für mich nicht. Wenn man sich auf die ruhigen Stücke einlässt, ist das Konzert hervorragend. Mir gefällt allein schon das perfekte Zusammenspiel der Band und Mr. Knopfler. Dass die Veranstaltung kein Rock-Konzert wird, war mir im Vorfeld klar. Die Stimmung in der Halle ist gut bis sehr gut - bei den Dire-Straits-Songs. Das fulminante „Telegraph Road“ sorgt noch kurz vor Schluss für eine akustische Offenbarung. Hier stimmt einfach alles, die Band spielt sich in einen wahren Rausch.

Nach zwei Stunden geht Mark Knopfler unter großem Beifall von der Bühne. Ohne Zugabe geht es auch an diesem Abend nicht. Nach „Our Shangri-La“ muss es noch ein Stück sein. Die Band versammelt sich auf der Bühne und beratschlagt kurz, was die letzte Zugabe sein soll. Sie entscheiden sich für den Titelsong des Films Local Hero: "Going Home". Das reine Instrumental zeigt noch einmal die ganze Klasse von Mark Knopfler und seiner Band auf. Viele im Publikum hatten noch mit „Brothers In Arms“ gerechnet, das auch bei dieser Tour manchmal zum Schluss noch gespielt wurde. Diesen Gefallen macht Knopfler dem Münchener Publikum an diesem Abend jedoch leider nicht.

Fazit: Ein toller musikalischer Abend mit Spitzenmusikern. Wer jedoch ein „Dire Straits Revival Programm“ erwartet hat, war von dem Konzert unter Umständen enttäuscht. Wer einen Weltklasse-Gitarristen sehen wollte, kam absolut auf seine Kosten. Trotzdem: Beim nächsten Mal bitte eine Leinwand aufbauen!


Setlist:
Broken Bones
Corned Beef City
Privateering
Father and Son
Hill Farmer's Blues
Skydiver
Laughs and Jokes and Drinks and Smokes
Romeo and Juliet
Sultans of Swing
Mighty Man
Postcards from Paraguay
Marbletown
Speedway at Nazareth
Telegraph Road
---
Our Shangri-La
Going Home: Theme from 'Local Hero'

Stefan Graßl


Zurück zur Artikelübersicht