····· Auf Album Nummer Fünf interpretiert Markus Kohl seine Klassiker neu ····· Nach den Studio-Alben werden nun auch ein Best of- und ein Live-Album von Pink Floyd auf Vinyl widerveröffentlicht ····· Für ihre Frühjahrs-Tour haben J.B.O. die Wiener Rammelhof als Support bestätigt ····· Europe zeigen neues Video ····· Die Erfurter Traditionsmetaller Macbeth rereleasen ihr zweites Demo als Vinyl-EP ·····  >>> Weitere News <<<  ····· 

Artikel

Ein Dire Strait auf Solopfaden: John Illsley gastiert mit Band in Nürnberg

Info

Künstler: John Illsley

Zeit: 31.03.2015

Ort: Nürnberg - Hirsch

Internet:
http://www.johnillsley.com

John Illsley war Bassist bei den Dire Straits, die sich offiziell als Band nie aufgelöst haben. Mittlerweile hat Illsley fünf Soloalben aufgenommen, darunter sein neuestes Werk Testing the Water, das 2014 veröffentlicht wurde. Der mittlerweile 65-jährige war vor kurzem an Leukämie erkrankt und gilt mittlerweile erfreulicherweise als vollständig geheilt. Die Ankündigung des Konzerts habe ich nur durch Zufall bei den Rother Bluestagen mitbekommen.

Im Hirsch ist wie meistens relativ viel Publikum anwesend, wenn man den Wochentag und den Namen des Künstlers bedenkt. Der Name Mark Knopfler ist vielen doch wesentlich besser bekannt der von John Illsley. Das Konzert ist daher gut besucht, jedoch nicht ausverkauft. Eine Vorband gibt es an dem Abend nicht. John Illsley und seine Band fangen um Punkt 20 Uhr passend mit dem Dire-Straits-Gassenhauer „Walk Of Life“ an. Der Song bringt das Publikum zielgerichtet auf Betriebstemperatur und passt als Opener hervorragend. Der Sound ist sehr gut, der Gesang jedoch insgesamt ein bisschen zu leise. Das ändert sich leider bis zum Ende des Konzerts hin nicht. Ich frage mich manchmal, was diese Mischer so alles hören… oder eben nicht. Dabei hat von Illsley eine angenehm rauhe, stark an Mark Knopfler angelehnte Stimme und auch seine Background-Sängerin singt hervorragend.

John Illsley macht einen sympathischen und sehr motivierten Eindruck. Er steht in der Mitte der Bühne und ist ganz klar der Chef im Ring. Seine Mitmusiker stellt er im Laufe des Konzerts vor. Namentlich ist mir keiner seiner Mitstreiter bekannt. Er hat zwei Gitarristen dabei, einen Keyboarder, Schlagzeug und eine Background-Sängerin. Seine Band unterstützt ihn hervorragend. Vor allem die beiden Gitarristen kommen dem unnachahmlichen und charakteristischen Gitarrenspiel von Mark Knopfler verdammt nahe.

Sämtliche großen Dire-Straits-Hits werden an dem Abend gespielt. Das Nürnberger Publikum freut sich erwartungsgemäß über jeden einzelnen Song dieser Legende. John Illsey bleibt bei seinen Versionen zu hundert Prozent an der Originalversion, Experimente werden an dem Abend keine gemacht. Musikalisch auf sehr hohem Niveau macht es Spaß, die Songs anzuhören. Da jedoch weder John Illsley noch einer seiner Bandkollegen ein großer Entertainer ist oder über spektakuläre Bühnenpräsenz verfügt, beschränkt sich das Ganze auf den musikalischen Genuss. Ich stelle mir kurz die Frage, was diese Band von einer Dire-Straits-Coverband unterscheidet: Eigentlich nur die Besonderheit, dass mit Illsley ein Originalmitglied am Start ist. Sein Bassspiel ist darüber hinaus sehr charakteristisch und präzise wie ein Schweizer Uhrwerk. Zwischendurch werden einzelne Songs von seiner neuen Soloscheibe Testing The Water gespielt, die sich ganz gut zwischen den etablierten Liedern machen. Mit einer schmissigen Version von „Sultans Of Swing“ wird das erste Set nach ca. 50 Minuten beendet.

Nach einer kurzen Pause geht es mit der Coverversion „First We Take Manhattan“ von Leonard Cohen weiter. Diese kommt beim Publikum sehr gut an. Viele der Leute tanzen zur Musik, nach jedem Lied bekommt Illsey viel Applaus. Ansagen werden kaum gemacht, er kündigt nur kurz die jeweiligen Lieder an. Illsey ist eher ein ruhiger Typ, der lieber die Musik für sich sprechen lässt. Eben ein Anti-Star aus einer Band mit vielen Anti-Stars. Auch Mark Knopfler gehört für mich eindeutig in eine solche Kategorie. Der Doppelschlag „Brothers In Arms“ und „Money For Nothing“ beendet das reguläre Set. Doch ohne Zugaben geht es natürlich nicht und so gibt es noch drei Dire-Straits-Songs (unter anderem ein überragendes „Tunnel Of Love“), die das schöne Konzert würdig abschließen. Illsley bekommt viel Applaus als er ankündigt, wieder für Konzerte zurück zu kommen, weil es ihm in Deutschland so gut gefallen hat. Das hat man an dem Abend auch wirklich gemerkt!

Nach fast zwei Stunden ist Feierabend. Konzertveranstalter Peter Harasim kündigt von der Bühne aus an, dass es in ein paar Minuten eine Autogrammstunde mit John Illsley geben wird. Merchandising gibt es keines, da der Bus mit den Artikeln und der kompletten Backline leider stehen geblieben ist. Illsley hält Wort und erfüllt geduldig und in sympathischer Atmosphäre die Autogrammwünsche seiner Fans. Dabei muss er erwartungsgemäß sehr viele Dire-Straits-Alben unterschreiben. Ich fand das Konzert sehr gut. Solche Musiker sind in der Regel selten unterwegs und oft verpasst man dann, dass sie überhaupt auftreten. Bestimmt ein Auftritt mit Seltenheitswert und für Dire-Straits-Fans eine Pflichtveranstaltung!


Setlist:
Walk of Life
Expresso Love
Run for Cover
When God Made Time
Private Investigations
Toe the Line
So Far Away
Sometimes
Sultans of Swing
---
First We Take Manhattan
Calling Elvis
Darling Heart
Romeo and Juliet
Railway Tracks
Testing the Water
On Every Street
Brothers in Arms
Money for Nothing
---
Tunnel of Love
The Bug
Where Do You Think You're Going?

Stefan Graßl


Zurück zur Artikelübersicht