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Candy Dulfer – Einfach saxy

Info

Künstler: Candy Dulfer

Zeit: 22.02.2015

Ort: Aschaffenburg

Veranstalter: Colos-Saal

Fotograf: Hans-Jürgen Lenhart

Internet:
http://www.candydulfer.nl
http://www.colos-saal.de

Wer CANDY DULFER bucht, kann eigentlich nichts falsch machen. Die niederländische Saxophonistin führt jedem vor, wie man Jazz heutzutage tanzbar, virtuos, erfolgreich und in bester Partylaune präsentiert. Kein Wunder, dass ihr Konzert im Aschaffenburger Colos-Saal am 22.2.2015 schon länger ausverkauft war. Mit ihrem nach allen Seiten offenen, funk-getränkten Jazz erfindet sie sich alle paar Jahre neu und wirkt damit erstaunlich zeitgemäß.

Candy Dulfer wird oft dem Smooth Jazz zugeordnet, was sie wohl der Tatsache zu verdanken hat, dass ihr an eingängiger Melodik orientiertes Saxophonspiel von David Sanborn beeinflusst erscheint, einem der namhaften Vertreter dieses Stils. Doch verkennt dies die eigentliche Zauberformel von Dulfers Mixtur und Einflüssen. Während Smooth Jazz tendenziell zum Dinner Jazz neigt und so nicht die größten Chancen auf den europäischen Jazzfestivalbühnen hat, ist Dulfer dort oft der Abräumer. Schließlich liegen ihre eigentlichen Wurzeln im Funk und ihre Bühnenrituale bauen darauf auf. Mitreißende Grooves aus der Maceo Parker-Schule, röhrender Saxophonklang, rockige Gitarre, alle paar Stücke wird zum Mitklatschen aufgefordert und zum Höhepunkt mal mitten im Publikum ins Horn geblasen – ein Candy Dulfer-Konzert ist vor allem Partytime. Aber sie kann mehr, bleibt vor allem nicht stehen. Schrittweise entfernte sie sich in den letzten Jahren vom Old School Funk Jazz und kehrte ihre schon immer vorhandene Tendenz zum Popmusikalischen stärker hervor. Auf ihrem letzten, von Printz Board, dem Musical Director der Black Eyed Peas produzierten Album „Crazy“ ist viel Elektronik in Rhythmik und Vokaleffekten zu hören und der Groove ist straighter. Was sich auf CD wie eine Tendenz zum Mainstream anhört, kam aber auf der Bühne fulminanter rüber. Dulfer weiß eben, was ihre Fans erwarten. Ist der Song oder Text zu simple, was natürlich als Stimmungsmacher erst mal gut funktioniert, gleicht sie das durch gekonnte Soli wieder aus. Und sie zeigte in Aschaffenburg besonders zu Konzertbeginn, dass gerade Einflüsse aus der Club Music oder Reggae und Pop sich nahtlos in ihren Sound einfügen. Dulfer versteht es eben ihr Publikum zu verjüngen. Entsprechend tauchte sie auch 2013 im niederländischen Fernsehen als Jurorin bei X Factor auf.

In anderen Stücken zeigte sie, dass sie ebenso die Geschichte der schwarzen Musik abrufbar hat: Vom Soul der Isley Brothers bis zum modernen R&B oder ihrer Lieblings-Funk-Mucke, “Pick Up The Pieces” von der Average White Band. Dieses Stück aktualisiert sie seit 1992 beständig, unterwirft es zeitgemäßen Sounds, vermischt es mit Zitaten anderer Stücke und dramatisiert es auf perfekte Weise. Da gibt es spezielle Pausen, die zu nichts anderem da sind, als sich beständig zum Weiterspielen auffordern zu lassen oder sie überführt den Klassiker in ein fast technoides Stadium, um irgendwann wieder zum Ausgangsriff zurückzukommen. Dulfers Glanzstück eben.

Hatte sie vor einiger Zeit noch zwei Rapper für die Abwechslung dabei, so kooperierte Dulfer nun mit dem schwarzen Keyboarder und Sänger James Holly, mit dem sie R&B-lastige Gesangduette entwickelte und der als zusätzlicher Shouter wichtig für die Show war. Die attraktive Musikerin dürfte natürlich auf gestandene Jazzer viel zu mainstreamig wirken, doch improvisationsmäßig zeigte sie insbesondere bei einem weiteren Leib-und-Magen-Stück, dass sie mehr drauf hat als Funk-Riffs dynamisch zu wiederholen. Mit „Lily was Here“, einem Soundtrack, den sie zusammen mit Dave Stewart (Eurythmics) einspielte, gelang Dulfer 1989 der Durchbruch. Bei ihrem Konzert variierte sie das eher balladeske Stück zusammen mit ihrem Gitarristen von funkig bis rockig, aber auch wie ein Duett zweier Akustikmusiker und glänzte zum Schluss mit einem ergreifenden unbegleiteten Solo. Und glückliche Zuschauergesichter nach dem Konzert zeigten schließlich: „Candy was here!“

Hans-Jürgen Lenhart


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