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Artikel

Die alten Helden Uriah Heep werden immer jünger

Info

Künstler: Uriah Heep

Zeit: 28.12.2014

Ort: Columbiahalle Berlin

Fotograf: Norbert von Fransecky

Bei Uriah Heep hat sich in den letzten sieben Jahren mehr getan, als in den 20 Jahren davor. Die einzige Band, die zu den Gründungsvätern des Hard Rocks gehört und bis heute durchgehend aktiv ist, hat nach 21 Jahren ohne Besetzungswechsel die komplette Rhythmus Sektion austauschen müssen und sich quasi nebenbei komplett neu erfunden. Norbert von Fransecky, der in unserem Magazin schon viele Worte über die Briten verloren hat, hat es sich nicht nehmen lassen, der Band den Puls zu fühlen, als sie (zu knapp für den Redaktionsschluss der Dezemberausgabe) am 28. November in der Berliner Columbiahalle aufschlug. Und plötzlich wurde er im Fotograben selbst zum Star. Zwei Heep-Fans aus der ersten Reihe waren so begeistert von seinem Band Shirt von der ‘89er Raging Silence Tour, das sie den fotografierenden Redakteur sofort selbst ablichten wollten. (Das besagte T-Shirt könnt Ihr übrigens in Norberts Kolumne zu Uriah Heeps Raging Silence bewundern; Red.)


Die neuen Heep seit 2008
Uriah Heep sind ein Phänomen! Viele auch ihrer Fans hatten sie in den 90er und 00er Jahren zumindest als aktuell relevante Band bereits abgeschrieben. Der Rock-Dinosaurier war zur Cover-Band seiner selbst geworden, die sich mit ständigem Touren über Wasser hielt und die Fans mit Konzerten begeisterte, bei denen die jüngsten Titel in der Regel aus der Mitte der 70er Jahre stammten. Die seltenen neuen Alben hinterließen kaum ein Echo. Bei den Veröffentlichungen dominierten Live-Alben, Best ofs und Neu-Editionen der Klassiker.
Dafür verfügte die Band über ein nicht nur für ihre Verhältnisse erstaunlich stabiles Line up. Von 1986 bis zum gesundheitsbedingten Ausstieg des Schlagzeugers Lee Kerslake im Januar 2007 gab es 21 Jahre lang nicht einen einzigen Besetzungswechsel.

Drummer Russell Gilbrook

Das erste Album mit dem neuen Schlagzeuger Russell Gilbrook, das geschlagene 10 Jahre nach dem Vorgänger Sonic Origami erschien, trug den im Nachhinein geradezu programmatisch klingenden Titel Wake the Sleeper. Offenbar trauten Uriah Heep dem darauf enthaltenen Material einiges zu. Praktisch das komplette Album stand auf dem Programm, als die Briten 2008 auf Tour gingen. Ein extrem mutiger Schritt, mussten dadurch doch etliche, eigentlich unverzichtbare Klassiker in der Tasche bleiben. Der Mut wurde belohnt. 2008 sind Uriah Heep eine neue Band geworden. Drei frische Alben in sieben Jahren, dazu 2009 als kleiner Rückfall Celebration mit Neueinspielungen klassischer Songs in der aktuellen Besetzung, bescherten der Band Aufmerksamkeit nicht nur im engsten Fankreis. Das beweisen nahezu euphorische Kritiken und Top Ten Platzierungen in einschlägigen Magazinen, wie dem Rock Hard oder Eclipsed.

Das Berliner Konzert 2014

Am 28. November standen Uriah Heep mit dem aktuellen Album Outsider auf der Bühne der Berliner Columbiahalle. Mittlerweile auch mit neuem Bassisten. Der Ex-Zodiac Mindwarp Viersaiter Dave Rimmer hatte den 2013 verstorbenen Trevor Bolder ersetzen müssen. Interessant war der Blick ins Publikum. Anwärter für die Jugendarbeit der Uriah Heep Fanclubs waren dort kaum zu sehen. Wenn von diesem Publikum die aktuellen Stücke abgefeiert wurden, dann bedeutete das, dass Mick Box und Co. mit dem neuen Material auch diejenigen überzeugen konnten, die zum großen Teil wohl schon dabei waren, als die Band ihren ersten oder zweiten Frühling hatte.
Das Programm war gedrittelt. Fünf Stücke kamen vom aktuellen Album Outsider, sechs von den ersten fünf Alben aus den Jahren 1970-72. Mit drei weiteren wurden der Bogen zwischen einst und jetzt geschlossen – ein Stück vom Comeback Album Wake the Sleeper, eins von dem oft unterschätzten Firefly (1977) und eins von Abominog (1982).
Gerade das Hineinnehmen von „Too scared to run“ von Abominog, zusammen mit dem Nachfolger Head first das metallischte Album im Backkatalog, erwies sich als glücklicher Griff. Dieses harte Material kommt der Spielweise von Gilbrook sehr gelegen. (Wie unser Norbert bereits in seinem Bericht vom 2008er Konzert im Postbahnhof vermutet hatte; Red.)

Wer ausschließlich auf klassisches Heep Material aus war, braucht etwas Geduld. Erst der sechste Titel, „Sunrise“, stammte aus den frühen Jahren. Zuvor gab es drei aktuelle Titel und zwei der bereits erwähnten „Brücken“songs. „Sunrise“ war auch einer der Problemfälle. Gilbrook hat sich dem Heep-Sound mittlerweile zwar weiter angenähert, aber die in der Vergangenheit zu beobachtende Tendenz gefühlvollere Nummern nieder zu prügeln, war hier weiterhin präsent.

Das von dem Album The Magician’s Birthday stammende „Sunrise“ war dann aber der Auftakt zu einem der Überraschungen des Abends. Der Titeltrack des Albums, eines der längsten Stücke der Bandgeschichte, wurde in voller Länge aufgeführt und mit einer äußerst effektiven Lightshow in Szene gesetzt.
Keyboarder Phil Lanzon


Das grandiose „What Kind of God“ von Comebackalbum Wake the Sleeper ist mittlerweile selbst ein Klassiker, der es in seinem epischen Anspruch durchaus mit Klassikern, wie dem später im Programm folgenden „July Morning“ aufnehmen kann. Um ehrlich zu sein: An diesem Abend hat dieser legendäre Klassiker im direkten Vergleich mit dem „Newcomer“ den Kürzeren gezogen.

Zwei weitere Nummern vom aktuellen Album leiteten über zum Finale, das aus der besagten Gänsehautnummer „July Morning“ und – unvermeidbar – der Bandhymne „Lady in Black“ bestand. Als Zugabe wären eigentlich drei Songs unvermeidbar gewesen. Aber „Stealin‘“ blieb im Koffer. Das Publikum musste sich mit den frenetisch abgefeierten Nummern „Gypsy“ und „Easy Livin‘“ zufrieden geben. Aber am Ende dürfte jeder von der aktuellen Band überzeugt gewesen sein


Tracklist, Berlin, 28. November 2014

„Speed of Sound“ (2014)
„The hanging Tree“ (1977)
„Too scared to run“ (1982)
„The Law“ (2014)
„Outsider“ (2014)
„Sunrise“ (1972)
„The Magician’s Birthday“ (1972)
„What Kind of God“ (2008)
„One Minute“ (2014)
„Can’t take that away“ (2014)
„July Morning“ (1971)
„Lady in Black“ (1971)

Zugaben
„Gypsy“ (1970)
„Easy Livin’“ (1972)


Das Vorprogramm
Uriah Heep waren wie üblich nicht alleine gekommen, hatten in diesem Jahr sogar zwei Bands im Schlepptau. Den Namen Voodoo Circle kannte ich vage, obwohl ich mit ihm nicht mehr verband, als dass in der Truppe wohl irgendein anderswoher bekannter Musiker aktiv ist. Von 21 Octayne hatte ich dagegen noch nie etwas gehört. Als erste Band musste sie mit schlechten Rahmenbedingungen kämpfen. Einen eigenen Bühnenaufbau gab es für sie nicht. Drummer Alex Landenberg musste die Schießbude von Voodoo Circle verdreschen, deren Backdrop auch bereits während der 21 Octayne Show hochgezogen war.

Wie so oft ging es früher als erwartet los. Dieses Mal waren sogar die Veranstalter überrascht, als die Band bereits 20 Minuten vor dem Termin loslegten, zu dem sich die Fotografen für den Marsch in den Fotograben treffen sollten. Außer Eurem MAS-Schützen war noch niemand da. Das folgende Foto vom Berliner Konzert, das Bassist Andrew Lauer und Gitarrist Marco Wriedt zeigt, ist also MAS exklusiv.


21 Octayne lieferten eine hochinteressante progressive Thrash Variante ab, die mich immer wieder an Queensryche denken lies. Leider war der Sound alles andere als optimal, was der Mixer wohl durch erhöhte Lautstärke kaschieren wollte. Das Ergebnis weckte schnell den Wunsch nach einer gut abgemischten CD, auf der man das differenzierte Material in seinen Feinheiten genießen kann. Der Wunsch wurde mir beim kleinen Plausch in der Pause erfüllt. Aber die CD Into the Open hielt das, was das Konzert versprach, leider nicht. (Review in der nächsten MAS)

Solider Power Metal von Voodoo Circle

Trotz der misslichen Rahmenbedingungen gelang dem Quartett eine beachtliche Show. Sänger Hagen Grohe stand der Band mit kraftvoller Eleganz vor und verfügt über eine Stimme mit Charisma, die – der Vergleich mit Queensryche lässt das ahnen – eher in höheren Lagen aktiv ist, aber nie ohne Kraft ist. Aktivposten zwei ist Gitarrist Marco Wriedt, der auf den ersten Blick einen etwas sanft behäbigen Eindruck macht, der aber völlig verfliegt, sobald er seine Saiten zum Glühen bringt. Der absolute Eyecatcher aber war Bassist Andrew Lauer, ein Bassist, der in jeder Hinsicht heavy ist, und den Auftritt von 21 Octayne mit einer ungeheuren physischen Präsenz unterfütterte.
Wem die CD zu sehr in Richtung AOR geht, sollte unbedingt die Gelegenheit nutzen 21 Octayne live zu erleben.

Voodoo Circle mussten zwischen dem vielversprechenden Newcomer und den sehr lebendigen alten Hasen eindeutig mit dem dritten Platz vorlieb nehmen. Sound und Auftreten wirkten professioneller als bei dem Opener. Aber da mischte sich auch einiges an Routine ein. Bei einem solide vorgetragenen Power Metal mit gelegentlichen Plüsch-Anteilen, wie man sie von Magnum kennt, kam nie der Eindruck zustande, hier würde etwas Eigenständiges geliefert.

Norbert von Fransecky


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