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Der Pfeifer auf dem endlosen Fluss - Pink Floyd

1.) Die persönliche Annäherung des Autors

Wie in meinem letzten Editorial beschrieben, stellen Pink Floyd für mich den Einstieg in die Musik dar. Sie waren nicht die erste Musik die ich gehört habe, aber die erste mit der ich mich wirklich intensiv beschäftigt habe. Richtig beginnend mit The Wall habe ich mich durch Ihren Backkatalog gearbeitet, wobei ich mich mit der Frühphase zunächst schwer tat. Doch ausgerechnet diese lernte ich später besonders schätzen, denn sie öffnete mir den Weg in experimentellere Sphären und vor allem den Psych- und Spacesound.

Die Bandgeschichte mit all ihren Facetten ist hinlänglich bekannt, deshalb sei nur am Rande erwähnt, dass auch ich spätestens nach dem Tod von Richard Wright mit keinem weiteren neuen Album mehr gerechnet habe. Umso aufgeregter war ich natürlich mit den Mitte des Jahres auftauchenden Nachrichten zu dem neuen Album. Da ziemlich schnell bekannt gemacht wurde. dass es sich nur um die Neubearbeitung von Session-Material, zuvorderst aus den Division Bell-Zeiten handelt und zu großen Teilen um instrumentale Suiten, und dass Roger Waters natürlich nicht dabei sein würde, kamen Erwartungen auf ein neues The Wall oder Dark Side of the Moon gar nicht erst auf. Andererseits verflogen bei mir auch die Befürchtungen eines eher unwürdigen Abschlusses der großen Karriere dieser Band mit einem eher schwachen Songalbum. Denn seien wir mal ehrlich, David Gilmours letztes Soloalbum war recht nett, richtig gut waren jedoch erst die Liveufnahmen und hier zuvorderst natürlich die spannende Pink-Floyd-Songauswahl. Wesentlich spannender war hingegen Gilmours Zusammenarbeit mit The Orb - welches ja auch improvisierte Instrumentalmusik bot.

Insgesamt freute ich mich auf jeden Fall auf bisher ungehörtes Material, hatte keine überbordende Erwartungshaltung aber eben auch keine Ängste grottenschlechtes Material zu hören zu bekommen. Daran änderte auch die Berichterstattung im Vorfeld (näheres hierzu in Punkt 2.) nichts, die so ziemlich alles in Frage stellt,e was mit der Veröffentlichung zu tun hatte.

Meine persönliche Vorbereitung auf das Album bestand darin, dass ich mir den Pink Floyd-Backkatlog auf meinen ca. 45 minütigen Arbeitsweg vom Beginn an chronologisch wieder zu Gemüte führte. Ich erfreute mich also an dem psychedelischen Meisterwerk Piper at the gates of dawn, verstand einen Großteil der Solonummern von Ummagumma nach wie vor nicht, rockte zu dem übersehenen und doch großartigen Soundtrack Obscured by Clouds, genoss das überwältigende Dark Side of the moon, fühlte mich durch die Kälte von dem von mir immer hoch geschätzten Animals. Über The Wall muss ich nichts sagen und erlebte nochmals den grandiosen Klang und die hohe Emotionalität des ebenfalls meiner Meinung nach unterschätztem The Final Cut. Auf der Zielgerade stellte ich dann fest, dass A Momentary Lapse of Reason trotz aller berechneter Konstruiertheit doch einige sehr gute Stücke enthielt und The Division Bell tatsächlich ein ziemlich guter (bisheriger) Abschluss der Band war.

The Division Bell lief natürlich am Erscheinungstag. Die CD war natürlich vorbestellt und wie das in der heutigen Zeit so ist, die MP3-Version bereits automatisch auf mein Handy gebeamt worden. Trotzdem blieb ich standhaft und wartete mit dem Erstkontakt bis ich am Abend gegen 20 Uhr auf meiner Couch lag. Das Produkt übertraf in seiner Verpackung schon mal meine Erwartung, hatte ich doch ein einfaches Digipack erwartet und so freute ich mich über die Box mit schönem kleinem Buch, stilvollen Postkarten und dem Album in CD- und DVD-Format.

So genoss ich das Album, inzwischen aufgeregt wie ein Kind vor der Bescherung, über Kopfhörer in genau der richtigen Lautstärke im PCM Stereo-Mix von der DVD. Und ich wurde nicht enttäuscht. Von der ersten bis zur letzten Sekunde nahm mich das Album mit auf seine Reise durch den Pink-Floyd-Kosmos, führte mich zu Teilen auch zu Stationen zurück in meiner eigenen Geschichte und ließ mich einfach nur entspannt und in mich ruhend zurück. (Eine genaue Review gibt es weiter unten Stelle).

Am Ende war ich sehr froh, dass ich mir im Vorfeld keinerlei Soundschnipsel, Videos oder sonstiges Vorabmaterial angehört/angesehen hatte und so in der Lage war das neue Material völlig losgelöst zu genießen.

2.) Die Berichterstattung zum Album

Über diese Thematik könnte ich mich nun seitenlang aufregen. Doch ich will es kurz fassen und zunächst einmal ein paar Fakten vorweg schicken:

1.) Die Band hat von vornherein angekündigt, dass es sich um Material von 1993/94 handelt.
2.) Es wurde von Beginn an von einem Instrumentalalbum mit nur einem Gesangsstück gesprochen.
3.) Pink Floyd haben seit jeher nur selten Interviews zu neuen Alben gegeben.

Die Presse ist sehr früh auf das Album eingegangen und hat sehr schnell mit Wertungen begonnen, bevor jemand auch nur einen Ton gehört hatte. Früh wurde kritisiert, dass es ein überwiegend instrumentales Album wird. Da frage ich mich wirklich, ob die Kritiker insbesondere die frühen Scheiben kennen: die waren allesamt eher von instrumentalen denn von Gesangsteilen geprägt. Besonders geärgert jedoch haben mich zwei Berichterstattungen. Da wäre zum einen ein Bericht in der Welt, in der sich der Autor über das Cover und die Veröffentlichung an sich äußert. Dies wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt wo noch niemand auch nur einen Ton der Scheibe gehört hatte. Sicher, das Cover von The Endless River hat nicht die Qualität und Orginalität der meisten anderen, von Storm Thorgesson erstellten Cover. Aber leider konnte auf diesen Designer nicht mehr zurück gegriffen werden. Und: auch wenn das Cover sicherlich einen etwas kitschigen Anstrich hat, so passt es perfekt zur Musik und beschreibt auch zu 100% das Anliegen der Band, sich mit diesem Album zuvorderst vor dem verstorbenen Mitstreiter Rick Wright zu verneigen. Dass der Autor dann anhand des Covers üble Rückschlüsse auf die Musik zieht und diese schon in ambienter Fahrstuhlmusik münden sieht, ist ebenso respektlos wie unfachlich.

Ebenso geärgert hat mich der Bericht im Eclipsed. Hier wurde sich insbesondere über die Pressepolitik der Band mokiert. Liebes Eclipsed: gerade ihr als Magazin, welches seine Wurzeln in einem Pink-Floyd-Fanzine hat, solltet wissen, dass die Band noch nie sehr interviewfreudig war. Und die Enttäuschung über die Präsentation des neuen Materials (Listening Sessions statt Promomaterial): Das ist auch ziemlich normal bei Pink Floyd und heutzutage bei Veröffentlichungen dieses Kaliebers üblich. Am Meisten hat mich jedoch die Meinung eines Redakteurs nach der Listening Session gestört, in der er das Material „lobte“, jedoch die Meinung kund tat, dass man dieses Material ja wohl bitteschön als Zugabe im kürzlich erschienenden The Division Bell-Boxset hätte erwarten dürfen. Hallo?! Diese "das darf doch kein Geld kosten"-Mentalität geht mir absolut gegen den Strich. Insgesamt ließ sich aus dem Eclipsed-Bericht leider aus fast jeder Zeile die Enttäuschung herauslesen, dass sie keinen Exklusivbericht machen durften und sich wie alle anderen (bis auf das von den Floyds auserwählte Uncut) an die Regeln halten mussten. Liebes Eclipsed: Da darf man schon mal enttäuscht sein, sollte deshalb aber keine negativen Schwingungen auf das künstlerische Produkt zulassen. (Zum Glück rehablitierte sich das Magazin mit seiner wohlwollenden Kritik in der just erschienenen Ausgabe mit dem Nebensatz „Das Material ist viel zu gut um auf einer Bonus-CD zur Division Bell-Box ein kargloses Dasein zu fristen.)

Insgesamt stellt sich mir nach den meisten Berichten und Reviews vor und nach Erscheinen des Albums die Frage nach dem, was die jeweils Schreibenden denn erwartet haben oder besser gesagt, welche Alternative sie für gut befunden hätten. Das der sicherlich in jedem Fanherzen vorhandene aber bereits seit spätestens 1985 unmöglichen Reunion zwischen Gilmour, Mason und Waters? Was wäre wohl passiert, wenn Gilmour und Mason tatsächlich einige neue Tracks zusammengebastelt hätten und dann Waters gebeten hätten ein wenig den Bass darauf zu zupfen um das Ganze dann als das Senstionsreunionsalbum nach Vorbild von U2 für viel Geld an wen auch immer zu verkaufen, um es „umsonst“ unters Volk zu bringen?

Da bin ich wirklich froh, dass Pink Floyd sich treu geblieben sind und vor allem in meinen Augen auch von Anfang an mit offenen Karten gespielt haben. Aber es gibt wohl Situationen, in denen man es nicht richtig machen kann.

Alles in Allem hätte ich mir eine etwas sachlichere Berichterstattung gewünscht.


3.) ... und jetzt ...

Und jetzt... ist die Karriere der Band wohl beendet. In meinen Augen gibt es nur wenige Makel an dieser Karriere und ich bin froh, dass Pink Floyd an sich immer den Verlockungen des Marktes widerstanden haben und nicht jedes zweite Jahr irgendwelche Sampler auf den Markt geworfen haben, mal wieder eine neue (schlechte) Single aufnehmen oder halbgare Liveretroshows machen bzw. gemacht haben. Es ist schade, dass die Band nach 1993 eben keine weiteren Alben gemacht haben (was vielleicht sehr interessant gewesen wäre, wenn man The endless River hört). Aber das ist immer noch besser als wenn sie alle drei - vier Jahre eher schlechte Alben produziert hätten. Beispiele für eher peinliche Abschlüsse großer Karrieren gibt es ja genügend. Für mich fühlt sich das mit The Endless River nun alles rund an, und ich hoffe und denke für die Band auch.

Für mich hat The Endless River auf jeden Fall den Anstoß gegeben, mich noch mal intensiv mit der Musik von Pink Floyd zu beschäftigen und daraus resultierend habe ich mich entschieden alle so genannten Originalalben für mich zu bewerten und mal in ein Ranking zu bringen. Dies wird in den nächsten Monaten nach und nach erfolgen.
Meine Wertung wird folgende Punkte beinhalten:

- Musik (Gewichtung 3-fach)
- Texte (Gewichtung 2-fach)
- Produktion / Klang (Gewichtung 2-fach)
- Covergestaltung (Gewichtung 1-fach)

Vergeben werde ich jeweils bis zu 10 Punkte - in der Gesamtheit sind somit 80 Punkte zu erreichen, was dann geteilt durch vier Kategorien zum Musikansich-Höchstwert von 20 Punkten führt.
Auch wenn es an sich müßig ist, dies noch mal zu erwähnen: Diese Sache ist eine höchst subjektive, ja sogar egoistische Geschichte. Versuche ich in meinen anderen Reviews für Musikansich den objektiven sowie den subjektiven Teil jeweils zu trennen, werde ich dies bei diesen Besprechungen und Bewertungen außer acht lassen.

Und beginnen darf das neue Album:


Pink Floyd
The Endless River
(Parlaphone Records)
VÖ: 07.11.2014

“Side 1 – Suite1, Tracks 1-3“
Eröffnet wird The endless River mit einer sphärischen Klangcollage aus Sounds und Stimmen sehr geheimnisvoll. Diese gehen in wunderschöne, an "Shine on your crazy Diamond" erinnernde Keyboardsounds über, die von einer elegischen, aber nicht aufdringlichen Gilmour-Gitarre begleitet werden. Der erste Track klingt wie eine Weiterberarbeitung von "Cluster 1" von The Division Bell, durch die großartigen Wright-Keyboards und den modernen Klang in Track 2 mit seinen hymnischen, sehr bekannt klingenden Keyboards kann man die komplette erste Suite durchaus als "Shine on your Crazy Diamond part 3" bezeichnen. Der zweite Track begegnet dem Hörer dann in sagenhafter Schönheit. Das schleppende, dem Blues entlehnte Schlagzeug, die elegischen Keyboardteppiche und darüber legt Gilmour so feingliedrige Gitarrenpassagen, wie man sie tatsächlich seit 1975 nicht mehr gehört hat. Der dritte Til dieser ersten Suite bringt dann einen sehr versöhnlichen Ausklang, nimmt Rückgriff auf jazzige Anklänge der 70er-Bandphase und rundet die perfekte Einstiegssuite ab.

“Side 2 – Suite 2, Tracks 4 -7"

Der Zweite Zyklus wartet mit psychedelischen Sounds auf, die an die ganz frühen Tage der Band erinnern. Ob man diese nun gar der Piper at the Gates-Zeit zuordnet oder den späteren experimentellen Phasen, ist eigentlich egal. Denn aus diesem Einstieg entsteht ein treibender, mit einem Schlagzeug das an "Time" erinnert, sehr moderner Rocksong mit elegischen Keyboards und einer starken Gitarre. Mit diesem Spacerockpart zeigen die alten Herren mancher jungen Band dieses Genres einmal kräftig die lange Nase.
Im zweiten Teil wird es dann wirklich überraschend. Denn wie bei dem Break in "Echoes" tauchen hier nun kreisende Gitarreneffekte auf, die von einem Schlagzeug geführt werden, das tatsächlich auf Masons Drumming bei A Saucerful of secrets oder/und Ummagumma aufsetzt. Mit Hilfe der heutigen Technik klingt das Ganze äußerst beeindruckend, ist jedoch leider sehr kurz. Dieser Part hätte gern dreimal so lang werden dürfen. Mit einer weinenden Gitarre, Keyboardstreichern und großem Synthbass mündet diese Suite im dritten Teil dann in einer kurzen dramatischen Sequenz, bevor diese starke Suite dann leider in dem wohl schwächsten Stück des Albums mündet. Der vierte Teil gefällt sich dann nämlich zusehr im 80er-Jahre like puckernden Rhythmus und großem Gefühl. Dabei gefällt die Pianospur, welche an "Us and Them" ebenso wie an "Inside Out" erinnert an sich sogar noch. Auch die Gitarre gefällt recht gut, jedoch überzuckern das dann eingesetzte Saxophone ebenso wie die Oboe das Ganze doch gehörig. Hier wäre etwas weniger definitiv mehr gewesen.

“Side 3 – Suite 3, Tracks 8 -14"

Die dritte (LP-)Seite startet mit einem schönen dunklen, jazzigen Piano. Sphärische Keyboardstreicher, ein sanfter aber treibender Bass und zurückgenommenes aber effektvolles Schlagzeug bestimmen den zweiten Teil, der einen etwas helleren Untergrund für die Gilmour-Gitarre gibt. Einen etwas dunkleren Keyboardteppich erhält Teil 3, über welchen sich dann auch wieder die Gitarren in ihrem unverwechselbaren Klang mit Verzerrung ergießen, um in den energiegeladenen nächsten Part zu laufen, der viele Referenzen an die Division Bell-Phase aufweist, aber durchaus auch ein wenig an z.B. "Run Like Hell" erinnert (ohne dessen Aggressivität zu haben). Dunkle Kirchenorgeln ziehen den Part nun wieder etwas in dunklere Sphären. Hier kann ein Richard Wright noch mal sein volles Können zeigen und vor allem sein Gefühl für große Atmosphären. Angeblich gehen Teile dieses Tracks auf 68er-Sessions zurück, so recht kann ich das in diesem Fall nicht erkennen. Anschließend wird wieder der treibende Sound aufgegriffen, um abschließend in kräftigen Klängen aus Piano, Keyboards und Gitarre zu münden, bei denen dann Mr. Stephen Hawking ein paar Sätze spricht, was den Kreis und die Nähe dieser sehr organischen Suite zu The Division Bell nochmals untermauert.

“Side 4 – Suite 4, Tracks 15 - 18"

Die letzte Suite startet mit flirrenden Sounds und einem schneidendem Cut. Dahinter liegen Wrights sphärischen Keyboardteppiche. Moderne Pink-Floyd-Dramatik, die vom Ansatz irgendwo zwischen The Wall und The Division Bell zu verorten ist. Vergleiche zu den Keyboardpassagen von "Terminal Frost" oder Wrights "Broken China" sind durchaus ebenso auszumachen. Die Stimmung schwankt zwischen dieser dunklen Dramatik und befriedenden Passagen aus Keyboard und Piano, bis sie in einem wunderschönen Gitarrenpart mündet. Dies erinnert mich an "Hey You" oder das wunderbare "Is there anybody out there", nur hier mit wuchtigen Keyboard- und Schlagzeugsounds, die an "Welcome to the machine" erinnern, unterlegt. Der nächste Teil, von perlenden akustischen Gitarren und einer typischen Gilmour-E-Gitarre unterlegt, bewegt sich dann im Division Bell-Umfeld und legt mit seinen Chören und dem dichten Soundteppich ganz großes, aber eben stilvolles Pathos vor. Diese ca. 10 Minuten, in denen die Band nahezu jegliches Register zieht (wie dann auch mit den Glocken und dem Entengequake im Fade-Out), bereiten den perfekten Weg zum Höhepunkt, auf den das ganze Album hinarbeitet: “Louder than Words“, das eben einzige Gesangsstück. Und auch hier bietet die Band noch mal alles, was (zu mindest die Gilmour-)Pink Floyd ausmacht(e): eine stimmungsvolle und geheimnisvolle Ballade, bedeutungsschwanger, mit wunderbaren Keyboardpassagen und perfekt gesetzten Gitarrensolos. “Louder than Words“ ist sicher nicht das beste Pink-Floyd-Stück, es ist noch nicht einmal das beste Stück des Albums, aber es muss sich sicher nicht im Pink-Floyd-Katalog verstecken. Und was das beste ist: endete The Division Bell zwar mit dem starken “High Hopes“, so hinterließ einen dieses jedoch in eher dunkler und trister Stimung. “Louder than Words“ hingegen gibt einer großen und bewegten Karriere nun den gebührenden und vor allem irgendwie versöhnlichen Abschluss.

Mir persönlich hat kein „neues“ Pink-Floyd-Album seit The Final Cut soviel Hörfreude auf Anhieb, aber auch auf Dauer geboten. Bis auf das doch etwas misslungene “Anisina“ kann ich nicht einen schwachen Ton auf dem Album erkennen. Hinzu kommt, dass man auch keinem dieser Stücke dieses „Bemühen unbedingt nach Pink Floyd klingen zu müssen“ anhört. Das war bei A Momentary Lapse of Reason sehr deutlich, bei The Division Bell noch teilweise zu hören. Insgesamt muss man die Phasen ein wenig differenzieren. Für die Einordnung des Albums darf man die Waters-Phase ab Animals bis The Final Cut nicht mit in die Bewertung einbeziehen. Im Kontext der reinen Gilmour-Phase ist The Endless River für mich das stärkste Album. Und in manchen Momenten kann es auch an Wish you were here oder andere Scheiben anknüpfen. Die einzige Frage die sich mir stellt ist, warum sie sich nicht (viel) früher mit diesem Material beschäftigt haben. Es war gut dem Katalog keine weiteren Alben wie Momentary oder Bell hinzuzufügen - aber wenn sich die Band weiter in die Richtung von The Endless River bewegt hätte, hätten sie sogar Ende des letzten Jahrtausends wieder den Zeitgeist getroffen.

Zusätzlich möchte ich noch auf den wirklich vorhandenen großen Richard-Wright-Anteil hinweisen. Lauscht man noch mal The Division Bell und vor allem auch Wrights zweiten und leider letzten Soloalbum Broken China, wird einem erst richtig bewusst wie viel von ihm darin steckt.


Bewertung:

Musik: 7,5
Text(e): 6
Produktion, Klang:10
Cover: 7,5

Gesamt: 15,5


Trackliste:
Things left unsaid
It is what we do
Ebb and flow
Sum
Skins
Unsung
Anisina
The lost art of conversation
On Noodle Street
Night Light
Allons-y 1
Autumn 68
Allons-y 2
Talkin Hawkin
Calling
Eyes to pearls
Surfacing
Louder than words

Wolfgang Kabsch


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