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Ein Blick hinter die Fassade des KISS-Sternenkindes

Es ist erst wenige Monate her, dass das Buch Die Geschichte von KISS - unsere Anfangsjahre von Paul Stanley und Gene Simmons bei uns deutscher Sprache erschien, schon wird für KISS-Fans wieder einmal nachgelegt: Paul Stanley veröffentlicht mit Hinter der Maske seine Autobiografie. Musste er auch wohl dringend, schließlich war er bislang das einzige Originalmitglied von KISS, welches bislang noch keine vorweisen konnte. Und dieses Buch hat zwar sicherlich mit dem oben erwähnten gewisse inhaltliche Schnittmengen, ist aber unterm Strich doch wesentlich lesenswerter, offener und persönlicher als das aus kurzen Statements zusammengeschusterte Anfangsjahre-Buch.

Der Titel der deutschen Übersetzung (Originaltitel: Face The Music) ist rein optisch schon mal Programm: Das Cover zeigt Paul Stanley als Starchild, wie man ihn kennt, beim Umblättern der ersten Umschlagseite sieht man ihn dagegen in gleicher Pose ungeschminkt – eine gute Umsetzung des Buchtitels. Hinter der Maske von Starchild gibt der als Stanley Bert Eisen geborene Paul Stanley dann sein Leben preis und erzählt über seine Jugend, seine eher schwierigen familiären Verhältnisse (mit seltsamen Eltern und noch seltsamerer Schwester), sein körperliches Handicap (ein äußerlich verkümmertes und taubes Ohr) und natürlich über sein Leben mit KISS.

Und während Die Geschichte von KISS – unsere Anfangsjahre irgendwo in den Siebzigern aufhört, kann man bei Hinter der Maske weiterlesen: Viele Geschichten und Anekdoten rund um KISS (z.B. dass er Uriah Heep-Keyboarder Ken Hensley die Freundin ausspannte) und daneben sein Privatleben inklusive Ehe, Kind, Scheidung, neue Aktivitäten in einem Musical und als Maler, schließlich eine neue, glücklichere Ehe mit neuen Kindern. Definitiv kein gutes Haar lässt er dabei an Peter Criss und Ace Frehley; und wie es scheint, werden auch er und Slash oder auch Vinnie Vincent keine guten Freunde mehr werden. Auch zwischen ihm und Gene Simmons verlief nicht immer alles ohne Probleme (vor allem in den Achtzigern), aber wo lief in einer 40jährigen Zusammenarbeit schon immer alles glatt?

Obwohl Paul Stanley mit vielen Leuten mehr oder weniger abrechnet (Peter und Ace wirft er jedenfalls neben mangelndem Engagement vor allem fehlende musikalische Fähigkeiten nach ihrem Wiedereinstieg vor), bleibt er doch immer sachlich und überwiegend fair. Interessant zu lesen ist jedenfalls, wie er unter seiner Ohrbehinderung litt, diese aber mittlerweile für sich angenommen hat. Wie glücklich und schön sein jetziges Leben mit seiner neuen Frau und den drei Kindern ist (Stanley wurde zuletzt noch mal mit 62 Jahren Vater) hört er jedoch nicht auf zu betonen, so dass die Harmonie am Ende des Buches fast aus den Seiten tropft. Aber trotzdem ein schön geschriebenes Buch, dass sich lohnt. Mitautor Tim Mohr wird leider nicht auf dem Umschlag, sondern erstmalig nur kurz ganz hinten im Buch erwähnt – aber irgendwie passt dies auch zu einem Buch eines KISS-Hauptdarstellers. Insgesamt aber ein lesenswertes Buch und sicherlich eine Pflichtlektüre für KISS-Fans!

Jürgen Weber


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