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Blues Pills - die Band der Stunde oder nur ein Hype?

Info

Künstler: Blues Pills

Zeit: 04.10.2014

Ort: Nürnberg - Rockfabrik

Internet:
https://www.facebook.com/vintagecaravan
https://www.facebook.com/BluesPills
http://www.bluespills.com

Die Blues Pills sind die Band der Stunde und werden von diversen Magazinen als die Retro-Blues-Band schlechthin bezeichnet. Vergleiche mit den legendären Fleetwood Mac in der Besetzung um Peter Green werden gestellt und die Bandmitglieder der Blues Pills betonen, dass sie Fleetwood Mac abgöttisch verehren. Die positiven Resonanzen auf die 2014 erschienene CD Blues Pills sowie die massive Unterstützung seitens der Plattenfirma Nuclear Blast haben im Vorfeld bereits bewirkt, dass aufgrund der großen Zuschauernachfrage das Konzert innerhalb der Rockfabrik in die Haupthalle verlegt werden musste. Von daher wundert es mich nicht, dass bereits um 19 Uhr der Innenbereich der Rockfabrik sehr gut gefüllt ist. Auffallend viele junge Fans haben sich an diesem Abend nach Nürnberg begeben, um diese Band zu sehen.

Die erste Vorband bekomme ich leider nicht mehr mit. Der Einlass wurde vom Veranstalter auf 18.30 Uhr vorverlegt. Auf Nachfrage bei anderen Konzertbesuchern bekomme ich zwar mit, dass die Band gut gewesen sein soll, aber den Bandnamen kann mir keiner verraten. Am Merchandise-Stand herrscht dichtes Gedränge. Es gibt von den Blues Pills und The Vintage Caravan tolle Shirts, LPs und CDs zu humanen Preisen und viele Fans decken sich hier ein.

THE VINTAGE CARAVAN legen bereits um 19.15 Uhr wuchtig los und lassen von der ersten Sekunde an deutlich spüren, dass sie heute nicht zum Schaulaufen nach Nürnberg gekommen sind. Mit dem Debüt-Album Voyage im Gepäck lässt der sympathische isländische Dreier bei sehr gutem Sound nichts anbrennen und präsentiert ein fulminantes Stage-Acting, was mich zumindest seitens des Bassisten zeitweise an die Band Raven erinnert. Der Gitarrist erinnert mich optisch ein bisschen an Scott Gorham zu seligen 70er Zeiten. Gesanglich gleicht er jedoch eher Kurt Cobain. Er singt nicht immer perfekt und astrein, spielt jedoch eine saucoole Gitarre und begeistert das Nürnberger Publikum. Die Songs der etwas irren und überaus aufgedrehten Isländer sind teilweise melancholisch-balladesk, dann wieder ruppig und ziemlich schnell. Ich kenne nicht einen Song, finde den Auftritt jedoch total unterhaltsam. Die Songs der Jungspunde sind abwechslungsreich und überaus interessant! Gegen Ende des Sets bekommt das überzeugende Trio großen Applaus des Rofa-Publikums, was die Isländer sehr freut.

Um 20.15 Uhr kommt dann mit den BLUES PILLS die Hauptattraktion des Abends. Vor der Bühne ist es gut voll und das begeisterungsfähige Publikum ist gespannt auf den Auftritt. Ohne Intro und vollkommen unspektakulär kommen die vier Musiker auf die Bühne und nehmen ihre Plätze ein. Mit „High Class Woman“ geht’s los. Sängerin Elin Larsson ist ganz und gar der Mittelpunkt dieser Formation. Sie veredelt mit ihrer ausdrucksstarken Stimme die Songs und verleiht ihnen ein damit ein typisches Erkennungsmerkmal.

Auch bei den Blues Pills passt der Sound im Großen und Ganzen. Allerdings kommt hier die Gitarre von Dorian Sorriaux bei den ersten paar Songs viel zu leise rüber und gerät leider im Vergleich zu Bass und Schlagzeug leicht ins Hintertreffen. Bassist Zack Anderson spielt mit einem uralten Original Gibson Thunderbird-Modell und bewegt sich während des kompletten Konzerts keinen Millimeter von seinem Platz direkt vor seiner Box. Schlagzeuger Andre Kvarnström haut auf die Kessel, dass es eine wahre Freude ist und bildet zusammen mit seinem Tieftöner ein erdbebensicheres Rhythmusfundament. Über all dem thront die Stimme von Elin Larsson. Dabei versprüht sie eine Begeisterung, die man hören und sehen kann. Ansagen gibt es jedoch kaum, sie lassen lediglich die Musik für sich sprechen. Außer der Sängerin spricht keiner der Musiker zum Publikum ein Wort oder zeigt irgendeine Art von Reaktion. Im Prinzip sind die Blues Pills das krasse Gegenstück zur Vorband.


Die Songs kommen live noch besser rüber als auf der CD und verbreiten Gänsehautatmosphäre. Viele Leute im Publikum tanzen zur Musik und lassen sich von der Melancholie und der Wucht der Songs mitreißen. Große Begeisterungsstürme kommen jedoch nicht auf. Dafür ist die Musik zu schwermütig und die Band tut auch fast gar nichts, um Begeisterung zu entfachen. Beim Band-Klassiker „Devil Man“ ist die Stimmung mit am besten. Dieser Song wird sich wahrscheinlich zu einem kleinen Markenzeichen der Gruppe etablieren. Die Zugaben fallen sehr mager aus. Bei einem Song werden sie vom Gitarristen der Band Vintage Caravan unterstützt. „Little Sun“ ist für mich das Highlight des Albums und auch des kompletten Abends - ich find den Song einfach wahnsinnig gut. Nach exakt 75 Minuten verlässt die schwedisch/französisch-amerikanische Formation die Bühne. Die Rockfabrik klatscht brav Beifall und die Musiker verlassen die Bühne ziemlich schnell. Vor allem der Bassist entstöpselt sein Instrument und verlässt ohne Regung oder Gruß ans Publikum die Bühne. Elin Larsson und Dorian Sorriaux schreiben von der Bühne aus Autogramme auf alles, was ihnen von den Fans nach oben gereicht wird.

Es fällt mir sehr schwer, über das Konzert eine Bewertung zu fällen. Spielerisch sind die Blues Pills absolut klasse, da gibt es wirklich nichts auszusetzen. Die Songs kommen live noch intensiver rüber als auf der CD. Auch gesanglich kann die sympathische Elin Larsson die Songs auf der Bühne mühelos reproduzieren und beweist, dass sie eine außergewöhnliche Stimme und Gesangstechnik hat. Allerdings ist mir alles ein bisschen zu sehr auf die Sängerin zugeschnitten und ansonsten viel zu statisch. Bassist Zack Anderson taucht während des Gigs völlig ab und macht leider nach dem Konzert einen unsympathischen, gelangweilten Eindruck. Die Band präsentiert sich nicht als Einheit sondern als Ansammlung von tollen Musikern, die halt zusammen Musik machen. Insgesamt wird die Band ihre Bühnenpräsentation und ihr Auftreten überdenken müssen. Für mich kam während des Gigs keine wirkliche Begeisterung auf - vielleicht war auch die Erwartungshaltung zu groß. Außerdem könnte man doch mindestens 90 Minuten bringen. Selbst Bands wie Uriah Heep oder Nazareth, bei denen die Musiker doppelt so alt sind, kommen locker auf diese Spielzeit.

Setlist Blues Pills:
High Class Woman
Ain't No Change
Astralplane
No Hope Left For Me
Dig In
Devil Man
Elements and Things
Bliss
Black Smoke
Little Sun
The Time Is Now

Stefan Graßl


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